Seltsames Problem - Öl wird stark aus dem Motor rausgepresst
Hallo liebes BMW-Forum,
ich habe gehört, Ihr sollt die Besten sein, wenn es um technische Probleme geht.
Es handelt sich hier um einen 320 D BMW der Serie E 46. Die Erstzulassung ist von März 2002.
Folgendes Problem:
Wenn der Motor im Stand läuft und der Messstab des Öls rausgenommen wird, dann wird das Öl mit erhöhtem Druck durch das Rohr, in dem der Messstab normalerweise sitzt, rausgepresst. Dabei bildet sich auch verstärkt Rauch am Auspuff.
Jetzt wollte ich euch fragen, welche Ursachen das haben könnte. Und vielleicht weiß der ein oder andere ja wie man das Problem beheben könnte.
Vielen Dank im Voraus für eure Antworten!
Beste Antwort im Thema
Zitat:
Original geschrieben von chrissu
Möglicherweise Turbolader?Mein Turbolader ist vor Kurzem kaputt gegangen.
Ein Automechaniker hat mich dann gefragt, ob ich davor sowas festgestellt habe, was du eben beschreibst.
Mir ist es nicht aufgefallen, aber er meinte wenn man den Ölmesstab rausnimmt und wenn da die Luft mit erföhtem Druck rauskommt ist es ein Zeichen für Probleme mit Turbolader.
Der Mann diagnostiziert ja wie ein Arzt! Verwechselt doch einfach Ursache und Wirkung...
Also, folgendes ist die Kette der Ereignisse:
Der Motor wird angelassen. Verbrennungsgase gelangen an den Kolben vorbei, weil dort immer etwas Undichtigkeit vorhanden ist (blow-by).
Die Gase, bestehend aus Wasserdampf, Ruß und Ölnebel gelangen in das Kurbelwellengehäuse und von dort weiter in Richtung Zylinderkopf.
Die blow-by Gase müssen vom Motor aufgefangen werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Am einfachsten geschieht das, indem die Gase aus dem Kurbelwellengehäuse abgesaugt und der Verbrennung wieder zugeführt werden. Man will außerdem, daß so wenig Öl wie möglich verloren geht, also schickt man die Gase zuerst noch durch einen Ölabscheider, entweder ein Schneckengehäuse (Zyklonabscheider) oder ein paar Filzlappen, an denen der Ölnebel kondensiert.
Bei einem Ottomotor werden die blow-by Gase über einen Schlauch bis zur Drosselklappe geführt; wenn sie geschlossen ist, dann entsteht zwischen der Klappe und den Ventilen ein starker Unterdruck, der außerdem für Bremskraftverstärker und andere, kleinere Unterdruckkonsumenten (Außenklappensteuerung der Lüftung) genutzt wird. Bei einem Diesel gibt es keine Drosselklappe. Diesels (und aufgeladene Ottos) haben eine Unterdruckpumpe für Bremskraftverstärker, VTG- oder blow-off Steuerung der Turbolader und Abgasrückführungsventil (AGR) mittels einer Unterdruckdose und einem Drucksteller. Da diese Systeme nicht verdrecken dürfen, kann mit ihnen kein blow-by abgesaugt werden.
Aus diesem Grund entsteht bei einem Diesel im Motor ein Druck, der mindestens so hoch ist wie der Ladedruck an den Einlaßventilen. Wenn jetzt der Ölabscheider zunehmend verstopft, dann wächst dieser Druck. Abgesehen von Verkrustungen der Einlaßventile ist das an sich noch kein Problem - bis auf folgendes:
Der Lader wird von Öl durchströmt, das über Leitungen von der Ölpumpe gefördert wird, die im Motorinneren verbaut ist. Sagen wir der Einfachheit halber, daß der Druck 5 Bar sei. Der Druck wird immer als Differenz gemessen. Wenn im Motorinneren ein Druck von einem Bar durch den Ladedruck (über die Kurbelwellengehäuseentlüftung) herrscht, dann sind das innerhalb eines Motors immer noch 5 Bar, aber plötzlich 6 Bar gemessen gegenüber der Atmosphäre!!! Wenn der Abscheider verstopft, erhöht sich das Niveau, möglicherweise auf über 10 Bar bei Volllast.
Jetzt muß der Lader den Öldruck ja nicht nur gegen den Atmosphärendruck abdichten, sondern auch gegen die Turbinenseite (einfacher, weil unter Druck) und gegen die Gebläseseite, also atmosphärischer Unterdruck zwischen Luftfilter und Gebläse. Hier sprüht Öl in die Ladeluft, weil die Dichtung langsam versagt. Das Öl ist heiß und tritt als Nebel aus und verschwelt auf heißen Teilen des Laders (die Welle vor allem), und kondensiert zum Teil im Ladeluftkühler, weswegen der ebenfalls völlig versifft.
Das Öl wird zusammen mit dem Zeug, das durch den Abscheider hindurchgelangt ist, vom Motor verbrannt und tritt dann als blauer Rauch wieder aus. Das Öl verbrennt nicht vollständig und bildet Ablagerungen an Einlaß- und Auslaßventilen, Krümmer, Turbine, Kat, Partikelfilter. Die Siffe in der Turbine und im Gebläse des Turboladers führen zu Unwucht und zu unregelmäßiger thermischer Beanspruchung durch die Wärmeisolation des gebildeten Öllacks, und damit auf kurz oder lang zum Ausfall des Laders.
Das wars dann.
Mit etwas Glück fällt der verstopfte Ölabscheider (Kurbelwellengehäuseentlüftung) auf, bevor ein Lader dran glauben muß. Blauer Rauch beim Start oder nach einem Gasstoß ist definitiv NICHT normal und kündigt den Ausfall nur an. So bei mir: Mein Ölabscheider war 360000km drin, bevor er ausgetauscht wurde. Gerade noch rechtzeitig, sonst hätte ich meinen Lader verloren. Jetzt mit 465000km ist er wieder fällig - alle 100000km.
Viele Grüße,
Roman.
28 Antworten
Vielen Dank für die Antwort!
Das Problem wird derzeit untersucht. Ich melde mich, wenn es Neues gibt (dauert voraussichtlich noch etwa bis Ende der Woche).
Bis dann!
Hallo liebe Forenmitglieder!
Also es gibt Neuigkeiten zu der Sache mit dem Öl:
Es hat WUNDERBAR GEKLAPPT!!! Vielen, vielen Dank nochmal allen Beteiligten. Es lag tatsächlich an der Kurbelgehäuseentlüfung (KGE). Ein Austausch hat das Problem beseitigt.
Wünsche euch alles Gute in Zukunft - bye bye.
Hallo Leute, hoffe Ihr könnt mir helfen.
Bin Heute in die Arbeit gefahren ca 20km, wie ich angekommen bin hat es nach verbrannt gerochen und aus dem Motorraum kam rauch, habe den Ölstab raus gezogen und mit hohem Druck spritzte das Öl raus.
Es handelt sich hierbei um einen e46 330i.
Gruß Ender
Zitat:
Original geschrieben von BMWe46330i
Hallo Leute, hoffe Ihr könnt mir helfen.
Bin Heute in die Arbeit gefahren ca 20km, wie ich angekommen bin hat es nach verbrannt gerochen und aus dem Motorraum kam rauch, habe den Ölstab raus gezogen und mit hohem Druck spritzte das Öl raus.
Es handelt sich hierbei um einen e46 330i.Gruß Ender
Selbes Problem, Ölabscheider entweder voll, oder festgefrorener Dampf, also vereist.
SOFORT austauschen. Zum Glück ist das nicht ganz so dringend wie bei einem Diesel wegen dessen Lader.
Viele Grüße,
Roman.
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Zitat:
Original geschrieben von chrissu
Möglicherweise Turbolader?Mein Turbolader ist vor Kurzem kaputt gegangen.
Ein Automechaniker hat mich dann gefragt, ob ich davor sowas festgestellt habe, was du eben beschreibst.
Mir ist es nicht aufgefallen, aber er meinte wenn man den Ölmesstab rausnimmt und wenn da die Luft mit erföhtem Druck rauskommt ist es ein Zeichen für Probleme mit Turbolader.
Der Mann diagnostiziert ja wie ein Arzt! Verwechselt doch einfach Ursache und Wirkung...
Also, folgendes ist die Kette der Ereignisse:
Der Motor wird angelassen. Verbrennungsgase gelangen an den Kolben vorbei, weil dort immer etwas Undichtigkeit vorhanden ist (blow-by).
Die Gase, bestehend aus Wasserdampf, Ruß und Ölnebel gelangen in das Kurbelwellengehäuse und von dort weiter in Richtung Zylinderkopf.
Die blow-by Gase müssen vom Motor aufgefangen werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Am einfachsten geschieht das, indem die Gase aus dem Kurbelwellengehäuse abgesaugt und der Verbrennung wieder zugeführt werden. Man will außerdem, daß so wenig Öl wie möglich verloren geht, also schickt man die Gase zuerst noch durch einen Ölabscheider, entweder ein Schneckengehäuse (Zyklonabscheider) oder ein paar Filzlappen, an denen der Ölnebel kondensiert.
Bei einem Ottomotor werden die blow-by Gase über einen Schlauch bis zur Drosselklappe geführt; wenn sie geschlossen ist, dann entsteht zwischen der Klappe und den Ventilen ein starker Unterdruck, der außerdem für Bremskraftverstärker und andere, kleinere Unterdruckkonsumenten (Außenklappensteuerung der Lüftung) genutzt wird. Bei einem Diesel gibt es keine Drosselklappe. Diesels (und aufgeladene Ottos) haben eine Unterdruckpumpe für Bremskraftverstärker, VTG- oder blow-off Steuerung der Turbolader und Abgasrückführungsventil (AGR) mittels einer Unterdruckdose und einem Drucksteller. Da diese Systeme nicht verdrecken dürfen, kann mit ihnen kein blow-by abgesaugt werden.
Aus diesem Grund entsteht bei einem Diesel im Motor ein Druck, der mindestens so hoch ist wie der Ladedruck an den Einlaßventilen. Wenn jetzt der Ölabscheider zunehmend verstopft, dann wächst dieser Druck. Abgesehen von Verkrustungen der Einlaßventile ist das an sich noch kein Problem - bis auf folgendes:
Der Lader wird von Öl durchströmt, das über Leitungen von der Ölpumpe gefördert wird, die im Motorinneren verbaut ist. Sagen wir der Einfachheit halber, daß der Druck 5 Bar sei. Der Druck wird immer als Differenz gemessen. Wenn im Motorinneren ein Druck von einem Bar durch den Ladedruck (über die Kurbelwellengehäuseentlüftung) herrscht, dann sind das innerhalb eines Motors immer noch 5 Bar, aber plötzlich 6 Bar gemessen gegenüber der Atmosphäre!!! Wenn der Abscheider verstopft, erhöht sich das Niveau, möglicherweise auf über 10 Bar bei Volllast.
Jetzt muß der Lader den Öldruck ja nicht nur gegen den Atmosphärendruck abdichten, sondern auch gegen die Turbinenseite (einfacher, weil unter Druck) und gegen die Gebläseseite, also atmosphärischer Unterdruck zwischen Luftfilter und Gebläse. Hier sprüht Öl in die Ladeluft, weil die Dichtung langsam versagt. Das Öl ist heiß und tritt als Nebel aus und verschwelt auf heißen Teilen des Laders (die Welle vor allem), und kondensiert zum Teil im Ladeluftkühler, weswegen der ebenfalls völlig versifft.
Das Öl wird zusammen mit dem Zeug, das durch den Abscheider hindurchgelangt ist, vom Motor verbrannt und tritt dann als blauer Rauch wieder aus. Das Öl verbrennt nicht vollständig und bildet Ablagerungen an Einlaß- und Auslaßventilen, Krümmer, Turbine, Kat, Partikelfilter. Die Siffe in der Turbine und im Gebläse des Turboladers führen zu Unwucht und zu unregelmäßiger thermischer Beanspruchung durch die Wärmeisolation des gebildeten Öllacks, und damit auf kurz oder lang zum Ausfall des Laders.
Das wars dann.
Mit etwas Glück fällt der verstopfte Ölabscheider (Kurbelwellengehäuseentlüftung) auf, bevor ein Lader dran glauben muß. Blauer Rauch beim Start oder nach einem Gasstoß ist definitiv NICHT normal und kündigt den Ausfall nur an. So bei mir: Mein Ölabscheider war 360000km drin, bevor er ausgetauscht wurde. Gerade noch rechtzeitig, sonst hätte ich meinen Lader verloren. Jetzt mit 465000km ist er wieder fällig - alle 100000km.
Viele Grüße,
Roman.
Danke Roman
was genau muss ich wechseln und wie gefährlich ist es in diesem Zustand weiter zu fahren?
Ich wollte morgen gleich Ölwechsel machen und zum 🙂 fahren.
Als letzes noch, was würde mich der Spaß ca. kosten?
Ich danke Dir im voraus für deine Hilfe
Gruß Ender
Zitat:
Original geschrieben von BMWe46330i
Danke Romanwas genau muss ich wechseln und wie gefährlich ist es in diesem Zustand weiter zu fahren?
Ich wollte morgen gleich Ölwechsel machen und zum 🙂 fahren.
Als letzes noch, was würde mich der Spaß ca. kosten?Ich danke Dir im voraus für deine Hilfe
Gruß Ender
Er hat doch Ölabscheider geschrieben?
Der ist übrigens nur eingefroren, also sollte vorerst eine warme Garage mit anschliessendem Ölwechsel (Mobil 1) helfen.
Es ist sehr gefährlich weiterzufahren. Motorschaden durch Ölmangel und\oder Katschaden zusätzlich durch Öleintritt in Zylinder.
GZ
Nun ja. Hauptsache keine Last, dann müßte das schon klappen. Heißt: Kein Ladedruck, keine Drehzahlen über 1400.
"Nur" eingefrohren ist u.U. eine Fehldiagnose. Ich würd das Ding austauschen. Wenn es einfriert, dann weil sich da Dampf mit Schmodder von Öl und Ruß zu einer Drecksparty trifft. Das muß raus da.
R.
@ Gripzange
Öl hab ich heute gewechselt und das Auto stand in einer Garage, kann ich denn jetzt so weiter fahren oder trotzdem den Ölabscheider wechseln.
Ich hoffe Ihr könnt mir paar Bilder zeigen wie man es austauscht und wo sich der Ölabscheider befindet.
Gruß Ender
Zitat:
Original geschrieben von BMWe46330i
@ Gripzange
Öl hab ich heute gewechselt und das Auto stand in einer Garage, kann ich denn jetzt so weiter fahren oder trotzdem den Ölabscheider wechseln.
Ich hoffe Ihr könnt mir paar Bilder zeigen wie man es austauscht und wo sich der Ölabscheider befindet.
Gruß Ender
Wenn sich kein Öl in den Zylindern befindet (WICHTIG! durch Zündkerzenloch sehen), die Ansaugbrücke frei und der Ölabscheider aufgetaut ist (Öldeckel auf beim Starten, dann merkst Du ob er leicht saugt (gut) oder bläst (schlecht)), kannst Du erst mal weiterfahren und bei Gelegenheit tauschen.
Vorausgesetzt, Dein Motor hat durch den Überdruck keinen weiteren Schaden genommen (KAT - kannst Du aber versuchsweise freifahren, bis alles Öl verbrannt ist - tauschen kann man bei Abgasproblemen dann immer noch, Pleuel, Lager etc.).
Ist echt ein Mist mit den Ölabscheidern.
GZ
Ich hatte es am Montag.
Nachdem die KGE aufgetaut war habe ich ihn 1,5 Std. auf der Autobahn frei gefahren. Das Fahrzeug läuft einwandfrei und der Motor ist wieder trocken. Bei der Inspektion im April werde ich die KGE mal tauschen lassen und die Ventildeckeldichtung gleich mitmachen lassen. Wobei es, wie schon andere berichtet haben, oft nicht bringen soll.
Ist schon echt ne Meisterleistung der Ingenieure.
Also seit gestern und heute hat es nicht mehr geraucht ich hab den motor auch richtig warm werden lassen und bin ca. 100 km gefahren nichts passiert.
Lasse den Ölabscheider trotzdem am Freitag wechseln.
Ich dank Euch für die Hilfe
Gruß Ender
Zitat:
Original geschrieben von draht330d
Nun ja. Hauptsache keine Last, dann müßte das schon klappen. Heißt: Kein Ladedruck, keine Drehzahlen über 1400."Nur" eingefrohren ist u.U. eine Fehldiagnose. Ich würd das Ding austauschen. Wenn es einfriert, dann weil sich da Dampf mit Schmodder von Öl und Ruß zu einer Drecksparty trifft. Das muß raus da.
R.
Ein 330i hat per Definition keinen Ladedruck, das weisst Du aber selber 😉
Ich werde morgen mal auf die AB gehen und mal die Leistung testen entweder geht dabei der Dreck etz raus oder der Motor verabschiedet sich 🙂