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22.04.2017 15:31    |    martinb71    |    Kommentare (14)    |   Stichworte: Fahrzeugpflege, Produkte

Warum werden keine 2in1 Polituren also Polituren mit Wachs oder Farbpigmenten empfohlen?

 

Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen. Was bedeutet polieren? Polieren ist ein Schleifvorgang um Lackdefekte zu beseitigen und einen spiegelglatten und damit glänzenden Lack zu erreichen. Keine Angst beim normalen Poliervorgang mit der Hand kann man damit nichts kaputt machen, da nur sehr sehr wenig vom Klarlack abgetragen wird. Der Glanz kommt nur von einem nahezu defekt freien Lack.

 

Nun gibt es leider eine ganze Reihe von Produkten Politur und Wachs in einem, diese Kombiprodukte sprechen natürlich gerade den Laien an. Damit könnte man ja einen ganzen Arbeitsgang sparen. :cool: Freude kommt auf und Kratzer sollen die ja auch entfernen. Aber was erreichen diese Produkte? Den Namen Politur haben die strenggenommen nicht verdient. Es ist schlichtweg nicht möglich gleichzeitig den Lack zu schleifen und zu wachsen. Was passiert also mit den leichten Kratzern? Ganz einfach - sie werden zugeschmiert und dadurch der Glanz vorgegaukelt. Das Licht wird an den Stellen nicht mehr durch die harten Kanten der Kratzer gebrochen und man sieht sie erst einmal nicht mehr. Zumindest so lange wie die Füllung nicht ausgewaschen wird und das wird nicht lange dauern.

 

Bei Farbpolituren ist dieser Effekt noch krasser und es verschwinden Steinschläge und Co für 1-3 Waschanlagenbesuche oder 3-4 Regenfahrten. Diese Farbpampe ist des Fähnchenhändlers Liebling und jedes Jahr fallen fallen zig Käufer auf den auch so tollen Glänz herein und erleben ein paar Wochen später das böse Erwachen. Die Leute zahlen für das blenden lassen einen hohen Preis - Reklamation zwecklos.

Aber keine Angst wenn man sich nicht vom Glanz blenden lässt, sieht das geübte Auge die mit der Pampe aufgefüllten Stellen. Im Zweifel fragt den Verkäufer ob ihr mit einem MFT und IPA oder einem APC über eine vermutlich gefüllte Stelle putzen dürft. Wenn der Verkäufer nichts zu verbergen hat wird er es erlauben, wenn nicht lasst die Karre stehen.

 

Da hier im Fahrzeugpflegeforum die Defekte nicht zugedeckt sondern beseitigt werden sollen, gibt es natürlich weiterhin keine Empfehlungen dieser Kombiprodukte. Ich/wir möchten euch die richtige Fahrzeugpflege und Beseitigung von Lackdefekten erklären/näherbringen und das geht nun mal nur durch den Einsatz von richtigen Polituren mit Schleifanteilen. Nur damit können Kratzer bis zu einer bestimmten Tiefe rauspoliert werden. Erst danach erfolgt der Lackschutz durch ein Wachs oder einer Versiegelung.

 

Viel Spaß bei der Fahrzeugpflege :)

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22.04.2017 21:42    |    Multimeter77

Sehe ich zu 100% anders. Fähnchenhändlers Liebling sind professionelle, scharfe Maschinenpolituren. Übrigens nicht nur Fähnchenhändlers liebling, sondern - Leasing sei dank - auch Vertragshändlers Liebling. Da wird von 3 Jahre alten Autos mit 80.000km der Klarlack aufs letzte µ runtergeschrubbt und dann damit geworben, dass man es dem jungen Stern oder premium selection garnicht ansieht, dass er gestern noch von Gebrauchsspuren übersäht war, für die der Leasingnehmer die volle Selbstbeteiligung abgedrückt hat.

 

Wenn man solchen Kriminellen und Ihren Handlangern - den Fahrzeugaufbereitern - das Handwerk legen möchte, sollte man zur Besichtigung lieber nen Lackdickenmesser und Referenzwerte mitnehmen, als irgendwelche Reinigungslösungen.


22.04.2017 22:45    |    martinb71

Hier soll es um Aufklärung der Kombiprodukte gehen. Nicht um eine Kaufberatung - dafür gibt es auf MT ein eigenes Forum. Es geht hier nur um die 2in1 Produkte hauptsächlich um dem Pflegeunerfahrenen klar zu machen, dass damit keine richtige Aufbereitung möglich ist.

 

Aber da du die Aufbereitung der Fähnchenhändler ansprichst und ich es selber bei einigen gesehen habe, wie die Farbpampe hinter dem Verkaufscontainer aufgetragen wurde, mal eine Frage. Worum sollten diese Händler die Arbeitszeit investieren Stundenlang mit der von dir genannten Methode polieren? Es geht doch mit der Farbe locker in 30 Minuten. Selbst ein Durchgang mit einer Antihologramm-Politur dauert länger.

Dieses Blendwerk ist natürlich eine Sauerrei.


23.04.2017 19:06    |    MGi1

Wie sieht es mit solchen Produkten aus, deren Schleifkörnung mit der Zeit kleiner wird und somit immer feiner und feiner?

Ich glaube solche Produkte gibt es auch. Also eine technische Lösung. Anstatt also 3-4 verschiedene Körnungen zu nehmen reichen nur noch 2 oder so - je nachdem wie gut das finish halt sein soll.

Kurz zu mir:

Das ist dein erster Beitrag den ich lese. Habe mich bisher selbst nur auf YouTube über das Thema informiert und plane bald mein erstes Auto selber zu polieren (also nicht nur zu wachsen mit einer 40€ Maschine wie ich das bisher erst 2-3 Mal gemacht habe...).

Werde wohl jetzt mal weiter in deinem Blog lesen ;).

Sowei stimme ich dir zu, dass das mit den Farbpigmenten/Wachs nicht echte Lackkorrektur ist, sondern nur Make-up.


23.04.2017 19:19    |    MGi1

Gerade deinen Artikel vom 8.4 (Handpolitur) gelesen und eigentlich meine Antwort bekommen ;).

Welche Maschine würdest du empfehlen? Low Budget, also bitte keine BigFoot ;).


23.04.2017 19:20    |    martinb71

Hallo MGi1

 

sicher gibt es solche Polituren, aber das ist ein anderes Thema. Mach dazu einfach einen Beitrag im Forum unter Produkte auf, dort bekommst du dazu dann Erklärungen bzw. Hilfe von mir und vielen anderen Usern.


23.04.2017 19:20    |    cleanfreak1

@MGi1,

 

zu deine Frage, erstelle doch im Forum einen eigenen Beitrag und dann können wir dir auch gezielt helfen.


23.04.2017 19:34    |    MGi1

Hi,

bin grad hier dran: "Brauchen wir eine einfachere Hilfestellung für Neueinsteiger in der Fahrzeugpflege?" auf Seite 2 und hab glaube verstanden, dass dieser Blog die Ablage darstellt für das neue Werk?!

 

Bin auf jeden Fall gespannt...

Ich les erst mal mehr, bevor ich noch einen Beitrag erstell ;)

Danke euch für euer Engagement.


24.04.2017 08:51    |    HL66

Zitat:

Übrigens nicht nur Fähnchenhändlers liebling, sondern - Leasing sei dank - auch Vertragshändlers Liebling. Da wird von 3 Jahre alten Autos mit 80.000km der Klarlack aufs letzte µ runtergeschrubbt und dann damit geworben, dass man es dem jungen Stern oder premium selection garnicht ansieht, dass er gestern noch von Gebrauchsspuren übersäht war, für die der Leasingnehmer die volle Selbstbeteiligung abgedrückt hat.

Das sehe ich nochmal anders...es wird weniger poliert sondern neu lackiert.. insbesondere Rückgabe von FIrmenleasing werden die Fzg äußerst penibel bewertet...es ist an der Tagesordnung daß die ganze Fahrzeugfront lackiert wird, jede Delle und Kratzer behoben wird...das Auto sieht danach wirklich aus wie neu....auch fast jede Abnutzung im Innenraum wird behoben

Und jetzt kommts: Da wird dem Leasignehmer in Rechnung gestellt.... und der reicht es einfach an die Vollkasko weiter...so wird eine nahezu neuwertiges Auto für den hochpreisigen Weiterverkauf produziert, die WS verdient dabei doppelt auch noch an der Reperatur.... der Rauskauf von Leasingfahrzeugen durch den Leasingnehmer wird in den meisten Fällen heute verweigert, denn da wäre der Restwert fällig und nicht der Gebrauchtwagenpreis.....das ist eine Sauerei die dringend abgestellt werden sollte, die Versicherungen kann man sich privat bald nicht mehr leisten... aber die ganze Gesellschaft lässt sich von der Auto Branche auf der Nase rumtanzen. Der Wahn mit dem Leasing nimmt so langsam eh extreme Formen an, jede Putzfrau und jeder Sachbearbeitrer bekommt einen DIenstwagen der auch privat genutzt wird.


24.04.2017 19:03    |    MGi1

Das spielt hier aber keine Rolle.

Wenn jemand neu lackiert, dann eben wegen echt tiefen Kratzern oder STEINSCHLÄGEN. Die kann man nicht rauspolieren. Und zeig mir mal ein Leasingauto das kein Steinschlag hat (außer die schlauen Besitzer die sich eine Folie montiert haben). Klar wird da viel nachlackiert.

Hier geht es aber um was anderes. Und zwar um die Frage wie XY (schnell) ein Auto poliert.


25.04.2017 12:11    |    Italo001

Was ist denn schlechtes daran Lackkratzer mit Pigmenten zu überdecken? Ein Rauspolieren bedeutet auch das die Lackschicht abgetragen wird und dünner wird. Und wenn das 3-4 Autowäschen hält, ist für mich auch ok. Für mich ist ein Auto ein Gebrauchsgegenstand, ein Arbeits- und Lastentier.


25.04.2017 15:12    |    primeTT

Da ich selbst in der Autoaufbereitung tätig war/bin im gehobeneren Bereich was Autos und die Bearbeitung angeht, kann ich dem Blogersteller nur zustimmen. Hatte schon einige Fälle auf dem Hof, wo die Kunden bis zu 150€ für die Kaschierungspampe auf den Tisch gelegt haben und nach einem Monat furchtbar unglücklich waren. Die ehrlichen Aufbereiter stehen hier vor zwei Problemen:

a) dem ohnehin frustierten Kunden zu erzählen, warum ihn die professionelle Arbeit mindestens das Doppelte kostet

b) dem Kunden die Unterschiede bei den Verfahren zu erklären und sein Vertrauen in die Aufbereiter zurückzugewinnen, das dank der 100€ ebay Kleinanzeigen-Annoncen der Fähnchenhändler erschüttert wurde.

 

Von daher würde ich den sinnvollen Rat vom Blogeintrag insofern ausbauen wollen, dass ich nicht nur von den Kombiprodukten abrate (den technischen Hintergrund könnt ihr oben schön nachlesen), sondern auch von den Fähnchenhändlern. Eine Aufbereitung samt Versiegelung kann keine 100€ kosten! Da fließen je nach Auto und Lackzustand im besten Fall 10h (sehr gut erhaltener Lack und wenig Defekte) bis zu 30 oder 40h Arbeitszeit rein, rechnet alleine das mal bitte als reiner Arbeitslohn. Dazu kommt Material (gerade hochwertigere Versiegelungen wie ein CQUK, exo kosten einiges), dazu Politur, Maschinenverschleiß, Tücher, Pads. Beim Profi Fixkosten wie Strom, Hallenbetrieb, Miete und und und...

Die Fähnchenaufbereitung kann man auch zuhause machen, wer Wert auf ordentliche Arbeit und anständige Defektbeseitigung legt, geht bitte zum Fachmann.

 

@etwina: Von scharfen Polituren nehmen die Billiganbieter meist Abstand - die machen unter falscher Anwendung Hologramme in den Lack, die jeder Blinde sieht (aber ja, die gibt es vereinzelt auch - hatte auch schon Autos mit Hologrammen übersäht hier stehen).. Pauschal kann man das nie sagen, außer dass sie keine fachgerechte Lackaufbereitung machen - wie auch, für den Preis.

 

Zum Lackabtrag: Mit einer groben Politur und den Cutting Discs (Microfaser-Pads mit hohem Cut) auf einer Excenter lag der Lackabtrag bei mir bei 2 Durchgängen à 6 Kreuzgängen mit ca. 95%iger Defektbeseitigung bei rund 3µ - vertretbar bei 90-150µ Lackdicke, bei nachlackierten Teilen sind es oft 250-300µ. Natürlich hängt viel von der Beschaffenheit (Acryl/Wasserbasis) und Härte des Lackes ab: Während bei einem knüppelharten (uni)VAG oder Mercedes-Lack nicht viel schiefgehen kann, muss man bei Franzosen schon etwas mehr Acht geben, hier kann deutlich mehr Lack abetragen werden. Aber von "Einmal mit harter Politur den ganzen Klarlack zerstören" ist der Fachmann bei vernünftiger Arbeit also weit entfernt. ;)


25.04.2017 20:22    |    MGi1

Danke für die weiteren Infos. Interessant.

Welche Cutting Pads kannst du empfehlen, die es für jeden zum kaufen gibt?


26.04.2017 13:41    |    primeTT

@MGi1: Klar, die hier benutze ich unter anderem... https://www.autopflege24.net/...iber-cutting-pad-5-140mm-2er-pack.html

Falls der Link hier rausfliegt: Meguiars Microfiber Cutting Pad 5"

Gibt es mittlerweile auch von Lake Country (ebenfalls positive Erfahrung gemacht) und von Dodo Juice (keine Erfahrung). Die haben schon einen verhältnismäßig guten Cut auf einer Excenter, allerdings sollte man nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, soll heißen: Bevor man (als Tipp an die Hobbyaufbereiter) zu solchen stark abrasiven Pads und Polituren greift, besser an der Technik arbeiten und üben. Für einige Defekte braucht man derart schwere Geschütze - es gibt aber viele, die einmal mit einem mittelharten Pad und einer 2500er Menzerna über die Haube flitzen und enttäuscht sind, dass nicht alles auf Anhieb raus ist. Technik ist das A und O, deshalb rate ich einem Interessierten, der in die Pflege einsteigen will, einen Kurs zu machen. Klar kriegt man mit den scharfen Sachen mit weniger Aufwand mehr beseitigt, ist aber nicht immer nötig. Man gewöhnt sich so schnell einen unsauberen Polierstil an.

Ich vergleiche das immer gern mit Fahrten auf der Nordschleife: Wenn du deine ersten Runden in einem AMG absolvierst, bist du einigermaßen schnell unterwegs und hängst ein paar ab, weil du auf der Geraden deine PS ausspielen kannst. Du fährst einigermaßen flotte Zeiten aufgrund der Leistung, nicht des Talents. Fang lieber mit einem Golf/Seat/3er BMW an ohne viel PS und lern sauber fahren. Genau das gleiche beim Polieren: Technik kennenlernen und beherrschen, dann kann man sich steigern. Nicht gleich zum dicksten Prügel im Regal greifen weil es schnell geht ;)


15.08.2018 13:51    |    Trackback

Kommentiert auf: Außen- & Lackpflege:

 

Flecken nach Waschen

 

[...] ganzen Spiegelungen zu machen - zur Not das Auto in den Schatten fahren.

 

Hier habe ich schon mal einen Blog-Artikel für dich zu der von dir benutzen Füllpampe, die nichts mit polieren zu tun hat.

[...]

 

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