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MOTORTESTS.de - Test und Erfahrungsberichte aus der MOTOR-TALK Community

10.12.2013 18:28    |    der_Derk    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: elektrische Mobilität, Elektro, Elektrofahrzeug, I, Probefahrt, Renault, Zoe

Das neueste Modell meiner Vergleichsrunde kommt von Renault: Der Zoe war an sich gar nicht geplant, stand aber bei der Probefahrt des Leaf direkt daneben und wurde vom geschäftstätigen Verkäufer sozusagen im Paket angeboten - was ich an der Stelle mal lobend hervorheben muss, denn viele andere Händler zeigten sich nicht sonderlich gewillt oder in der Lage, überhaupt ein Elektrofahrzeug für eine Probefahrt organisieren zu können.

 

Der Zoe ist mit maximal 65 kW Motorleistung zwar unterhalb des Leaf angesiedelt, dafür ist er aber auch kleiner und leichter. Mit der passenden Ladestation wird eine Ladezeit von 30 Minuten versprochen; Da die Batterie wieder mal gemietet werden muss, kann einem auch erstmal egal sein, inwiefern sich dies negativ auf dessen Lebensdauer auswirkt...

 

 

Platzangebot und Sitzkomfort

Ein wenig enger als im Leaf geht es schon zu - zwangsläufig. Sonderlich eingeengt habe ich mich allerdings nicht gefühlt, vom öfter genannten hohen Einstieg und Sitzplatz aber auch nichts gemerkt. Okay, wenn man selber einen RX4 fährt und zur Probefahrt im Smart angereist war, ist der Zoe eben nicht besonders hoch. Gespart wurde leider an der Sitzpolsterung, ist etwas dünn und seitenhaltarm - auf den mit der Reichweite abdeckbaren Strecken sollte das aber kein Problem darstellen.

Der Kofferraum ist gemessen am Fahrzeugformat gar nicht mal so klein ausgefallen, im Gegensatz zum Fluence steht auch kein großer Akkublock darin im Weg - eine kleine Stufe im Boden bleibt aber dennoch. Spontan dringend verbesserungswürdig ist der Zustieg zu den hinteren Plätzen, die im Fensterdreieick eingelassenen Türöffner sieht man zwar nicht zum ersten Mal, aber man muss auf die vordere Ecke drücken damit sie hinten aufklappen und greifbar werden - selten unpraktisch, und vor Allem durch diverse Konkurrenten (Lancia, Alfa, Seat) in der Vergangenheit besser gelöst.

 

Motor und Fahrleistungen

Die angegebenen 65 kW sind mal wieder die Maximalleistung, die nicht dauerhaft zur Verfügung steht - muss es aber auch nicht, hinter den Fahrleistungen des Leaf (zumindest bis Landstraßentempo) braucht sich der Zoe kaum verstecken. Dabei ist er natürlich nicht so gut gedämmt, vielleicht kommt es einem auch teilweise blos schneller vor. Die hochgelobte Reichweite hingegen... Davon blieben bei unter 10 Grad Außentemperatur und einem Ladestand von 97% nach dem Abkoppeln von der Säule leider nur knappe 120 km übrig - mehr als bei jedem anderen, bisher gefahrenen Elektroauto, aber nicht wirklich in Schlagweite der NEFZ-beworbenen 210 km. Gut, Renault selber spricht in den FAQ von realistischen 100-150 km, das passt dann wieder.

Unterhalb von 30 km/h wird über Außenlautsprecher auch ein Fußgänger-Warnton abgegeben. Klang in diesem Fall nach Straßenbahn (oder im ersten Eindruck nach schleifenden Bremsscheiben), ist aber leider nach kurzem Selbstversuch im Innenraum beinahe besser wahrnehmbar als von Passanten.

 

Fahrwerk, Lenkung, Getriebe

Ja, der Zoe fährt geradeaus - schreibe ich jetzt extra dazu, weil es in der jüngsten Vergangenheit nicht jedes Renault-Produkt so einfach getan hat. Die Lenkung ist recht leichtgängig und rückmeldungsarm, die Federung etwas hölzerner als im Leaf - erwartungsgemäß, für einen Kleinwagen kann man nicht nörgeln. Das Getriebeschema orientiert sich mal wieder an einer konventionellen Automatik, und auch der Zoe simuliert die Kriechfunktion.

 

Übersichtlichkeit, Bedienung, Materialanmutung

Die Übersichtlichkeit ist kleinwagentypisch, bei der Bedienung muss man sich eigentlich auch nicht groß umgewöhnen. Der Zoe bietet bei der Klimatisierung noch die Möglichkeit, dies auch zu tun während er an der Ladesäule hängt. Das konnten wir zwar bei der Probefahrt nicht testen, aber für den Alltag ist das mal eine praktische Sache. Überhaupt war die Heizung bisher für ein Elektroauto ungewöhnlich schnell.

Von den Materialien im Innenraum her - allzu hochwertig kommt das Erscheinungsbild nicht daher, gefühlt würde ich es knapp über dem Niveau eines Suzuki Alto einstufen. Wobei man sich immerhin Mühe mit den Instrumenten gegeben hat, beispielsweise in Form eines zusätzlichen Schalters rechts vom Tachodisplay, um dieses in verschiedenen Anzeige- und Farbmodi umschalten zu können (Für Eco- und Normalbetrieb macht es dies automatisch zwischen grün und blau). Die animierte Energieflussanzeige im Navibildschirm sieht auch nicht übel aus, nur man sollte vielleicht nochmal den Übersetzer 'ran lassen ("Energieflut").

 

Die Zusammenfassung

Bisher die für einen Kleinwagen m.E. beste Umsetzung eines Elektroautos - über die vereinzelt doch recht preisoptimierte Anmutung im Innenraum kann ich hinweg sehen, die äußere Optik gefällt mir in der Frontansicht auch. Von der Seite und von hinten lässt das dann leider ein wenig nach, und die zwei hinteren Türen finde ich beim Kleinwagen nach wie vor überflüssig - stehe aber wohl mit der Meinung mittlerweile eher bei der Minderheit. Eher nachteilig empfinde ich noch die Blaufärbung der Plastik-Chrom-Teile, das wirkt als hätte man die Schutzfolie darauf vergessen.

Aber abgesehen von der Optik: Insgesamt macht er das Wesentliche kaum schlechter als der Leaf, ist aber eben preiswerter und wird als Kleinwagen vermutlich eher für Kurzstrecken als Zweitwagen angeschafft - damit dürfte er eine größere Zielgruppe finden. Privat gehöre ich leider immer noch nicht dazu, mir würde wohl der Twizy reichen ;).


11.12.2013 11:00    |    sennini

Ich kann deinen Bericht absolut bestätigen...ein interessantes Fahrzeug.

 

Bin den Zoe auf der IAA Probe gefahren und war begeistert. Wenn ich ein entsprechendes Streckenprofil hätte, dann wäre er sicher die erste Wahl.


11.12.2013 11:35    |    Fordlover1975

Heißt es nun der Zoe oder die Zoe ? Selbe Thema wie bei Marina ( Morris ) Cressida, Carina, Corolla ( Toyota ) Cordia, Tredia ( Mitsubishi )


11.12.2013 13:48    |    der_Derk

Keine Ahnung, ob ich der/die/das Zoe da passend gegendert habe... ;)

Bisher hätte ich nur bestimmte Fahrzeuge weiblich angesprochen, bei denen es mir geläufig ist. Die Corvette, die Celica, die Elise. Die Clio oder die Twingo klingt komisch, insofern ist's auch bei "der Zoe" geblieben, nicht dass sich am Ende noch eine Person gleichen Namens angesprochen fühlt.


11.12.2013 13:58    |    sampleman

Zum Thema Schnelladen und Renault-Akku: neulich las ich einen Blog-Beitrag, in dem ein Renault-Kunde sich verärgert über die Vertragsbedingungen des Akku-Leasings zeigte. Offenbar kassiert Renault für jeden Schnellade-Vorgang eines geleasten Akkus zwei Euro extra. Und offenbar sind die Akkus technisch auch so gebaut, dass Renault das nachvollziehen kann. Wer sich also für solch ein Auto interessiert, sollte vielleicht die Akku-Mietbedingungen lesen, bevor er seine Kaufentscheidung trifft.


11.12.2013 14:41    |    der_Derk

Zitat:

Offenbar kassiert Renault für jeden Schnellade-Vorgang eines geleasten Akkus zwei Euro extra.

Tatsächlich...

http://www.renault-preislisten.de/.../Preisliste_Zoe.pdf

 

Zitat:

Und offenbar sind die Akkus technisch auch so gebaut, dass Renault das nachvollziehen kann.

Sind sie in diesem Fall. Der Zoe hat einen eingebauten Mobilfunkanschluss, über den Renault sowohl den Ladevorgang protokollieren, als auch beim Ausbleiben der Mietbeiträge selbigen unterbinden kann.


11.12.2013 19:18    |    nopau

Kurze Frage zum Verständnis an Renault & Friends:

Warum muss ein Auto zur fahrenden Wanze werden? Da lasse ich mein Smartphone extra zu hause, um ohne Obama und Angela zu leben und die packen mir eine SIM-Karte in meinen fahrbaren Untersatz?

Und wer kommt alles an die Daten?

 

Da kann ich die Kollegen in Fast & Furious 6 gut verstehen, dass sie sich Karren ohne Elektronik besorgen, um die bösen Hackers abzuschütteln ;)

 

Es winkt mit der Unterbrecherzündung im Youngtimer-2-Rad,

 

nopau


13.12.2013 12:12    |    sampleman

Zitat:

Kurze Frage zum Verständnis an Renault & Friends:

Warum muss ein Auto zur fahrenden Wanze werden? Da lasse ich mein Smartphone extra zu hause, um ohne Obama und Angela zu leben und die packen mir eine SIM-Karte in meinen fahrbaren Untersatz?

Und wer kommt alles an die Daten?

Es ist eine Frage des Für und Wider. Wenn ich sehe, was ich alles mit meinem Smartphone mache und wozu ich es benutze, dann ist es mir persönlich lieber, dass ich das kann und nehme in Kauf, dafür gläsern zu sein. Dasselbe gilt für mich auch für Google: ich nutze das Zeug gratis und werde dafür mit getargeteter Werbung zugeschmissen. Die grundsätzliche Online-Fähigkeit von E-Autos ist hilfreich, wenn es darum geht, einige Nachteile von E-Autos zu umschiffen. So haben sie alle wenig Energie an Bord, und die will man nicht zu sehr für Klima und Heizung verballern, also kann man per Handy programmieren, wann man losfahren will und wie warm/kalt es dann im Auto sein soll. Oder man kann per Handy nachfragen, wie weit die Akkus geladen sind. Beim Verbrenner ist das grundsätzlich egal. Wenn ich vor einer weiteren Fahrt beim Losfahren merke, dass der Tank fast leer ist, dann fahre ich eben tanken. Das geht beim E-Auto nicht so einfach, deshalb ist dort die Ladestandsabfrage aus der Ferne wichtiger. Auch andere Dinge sind praktisch: Am Smartphone eine Tour planen, dabei gleich berücksichtigen, wo Ladesäulen sind, dann die Tour bei der Abfahrt vom Handy ins Auto-Navi überspielen und losfahren.

 

Wenn du lieber anonym bleiben willst, dann musst du darauf verzichten. Beim BMW i3 kannst du das auch: da kostet das Online-Paket nämlich Aufpreis. Und ich persönlich würde die Protagonisten von Fast & Furious nicht als "Kollegen" bezeichnen, da weicht mein Nutzungsspektrum doch zu sehr ab;-)


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