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26.03.2009 09:42    |    MOTOR-TALK    |    Kommentare (19)    |   Stichworte: ADAC, Nützliches

Brilliance BS4 auf dem technischen Stand von vor zehn Jahren

 

Nach einem aktuellen ADAC-Crashtest kann man den Brilliance BS4 in puncto Sicherheit nicht brillant nennen. Die Hauptkritik der Tester: Die Fahrgastzelle beim Frontalaufprall mit Tempo 64 km/h droht beim Crash zu kollabieren. Der Mittelklassewagen aus China entspricht etwa dem technischen Stand gegen Ende der 90er Jahre. Nach der neuen EuroNCAP-Norm, die seit Februar 2009 gültig ist, erhält der neue BS4 null Sterne. Der Grund: Das neue Ratingverfah-ren legt strengere Maßstäbe an. Neben der Insassensicherheit, Schutz von Kindern und Fußgängersicherheit, werden jetzt auch Assistenzsysteme in die Wertung aufgenommen und zu einer Gesamtbewertung zusammengefasst. ESP wird daher zur Notwendigkeit. Da dieses oder sonstige aktive Sicher-heitssysteme, die eine Warnfunktion haben, fehlen, bekommt der BS4 im neu-en Testverfahren null Sterne. Im alten Verfahren hätte das Auto drei Sterne bekommen. Gegenüber seinem größeren Bruder, dem BS6, den der ADAC 2007 testete, hat sich der neue Brilliance verbessert. Der BS6 bekam im alten Verfahren schließlich nur einen Stern. Dennoch: Auch im neuesten Crashtest macht der Brilliance seinem Namen wenig Ehre.

 

Das Bodenblech im Fahrerfußraum reißt beim Frontalcrash auf. Die Armatur-tafel dringt in den Innenraum ein. Scharfkantige Blechteile, die sich unterhalb der Armatur befinden, sind nicht abgedeckt oder gepolstert. Somit stellen sie ein hohes Risiko für Knie und Oberschenkel des Fahrers dar. Kupplungs- und Bremspedal werden zu Spießen. Auch das Lenkrad des Chinesen ist eine Gefahr, durch den nicht optimal positionierten Airbag gefährdet es nicht nur den Brustbereich, auch der Fahrerkopf durchschlägt das vermeintlich schüt-zende Polster und trifft auf das Steuerrad. Beim Seitencrash sieht es besser aus: Die stabile Türsäule verhindert ein Eindringen der Stoßbarriere. Der große Seitenairbag schützt Rippen und Kopf recht gut. Der Bauchbereich ist al-lerdings ungeschützt. Dies birgt ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

 

Der ADAC fordert, dass die Fahrgastzelle weiter stabilisiert werden muss. Schwächen zeigen sich hier im Bereich des Schwellers, der A-Säule und des Bodenblechs. Der Knieaufprallbereich muss entschärft werden, der Pedalap-parat darf nicht zur Gefahr werden. Hinweise zur Kindersicherung müssen vorhanden sein, ebenso funktionelle Gurte auf den Rücksitzen. Besonders wichtig ist die Einführung von ESP, um die Gefahr eines Unfalls zu minimie-ren. Der chinesische Hersteller ist mit seinen Qualitätsanforderungen noch nicht ganz auf Augenhöhe mit europäischen Produzenten.

 

 


26.03.2009 10:17    |    jackknife

Gut, das Handling scheint wirklich unausgereift. Aber wenn ich so einen Schwachsinn wie die Euro-Ncap-2009-Kriterien schon höre. Das würde z.B. heissen, dass ein Großteil der Supersportwagen automatisch null Sterne bekäme, weil sie kein ESP (und teilweise nichtmal ABS) haben. Das man in deren Kohlefaser-Monocoques bei einem typischen Unfall oft besser geschützt ist als in gewöhnlichen Fahrzeugen ist dann vollkommen egal.

Genauso würde ein sicheres älteres Fahrzeug null Sterne bekommen, der Mist dient doch mal wieder nur dazu, die Autoverkäufe anzukurbeln weil man wieder Kriterien gefunden hat, an denen man sich aufgeilen kann und die dem uninformierten Käufer werbewirksam mit schönen Täfelchen mit Sternchen drauf präsentiert werden können.

Dabei hat sich ja schon lange rausgestellt, dass diese Optimierung auf einen bestimmten Crash zur Folge hat, dass bei einem leicht anders gearteten Unfall katastrophale Resultate der fall sein können (ein französischer Hersteller gab mal zu, dass bei einer Abweichung von 10° beim Frontalaufprall das Gesamtresultat 2-3 Sterne schlechter ausfallen könnte).

 

Was mich aber am Meisten ankotzt ist der ADAC: Kleinwagen MÜSSEN ESP, ASR, drölftausend Airbags und alles haben, sonst sind sie unsicherer Müll. Ja, klar, darum bin ich sicherlich technisch tot, denn meine Fahrzeuge hatten nie irgendeines dieser Features, nichtmal ABS. Dafür waren sie bezahlbar, und das ist bei aktuellen Kleinwagen nicht mehr der Fall (ein vernünftig konfigurierter und ausgestatteter kostet egal bei welcher Marke mindestens 15.000 Euro).

Gerade in den letzten Jahren ist dieser Verein zu einer derartigen Automobilbranchen-Lobbygruppe geworden, die Wünsche der Kunden (und damit Leser) werden konsequent ignoriert - es würde mich auch nicht wundern, wenn die Ergebnisse der Zuverlässigkeitstests teilweise für bestimmte Marken geschönt werden. In Autovergleichen wird bei einem Wagen ein Kriterium zur Abwertung rangezogen, welches bei einem anderen Modell im selben Test als Pluspunkt gilt, ein Fahrzeug mit besserer Sicherheitsausstattung bekommt eine Abwertung im Gegensatz zu einem anderen Modell, welches man "pushen" möchte (siehe Kleinwagen-Abwrackprämien-Test vor einigen Ausgaben der Motorwelt).

 

Der einzige Beitrag in dem Clubblatt, der mir in den letzten Jahren gut gefiel, war einer über die mangelhaften Sichtverhältnisse der aktuellen Fahrzeuge. Dort wurde z.B. aufgezeigt, dass ein aktuelles Auto verglichen mit seinem Vorgänger von vor 20 Jahren fast 30% des Sichtfeldes nach aussen eingebüsst hatte.

Um die Streben immer stärker zu machen wird die Sicht vernachlässigt - was aber meiner Meinung nach Käse ist. Die gesamte Forschung konzentriert sich darauf, bei einem Unfall die Überlebenschancen zu verbessern - statt den Unfall zu vermeiden. Zu leiden haben darunter die schwächeren Verkehrsteilnehmer, die dann schlichtweg übersehen werden. Fahrschulen nutzen inzwischen bereits Wagen mit eingebauten Parksensoren, weil man anders aus den winzigen Gucklöchern aktueller Autos nach hinten nicht mehr navigieren kann.

 

Meiner Meinung nach sollten schwierigere Führerscheintests eingeführt werden. Inklusive Training auf dem Handlingkurs, fahren ohne jegliche Fahrhilfen (alles elektrische / elektronische kann mal ausfallen) und einer regelmässigen Überprüfung in den ersten 2-3 Jahren. Das würde mehr für die Sicherheit auf der Straße bringen, als die Verbesserung des Crashverhaltens unserer Autos (wobei dies natürlich trotzdem nicht vernachlässigt werden sollte).

Dazu ein Tüv, der sich nicht an optischen Mängeln stört, sondern eher die Dinge bemängelt, die tatsächlich die Fahrsicherheit gefährden (z.B. nicht gesäuberte Führungen der Bremsklötze, da schludern besonders Markenwerkstätten gerne) und das Autofahren würde wieder langsam Spaß machen.

 

Wer jetzt meckert, dass man mit härteren Tests aber mehr Leute von der Mobilität ausschließen würde, dem entgegne ich nur: Gut so!

Es gibt kein Geburtsrecht auf einen Führerschein. Ein Auto ist eine potentielle Waffe, dementsprechend muss ich charakterlich gefestigt genug und physisch und psychisch in der Lage sein, damit verantwortungsvoll und korrekt umzugehen. Wer das nicht packt, der gefährdet nicht nur sich sondern auch andere und gehört darum nicht auf unsere Straßen.

 

 

Was hat das alles jetzt mit dem Brilliance zu tun? Das Fahrzeug ist ehrlich: Es ist billig, und es bietet nur das, was es von den Kosten her auch verspricht. Wer damit nicht klarkommt braucht es nicht zu kaufen. Dennoch ist der Wagen vermutlich sicherer, als ein Großteil der über 8 Jahre alten Autos auf deutschen Straßen - auch weil viele Besitzer am falschen Ende sparen und notwendige Wartungen nicht durchführen.

 

Dass so ein Wagen derart gedisst wird will mir nicht in den Kopf. Ist genau dasselbe wie mit dem Dacia Logan: Es ist ein billiges Auto, für Leute die von einem Wagen das Nötigste erwarten: Ein Dach, 4 Räder und einen Motor - kurz: etwas was mich trocken von a nach b bringt.


26.03.2009 10:29    |    CopCar

jackknife bekommt von mir 5 Sterne.


26.03.2009 10:51    |    Halbgott

Klingt ja allem in allen nicht sooo gut.

Weder der Preis noch Verarbeitung oder gar Sicherheit können überzeugen. Also ein Auto, welches keiner braucht.


26.03.2009 11:33    |    rayvip

Wat die nicht immer alles Kopieren können, zum KOTZEN!

Sieht von vorne aus wie ein 3er und von hinten wie der A4.

 

Aber nur Bleck können die Kopieren von der Technik und Sicherheit sieht man ja haben die keine Ahnung.


26.03.2009 12:21    |    Polo6NFDTCiV

Schon seltsam, das auch die Fahrer beim ADAC verlernt haben, ein Fahrzeug sicher durch die Kurven zu bringen, wird Zeit, das auch die Testfahrer, mal ein Sicherheitstraining, in einem Fahrzeug aus den 60ern oder 70ern absolvieren, wie zB in einem Volvo 164 oder BMW 2500, denn mit denen lässt sich manches üben, was DANK ABS ESP und anderem, oft nur zum Kundenfang nützlich verbaut, nicht mehr zu trainieren ist.


26.03.2009 12:41    |    meehster

Zitat:

Original geschrieben von CopCar

jackknife bekommt von mir 5 Sterne.

Von mir auch.

 

Und: es ist bei mir tatsächlich so, daß ich mich in neueren Autos oft unsicher(er) fühle, allein, weil ich nicht so gut rausgucken kann.

 

Die ganzen Fahrhilfen fördern mMn eher die Inkompetenz der Fahrer.


26.03.2009 12:55    |    Thomas_AudiC4

Ganz meiner Meinung! Je mehr Sicherheitssysteme eingebaut werden, desto weniger ist die Notwendigkeit gegeben, selbst aufpassen zu müssen. Ich glaube, dass durch solche "Innovationen" wie Abstandsregeltempomat denjenigen, die sowieso nicht zum Autofahren geeignet sind, Vorschub geleistet wird. Zahlen kann das ganze doch eh bald keiner mehr.


26.03.2009 13:24    |    Spiralschlauch190

5-Sterne an jackknife auch von mir. Wahre worte.

 

Einen touch Propaganda gegenüber den bösen Rotchinesen kann man ADAC sicherlich unterstellen.

 

Mal sehen wie weit das durch die Presse hochgeschaukelt wird. Gerade von der Bild erwarte ich wieder sehr viel gedruckten dünnpfiff.

 

Im Video wird sogar behauptet, das 3-Sterne drin sind theoretisch. Praktisch durch diese neue Regelung aber nicht.

 

Dem Impreza wurde wegen de ESP auch der 5-Stern abgezogen, also 4-Sterne.

 

Dem BS4 wurden anscheinend alle Sterne abgezogen, weil nur 4 Airbags, ABS und das wars.

 

Was ESP allerdings mit reinen Crashergebnissen zu tun haben soll,ist mir fraglich. Wenn es zum Crash kommt, hat das ESP oder der Fahrer wohl auch versagt. Also irrelevant.

 

In China habe ich den BS4 probegefahren und das Fahrverhalten war Idiotensicher. Wie die ADAC den im Test so verreißen konnte ist mir auch unbegreiflich.

 

@rayvip: Pininfarina das Kopieren zu unterstellen ist nicht angebracht. Der BS4 SOLL auch teilweise dem 3er BMW ähneln. BMW ist Partner von Brilliance.


26.03.2009 13:32    |    jackknife

Bezüglich der 3 Sterne aus dem Video übrigens mal n paar Zahlen zum Nachdenken:

Der Audi A4 B5 war trotz 4 Airbags bis zum Facelift auf B6 (2001) ein 2 1/2-Sterne - Auto. Nach den neuen Kriterien hätte er ebenfalls dank fehlendem ESP Null Sterne.

Der Volvo 850, der n bisschen was aushält ( http://www.youtube.com/watch?v=aN4o8TERuoY ) hat bis auf die strukturelle Integrität in den amerikanischen Crashtests nur Bestnoten bekommen ( http://www.iihs.org/ratings/rating.aspx?id=36 ) - wäre nach dem alten NCAP knapp ein 4-Sterne-Auto gewesen, wurde aber nie danach getestet (weil bereits davor auf den Markt gekommen).

Wäre auch nach der neuen Norm jetzt ein Null-Sterne-Auto, die Traktionskontrolle TRACS dient da nämlich nur als Anfahrhilfe bei schlechten Straßenverhältnissen und schaltet sich aber 30 oder 40 km/h ab.


26.03.2009 14:17    |    CaptainSlow

Zitat:

Genauso würde ein sicheres älteres Fahrzeug null Sterne bekommen

Dann nenne dochmal bitte sichere, älter Fahrzeuge, die nicht von modernen Konstruktionen zusammengefaltet werden. Wenn man sich mal einen Golf III Crash anschaut und einen Golf IV crash zum Vergleich...während der IIIer bei 50km/h total einknickt, bleibt der IVer bei 64km/h noch stabil, oder anders gesagt, beim IVer kommst du bei einem crash mit höherer Geschwindigkeit mit weniger Verletzungen raus, als wenn du einen langsameren crash in einem Golf III hattest. Die Wagen sind heute einfach ne ganze Ecke sicherer als früher, was vor allem auf die Kappe von neuen, hochfesten Stählen und CAD-aided design geht, sowie den Möglichkeiten, die sich heute durch Computerberechnungen und simulationen ergeben.

 

 

Zitat:

Was mich aber am Meisten ankotzt ist der ADAC: Kleinwagen MÜSSEN ESP, ASR, drölftausend Airbags und alles haben, sonst sind sie unsicherer Müll. Ja, klar, darum bin ich sicherlich technisch tot, denn meine Fahrzeuge hatten nie irgendeines dieser Features, nichtmal ABS.

Mag sein, daß deine Fahrzeuge das nie hatten, aber wenn sie es haben, dann sinkt die Chance für dich bei einem PKW Verkehrsunfall zu sterben. Und, ich verstehe es ehrlich gesagt nie so wirklich, warum daran immer rumgemeckert wird. Geld kann man in den meisten Fällen ersetzten, man verzichtet notfalls auf was anderes wie Alufelgen, einem größeren Motor usw., aber mein Leben habe ich nur einmal...wenn das futsch ist, gibts auch kein neues mehr. Und um das zu schützen, verzichte ich gerne auf andere Sachen. Zumal es ja nichtnur um den Eigenschutz geht, sondern auch um den Schutz anderer (Kurve zu flott genommen, ESP Untersteuerschutz verhindert, daß man in den Gegenverkehr rutscht, nur so als Beispiel).

 

 

Zitat:

Es gibt kein Geburtsrecht auf einen Führerschein. Ein Auto ist eine potentielle Waffe, dementsprechend muss ich charakterlich gefestigt genug und physisch und psychisch in der Lage sein, damit verantwortungsvoll und korrekt umzugehen. Wer das nicht packt, der gefährdet nicht nur sich sondern auch andere und gehört darum nicht auf unsere Straßen.

"Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit", das ist aber ein Grundgesetz, und wenn elektronische HElfer in DEINEM Auto die Chance auf MEINE Unversehrtheit erhöhen, dann gehören sie dort rein.

 

Ich finde esi mmer wieder interessant, daß Leute Fahrsicherheitstrainings als Freifahrtschein sehen...dem ist aber einfach nichtso. Ein Kumpel von mir, Testfahrer und Rallyteilnehmer in seiner Jugend kann wirklich autofahren, trotzdem sagt auch er, daß er bei schwierigen Witterungsbedingungen (Regen, Schnee) lieber ESP an Bord hat, denn auch er hatte schonmal Pech und situationen, in denen ihm all sein fahrerisches können nichts gebracht haben. Gegen ein Fahrsicherheitstraining in Verbindung mit dem Führerschein sowie Kontrollen der Fahrtüchtigkeit ab einem bestimmten Alter habe ich nichts....bringt aber einfach mehr, wenn man ESP flächendecken verpflichtend macht. Es ergänzt sich schlicht und ergreifend.


26.03.2009 15:52    |    jackknife

Bei schwierigen Witterungsbedingungen passe ich als erstes meine Geschwindigkeit an. Und wenn das dann bedeutet, dass man mit 30 über die Autobahn zuckelt, weil das Schneetreiben keine vernünftige Sicht zulässt, dann ist das halt so.

 

Wichtig ist aber, dass die Leute lernen OHNE Fahrhilfen die Fahrzeuge zu beherrschen. Denn sonst bauen sie Unfälle in eigentlich unkritischen Situationen wenn diese Hilfen mal ausfallen (und sie WERDEN ausfallen, BMW hatte z.B. mal einen Fehler in den großen Limousinen, bei dem die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung auf der Autobahn plötzlich auf den sehr-leicht-Einparkmodus geschaltet hat).

 

Viele sehen diese Fahrhilfen aber als Freifahrtschein zum riskanten oder leichtsinnigen Fahren, und das darf nicht sein!

 

Mit den Gölfen hast Du gerade ein schlechtes (bzw. für Dein Beispiel gutes) Argument gebracht, der ist nämlich in der Tat nach dem Rückschritt Golf2 (der unsicherer als ein Käfer war) immer sicherer geworden. Andere Hersteller hatten allerdings schon viel früher den Wolfsburgern einiges vorgemacht, besonders Mercedes (bei denen die Innovationen aus der S-Klasse immer eine Generation später in die kleineren Modelle träufelten) und Volvo (die z.B. im 480 schon 1986 hochfesten Stahl in den Längsträgern und armdicke Zusatzverstrebungen in den Türen verbauten, sowie im 850 ab Ende 1994 als erste in einem Volumenmodell serienmässig Seitenairbags hatten!).

 

Je nach Aufprall sind die Wagen übrigens wirklich NICHT sicherer. Crashtests kann man schlecht als Argument heranziehen, da wird auf bestimmte Situationen hin optimiert, die aber in der Realität selten oder nie genau so eintreten. Beispiel: Der Renaul Laguna war ja eins der ersten (oder sogar das erste) Autos mit 5 Sternen nach dem alten NCAP-Crashtest. In den USA gelten aber andere Crashnormen, da wurde er zunächst als nur mittelmässig sicher eingestuft!

Und nach dem neuen Test seit Februar würde er dann wohl auch in der Basisausstattung sternelos dastehen mangels fehlender elektronischer Helfer.

 

Zu deinem: "Aber die Elektronik schützt mich vor Dir"-Argument:

Wenn ich die Elektronik brauche, um Dir auszuweichen, dann hat einer von uns beiden oder wir beide im Vorfeld gepennt. Gegen Rechtsüberholer hilft auch kein ESP, wenn der Fahrer nicht guckt bevor er wieder rüberzieht. Ebenso gegen Radfahrer, die hinter geparkten Autos ankommen, oder Motorradfahrer, die auf der Abbiegespur nach vorne durchziehen. Da hilft nur der Schulterblick, und der bitte mehrmals.

Die Befolgung der Verkehrsregeln bringt mehr als alle elektronischen Helfer. Wo ist denn das Problem irgendwo 50 zu fahren wo 50 verlangt wird, auch außerorts? Was ist so schwer daran zu blinken? Panik dass die Birne sich abnutzen könnte?

Wenn sich die Leute an die Verkehrsregeln halten, dann erledigen sich die meisten Unfallchancen von selbst. Die Unfälle, die dann noch übrigbleiben, wären in den meisten Fällen auch mit elektronischen Helfern unvermeidbar gewesen. Oder aber, die Helfer müssten eine Dimension annehmen, dass sie uns das eigentliche Fahren abnehmen (Abstandsradar, gekoppelt mit einem Tempomat, der über GPS die Position bestimmt und die Maximalgeschwindigkeit reguliert - nur noch lenken darf der Fahrer selbst).

 

Wollen wir das? Dann kann man auch gleich Bus oder Bahn fahren.

Ich fahre Auto, weil mir das Fahren ansich Spaß bringt. Weil es mich entspannt. Ich könnte wunderbar ohne eigenes KFZ leben, aber ich will es nicht. Es ist ein Stück Bequemlichkeit, jederzeit irgendwohin fahren zu können wann man will und wohin man will ohne vorher planen zu müssen. Aber NOTWENDIG ist es für einen ganz großen Teil der Bevölkerung nicht.

 

Für die Zeit, die ich mein Auto bewege, will ich mich nicht von irgendwelchen Bauteilen bevormunden lassen. Mit Elektronik und Computern habe ich den ganzen lieben langen Tag zu tun und kenne etliche Fehlermöglichkeiten, danke nein.

Ich bin dazu ausgebildet worden, ein Auto zu bewegen, und habe damit auch die Verantwortung übernommen, dies mit gebotener Vorsicht zu tun. Und diese Verantwortung nehme ich ernst (wie gesagt: Ein Auto ist eine potentielle Waffe).

 

Wer die Verantwortung für sein Handeln an elektronische Helferlein abgibt und meint, ohne diese ein KFZ nicht bewegen zu können, der ist gerade in unserem dichter werdenden Verkehr meiner Meinung nach nicht dazu geeignet, ein Auto zu bewegen.

 

Wenn Du meinst, dass Du nicht mehr ein Auto/Zweirad in einer Gesellschaft fahren möchtest, in der diese Helferlein nicht zur Pflicht werden, dann tu uns allen bitte einen Gefallen: Verkauf Dein Auto und fahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ist ab und an echt entspannend, hab die letzte längere Zugfahrt wirklich genossen.


26.03.2009 16:54    |    Turniertreiber

jackknife, du sprichst mir mit deinem letzten Beitrag aus der Seele.

 

Das übermäßige Werben der Autoindustrie mit den sogenannten Sicherheitsfaktoren führt meiner Ansicht nach dazu, dass bei den Käufern und Fahrern der "modernen" Autos die Annahme >mir kann ja nichts passieren< zunimmt und dementsprechend auch gefahren wird.

 

Angepasstes, weit vorausschauendes und rücksichtsvolles Fahrverhalten ist aber notwendiger als jedes, als notwendig suggerierte Sicherheitspaket.

 

Während meiner 20-jährigen Tätigkeit bei der Feuerwehr, davon 8 Jahre als Zugführer und EL, habe ich die Erfahrung machen müssen, dass die Unfallverursacher zu 80% das sogenannte "sicherere" Auto hatten und durch Rücksichtsloses Verhalten den Unfall regelrecht provozierten. Leider waren die Unfallgegner mit dem "unsichereren" Auto am stärksten betroffen.

 

Ich habe seit 01/85 meinen FS und bin seitdem zum großteils nachweisbar über 2,5 Mio km gefahren (Berufsfahrer), das jetzige Auto, ein Ford Scorpio Turnier von 03/93, ist das erste mit ABS. ASR, ESP, Airbag, Gurtstraffer oder sonstiges moderne Hilfsmittel Fehlanzeige.

 

Meiner Ansicht nach ist es doch so:

Je mehr Funktionen vorhanden sind, desto mehr kann auch kaputtgehen. Manche Sicherheitseinrichtungen werden jahrelang nie gebraucht, und im entscheidenden Moment versagen sie.


26.03.2009 17:17    |    meehster

Wie schon jemand sehr richtig bemerkt hat:

 

Zitat:

Original geschrieben von Delmenhorster

Computer gehören einfach nicht in Autos...


26.03.2009 18:02    |    Polo6NFDTCiV

Zitat:

Dann nenne dochmal bitte sichere, älter Fahrzeuge, die nicht von modernen Konstruktionen zusammengefaltet werden. Wenn man sich mal einen Golf III Crash anschaut und einen Golf IV crash zum Vergleich...während der IIIer bei 50km/h total einknickt, bleibt der IVer bei 64km/h noch stabil, oder anders gesagt, beim IVer kommst du bei einem crash mit höherer Geschwindigkeit mit weniger Verletzungen raus, als wenn du einen langsameren crash in einem Golf III hattest. Die Wagen sind heute einfach ne ganze Ecke sicherer als früher, was vor allem auf die Kappe von neuen, hochfesten Stählen und CAD-aided design geht, sowie den Möglichkeiten, die sich heute durch Computerberechnungen und simulationen ergeben.

Das weiss eben noch keiner, ob man wirklich ohne Schaden da rauskommt, denn die Kräfte die auf die Insassen einwirken sind völlig anders geworden. Unfalltote werden nur erfasst, wenn innerhalb von 30 Tagen versterben, keiner aber sagt, wie sich die veränderten Belastungen auf das Gehirn, die Nerven oder anderes auswirkt, unverletzt da raus zu kommen, heisst auch nichts, jeder mal in einen Sack geschleudert wurde, weiss wie heiss das Teil ist, und das man erstmal rein gar nichts sehen kann.


26.03.2009 18:05    |    Phaetischist

Erstaunlich ist es immer wieder, wie man versucht ESP etc. zu verteufeln. Ich mein Airbags braucht eigentlich auch keiner, oder? :rolleyes:


26.03.2009 19:09    |    Howie1967

Ich habe noch keine Zähne beim Unfall verloren, möchte ich auch nicht und dabei helfen auch Airbags.

 

Aber noch einmal zu den technischen Helfern.

 

Die größte Sicherheit hat man, wenn die Autofahrer Rücksicht nehmen und vorausschauend fahren und den Witterungsverhätnissen angepasste Fahrweise haben.

 

Ich werde dieses Jahr noch ein Fahrsichercheitstraining absolvieren, um in brenzlichen Situationen einigermaßen vorbereitet zu sein.

 

Aber nochmals: "Abstand halten, Geschwindigkeitsbegrenzung einigermaßen einhalten, Rücksicht nehmen und mit den Fehlern anderer rechnen" das hat mir in den 25 Jahren unfallfreies Fahren geholfen.

 

In diesem Sinne, passt auf euch auf!! ;)


27.03.2009 20:07    |    schipplock

mein ESP sitzt direkt im Lenkrad und wird direkt in meine Haende uebertragen :).

Ich habe keine Servo und ich merke es sofort, wenn die Kiste ausbrechen will. Das spuer ich im Lenkrad, wie jede andere Kleinigkeit auch.

 

Ich will gar keine Servo!


03.04.2009 23:43    |    olli27721

also - natürlich erstmal 5 ***** für jackknife.

 

Und dann:

 

Mein erstes Auto hatte 60 PS, keinen Airbag, kein ESP / ABS / CD / NAVI / Gurtstraffer / Servolenkung / Trommeln hinten / 13 Zöller mit entsprechend kleinen Bremsscheibchen drin und so weiter...........................(Ascona B)

 

Passiert ist mir darin trotzdem nix.

 

Und ich würde mich heute genau so sicher darin fühlen wie in meinem jetzigen Astra H.

 

Böse Zungen schreien natürlich nun Crashverhalten und so - aber ich denke, dass sich die heutige Technik gegen das frühere - pure - Autofahren aufhebt. Da war alles klarer: Übersteuern, Aufschwimmen bei Nässe, usw.

 

Setzt mal heute einen, der auf einem Golf 6 gelernt hat in einen Golf 1 - große Chance, das der aus der nächsten Kurve fliegt.

 

Zu allen kommt noch, dass der ganze elektronische Schmus an Bord den gesparten Spritverbrauch wieder zu Nichte macht. Ein moderner Wagen ohne Schnickschnack wäre heute ein richtiges Sparwunder.


03.04.2009 23:45    |    schipplock

Zitat:

Ein moderner Wagen ohne Schnickschnack wäre heute ein richtiges Sparwunder.

das ist richtig.


Deine Antwort auf "ADAC-Crashtest: Brilliance BS4 Ganz ohne Sternenglanz"