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Der Kei-Car Blog

Warum diese Fahrzeugklasse in Europa zu Unrecht unterschätzt wird und welche Vorteile Beschränkungen bei Motorisierung und Abmessungen haben könnte !

09.10.2008 22:27    |    25plus    |    Kommentare (6)    |   Stichworte: Crashtest, NCAP, Sicherheit

Viele Mitbürger sprechen beim Cuore (den ich jetzt einfach als Beispiel heranziehe, weil es japanische als auch europäische Crashtestergebnisse gibt) von einer "Todesfalle", in die man niemals einsteigen und schon garnicht am Straßenverkehr teilnehmen würde. Sind diese Bedenken gerechtfertigt ?

Der Artikel wird auf jeden Fall zeigen, dass sich in den letzten Jahren auch bei den kleinsten Autos viel getan hat und sie großen Limousinen beim Insassenschutz kaum nachstehen.

 

Sicherheitsausstattung :

 

Beim Cuore gehören Front- Seiten- und Knieairbag in Deutschland inzwischen zur Serienausstattung, auch im günstigsten Modell. Kopfairbags gibt es gegen Aufpreis.

Eine Sicherheitsfahrgastzelle mit Seitenaufprallschutz hat natürlich jeder Cuore, auch schon das Vorgängermodell.

Das Rückhaltesystem für die Pedale im Fußraum und die Sicherheitslenksäule runden die passive Sicherheitsaustattung ab.

 

Damit erreicht der Cuore 4 Sterne im NCAP-Crashtest, natürlich ist das nicht wirklich gut im Vergleich mit manch anderem Mitbewerber, aber es wurde auch ein Modell mit nur zwei Airbags getestet, wie man es in Deutschland überhaupt nicht bestellen kann.

Außerdem wurde der Wagen nicht speziell für den NCAP-Crashtest entwickelt, was europäischen Herstellern ja oft vorgeworfen wird.

Das japanische Modell, der Mira, schneidet im NASVA Crashtest (der ebenso hohe Anforderungen stellt wie der NCAP) übrigens "besser" ab (mehr Punkte) als der Golf V, der dort scheinbar als Rechtslenker einen Nachteil hat.

Natürlich ist der Golf sicherer wenn man beide Fahrzeuge frontal gegeneinander fahren würde.

Das liegt eben am höheren Gewicht des Golf, das kann kein leichteres Auto ausgleichen, egal wie viele Sterne es vorher gesammelt hat.

 

Ein Wagen, der als Rechtslenker konzipiert wurde und darüber hinaus für einen anderen Crashtest, aber trotzdem 4 Sterne beim NCAP erreicht, kann aber kaum als "Todesfalle" bezeichnet werden. Vielmehr kann man sich in diesem Wagen rundum sicher fühlen, solange man nicht ständig Angst hat mit einem schwereren Fahrzeug frontal zu kollidieren.

Wie in einem anderen Thread schon gesagt wurde: Dann müsste man alle Fahrzeuge verbieten, die kleiner sind als ein 40-Tonner !

 

Für die aktive Sicherheit sorgt ABS mit Bremskraftverteilung und Bremsassistent, seit Januar 2004 serienmäßig in jedem Cuore. Inzwischen gibt es natürlich auch ESP, allerdings nur beim Topmodell gegen Aufpreis.

 

Interessant ist auch das Ergebnis des Autositztest 2008. Von 40 getesteten Sitzen in der Klasse der Kleinwagen waren nur 3 Stück "gut" beim Heckaufprall. Darunter auch der serienmäßige Sitz des Cuore. Auch das Vorgängermodell hatte schon einen weitaus sichereren Sitz als die meisten Mitbewerber und das Gesamturteil "gut".

 

Ich habe schon mehrere schwere Unfälle mit dem Vorgängermodell gesehen, Einschläge in die Leitplanke mit 100 km/h (natürlich nicht frontal), mehrfache Überschläge, ausgelöste Airbags - die Fahrer waren zumindest nach den mir bekannten Unfällen so gut wie unverletzt.

Der kleine Wagen kommt mit seiner eigenen Energie eben gut zurecht, die A-Säulen sind stabil, der Seitenaufprallschutz (der Cuore mit mehrfachem Überschlag wurde von der Straße gerammt) ist wirksam.

 

Hier gibt es noch viele weitere Ergebnisse von Kei-Cars, einige schneiden noch deutlich besser ab als der Mira (bzw. Cuore).

 

Die europäischen Auslöser der Vorurteile ?

 

Solche Ergebnisse gehören, egal ob in Japan oder Europa, der Vergangenheit an !

Solche Bilder, genauso wie diese (kein Kei-Car !), setzen sich aber in den Köpfen der Leute fest.

Darum ist es sehr schwer in solch kleinen Autos das Gefühl einer gewissen minimalen Sicherheit zu vermitteln, die jeder natürlich voraussetzt. Smart schafft dies wohl mit einem Mercedes-Bonus, dabei war der alte Smart auch nicht gerade sicher.

Und trotzdem würden sich wahrscheinlich deutlich weniger Personen sträuben mit dem Smart eine Runde zu drehen.

 

Mein Fazit:

 

Natürlich bei einem Frontalzusammenstoß nicht so sicher wie schwerere Autos mit ähnlichem NCAP-Ergebnis, reicht mir die Sicherheit in einer Kei-Car Karosserie locker aus. Solange ich einen Unfall mit einem festen Hindernis habe bietet mir die Sicherheitsfahrgastzelle ausreichend Schutz, es muss ja auch nur eine deutlich kleinere Energie absorbiert werden. Auch beim Überschlag und Seitenaufprall bietet so ein moderner Wagen ausreichend Schutz.

 

Gerade wenn Fahrer älterer Autos dem Cuore die Sicherheit absprechen wollen, finde ich das erschreckend.

Denn vor der Jahrtausendwende sah es bei den deutschen Autos noch aus wie heute bei den Chinesen, kaum 10 Jahre liegen solche Ergebnisse zurück und sind markenübergreifend.

Oft genug sieht man die Ergebnisse von Unfällen mit solchen Autos, von modernen Kleinwagen mit ihrem hohen Gewicht und deren stabilen Fahrgastzellen werden sie geradezu zerrissen, an Bäumen kollabieren sie und bieten den Insassen kaum Überlebensraum.

Aber auch hier spielt die Psychologie wohl eine große Rolle: Dickes Blech, dicke Türen und eine lange Motorhaube geben ein Gefühl von Sicherheit.

 

Kommentare sind natürlich auch hier erwünscht !

Kleine Außenmaße und hohes Sicherheitsniveau schließen sich nicht aus, vielmehr ist das hohe Gewicht der restlichen Verkehrsteilnehmer ein Problem für Kei-Cars. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.


09.10.2008 23:17    |    meehster

Das niedrige Gewicht kommt allerdings der Unfallvermeidung zugute.

Wenn ich ehrlich bin: Ich gebe absolut nichts auf Crashtestergebnisse, mir ist dagegen ein durchdacht konstruiertes und vor allem berechenbares Fahrwerk viel wichtiger. Ein solches habe ich schon im alten Cuore L80 und in meinem Charade G102 vorgefunden und finde es (mit Abstrichen bei der Bodenhaftung) im Fiat Panda. Die schlimmste fahrwerkstechnische Katastrophe bisher habe ich im MCC Smart gefunden und die leicht hecklastige Fahrwerksauslegung von diversen Peugeots könnte manch Anfänger in Bedrängnis bringen.

 

Allerdings habe ich auch bemerkt, was verschiedene Reifen bringen können. Ich habe mehrere Autos mit verschiedenen Reifen kennengelernt und man glaubt gar nicht, was die reifen ausmachen können. Ich habe es mir bis von nicht allzulanger Zeit auch nicht vorstellen können.


10.10.2008 07:38    |    HyundaiGetz

Wie du als letztes Geschrieben hast: Die Größe / Gewicht der anderen Fahrzeuge auf den Straßen ist der größere Nachteil. Auch Kleinstwagen wie z.B. der bei dir angeführte Cuore bieten mittlerweile Front- und Seitenairbags, und auch Kopfairbags (oder zumindest die Möglichkeit zur Optionalen Bestellung) sind keine Seltenheit mehr.

 

Wenn mir ein Opel Astra oder ein VW Passat entgegen kommen, fühle ich mich jetzt in meinem C1 nicht umbedingt unsicher, ich möchte zwar nicht mit ihnen zusammenstoßen, allerdings möchte ich das lieber mit garkeinem Auto, aber es ist jetzt nicht das "aaah, ich will von der Straße"-Gefühl in mir.

 

Vor kurzem kam mir ein neuer BMW X6 entgegen (ein hässliches Auto, wenn ich das mal so anmerken darf), da bekommt man ja wirklich fast Angst, so groß ist diese Kiste - der aktuelle X5 ist da natürlich auch nicht besser. Ich denke mal mit einem Kleinen Auto hat man bei einem Unfall wohl eher keine große Überlebenschance, zumindest wenn man Frontal und nicht in Schrittgeschwindigkeit gegeneinander fährt.

 

Ich hab schonmal geschrieben: Deutschland muss umdenken, dann haben auch mehr Kleine Autos eine Chance auf dem Markt.


10.10.2008 10:35    |    XC70D5

Eigentlich wurde in dem Beitrag oben alles gesagt. Besonders erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass ein neuer Kleinstwagen sicherer ist als ein alter Mittelklassewagen. Denn genau dieses Argument spricht für viele gegen einen Kleinstwagen "da kaufe ich mir für das gleiche Geld lieber einen gebrauchten Großen".

 

Deutschland muss umdenken? Sicher fahren viele Leute mit für ihre Ansprüche zu großen Fahrzeugen herum, aber es gibt auch die, die ein großes Auto brauchen!

 

 

Gruß

 

Martin

 

Großesautobraucher


10.10.2008 11:38    |    HyundaiGetz

Natürlich gibt es Leute die große Autos brauchen, wenn ich als Vertreter jeden Tag viele Kilometer unterwegs bin und der Kofferraum meines Passat oder Vectra Kombis meistens voll ist, wollte ich das ganze auch nicht in einem Opel Corsa erledigen. Das ist für mich klar.

 

Wenn ich aber Überlege, wie viele Leute einen SUV (Ich bin kein SUV Gegner, ich mag die Dinger schon) oder Van Hauptsächlich alleine in der Stadt unterwegs sind, frag ich mich wieso? Brauch Mutti für zwei Kleinkinder zum Kindergarten, Schule, Sport oder sonstige Aktivitäten transportieren einen SUV? Ich persönlich finde nicht. Und jetzt nicht mit dem Argument "Die müssen immer so viele Sachen mit nehmen" kommen, ich wohne zufällig eine Sträße über dem örtlichen Kindergarten und sehe öfter, wie Mami oder Papi mit rießem Auto die Tochter / den Sohn zum Kindergarten fahren, obwohl sie nur ein paar Meter davon entfernt wohnen (Ich lebe in einem 1.000 Seelen Dorf, und dementsprechend groß, oder klein ist es auch dort). Und da meine ich, das etwas umgedacht werden muss oder sollte.


10.10.2008 11:44    |    XC70D5

So hatte ich es doch auch verstanden und bestätigt!

 

Meine Frau fährt einen Golf V, für 3 Kinder und 1 Hund. Für die täglichen Fahrten reicht das vollkommen, auch wenn sie gestern das 1. Mal den Tiguan gesehen und mich ganz aufgeregt angerufen hat :D ;)

 

Auch mein X3 ist die meiste Zeit nur mit 1 Person "befüllt", aber ich brauche Platz/Allrad/Bodenfreiheit beruflich ab und an und für die Familie ist der schon unterste Grenze.

 

 

Gruß

 

Martin


13.10.2008 12:33    |    Emmet Br0wn

Zitat:

Besonders erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass ein neuer Kleinstwagen sicherer ist als ein alter Mittelklassewagen. Denn genau dieses Argument spricht für viele gegen einen Kleinstwagen "da kaufe ich mir für das gleiche Geld lieber einen gebrauchten Großen".

Die Fahrgeastzelle eines Smarts ist stabiler als die eines W124 E-Klasse.

 

Allerdings sind die negativen Beschleunigungskräfte bei einer Frontalkollision (Kleinstwagen vs. ältere Mittelklasse) durch die geringere Knautschzone und v.a. durch die geringere Masse bei einem Kleinstwagen immmer noch deutlich höher.

 

 

Sicherer ja, aber immer noch nicht sicher genug.


Deine Antwort auf "Sicherheitstechnologie der Kei-Cars"

Würde auch ein echtes Kei-Car fahren !

25plus 25plus

Benzinsparer ?


mein Cuore L251:

 

-Eibach Federn 30/30 mm tiefer

-15 Zoll Felgen vom Copen/YRV GTti

-Bridgestone Potenza Re040 165/50 R15 (Daihatsu Copen)

-Stabilisator an der Vorderachse nachgerüstet

-Kombiinstrument mit Drehzahlmesser vom Top

-Sportauspuff von GTG - durch konsequentes Benzinsparen konnte er seinen Klang niemals entfalten

-Querlenkerstütze von D-Sport (Japan)

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