Zahnriemen - tickende Zeitbombe?

Liebe Freunde,

ich hatte bislang fast ausschließlich nur Autos mit Steuerkettenmotoren. Ich wusste allgemeinhin, dass die Ketten theoretisch "ein Autoleben lang" halten. Sie müssten quasi nur ab und an nachgespannt werden.

Bei Zahnriemen ist es ja so, dass sie gewechselt werden müssen. Reißt ein alter Zahnriemen, droht ein Motorschaden. Irgendwie will in meinem Kopf nicht der Gedanke ruhen, dass so ein kleines Stück Gummigurt den gesamten Motor zerlegen kann, wenn er mal hinüber ist.

Ich habe gelesen, dass ein Zahnriemen aus unterschiedlichen Schichten Metallgitter, Kunststoffen und sonst nicht was für Stoffen besteht. Klang schon robust, aber dennoch, irgendwie komisch das Gefühl.

Frage: kündigt sich das Lebensende eines Zahnriemens irgendwie an? Wird er lauter? Macht er komische Geräusche? Oder reißt er einfach, wenns soweit ist und ich kann meinen Motor in die Tonne kloppen? Klingt schon fast nach einer tickenden Zeitbombe.

Ein Fahrwerk z.B. machts ja auch langsam nach und nach nicht mehr. Da fangen Dinge an zu klackern, zu schlagen oder zu krächzen. Mir fällt ja während der Fahrt nicht die Karosserie auf den Boden. Gruselig vorzustellen, dass der Zahnriemen einfach irgendwann mal Peng macht und over.

Gibt es Zahnriemen, die eine Art "Schutz" eingebaut haben? Eine Komponente, die selbst beim Zahnriemenriss unter Minimallast bis zur Werkstatt fahren lässt? Oder gibt es vielleicht sogar komplett wartungsfreie Zahnriemen?

Zusatzfrage:

Kann man das Leben eines Zahnriemens verlängern? Ich denke, Fahrweise ist einer der Hauptpunkte?

225 Antworten

Zitat:

@Go}][{esZorN schrieb am 22. Oktober 2021 um 10:01:31 Uhr:



Dafür war es halt weggefault.

Klar. Nach 6,7,8 Salzwintern war ein Auto oft im Auflösungsprozess.
Zusammen mit den früher weitaus geringeren Jahresfahrleistungen waren 100.000 km für ein Autoleben gar nicht unüblich (warum hatten die Autos damals nur fünfstellige Kilometerzähler 😉 ).
Auch die Motoren waren dann oft schon zu inkontinenten Ölsäufern mutiert.

Heute ist ein Auto mit diesen Kilometern 5 Jahre alt und überspitzt gesagt gerade gut eingefahren.

Ich wollte das nur auf die "früher war alles viel besser" Phantasie bezogen wissen.
War es nicht.

die riemen werden im normalbetrieb mit der zeit größer. darum wird in abständen die breite geprüft.

Zitat:

@McMulesack91 schrieb am 21. Oktober 2021 um 20:23:17 Uhr:


Okay, ein Zahnriemen MUSS gewechselt werden. Damit muss ich mich anfreunden, bis ein Ultra HighTech Future Zahnriemen auf den Markt kommt, der ewig hält.

Kann ich denn selbst etwas tun, um das Leben des Zahnriemens zu verlängern? Oder anders gefragt: was killt einen Zahnriemen?

Nicht viel hannst Du tun.
Regelmäßig warten lassen.
Die meisten Zahnriemenrisse passieren bei niedriger Drehzahl / beim Startvorgang.
Hohe Drehzahlen zu meiden hilft also nur sehr bedingt.

@Matsches
Es gab mal Zeiten, da hat der Owner für 100.000km eine Silbernadel bekommen. 😁

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@ zephyroth

danke für die Links, sehr interessant. Der Mann scheint wirklich Ahnung zu haben.

Ich sehe das Problem primär bei Motoren die falsches Öl oder zu selten einen Ölwechsel erhalten haben.

Falsches Öl sorgt für einen erhöhten Verschleiß des Material, bis zum vorzeitigen reisen. Bei seltenen Ölwechseln wird der Zahnriemen durch Kraftstoffkondensate ebenfalls angegriffen.
Der Abrieb sollte ja weitgehend im Filter hängen bleiben, wenn der natürlich auch nur selten gewechselt wird macht der irgendwann auf und der Dreck zirkuliert ungehindert im Motor bis er sich mal irgendwo festsetzt.

Der Motor reagiert halt extrem empfindlich auf Wartungsmängel, das ist vor allem für Sparfüchse und Gebrauchtwagenkäufer ein Problem. Kollege von mir hatte auch schon einen Focus und Fiesta mit dem Motor geleast.
Wartung immer in irgendeiner Hinterhofwerkstatt mit falschen Öl. "Mir doch egal 3 Jahre wird der schon halten" war dann immer seine Antwort und hat damit recht behalten. Was danach mit dem Motor passiert war ihm egal.

Stimmt.
Im späten Wirtschaftswunder verschenkten die Hersteller sogar Uhren, wenn einer die 100k (mit dem ersten Motor) knackte.

Zum Riemen im Öl:
Als naiver Mensch gehe ich davon aus, daß das was sich am Riemen über die Kilimeter zwangsläufig abreibt, irgendwo hin muss.
Bei einem trockenen Riemen klebt es als pappige Pampe innen am Plasikgehäuse, im Öl bleibt es....im Öl.

Zitat:

@Turbotobi28 schrieb am 22. Oktober 2021 um 10:31:22 Uhr:


Falsches Öl sorgt für einen erhöhten Verschleiß des Material, bis zum vorzeitigen reisen. Bei seltenen Ölwechseln wird der Zahnriemen durch Kraftstoffkondensate ebenfalls angegriffen.

So ist es. Das Problem sind aber auch die seltenen Ölwechsel. Da rede ich aber nicht von überzogenen Intervallen, sondern von den zu langen Intervallen an sich. Ich schaue inzwischen ziemlich intensiv Youtube-Kanäle, die sich mit Motorenwartung/Instandsetzung beschäftigen. Dazu zählen Motoren Zimmer, Redhead Zylinderkopftechnik, SubiPerformance, The Car Wizard, The Car Care Nut und AutoStrong.

Zitat:

@Turbotobi28 schrieb am 22. Oktober 2021 um 10:31:22 Uhr:


Der Abrieb sollte ja weitgehend im Filter hängen bleiben, wenn der natürlich auch nur selten gewechselt wird macht der irgendwann auf und der Dreck zirkuliert ungehindert im Motor bis er sich mal irgendwo festsetzt.

Und alle, egal ob deutsch, amerikanisch oder Weißrusse, alle bemängeln die langen Ölwechselintervalle. Die meisten empfehlen so um die 10.000km maximal. Trotz Filter sammelt sich eben doch sehr feine Partikel an, die dann wie Schleifpapier zu Verschleiss führen und so auf die Steuerketten gehen.

Zitat:

@Turbotobi28 schrieb am 22. Oktober 2021 um 10:31:22 Uhr:


Der Motor reagiert halt extrem empfindlich auf Wartungsmängel, das ist vor allem für Sparfüchse und Gebrauchtwagenkäufer ein Problem. Kollege von mir hatte auch schon einen Focus und Fiesta mit dem Motor geleast.
Wartung immer in irgendeiner Hinterhofwerkstatt mit falschen Öl. "Mir doch egal 3 Jahre wird der schon halten" war dann immer seine Antwort und hat damit recht behalten. Was danach mit dem Motor passiert war ihm egal.

Und das ist der Grund, warum ich diesmal von einem Gebrauchtwagen abgesehen habe. Selbst wenn er aus einem Leasing stammt (wie mein bescheuerter S-MAX).

Grüße,
Zeph

Ich kenne die Theorie so dass man bei Zahnriemen die im Ölbad laufen ejn spezielles Motoröl mit Additiven braucht damit sich der Riemen nicht auflöst.

Am Anfang dachte ich "Wow, ein ZR der 240.000km hält" aber anscheinend sind die doch empfindlicher als beworben.

Na ja, was auch nicht weiter verwundert. Letztendlich bleibt es ein Riemen mit Kunststoffkomponenten. Im Motor herrscht ein ziemlich feindliches Milieu aus Öl, Kraftstoff- und Verbrennungsrückständen und Temperatur. Da gibt jeder Kunststoff irgendwann mal auf. Und was die Motorenkonstrukteure nicht überprüfen können: Wie verhält sich der Riemen über 10-15 Jahre (was bei einem Kleinwagen durchaus erst weniger als 200.000km entsprechen kann)? Das kann man nicht wirklich testen. Und genau da fallen sie jetzt auf die Nase.

Grüße,
Zeph

Fallen Sie auf die Nase? Oder ist man wieder übervorsichtig?

Zitat:

@andifux schrieb am 22. Oktober 2021 um 11:49:34 Uhr:


Ich kenne die Theorie so dass man bei Zahnriemen die im Ölbad laufen ejn spezielles Motoröl mit Additiven braucht damit sich der Riemen nicht auflöst.

Am Anfang dachte ich "Wow, ein ZR der 240.000km hält" aber anscheinend sind die doch empfindlicher als beworben.

Wow... wie kommt man zu der Antwort? Ja, so bleibt es weiter so. Kein Problem!!!
Conti schrieb ja, Lifetimeriemen, also 300.000km(spezifiziert) ... die Hersteller sind vorsichtiger. Aber der gemeine Forenuser noch mehr... und jetzt ist es ein Problem. Lustig!
Ich habe schon einen von vor 24 Jahren konstruierten Motoren mit Zahnriemen über 150.000km gefahren!! Übrigens so vorgesehen vom Hersteller! Der läuft übrigens trocken. Läuft, war nie Thema. Warum soll das heute nicht besser gehen?

Das mit dem Öl sollte nur Geräusche und Verbrauch senken.
Ich vermute eher, die gute Idee scheiterte an Einsparungen an anderer Stelle.
Ist halt später ein Ford Problem. Mein >150.000km Zahnriemen Motor ist übrigens ein Ford.
Aber da zeigt sich, wie damals VW an PD, Zahnriemen, dann Steuerkette, Anfang DSG gespart hat, sparte Ford mit der Geschichte an anderere Stelle und weiter, zB dass eine Benzinerbaureihe dort heute bei den R4 EB an LSPI leiden.

Zitat:

@Diabolomk schrieb am 22. Oktober 2021 um 12:34:01 Uhr:


Fallen Sie auf die Nase? Oder ist man wieder übervorsichtig?

Wenn sich der Zahnriemen vor seinem geplanten Wechsel dermaßen viel Abrieb erzeugt, dass es Ölbohrungen verlegt, dann nenne ich das auf die Nase fallen.

Dass ein trockener Zahnriemen 150.000km hält sehe ich nicht als besonders an. Der Wechselintervall bei meinem Subaru (Bj. 2006) war bei 105.000km. So wie der Riemen ausgesehen hat, hätte der auch noch länger gehalten. Wenn der Riemen trocken in einer Umhausung läuft, geht es ihm ja recht gut.

Grüße,
Zeph

Zitat:

Kann ich denn selbst etwas tun, um das Leben des Zahnriemens zu verlängern? Oder anders gefragt: was killt einen Zahnriemen?

An der Fahrweise kann man nichts tun.

Bei der Qualität des Riemens kann man was tun.

Gates racing bietet verstärkte Kevlar Zahnriemen für viele Modelle an. Die sind laut Gates 3mal so stabil wie ein normaler Zahnriemen. Bei einen Normalen Strassenfahrzeug dürfte der sehr lange halten.

https://www.arlows.de/.../...-7T-V6-BiTurbo-AZR-ASJ-AGB::6014.html?...

Zitat:

@Maverick1 schrieb am 20. Oktober 2021 um 20:03:21 Uhr:



Zitat:

@tommel1960 schrieb am 20. Oktober 2021 um 18:26:19 Uhr:


Golf 1, 1,6 er Saugdiesel hielt der Riemen 240.000. Gerissen, 3 Ventile krumm. 3 Ventile, 3 Tassenstößel, Kopfdichtungssatz, Zahnriemen/Spannrolle erneuert, und er lief wieder.

Kosten?

War für ein Kumpel. Paar gebrauchte Teile, aus einem Motor, dem das gleiche Schicksal passiert ist. Zahnriemensatz, Kopfdichtungssatz natürlich neu. Also Material ca 100 DM/Euro, plus paar Std Bastelarbeit.

Zitat:

@Diabolomk schrieb am 22. Oktober 2021 um 12:34:01 Uhr:


Fallen Sie auf die Nase? Oder ist man wieder übervorsichtig?

Jedenfalls findet man - in Relation zur gebauten Stückzahl - nicht sooooo viel über massenhaft verreckende FORD Dreizylinder.

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