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Der Bikertreff-Forumstreffen-Blog

Treffen und gemeinsame Ausfahrten des Bikertreff-Forum

10.06.2016 03:19    |    Lewellyn    |    Kommentare (42)    |   Stichworte: 1200, BMW Motorrad, Jakobsweg, Pyrenäen, R

Das Ziel. Kap Finisterre. Das Ende des Jakobsweges & lange Zeit das Ende der Welt.
Das Ziel. Kap Finisterre. Das Ende des Jakobsweges & lange Zeit das Ende der Welt.

Mach ich doch mal den Hape. Dachte ich mir so.

Santiago de Compostella liegt am Ende jenes Gebirgszuges, der als Pyrenäen am Mittelmeer beginnt. Zigtausend Kilometer einsame Kurven in toller Gegend. Könnte man mal hinfahren.

 

Allerdings habe ich leider keine 3 Monate, nicht mal einen, sondern exakt 11 Tage. Für Hin- und Rückweg. Das erfordert akurate Planung und und eine kleine, fahrorientierte Gruppe.

 

Die Planung zog sich über Monate hin, die Routen wurden immer mehr optimiert und jetzt sind sie so weit fertig. Einige Hotels sind vorgebucht. An 3 Tagen sind wir flexibel.

 

Zu dritt geht es auf diese Tour. Das von den drei beteiligten Motorrädern drei BMWs sind, wen wunderts? ;)

Neben meiner R1200ST ist Andreas auf einer K1200RS und der TDIBIKER auf Gudrun, einer R1100RT mit ruhmreicher Vergangenheit (sie war mal Escortgirl des franz. Staatspräsidenten) dabei.

 

Glücklicherweise fährt der TDIBIKER ja mit. Vor allem deshalb, weil er fast schon in den Pyrenäen wohnt und daher die ideale Ausgangsbasis stellt...

 

Also sieht der Plan wie folgt aus:

 

Moppeds auf den Anhänger und an einem Tag runter zum TDIBIKER. 1224km. Ein Weg.

Von dort am nächsten Morgen Richtung Lourdes und die Jungfrau Maria bitten, für trockene Strassen und reichlich Grip zu sorgen. Anschließend noch über den Pyrenäenhauptkamm nach Spanien. Nächster Tag soll in Santander am Golf von Biscaya enden. Von dort geht es in die Picos de Europa unter Mitnahme maximaler Kurvenanzahl. Dann weiter durchs Kantabrische Gebirge zu einem einsamen Hotel an einem einsamen Stausee. Von dort aus ist Santiago de Compostella in lockerer Reichweite. Ziel ist der Sonnenuntergang am Kap Finisterre, dem Ende der Welt. Am nächsten Tag eine Distanzetappe zurück nach Bilbao und von dort aus noch 3 Tage durch die Pyrenäen und Vorgebirge kurven bis wir wieder beim TDIBIKER ankommen. Moppeds aufladen und am frühen nächsten Morgen ab nach Hause.

 

So ist der Plan. Werde hier berichten, ob der Plan funktioniert. Ach ja: Ich bin nicht religiös. ;)

 

Tag 1: Gemeinsamer Start in Duisburg. Reiseroute: Köln - Luxemburg - Nancy - Clermant-Ferrand - Penne (FR)

Aktueller Kilometerstand: 0km. 03:15 Uhr. Herne. Soweit müsste ich alles dabei haben. Auf geht's...:)

Läuft bis jetzt gut. Pause nach 450km am Supermarkt wegen pfandfreie Getränke und so.

18:30 waren wir beim TDIBIKER. Außer einer halben Stunde Stau in Brive La Gallarde eine erstaunlich stressfreie, wenn auch lange.

 

Noch als Nachtrag: Die kleine, weiße Keksdose hat uns mit einem Schnitt von 94km/h und einem Verbrauch von 7,4 Litern Diesel auf 100km komfortabel (Liegeabteil) hierhin gebracht. Da hatte ich mit mehr Verbrauch gerechnet.

 

Tag 2: Lourdes! Geplante Reiseroute: Montauban - Lourdes - Biescas

Aktueller Kilometerstand: 1.252km

Der gestrige Abend war noch hochinteressant. Wir besuchten noch das 24-Stunden Tennisturnier des hiesigen Tennisvereins. Ganz ernst nimmt man das aber nicht. Es spielten Team rosa gegen Team gelb.

Die Wetterapps sind sich uneinig, ob es trocken bleibt. Wir werden sehen. Die Motorräder müssen noch gepackt werden und dann geht es nach dem Frühstück los. Für heute ist kein Hotel gebucht, wir gucken mal, wie weit wir kommen.

 

So, haben ein Hotel gefunden, wenn auch nicht das geplante. Wunderschön gelegen in einem kleinen Dorf in den Bergen. Den Jakobsweg haben wir auch gefunden. Die franz. Pyrenäen waren ab 900m in den Wolken. Kaum über die spanische Grenze riss es auf und es war Sommer. Bilder oben in der Galerie.

Lourdes ist schon extrem in der Kommerzialisierung. Ich habe noch nie so viele Geschäfte auf einem Haufen gesehen, die im Grunde alle das Gleiche verkaufen. Ich hab ja den Vergleich mit einem anderen Marienerscheinungsort, Notre Dame de La Salette. Während man dort tatsächlich zumindest eine besondere Atmosphäre fühlen kann, ist Lourdes Kommerz und Fliessbandabfertigung. Wenn dort wirklich die Jungfrau Maria erschienen wäre, bin ich mir sicher, dass sie DAS nicht beabsichtigt hat.

 

Wie dem auch sei, jetzt ist Urlaubsfeeling. :)

 

Tag 3: Berge und Meer! Geplante Reiseroute: Pamplona - Santander

Aktueller Kilometerstand: 1.646.

Das Abendessen war gut. Wenn ich auch schon in Spanien noch besser gegessen habe. Hotel ist, gemessen an den 45€ fürs Einzelzimmer, sehr gut. Mein Einzelzimmer ist eine Ferienwohnung mit Terrasse. Nach dem Frühstück kommt erstmal eine 120km Schnellstrassenetappe bis hinter Pamplona. Dann biegen wir in die Berge ab und verbringen den Rest des Tages in den Kurven, bis wir am späten Nachmittag den Golf von Biscaya bei Santander erreichen. Wetterprognose könnte kaum besser sein. :)

 

Nach dem etwas kargen Frühstück (knusprig getoastetes Weißbrot mit Marmelade und ein Stück Kuchen) machten wir noch einen Abstecher zu einem alten Kloster, in den Berg gebaut. Sehr beeindruckend. Ein Mix aus breiten Landstraßen und neuen Autobahnabschnitten begleitete uns nach Westen. Der Abstecher in die Sierra de Urbasa entpuppte sich wie erwartet als Volltreffer. Sehr sehr geile Straßenführung und spektakuläre Landschaft. Dass dort Rinder und Kaltblüter quasi frei zusammen Leben, hatte ich nicht erwartet. Gab manchmal eine beschissene Linie. ;)

Nach einer weiteren Autobahnetappe bogen wir dann für die letzten 140km in die Berge ab.

Unzählige Kurven später erreichten wir unser Hotel in Soma, einem Badeort gegenüber von Santander. Teresa, die Chefin hier, spricht fließend Englisch und fährt selbst Motorrad. Sehr angenehmer Abend. Vor dem Essen waren wir natürlich am Strand, der so ein bischen an die holländischen Strände erinnert. Sehr breit, sehr feinsandig und Wellen. Wer mal in die Gegend kommt, "Mies de Villa" ist zum übernachten uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Tag 4: Picos de Europa! Geplante Reiseroute: Kurven ohne Ende in spektakulärer Landschaft!

Aktueller Kilometerstand: 2052km.

Geplant wird das heute das fahrerische Highlight. Wir sind gespannt.

 

Dies war in der Tat einer der aufregendsten Tourtage meines Lebens. Auch wenn nicht alles wie geplant lief. Beim abendlichen Resümee waren wir uns einig, dass es nicht möglich sein wird, diesen Tag auch nur ansatzweise wiedergeben zu können. Zu vielfältig und zu außergewöhnlich die Eindrücke. Die Picos de Europa sind eine unglaubliche Bergwelt mit noch unglaublicheren Straßen. Wer Spaß am Kurven fahren hat, ich bin mir ziemlich sicher, dass es weltweit so eine Kombination aus feinstem und griffigstem Asphalt, atemberaubender Gegend und kühner Straßenführung nicht ein zweites Mal gibt.

 

Weiteres will ich zu diesem Tag gar nicht schreiben. Allein für diesen Tag hat sich die Anreise gelohnt. Bilder dazu gibt es nur wenige hier, die meisten Bilder hat heute die Cannon und nicht das Smartphone gemacht. Unser Hotel ist in Cain de Valdeon. Viel Spaß beim Suchen auf der Karte. ;)

 

Tag 5: Durch die Berge! Geplante Reiseroute: Nach Westen.

Aktueller Kilometerstand: 2355km

Heute geht es einfach auf kurvigen Straßen durch die Berge weiter nach Westen. Die Planung sieht einen entspannten Tourtag vor, mit nur 6 Stunden netto Fahrzeit beinahe ein Pausentag. ;)

 

In der Tat war der 5. Tag ein relativ entspannter Tag. Unglaublich wenig Verkehr, gepaart mit abwechslungsreicher Berglandschaft und in der Regel bestem Asphalt machen das Fahren zum reinen Vergnügen. Lediglich die letzten 50km waren sehr feucht und windig. Aber generell kann man mit Fug und Recht behaupten, dass hier ein echtes Motorradparadies ist. Selbst Südfrankreich fällt da etwas ab, weil die Straßen meist nicht in so gutem Zustand sind und die Fahrgebiete nicht diese Ausdehnung haben. Wir haben es "Sporttourerland" getauft. :cool:

Das Hotel ist von Lage und Service her top. Einziges Manko ist das sehr langsame WLAN. Aber immerhin gibt es hier eins. Empfang hat man nämlich hier nicht. Bilder daher keine.

 

Tag 6: Santiago de Compostella! Geplante Reiseroute: Nach Westen, bis es nicht mehr geht!

Aktueller Kilometerstand: 2.756km.

 

Wie der Tag wird, hängt vom Wetter ab. Die Prognose ist eher schlecht. Hotel ist nicht vorgebucht, so dass wir dabei flexibel sind.

 

Der Tag war dann doch ein Erlebnisreicher. Der Regen wartete freundlicher weise bis wir die Berge verlassen hatten. In Santiago de Compostella war es dann nicht durchgehend nass, so dass wir auch ein bischen herumlaufen konnten. Es war nicht ganz so furchtbar kommerziell wie in Lourdes. Aber wir waren uns einig, dass das Gesamtpaket "Santiago de Compostella" jetzt nicht der Grund sein sollte, den Jakobsweg zu bereisen. Zumindest, wenn man nicht sehr religiös ist.

Gegen 16:30 Uhr hörte der Regen weitgehend auf und ging in kleine Schauer über. Der Plan war nun, zum Kap Finisterre zu fahren und anschließend noch einige Zeit Richtung Bilbao.

Aber, kurz vor dem Ziel gab der Gaszug von Andreas K12 in Vollgasstellung den Betrieb auf.

 

Nachdem wir festgestellt hatten, das niemand von uns einen Repsatz dabei hatte (vergessen, am anderen Motorrad etc.), war etwas Findigkeit gefragt. Auf Nachfrage bei den Einheimischen erfuhren wir, dass es in einem Ort ein paar Kilometer entfernt eine Werkstatt gab. In Spanien hatte die sogar um nach 6 noch auf. Und sie konnte tatsächlich weiterhelfen. Andreas bekam die extrem fummelige Montage tatsächlich auch in Rekordzeit hin, so dass uns das Malheur insgesamt gerade mal 1:10 Stunden gekostet hat. Wir fuhren dann weiter nach Fisterra, machten schon mal ein Hotel klar und dann ging es die letzten Kilometer zum Ziel. Das Wetter hatte auch ein einsehen und lieferte spektakuläre Wolken und Sonnenschein.

 

Ein gutes Gefühl, am Ziel einer so langen Reise zu sein und erheblich beeindruckender als Santiago.

 

Abends gönnten wir uns in einen guten Fischrestaurant auch mal was gutes aus dem Atlantik.

 

Tag 6: Bilbao! Geplante Reiseroute: Auf schnellstem Weg hin.

Aktueller Kilometerstand: 2.967km.

 

Die Wetterprognose ist nicht gut, aber das war sie gestern auch nicht. Da über 600km anstehen, zum Großteil auf der Autobahn, ist das auch relativ egal. Heute geht's nur um Kilometer machen.

 

Die haben wir dann auch gemacht, die Kilometer. Die Autobahnen gähnend leer, das Wetter aprilmässig, war das eigentlich ein guter Tag. Bei 30 Grad und Sonne wäre es härter gewesen, als mit ein paar Schauern und bei ~ 15 Grad. Und es gab ne Menge Landschaft zu gucken. Bilbao ist für einen Abend viel zu groß, aber einen Eindruck haben wir schon gewinnen können.

 

Tag 7: Bierge! Geplante Reiseroute: Raus aus Bilbao und ab in die Berge!

Aktueller Kilometerstand: 3.653km.

 

Die Wetterprognose ist gut, wenn wir rechtzeitig aus Bilbao raus sind, können wir den Schauern davon fahren. Das wird wahrscheinlich wieder ein guter Tag.

 

Wir sind rechtzeitig weg gekommen und es wurde ein guter Tag. :)

Eine Kombination aus Autobahnanteilen und kleinen Kurvenstrassen sorgte für zügiges und doch spannendes voran kommen. Bemerkenswert waren eine Autobahn mit einer Doppelkehre, ein spanischer Pickupfahrer, der mir komplett auf meiner Spur in der Kurve entgegenkam und erst in letzter.Sekunde den Blick nach vorne richtete. Die Ausweichroute ins Gelände war mental schon eingeleitet, musste aber dann doch nicht ausgeführt werden.

 

Dann die Fahrt über die Sierra de Urbasa, mitten durch eine Herde wilder Kaltblüter. Und natürlich das Befahren einer dermaßen kurvigen Straße, dass selbst ich ins Staunen kam. Eine dermaßen schnelle Abfolge von Kurven, bei denen ich mit dem Umwerfen des Moppeds kaum hinterherkam, hab ich wirklich selten erlebt. Zum Schluss haben wir es auf der sehr, sehr kuvigen Anfahrt nach Bierge auf 30 Kilometern noch mal richtig fliegen lassen.

 

In Bierge war dann erstmal Urlaubsfeeling unter spanischer Sonne angesagt. Inklusive Pool und hervorragender Paella. :)

 

Tag 8: Umplanung.

Aktueller Kilometerstand: 4.079km

Eigentlich war heute der Rückweg nach Frankreich geplant. Angesichts der Wetterprognose für die Franz. Seite der Pyrenäen (Dauerregen und Schnee in hohen Lagen) haben wir uns entschieden, einen Tag auf spanischer Seite anzuhängen und die Sierra de Guara mit dem Motorrad zu erkunden. Hier soll die Sonne bei deutlich über 20 Grad scheinen. Gefällt uns besser. ;)

 

So war es dann auch. Wir konnten das schlechte Wetter im Norden sehen, während in der Sierra de Guara die Sonne schien. Hunderte Kilometer Kurvenstrecken in fast unbewohnter Natur, ein Erlebnis in jeder Hinsicht. Zum Abschluss sind wir noch in einen Canyon runtergestiegen und haben etwas mit den Füßen im Wasser geplantscht. Ein schöner Abschluss der Tour in Spanien.

 

Tag 9: Zurück nach Frankreich.

Aktueller Kilometerstand: 4.319km.

Wenn es das Wetter zulässt, flechten wir noch den Col de Tourmalet ein. Der fehlt mir noch in der Pässesammlung.

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23.06.2016 11:23    |    TDIBIKER

Übrigens: Die Sache mit dem hängenden Gaszug auf einer 12er RS, das war gar nicht so ohne...

Als Andreas auf der nassen Schnellstrasse (keine Autobahn) mit Vollgas und einem irren Speed an mir vorbei bretterte

habe ich mich erstmal erschrocken und dachte, was ist denn nun los?

 

Bis man an den Killschalter denkt, vergehen ein paar (Zehntel?) Sekunden...und in ein paar Sekunden ist sie

von 100 auf 200 Km/h...

 

Zum Glück hat Andreas das sauber gemeistert.


23.06.2016 15:27    |    Lewellyn

Da gabs ne menge Stellen, an denen das nicht so glimpflich ausgegangen wäre. Ich war auch etwas irritiert, aber die Strasse gabs ja her, dachte ich mir so...;)


23.09.2020 18:51    |    Ulli73

wie habt Ihr es geschafft , so eine Mammut-Tour mit Motorrädern durchzuhalten, mit nur relativ kurzen Pausen?

Ich selbtst fahre erst seit 2 jahren ein Motorrad, nach 4 Stunden fahren bin ich schon platt. Gut für solch eine Tour durch die Pyrenäen habe ich wahrscheinlich das falsche TÖF, habe Nacked-Bike. Sitzbank eher hart..


Deine Antwort auf "Ich bin dann mal (kurz) weg..."