Zahnriemen - tickende Zeitbombe?

Liebe Freunde,

ich hatte bislang fast ausschließlich nur Autos mit Steuerkettenmotoren. Ich wusste allgemeinhin, dass die Ketten theoretisch "ein Autoleben lang" halten. Sie müssten quasi nur ab und an nachgespannt werden.

Bei Zahnriemen ist es ja so, dass sie gewechselt werden müssen. Reißt ein alter Zahnriemen, droht ein Motorschaden. Irgendwie will in meinem Kopf nicht der Gedanke ruhen, dass so ein kleines Stück Gummigurt den gesamten Motor zerlegen kann, wenn er mal hinüber ist.

Ich habe gelesen, dass ein Zahnriemen aus unterschiedlichen Schichten Metallgitter, Kunststoffen und sonst nicht was für Stoffen besteht. Klang schon robust, aber dennoch, irgendwie komisch das Gefühl.

Frage: kündigt sich das Lebensende eines Zahnriemens irgendwie an? Wird er lauter? Macht er komische Geräusche? Oder reißt er einfach, wenns soweit ist und ich kann meinen Motor in die Tonne kloppen? Klingt schon fast nach einer tickenden Zeitbombe.

Ein Fahrwerk z.B. machts ja auch langsam nach und nach nicht mehr. Da fangen Dinge an zu klackern, zu schlagen oder zu krächzen. Mir fällt ja während der Fahrt nicht die Karosserie auf den Boden. Gruselig vorzustellen, dass der Zahnriemen einfach irgendwann mal Peng macht und over.

Gibt es Zahnriemen, die eine Art "Schutz" eingebaut haben? Eine Komponente, die selbst beim Zahnriemenriss unter Minimallast bis zur Werkstatt fahren lässt? Oder gibt es vielleicht sogar komplett wartungsfreie Zahnriemen?

Zusatzfrage:

Kann man das Leben eines Zahnriemens verlängern? Ich denke, Fahrweise ist einer der Hauptpunkte?

225 Antworten

Zitat:

@Maverick1 schrieb am 20. Oktober 2021 um 17:44:01 Uhr:


Wie auch immer, es gibt verschleißfeste Alternativen zu Steuerketten und Zahnriemen.

Und ja, früher waren die Steuerketten tatsächlich besser, es waren keine billigen Einfachketten, sondern waren mehrreihige Ausführungen.

Aber heutzutage muss ja alles eine begrenzte Lebensdauer haben, Obszoleszenz und so....

Das ist völlig normal das ein Hersteller seine Produkte für eine gewisse Lebensdauer auslegt.

Früher konnte man die Lebensdauer eines Bauteils nur nicht so exakt berechnen wie heute. Motoren werden heute für ~ 200tkm ausgelegt und die Bauteile entsprechend exakt berechnet und produziert.

Nachteil es gibt keinen Spielraum mehr für Produktionsfehler, die schlagen dann sofort auf die Lebensdauer durch. Auch die Nutzung spielt dann eine viel größere Rolle.

200tkm Lebensdauer bei durchschnittlicher Nutzung können halt auch 400tkm und mehr Langstrecke sein.

Wer aber viele Kurzstrecken fährt und entsprechen viele Kaltstarts hat, da kann der Motor oder einzelne Bauteile wie die Kette schon nach 100 oder 120tkm fertig sein.

Okay, ein Zahnriemen MUSS gewechselt werden. Damit muss ich mich anfreunden, bis ein Ultra HighTech Future Zahnriemen auf den Markt kommt, der ewig hält.

Kann ich denn selbst etwas tun, um das Leben des Zahnriemens zu verlängern? Oder anders gefragt: was killt einen Zahnriemen?

1. Ich kann mir vorstellen, dass "gib ihm" Vollgas den Zahnriemen schneller verschleißt, da hohe Zugkräfte wirken. Also gemach? Ich fahre sowieso wie ein Sonntagsfahrer, drehe nicht über 1800 Umdrehungen, beschleunige ruhig. Hilft das? Oder ist die Fahrweise dem Zehnriemen herzlichst egal?

2. Ich kann mir vorstellen, dass ein Zahnriemen bei höheren Drehzahlen höherem Verschleiß ausgesetzt ist. Ich rase nicht. Meine Wohlfühlgeschwindigkeit auf der Autobahn sind 110 Km/h Tempomat. Cruisen also. Dabei bewege ich mich immer im Bereich von etwa 2600 U/min.

Was killt den Zahnriemen noch vorzeitig und im Umkehrschluss, was schont ihn? Mir gehts NICHT darum das vorgeschriebene Intervall zu überziehen. Mir gehts darum INNERHALB des Intervalls sorgenfreier zu leben.

Wenn da 120.000km steht ich aber fahre wie der Teufel persönlich, dann muss ich damit rechnen, dass die Intervallzahl mir auch nicht hilft, wenn nach der Hälfte schon der Riemen Feierabend macht.

Gummi alterrt. Fast unabhängig von der Fahrweise. Und nein, du kannst nicht viel tun. Einfach die Intervalle einhalten, dann lebst du sorgenfrei. Und lass die Finger von Motoren mit Zahnriemen im Öl. Die Zahnriemen verschleißen genauso, nur dass du den Abrieb dann im Öl hast, was zu verstopften Ölleitungen im Motor führen kann. Deswegen hat PSA für seine Puretec-Motoren den Intervall von 180.000km auf 100.000km runtergesetzt.

Eine Kette längt sich übrigens auch. Nur dass es für diese keinen Intervall gibt. Entweder du hast ein gutes Gehör, oder es erwischt dich völlig unerwartet.

Grüße,
Zeph

Ich habe schon öfters von reissenden Zahnriemen beim Anlässen gehört - kann mir auch Tatsache vorstellen, dass das keine unerhebliche Belastung ist.

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Zitat:

@McMulesack91 schrieb am 21. Oktober 2021 um 20:23:17 Uhr:


Okay, ein Zahnriemen MUSS gewechselt werden. Damit muss ich mich anfreunden, bis ein Ultra HighTech Future Zahnriemen auf den Markt kommt, der ewig hält.

Kann ich denn selbst etwas tun, um das Leben des Zahnriemens zu verlängern? Oder anders gefragt: was killt einen Zahnriemen?

1. Ich kann mir vorstellen, dass "gib ihm" Vollgas den Zahnriemen schneller verschleißt, da hohe Zugkräfte wirken. Also gemach? Ich fahre sowieso wie ein Sonntagsfahrer, drehe nicht über 1800 Umdrehungen, beschleunige ruhig. Hilft das? Oder ist die Fahrweise dem Zehnriemen herzlichst egal?

2. Ich kann mir vorstellen, dass ein Zahnriemen bei höheren Drehzahlen höherem Verschleiß ausgesetzt ist. Ich rase nicht. Meine Wohlfühlgeschwindigkeit auf der Autobahn sind 110 Km/h Tempomat. Cruisen also. Dabei bewege ich mich immer im Bereich von etwa 2600 U/min.

Was killt den Zahnriemen noch vorzeitig und im Umkehrschluss, was schont ihn? Mir gehts NICHT darum das vorgeschriebene Intervall zu überziehen. Mir gehts darum INNERHALB des Intervalls sorgenfreier zu leben.

Wenn da 120.000km steht ich aber fahre wie der Teufel persönlich, dann muss ich damit rechnen, dass die Intervallzahl mir auch nicht hilft, wenn nach der Hälfte schon der Riemen Feierabend macht.

Angst frisst Spass am Fahren...

Mach dich frei.

Nicht vom Spass.

e auto kaufen. da ist die zeitbombe dann unterm hintern.😁

Mein Integra hatte auch einen Zahnriemen. Der Motor dreht knappe 9000U/min. Bei diesen Drehzahlen ist ein Zahnriemen wahrscheinlich sogar gescheiter, als eine schwere Kette um die (Zahnrad-)Kurven zu jagen. Über Zahnriemen hab' ich mir noch nie einen Kopp gemacht, es sei denn er läuft im Öl.

Grüße,
Zeph

Ich würde auch vermuten, das starten und ausschalten des Motors große Belastung bedeuten, weil der Riemen halt den Lauf der Kurbelwelle übertragen muss. Das Moment des Anlaufens und des Stoppens dürfte bedeutend sein.

Wie ich darauf komme?
Elektrische Motoren haben auch hohe Anlaufströme, selbst eine Bohrmaschine oder Teichpumpe. Das kann schnell das 6 fache der eigentlichen Nennleistung sein, siehe auch Stromkompressoren zu dem Thema.
Oder das Auto anschieben, wenn es erstmal rollt geht es.

Ebenso kann ich mir abwürgen und hartes, schnelles Schalten nachteilig vorstellen. Der Riemen muss die Drehzahl von der Kurbelwelle mal eben für die Nockenwelle anpassen. Sein Kind auf der Schaukel sanft anschubsen oder in den Rücken boxen...

Wenn man dann noch die rasselnde Kette beim Starten bedenkt. Es ist eine Kette die macht eben Geräusche, dann legt es sich häufig direkt. Der Zahnriemen wird auch "flattern" aber eben lautlos oder so leise, dass man es nicht wahrnimmt.

Hohe Drehzahlen stören einen Zahnriemen nicht so sehr. Es sind auf jede Fall die starken Lastwechsel (also auch das anlassen) das ihn am stärksten Belastet. Gilt natürlich auch für eine Kette.

Warum sollte man sich bei einem im Öl laufenden Zahnriemen mehr sorgen machen als bei einem normalen? Natürlich muss man die Betriebsbedingungen einhalten und dazu gehört da eben ein regelmäßiger Ölwechsel mit dem richtigen!Öl.

Zitat:

e auto kaufen. da ist die zeitbombe dann unterm hintern.😁

du meinst wohl die Batterie? Hat sich inzwischen ja auch schon gezeigt das ein ordentlicher Akku bei guter Behandlung 300tkm und mehr überstehen kann.

Wenn ich sehe was man auf 300tkm alles einsparen kann ( 10-20 Ölwechsel) 1 ooder 2x Zahnriemen oder Kette wechseln. 1x Bremsen rundum ( weniger Verschleiß durch Rekuperation) Luftfilter, Zündkerzen bzw. Einrpitzdüsen, Partikelfilter usw. da ist ein neuer Akku ja fast schon bezahlt 😉

die größten "probleme" bei den steuertrieben sind konstruktive oder materialmängel. bei ketten auch schlechte ölqualität in folge vom fahrprofil oder verschlampten ölwechseln. aber die fahrweise an sich....😉

Zitat:

Wenn ich sehe was man auf 300tkm alles einsparen kann

yep. das sehen viele nicht. aber da gibts einiges was in deutschen köpfen noch passieren muss bevor uns die harte realität einholt, obwohl, letzteres wird sich wohl nicht vermeiden lassen. geht jetzt aber OT.

Zitat:

@slv rider schrieb am 22. Okt. 2021 um 08:44:24 Uhr:


die größten "probleme" bei den steuertrieben sind konstruktive oder materialmängel

Ganz genau! Wenn da nicht auf Kante genäht wurde passt beides. Die Ventile müssen irgendwie angetrieben werden, das hilft nichts. Ein guter Riemen oder eine ordentliche Kette nimmt sich imho nicht viel.
Königswelle? Stell die mal ein mit einem Sortiment von Distanzscheiben.
Stirnrad? Ford hatte mit den Novotex-Rädern durchaus Probleme nach langen Standzeiten. Selbst US-V8 können irgendwann rasseln mit ihrer ganz kurzen Kette, aber ein Ohv ist nicht mehr so ganz zeitgemäß.
GAZ hatte gute und haltbare Stirnräder, dafür ist einem der Rest um die Ohren geflogen.
Ich würde den Motor insgesamt gut warten (lassen). Wenn die Konstruktion was taugt, dann hält er auch. Der Ventiltrieb ist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Ich würde da nicht so viele Gedanken dran verschwenden.

Zitat:

@Maverick1 schrieb am 20. Oktober 2021 um 17:44:01 Uhr:


Wie auch immer, es gibt verschleißfeste Alternativen zu Steuerketten und Zahnriemen.

Und ja, früher waren die Steuerketten tatsächlich besser, es waren keine billigen Einfachketten, sondern waren mehrreihige Ausführungen.

Aber heutzutage muss ja alles eine begrenzte Lebensdauer haben, Obszoleszenz und so....

"Früher" hat es die Gesellschaft auch akzeptiert, daß ein Auto nach 8-10 Jahren und 100.000 - 130.000 km am Ende war.
Hielt es länger, wars gut, wenn nicht wars auch OK, weil "normal".

Zitat:

@Turbotobi28 schrieb am 22. Oktober 2021 um 08:28:34 Uhr:


Warum sollte man sich bei einem im Öl laufenden Zahnriemen mehr sorgen machen als bei einem normalen? Natürlich muss man die Betriebsbedingungen einhalten und dazu gehört da eben ein regelmäßiger Ölwechsel mit dem richtigen!Öl.

Sieh selbst...

https://www.youtube.com/watch?v=69vm_Jmz2rM
https://www.youtube.com/watch?v=mj0JdTkqV4I

Yup, er ist (Weiß-)Russe, nein, man versteht ihn nicht, aber es gibt deutsche Untertitel. Bei beiden Motoren zeigt er den im Öl laufenden Zahnriemen und schau' dir an was da im Ölsieb hängt und wie der Riemen aussieht... Ne, danke sowas brauch' ich echt nicht.

Grüße,
Zeph

Zitat:

@Matsches schrieb am 22. Okt. 2021 um 09:55:57 Uhr:


"Früher" hat es die Gesellschaft auch akzeptiert, daß ein Auto nach 8-10 Jahren und 100.000 - 130.000 km am Ende war.

Dafür war es halt weggefault.

@Zephyroth
Ich habe in meiner Lehre noch gelernt, den Riemen niemals mit Oel in Kontakt kommen zu lassen. Entweder werden die Riemen mittlerweile aus komplett anderem Material hergestellt (so anders sehen die heute gar nicht aus) oder das Oel ist jetzt auch komplett anders (mit Silikon, Hyaluronsäure, Mizellenwasser und Aloe Vera). Ich vermute beides eher nicht. 😉

Ich glaub' schon, dass man den Zahnriemen für Öl haltbar hinbekommt. Was aber bleibt ist der Abrieb. Der ist ganz normal. Nur ist er von einem (Gummi-)Riemen anders als der ganz feine Metallabrieb einer Steuerkette oder von Lagerschalen. Der hat schlicht und einfach im Öl nix zu suchen.

Grüße,
Zeph

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