Golf 4 2.8 V6 Kolbenfresser
Hallo Zusammen
Habe einen 2.8L V6 Motor (BDE) eines Golf 4 zerlegt. Hat 150'000 gelaufen, checkheft-gepflegt, verbraucht wenig bis kein Öl und lief bis anhin absolut unauffällig. Habe dann beim Ölwechsel ein paar Spähne im Ölfilterdeckel gefunden. In der Ölwanne allerdings nicht?! Soll jetzt aber nicht das primäre Problem sein, denn mit der abgebauten Ölwanne konnte ich einen Blick auf die Zylinderwände werfen und sah dann die Riefen im zweiten Zylinder woraufhin ich den Motor dann komplett zerlegt habe.
Der zweite Kolben hat nun, wie auf dem Foto ersichtlich, auslassseitig deutlich spürbare Riefen und ist mMn so nicht wiederzuverwenden. Was meint ihr zum Verschleissbild der restlichen Kolben? (sehen alle ähnlich aus)
In der Zylinderwand des zweiten Zylinder sieht man ebenfalls Riefen/Schleifspuren. Fühlt man mit dem flachen Finger spürt man nichts (Zylinderwand ist aalglatt). "Kratzt" man mit dem Fingernagel über die Riefen, sind diese ganz ganz leicht spürbar.
Der Hohnschliff ist im richtigen Licht sichtbar, spürbar allerdings fast nicht. Muss der fühlbar sein?
Wie würdet ihr die Zylinderwände bewerten?
Nun welche Varianten habe ich und was würdet ihr mir empfehlen?
- Gebrauchter Kolben rein und weiterfahren? (Motorüberholung dann erst mit 250'000 oder mehr km machen, bzw wenn er zu viel Öl verbraucht)
- Gebrauchter Kolben rein, 6x neue Kolbenringe und weiterfahren
- Motor nur hohnen, 1 neuer gebrauchter und die 5 alten Kolben rein
- Motor nur hohnen, 6 neue Kolben mit Originalmass
- Motor bohren, hohnen, 6 neue Übermasskolben
Vielen Dank schon im Voraus
15 Antworten
Wenn das alles schon zerlegt ist macht man das richtig.
Sollte aber immer ein Motorenbauer vor Ort begutachten.
Vielleicht reicht auch nur neu Hohnen und neue Kolben.
Ich würde klar die beiden letzten Varianten favorisieren , aber nur in Rücksprache mit dem Motorenbauer der die Arbeit ausführen wird.
Ist die Frage was willst du investieren und wie lange soll er fahren?
Das das bereits jetzt ein wirtschaftlicher Totalschaden wird ist hoffentlich klar?
Hallo
Du hast doch sicher vorher einen Kompressionstest gemacht, was sagt der denn? Wurde der Öldruck getestet? Ich neige dazu nur 6 mal neue Kolbenringe zu spendieren und fertig. Ein Motorenistandsetzer wird dir natürlich immer die sicherste und damit teuerste Variante empfehlen, es sei denn ihr seid befreundet. Stimmt das Spiel zwischen Kolben und Kolbenstangen. Sind die anderen Lager in Ordnung? Ich würde auch versuchen die Herkunft der Späne festzustellen.
Ab sofort dann besonder auf ausreichend und gutes Öl und genau auf dessen Verbtauch achten. Öfter wechseln als vorgeschrieben. Keine Höchstleistung mehr. Bisher ist die Sache ja durch Eigenleistung überschaubar. Neue Kolbenringe wirst du auch selbst einbaauen können.
Theo
"Wenn das alles schon zerlegt ist, macht man das richtig."
Diese Sichtweise teile ich mir dir. Wenn ich mit einem gebrauchten Kolben und evtl. neuen Kolbenringen aber noch 100'000km weit komme, würde ich diese Variante bevorzugen, denn das dauert bei mir 15-20 Jahre XD.
Dass das Auto ein wirtschaftlicher Totalschaden ist, ist mir klar. Habe mir aber in den Kopf gesetzt, dass ich den durchrepariere, bis es keine Tankstellen mehr gibt XD. Denn der ist sonst top in Schuss. Sämtliche Achsteile wurden vor zwei Jahren sandgestrahlt, neu lackiert und mit neuen Lager versehen, Roststellen an der Karosserie ebenfalls eliminiert (natürlich alles in Eigenarbeit). Ich darf also behaupten, dass mein Golf kein cm2 Rost hat und abgesehen vom Motor wie neu da steht.
KW und Pleuellager sehen soweit top aus. Nockenwellen habe ich noch nicht geschaut.
Kann man denn eurer Meinung nach mit dem "angefressenen" Kolben weiterfahren? Schleift der sich nicht in näherer Zukunft noch mehr ein, sodass dann nur noch bohren, hohnen mit Übermasskolben in Frage kommt?
Ich weis zwar wie ein frischer Hohnschliff aussieht, allerdings nicht wie sich das anfühlt? Aalglatt wie bei mir, oder sind die Hohnspuren mit dem Finger stürbar, also leicht rau?
Wenn zweiteres der Fall ist, wäre ja hohnen nicht schlecht. Und wenn der Block eh zum Motorenbauer muss, würde ich gleich aufs Ganze gehen.
Zu den Spänen:
Einen Kompressionstest habe ich dummerweise nicht gemacht 🙁. Öldruck allerdings schon:
Öl ca 90Grad:
1'000 - 2.2bar
2'000 - 3.6bar
3'000 - 5.0bar
5'500 - 6.6bar
Über 7 bar geht der Öldruck nicht, auch bei kaltem Öl nicht. Die Ölpumpe sollte demnach nicht neu, aber noch in Ordnung sein. Allerdings bleiben die Späne, welche ich im Ölfilterdeckel, jedoch nicht in der Ölwanne gefunden habe. Nach mir geht das Öl auf dem Weg Wanne-Filter nur durch die Ölpumpe, was darauf hindeutet, dass die Späne in der Ölpumpe entstehen könnten.
An den Kolben am oberen Rand sind starke Ölkohle-Anhaftungen zu sehen!
FRAGE: Hattest Du, oder ein Vorbesitzer, den Motor mit LongLife-Motoröl betrieben ???
-> In guten Motorölen sind Ölzusätze beigemengt, die Ölkohle-Ausflockungen verhindern. Allerdings OXIDIREN diese mit Öffnen des Ölgebindes, durch Sauerstoff-Zutritt. Solche Motoröle muss man max. alle 15.000 km bzw. einmal im Jahr (alle 12 Monate) deshalb wechseln !!!
Da diese Ölzusätze NICHT über viel mehr als ein Jahr, ihre positiven Eigenschaften ausleben können, sind sie in LongLife-Motorölen NICHT beigemengt!
-> Ich habe an allen meinen Benzinern, immer gutes Motoröl mit solchigen Ölzusätzen verwendet UND zusätzlich Super-Benzin mit mind. 100 Oktan (das ebenfalls Zusätze beigemengt hat, die Ölkohle-Ausflockungen verhindern).
Beim Zerlegen von einem meiner Motoren, waren, selbst nach etwa 20 Jahren, die Brennräume plank und glänzend, ohne jedliche Ölkohle !!!
Ich bin jetzt 75 Jahre alt und hatte zumeist drei PKW, auf Wechselkennzeichen in Österreich, in Betrieb (hier muss man NUR für das teuerste Auto Versicherung und KFZ-Steuer zahlen!).
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Zitat:
@PhantomR28 schrieb am 24. November 2022 um 11:28:31 Uhr:
Habe mir aber in den Kopf gesetzt, dass ich den durchrepariere, bis es keine Tankstellen mehr gibt XD.
Dann ist die Sache doch klar.
Komplette Revision und zwar vernünftig.
Auch mit Eis Strahlen und Ultraschall der Komponenten. Einmalige Chance jetzt den wie Neu wirken zu lassen.
Rat eines Motorenbauers vor Ort einholen wegen den Laufbuchsen, Neue Kolben und Ringe .
Neue Lagerschalen
Na also halt richtig.
Wenn du schon den Rest des Autos richtig ( mit Strahlen und so ) gemacht hast , dann Pfusch nicht am Motor.
Sieht aus wie ein typischer LL Öl Motor mit Kurzstrecke.
Aber mal ne Frage was meinst du mit KW und NW Lager sehen top aus? Redest du jetzt von der Optik oder von der Maßhaltigkeit der Lager? Wenn man es den Lagern optisch ansieht das sie Schrott sind ist meist alles im A….!
Ja, der Motor wurde vom Erstbesitzer 110'000km mit LL bewegt. Die folgenden 30'000km beim Zweitbesitzer als auch die letzten 10'000km bei mir ohne LL. Die Wartungsintervalle liegen alle zwischen 10 und 15'000km und 1-3 Jahren. Ist für meinen Geschmack etwas zu lange. Warte Autos in der Familie und Bekanntschaft immer zwischen 8-10'000km.
Kommt der angefressene Kolben also von den Ölkohleablagerungen? Wenn nicht, welche Gründe kann dies sonst noch haben?
Bei den KW und NW Lager spreche ich von der Optik. Kam noch nicht dazu diese zu vermessen.
Wechselintervall 1-3jahre finde den Fehler. Richtig 2Jahre Maximum!
Dann kommt hinzu das Auto wurde (wahrscheinlich) zu 99% nur Kurzstrecke bewegt sodass das Öl nie richtig heiß wurde, somit Ölverdünnung via Kraftstoffeintrag und das Kondenswasser wurde nicht Verdampft.
Außerdem im LL Öl sind keine Substanzen die die Ablagerungen (z.B. Ölkohle) lösen/verhindern.
Meine Meinung nicht über den Motor schlecht denken aber er hatte doch keine Chance!
Ps.: mich würde es absolut wundern wenn die Lager noch rund sind die sind wahrscheinlich oval. Setz mal bitte ein paar Bilder von den Lagern ein würde mich interessieren ob die auch diese typische LL Verfärbung haben wie der Rest vom Motor
So, habe heute nochmal die Pleuellager begutachtet. Ein bisschen Verschleiss ist zu sehen, habe aber bei 150'000km schon ganz anderes gesehen. Wie sehen solche typischen LL Verfärbung aus?
@Flying Kremser Du fährst also keine Motorenöle, welche die VW LL-Freigaben 504 00/507 00 oder LL-Freigaben anderer Hersteller haben? Nur solche mit 502 00/505 00 Freigaben?
Grundsätzlich bin ich auch für: Wenn denn, dann Richtig....
Baue mir gerade einen Toledo 1M mit dem V5 20V auf. Da will ichs auch richtig machen.
Wenn jedoch wirtschaftlich sein soll, kann man auch so stumpf sein und einen guten gebrauchten Kolben einbauen, wenn die Riefen im Zylinder nicht zu dolle sind.
Ein Kollege von mir, A6 4F 3.0 TDI mit 285.000 km, hatte ein Loch im Kolben durch defekten Injektor.
Hat einfach einen gebrauchten Kolben eingebaut. Fährt perfekt, 0,0 Ölverbrauch.
Hat mittlerweile 330.000 aufm Tacho.
Es führen immer mehrere Wege nach Rom.
Loch im Kolben ist aber was ganz anderes als diese Riefen im Zylinder! Das Loch ist weg wenn man einen anderen Kolben einsetzt, die Riefen bleiben im Zylinder wenn du nen anderen Kolben einsetzt
Zitat:
@PhantomR28 schrieb am 29. November 2022 um 06:36:34 Uhr:
@Flying Kremser Du fährst also keine Motorenöle, welche die VW LL-Freigaben 504 00/507 00 oder LL-Freigaben anderer Hersteller haben? Nur solche mit 502 00/505 00 Freigaben?
-> So ist es !!!
LongLife-Motoröl wurde entwickelt, damit ein Motor-Service-Intervall NUR alle 40.000 km durchgeführt werden konnte, INKLUSIEVE einem Ölwechsel !!!
Für Leute, die alle etwa 4 Jahre, immer auf ein neues Auto umsteigen, ist uninteressant, dass LongLife-Motoröl zu VERSTÄRKTEM Motorverschleiß beiträgt ... (und die Autohersteller wollen auch lieber, neue Autos verkaufen, als dass ihre Produkte mehrere Jahrzehnte lang halten ...)
Ich bin Bastler von Berufung, habe hauptberuflich zumeist als Detailplaner in diversen Architektur-Büros in Österreich gearbeitet, jetzt bin ich 75 Jahre alt. In meiner Jugend bin ich drei Jahre lang Auto-Rallye´s gefahren und habe unterstützt von einem Rallye-Klubkollegen, Sohn eines VW-Werkstatt-Besitzers, der zwei Jahre lang bei Porsche-Salzburg in der Renn- und Rallye-Abteilung Praxis gemacht hatte, einen 1300-er VW-Käfer auffrisiert (dieser Motor war damals auch das Antriebs-Aggregat für einen Formel-V einsitzigen Rennwagen -> Niki Lauda hatte mit so einem Modell seine ersten Rennerfahrungen bei Flugplatz-Rundstreckenrennen in Wien-Aspern gemacht.) Ich habe meinen auffrisierten Käfer-Motor alle etwa 3.500 km zerlegt und Verschleißteile erneuert, im Jahr 1970 zweiundzwanzig mal. Ich konnte Tag und Nacht, jederzeit in der VW-Werkstatt vom Vater meines Rallye-Freundes arbeiten! Mein Beifahrer war ein Berufs-Militarist, der von seiner Dienststelle aus, jederzeit frei bekam; dieser war mit mir, die Tage zusammengezählt, im Jahr 1970 über ein halbes Jahr unterwegs, auch die Rallye-Strecken zu trainieren und wir haben etwa 75% der Strecken, die Fahr-Dynamik für jede einzelne Kurve zu Papier gebracht (in Nähe eines Gewässers konnte die Sicht durch Nebel primär in der Nacht, beeinträchtigt sein -> und es war wichtig, auf der normalen Rallye-Fahrstrecke, die nicht für den normalen Verkehr gesperrt war (wie bei den Sonderprüfungen), KEINE Strafminuten aufgebrummt zu bekommen ...).
Ich hatte unter anderem einen Werbe-Vertrag mit CASTROL und hatte so viel Kontakt mit Technikern der Motoröl-Produktion, mit einem davon verband mich Freundschaft über viele Jahrzehnte ...
Ich hatte über viele Jahre meines Lebens, 3 PKW auf Wechselkennzeichen-Basis in Betrieb (immer nur VW-PKW´s). Ich habe etliche Freundschaften geschlossen mit Auto-Mechanikern, mit eigener kleiner KFZ-Werkstätte, wo ich meine Autos selber reparieren konnte, darunter auch ein Schwager in Kärnten und der Mann einer Studienkollegin in der Nähe von Wien.
Infos zu gutem Motoröl:
https://www.motor-talk.de/.../motoroel-1-6-bfq-t7365819.html?...
Hallo,
der Motor ist kerngesund! Die paar Riefen längsseits des Kolbens sind unschön, aber völlig egal, da sie nicht in den Bereich der Kolbenringe hineinreichen! Einfach ein wenig "beischleifen" und gut soll sein - nichts machen ist auch OK.
Grüsse.
P.S.: Kolbenfresser sehen anders aus!