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01.06.2010 20:01    |    der_Derk    |    Kommentare (67)

Automatische Nabe
Automatische Nabe

Werte Leserschaft,

 

dieser Artikel dient in erster Linie meiner persönlichen Bequemlichkeit. Aufgrund der markenübergreifenden Verwendung von Freilaufnaben habe ich in den letzten Jahren quer über das Forum verteilt deren Funktionsweise erklärt, zukünftig werde ich dann nur noch auf diesen Artikel verweisen - das macht es übersichtlicher :).

 

Okay, ich gebe dem Thema noch ein paar Jahre, und es darf vermutlich auch in die Rubrik "Technik, die kein Schwein mehr kennt" einsortiert werden - denn allzu viele aktuelle Fahrzeuge mit diesen Komponenten gibt es nicht mehr, SUV und Haldex sei Dank. Sollte sich also in Eurem Vehikel kein separates Ungetüm von Verteilergetriebe und mindestens eine Starrachse befinden, sind aller Wahrscheinlichkeit nach auch keine Freilaufnaben dran. Aber, um das genau zu klären...

 

Die Freilaufnabe - wo finde ich sie?

Die Freilaufnabe setzt einen zuschaltbaren Allradantrieb voraus, tritt immer nur paarweise auf, und man findet sie üblicherweise in der Radmitte der Vorderräder. An der Hinterachse ist mir noch keine begegnet, sollte dafür jemand ein Beispiel haben - bitte melden.

 

Die Freilaufnabe - wofür brauche ich sie?

Der Witz ist - wirklich brauchen tut man sie gar nicht. Vor ihrer Erfindung sind Generationen von Allradfahrzeugen ohne Freilaufnaben gefahren, das geht genauso. Es hat in Verbindung mit dem zuschaltbaren Allradantrieb nur einen gravierenden Nachteil: Fährt man dort im 2WD-Betrieb, wird der abgeschaltete Antriebszweig dennoch vergleichsweise sinnlos mitgeschleppt, denn das einfache Mitlaufen der Räder würde an der gerade nicht angetriebenen Achse reichen. Man produziert also überflüssigen Verschleiß, weil am Vortrieb nicht beteiligte Teile bewegt werden, und opfert auch den einen oder anderen Zehntelliter Sprit - denn die Räder müssen über die Achsübersetzung die Antriebswelle beschleunigen.

Die Freilaufnaben ermöglichen es nun, den vorderen Antriebsstrang komplett still zu legen, was sich irgendwo in der Nachkommastelle des Spritverbrauchs auswirkt, wichtiger aber: Den Verschleiß und je nach Fahrzeugtyp auch die Geräuschkulisse reduziert.

 

Die Freilaufnabe - und wie funktioniert sie nun?

Im Prinzip stocksimpel: Man macht die Radmitnehmer (Achsnaben) umschaltbar. Mit geöffneten Naben (Stellung "free") besteht keine kraftschlüssige Verbindung zwischen den Rädern und der zugehörigen Antriebswelle, in der Stellung "lock" werden sie auf der Antriebswelle verriegelt. Dies hat natürlich zur Folge, dass mit geöffneten Naben gar kein Allradbetrieb möglich ist. Man kann zwar die entsprechende Antriebswelle über das Verteilergetriebe zuschalten, aber die Räder werden nicht mitgenommen. Sind die Naben verriegelt, kann jedoch bei jeder Geschwindigkeit zwischen 2WD und 4WD umgeschaltet werden, da beide Kardanwellen im Verteilergetriebe mit derselben Geschwindigkeit aufeinander treffen - gleiche Drehzahlen an den Achsen vorausgesetzt. In Kurven oder mit unterschiedlichen Radumfängen geht es folglich nicht.

 

Variante A: Die manuelle Freilaufnabe

Die Mutter aller Freilaufnaben. Sie hat die Stellung "free" und "lock", ein Umschalten ist - wie der Name schon sagt - nur händisch möglich. Zumeist erfolgt dies durch Drehen des Griffes in der Mitte, die beiden Stellungen sind entsprechend markiert und liegen üblicherweise eine Viertelumdrehung auseinander. Manuelle Naben sind die preiswerteste Ausführung, gleichzeitig aber die Robusteste. Der Bedienkomfort wird ihnen häufig negativ ausgelegt, da man zum Umschalten aussteigen muss - schlecht, wenn man das Fahrzeug gerade knietief im Schlammloch versenkt hat. Dann sollte man den Fehler aber bei sich selber suchen, denn man hat schlichtweg vergessen sie vorher zu verriegeln.

Die manuellen Naben können einen Prinzip-bedingten Nachteil des zuschaltbaren Allradantriebs ausgleichen: Dieser hat kein Mitteldifferential, und lässt sich daher nicht auf festem Untergrund nutzen. Durch den fehlenden Drehzahlausgleich zwischen den Achsen würde der Antriebsstrang verspannen, was durchaus schwere Schäden nach sich ziehen kann. Lässt man nun die Naben offen, kann man die Untersetzung des Verteilergetriebes nutzen, ohne dass beide Achsen angetrieben werden - es kann daher nichts verspannen. Eine durchaus nützliche Sache zum Rangieren schwerer Anhänger auf Asphalt.

 

Variante B: Die automatische Freilaufnabe

Erkennbar am Aufdruck "Auto", dem Fehlen des Verstellgriffes oder der Anwesenheit von Schaltern im Innenraum, welche einen Allradbezug erkennen lassen, wurde diese Variante aus Bequemlichkeit entwickelt. Man muss das Fahrzeug zur Bedienung nicht mehr verlassen, und unter diesem Komfortaspekt hat sie sich auf dem Erstausrüstermarkt auch relativ schnell durchgesetzt. Die frühen Varianten verwenden einen rein mechanischen Automatismus: Dreht sich die Antriebswelle bei gegenhaltendem Rad, verriegelt sich die Nabe. Die gegensinnige Drehrichtung öffnet die Nabe wieder, also z.B. bei stehender Antriebswelle und drehendem Rad. Das Ganze klappt natürlich nur bei passender Bezugsrichtung, zum Verriegeln muss daher nach Zuschalten der Antriebswelle vorwärts gefahren werden, zum Öffnen bei abgeschalteter Antriebswelle rückwärts. Wem das nun etwas kompliziert, windig oder auch unzuverlässig erscheint - der hat damit natürlich vollkommen Recht. Es klappt zwar grundsätzlich gar nicht so schlecht, nur man kann sich leider nie sicher sein, dass auch wirklich beide Naben verriegelt sind. Gerade im Gelände haben diese Naben die unangenehme Eigenschaft, in den unpassendsten Situationen herauszuspringen, beispielsweise beim Herausschaukeln aus tiefem Grund. Damit einher geht die gegenüber den manuellen Naben geringere Haltbarkeit, da der Betriebszustand "so halb zu" öfter auftreten kann.

Spätere Varianten haben dieses Problem erkannt, und durch ein Neues ersetzt: Die pneumatische Ansteuerung. Hierbei erfolgt das Öffnen und Verriegeln durch Druckunterschiede. In der Nabe sitzt ein entsprechender Nehmerzylinder, welcher die Steuerbefehle umsetzt. Der Druck kommt entweder von einer Unterdruckleitung des Motors (keine Schaltmöglichkeit ohne laufenden Motor!) oder durch einen separaten Kompressor. Weiterhin erforderlich ist ein Steuergerät, welches auf das Signal vom Verteilergetriebe wartet, dass der zweite Ausgang zugeschaltet wurde, und daraufhin die Naben schließt. In Verbindung mit einer Synchronisationseinrichtung zwischen vorderer und hinterer Antriebswelle kann das Zuschalten dann auch während der Fahrt erfolgen: Das Steuergerät wartet nach dem Zuschalten der vorderen Antriebswelle ab, bis beide Wellen dieselbe Drehzahl haben, und schließt erst dann die Naben.

Der Bedienkomfort dieser Variante wird mit der größtmöglichen Unzuverlässigkeit erkauft: Mögliche Fehlerquellen sind das Steuergerät, zahlreiche Steckkontakte, Drucksensoren, Ventile, und nicht zuletzt die Druckleitungen, welche gerne mal einem Marder oder im Geländeeinsatz einer Baumwurzel zum Opfer fallen.

 

Variante C: Der automatische Vorderachsfreilauf

Diese Ausführung lässt sich beinahe mit der automatischen Freilaufnabe gleichsetzen, und wird auch häufig synonym verwendet, obwohl technisch verschieden. Hierbei werden nicht mehr zwei einzelne Naben geschaltet, sondern die Verbindung zwischen Tellerrad und Differential in der Vorderachse. Die Unterbrechung in der Kraftübertragungskette erfolgt daher nicht mehr direkt am Rad, sondern schon im Differential; Die Antriebswellen drehen sich immer mit, nur die Kardanwelle zum Verteilergetriebe kann abgekoppelt werden. Die Anzahl der möglichen Fehlerquellen wird dabei um eine reduziert, ansonsten besteht kein funktionaler Unterschied zu den normalen automatischen Naben.

 

Und welche Variante habe ich nun?

Darüber könnte die Betriebsanleitung relativ zuverlässig Auskunft geben. Aber das hätte sie zur Bedienung auch gekonnt - wer also bis hierhin gelesen hat, vertraut entweder dem Handbuch nicht, hat es verloren, oder war zu faul danach zu suchen... ;)

 

Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wer sie ergänzen möchte darf dies daher gerne in einer Antwort machen - ich trage es dann hier nach.

 

(M: Manuelle Naben, A: Automatische Naben, AP: Automatische Naben, pneumatisch, AF: Automatischer Freilauf)

 

Daihatsu

Rocky: M, A

Feroza: M, A

 

Ford

Maverick: A

Explorer: AF

Ranger: AF (Bis '97: A)

Ranger (US-Modell): M oder A (bis '97)

 

HDPIC

Galloper: A

 

Isuzu

Trooper I: M, A

 

Mazda

B2500: AF

 

Nissan

Patrol: M, M/A (Kombinationsnabe, kann beides)

Terrano I: M, A

Terrano II: A

 

Opel

Frontera A: M, A

Frontera B: AF

 

Suzuki

SJ410/413/Samurai: M (nicht immer Serie, SJ410 eher selten)

Jimny: AP

Vitara: A (Santana: Wechselhaft, von nicht vorhanden bis A)

Grand Vitara: AF

 

Trotz des langen Textes sei noch ein Schlusswort gestattet: Es heißt FreilaufNabe, nicht Narbe, mit Verletzungen hat das nichts zu tun... ;)

 

Gruß,

 

Derk


06.03.2014 22:55    |    der_Derk

Moin,

 

wenn Du jetzt manuelle Freilaufnaben hast, würde ich die behalten und nicht auf automatische umrüsten, weil sie eben wie oben beschrieben unzuverlässiger und weniger haltbar sind. Wie auch bei Suzi94, kannst Du die manuellen Naben prinzipiell verriegeln und vergessen. Als Bonus gegenüber den Automatiknaben hast Du den Vorteil, mit offenen Naben in 4L auf der Straße fahren zu können - im normalen Verkehr äußerst sinnlos, aber sehr praktisch zum Rangieren von Anhängern.

 

Ich habe mir seinerzeit schon immer die Mühe gemacht, zum überwiegenden Teil mit offenen Naben auf der Straße zu fahren, und nur bei schlechter Witterung oder eben anstehenden Geländefahrten vor Fahrtantritt zu verriegeln - soviel Zeit konnte ich entbehren, und der Bedienaufwand war auch nicht störend. Muss aber jeder selber wissen, wie bequem er das handhabt... ;)

 

Gruß

Derk


13.11.2014 16:09    |    Achsmanschette43708

Hallo Derk

 

Danke fuer den tollen Artikel und die gute Beschreibung! Good job!!

Ich lebe in Kanada und habe seit ein paar Monaten einen Ford Ranger Baujahr 1986. Dieser hat manuelle Freilaufnaben - in case you want to update this.

Der Ford Ranger macht uebrigens richtig Spass - vor allem mit gelockten Freilaufnaben... ;-)

 

Have a good one!

Alfred


17.11.2014 09:36    |    der_Derk

Moin Alfred,

 

danke - freut mich, wenn's gefällt :).

 

Der amerikanische Ranger hat in den ersten beiden Generationen die manuellen Naben gehabt, wenn ich das gerade richtig überblicke - demnach bis 1993?

 

Gruß

Derk


22.11.2014 17:17    |    Achsmanschette43708

Derk,

ich hab ein bisschen gegoogled. Wie es aussieht gab es von 1983 - 1997 wohl beides, automatische und manuelle Naben:

http://www.therangerstation.com/tech_library/HubDiagnosis.shtml


28.11.2014 22:38    |    der_Derk

Danke für's Heraussuchen - hab' ich mal so übernommen :).


02.02.2015 13:21    |    Batterietester48069

Die Dinger regelmäßig betätigen oder sie gammeln in einer Stellung fest .Meine Erfahrung bei den Manuellen.


20.05.2015 02:31    |    Multimeter24959

Du sagst ja, dass dir eine FLN an der Hinterachse noch nicht vorgekommen ist, aber mal angenommen ich montiere Freilaufnaben auf die Hinterachse meines Jimny, öffne diese und schalte auf Allradmodus, dann hätte ich doch einen astreinen Fronttriebler, oder liege ich da falsch?

VG

Sigi


20.05.2015 07:13    |    der_Derk

Moin Sigi,

 

Stimmt - in dem Fall würde zwar die hintere Kardanwelle rotieren, aber die Räder würden nicht mitgenommen - und damit wäre es reiner Frontantrieb.

 

Um hinten Freilaufnaben zu montieren, müssten allerdings die Steckachsen dieselbe Verzahnung- oder überhaupt eine haben. Habe gerade nicht im Kopf, wie hinten die Verbindung Achse-Nabe aussieht, dürfte aber alleine aufgrund der Bremstrommel anders aufgebaut sein...

 

Gruß

Derk


04.08.2016 15:49    |    andyrx

toller Artikel Derk!!;)

 

verständlich erklärt und die auf den ersten Blick komplizierte Technik transparent gemacht :cool:

 

mfg Andy


05.08.2016 12:35    |    der_Derk

Besten Dank, Andy :).


22.12.2016 15:50    |    egnur

Interessant, danke für den beitrag :)

 

mein Mazda B2500 EZ: 02/1999 also BJ:98? hat manuelle Freilaufnaben wie es scheint.


23.12.2016 12:49    |    der_Derk

Danke für die Ergänzung. Mein "B2500"-Teil in der Liste war auch sicher nicht vollständig, die Bezeichnung trifft ja eine lange gebaute Modellreihe. Ein 1999er müsste allerdings eigentlich baugleich zum Ford Ranger sein, und dann auch dessen schaltbaren Vorderachsfreilauf haben? Musst Du außen an den Naben den Mittelgriff drehen (kann dann auch nachgerüstet sein), oder hast Du die RFW-Taste im Armaturenbrett mit Signallampe?


14.02.2017 15:26    |    Spiralschlauch45509

Danke super Beitrag!

 

Bei meinem Lada Taiga habe ich dieses Problem zum Glück nicht...

 

mfg Moritz


02.04.2017 15:30    |    Multimeter46245

Herzlichen Dank für die gut verständliche Erklärung.

Ich habe einen Mazda BT-50. Normalerweise leuchtete die RFW-Taste nach jedem Start auf und ich habe sie dann immer ausgeschaltet. Neuerdings leuchtet sie nicht mehr, auch nicht beim einschalten des vierradantriebs (dessen grünes Signal leuchtet). Ist dann die Anzeige defekt?


03.04.2017 16:55    |    der_Derk

Ein Defekt der Anzeigelampe selber kann durchaus sein. Das Drücken nach jedem Start ist allerdings eigentlich überflüssig. Die Taste gibt ja nur den Vorderachsfreilauf nach 4WD-Verwendung wieder frei (entriegelt ihn) - wenn also zwischenzeitig der Allradantrieb gar nicht benutzt wurde, gibt es da auch nichts zum Zurücksetzen - denn verriegelt wird der Vorderachsfreilauf nur durch Schalten von 2H auf 4H.

 

Hier wäre unter Anderem eine Darstellung der Freilaufsteuerung. Mögliche Fehlerquellen: Schalter, Lampe, Geber am Differential oder Steuergerät. Den Geberschalter könnte man testweise auch überbrücken (in einer von beiden Stellungen muss die RFW-Lampe angehen). Ob der Aktor das tut was er soll, sollte von außen sichtbar sein.


04.04.2017 21:31    |    Multimeter46245

Hallo Derk,

 

danke für die schnelle Antwort.

Ist es dann nicht eigentlich falsch, wenn die Lampe bei jedem Start aufleuchtet, wenn ich immer im 2H-Modus

gefahren bin?

Witzigerweise geht sie seit heute morgen wieder brav an beim Start... nach dem Motto: Die Anzeigelampe, das unbekannte Wesen.


05.04.2017 12:17    |    der_Derk

Die Lampe bedeutet, dass der Vorderachsfreilauf noch verriegelt ist. Sollte eigentlich nach einmaligem Drücken entriegelt sein / erlöschen, bis das nächste Mal in 4H geschaltet wird.

 

Der Schaltaktor benötigt die Vakuumleitung des Motors, funktioniert also nur bei laufendem Motor. Nach Abstellen des Motors sollte der letzte Zustand erhalten bleiben, intakte Schaltventile und Druckleitungen vorausgesetzt. Da resettet sich also nichts über Nacht, für jede Zustandsänderung wird der elektrische Befehl an das jeweilige Ventil sowie genügend Unterdruck benötigt. Nach jedem Motorstart automatisch aktiv sein sollte es nicht.


15.08.2018 16:04    |    AudiWagon

Hallo Derk,

Ist es grundsätzlich bei nicht zu- Bzw abschaltbaren Allradantrieb möglich durch eine manuelle freilaufnabe zwischen Allrad und heckantrieb umzuschalten ? Anders gefragt, ist es ok, wenn der Allradantrieb aktiv ist, die naben aber auf free sind? Abgesehen davon dass die Antriebswellen dann unnötiger Weise vorne drehen. Ist dann ein fahren überhaupt möglich oder würde das differential versuchen die gesamte Leistung auf die „durchdrehenden“ Antriebswellen zu leiten? Eigentlich sollte dass ja nicht der Fall sein.

Gruß Marvin


15.08.2018 17:55    |    der_Derk

Hallo Marvin,

 

man kann natürlich mit zugeschalteter, vorderer Antriebswelle fahren und die Naben auflassen - hat dann halt nur Hinterradantrieb, und es verspannt auch nichts. Ein Mitteldifferential existiert nicht, und die vordere Antriebswelle dreht nicht durch - sie dreht halt mit exakt derselben Drehzahl wie die hintere, und je nach Kurvenfahrt sind die Drehzahlunterschiede zwischen Rad und davon getrennter Antriebswelle minimal. Es ist aber eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man das in 4L macht, um mit Untersetzung ohne Verspannungen auf der Straße fahren zu können (siehe oben, die erwähnte Rangierhilfe für Anhänger).

 

Einfach nur so mit offenen Naben in 4H zu fahren bringt keinerlei Vorteile. Dafür hat man den Nachteil, dass man zum "Umschalten" auf Allradantrieb definitiv aussteigen muss... Aber ja, man darf sich natürlich das Leben extra schwer machen ;).

 

Eine einzelne Nabe offen lassen ist keine gute Idee. Ja, in dem Fall verspannt auch nichts, und in 4H passen die Drehzahlen in der Vorderachse halbwegs zusammen, insofern ist da nicht mit Schäden zu rechnen. Aber man hat halt keinen Allradantrieb, da eventuelle Kraft an der Vorderachse über das Achsdifferential in der offenen Naben verpufft. Auch in dem Fall muss man zum Umschalten überflüssiger Weise aussteigen. 2H mit nur einer geschlossenen Nabe ist ziemlich unglücklich, da dann die Vorderachse von einem Rad mitgenommen wird, die Kardanwelle am Eingang aber gegenhält - in der Folge dreht die Antriebswelle zur offenen Nabe rückwärts. Ist für das Vorderachsdifferential wie eine endlose Kurvenfahrt auf Höchstgeschwindigkeit - die Innereien (Kegelräder) sind dafür nicht dauerhaft ausgelegt, und würden über die Zeit Schaden nehmen.

 

Betrachte die Naben nicht als den Allrad-Umschaltmechanismus; Dafür sind sie nicht gedacht, der sitzt im Verteilergetriebe. Die Naben sind lediglich eine Hilfe zur Verschleiss- und Verbrauchsminimierung, und das beides nur in engen Grenzen, wie man an Fahrzeugen ohne Naben sehen kann. Als nette Zusatzfunktion kann man sie für die 2L-Fahrmöglichkeit zweckentfremden, aber auch das hat der Hersteller so schon nicht vorgesehen.

 

Gruß

Derk


15.08.2018 20:24    |    AudiWagon

Danke für die schnelle Antwort. Ich habe einen Audi mit permanenten quattro Antrieb und würde gerne für den Sommer gelegentlich mal auf reinen Heckantrieb umschalten können. Da kam mir die Idee solche Freilauf naben zu verbauen. Ich weiß dass es einiges an Umbau Arbeit wäre, ich wollte mich nur mal erkundigt haben ob das grundsätzlich möglich wäre. Ich weiß auch nicht wie das bei mir genau ist wenn zwei Räder „frei drehen“, ob dann nicht vielleicht doch das gesamte Drehmoment nach vorne gerichtet wird und sich somit nichts bewegt. Desweiteren könnte Bzw wird die Nabe auch deutlich größer sein als meine aktuelle.

Trotzdem schon mal Danke für die Antwort.

Gruß


15.08.2018 22:58    |    der_Derk

In dem Fall: Mit offenem Mitteldifferential geht es gar nicht, die obige Beschreibung bezieht sich auf den zuschaltbaren Allradantrieb mit starrem Zentraldurchtrieb ;).

 

Lohnt für den Quattro m.M. den Aufwand nicht. Selbst das Spritsparpotential findest Du bestenfalls in der zweiten Nachkommastelle. Verschleiß ist auch kein Thema, der Quattro ist ja auf permanenten Betrieb ausgelegt.

 

Gruß

Derk


30.03.2021 20:46    |    1caddy4p

Hallo zusammen, ganz tolle Beschreibung, da kann sich auch ein Neuling gut einfinden:). Habe derzeit einen 4WD (SUzuki Samurai) und habe immer gerätselt was das für ein komischer Allrad ist, weil die Fotos hier so garnicht zu dem was ich am dem SAM gefunden habe gepasst haben:confused:. Leider gabe es hier kein Foto eines 4WD mit starrer Nabe (also ohne Freilauf). Das trage ich gerne bei. Vermutlich werdet Ihr jetzt alle einen Lachflash :D bekommen, aber evtl. gibt es noch ein paar draussen, die damit die erste Hürde zum Verstehe ihres Allrad nehmen können. ;)


Bilder

30.03.2021 21:10    |    1caddy4p

Nach der tollen Erklärung von Derk :) habe ich mal versucht die möglichen Verteilergetriebezustände "2H/ 4H/4L) bei denen sich das Auto bewegt mit den verschiedenen Naben (starr, Freilauf manuell "Lock" Freilauf manuell "open", Freilauf automatisch) für das Vorwärtsfahren in eine Beziehung zu bringen, weil ich beim Durchgehen der verschiedenen Verteilergetriebeschaltungen immer wieder durcheinander gekommen bin:confused:. Evtl. mag da mal einer drüberschauen, ob ich Derks Erläuterungen richtig verstanden habe.:D

 

Was mir nach wie vor nicht ganz klar ist ,was beim Rückwärtsfahren passiert:confused:

Habe ich das richtig verstanden, dass die Nabe "starr, Freilauf manuell in der Position"lock" , Freilauf manuelle in der Postion "open" in allen Verteilergetriebezuständen (2H, 4H, 4L) genauso funktionieren wie bei dem Vorwärtsfahren?

und

Was ist bei einer automatischen Freilaufnabe? Wenn man da in 2H rückwärtsfährt wird die vordere Achse ggf. aus der Nabe entsperrt hab ich verstanden (falls davor im 4H oder 4L gefahren wurde). Aber was passiert wenn im 4H oder 4L von einem der Vorwärtgänge in den Rückwärtsgang geschaltet wird (also im Stehen ;) )? Nix ?oder geht die Nabe kaputt, springt die Sperre raus, oder ...:confused:

 

Evtl. kann mir da jemand weiterhelfen:)



03.04.2021 11:36    |    der_Derk

Danke für's Bild - ja das ist die Variante "gar keine Freilaufnabe", der vordere Antriebsstrang läuft immer mit. War beim SJ410 Serie, beim SJ413 schon relativ selten, und beim Samurai nur dann, wenn Santana mal wieder Reste weggeschraubt hat.

 

Zitat:

Was mir nach wie vor nicht ganz klar ist ,was beim Rückwärtsfahren passiert

Das Öffnen der automatischen Naben passiert immer dann, wenn man 1-2 rückwärts-Radumdrehung gegenüber der stehenden Antriebswelle hat. Leider gibt es auch so gut wie keine Explosionszeichungen davon, und vermutlich existiert mehr als ein Funktionsprinzip. Das mit geläufige hat einen schwimmenden, verzahnten Überwurf, der sich im entriegelten Zustand an der Achse abstützt, und von der vorwärts-Drehbewegung der Antriebswelle nach außen geschoben wird, in die Nabe eingreift und diese mitnimmt (und sich dabei von dem feststehenden Teil der Achse löst). Die Rückwärts-Bewegung des Rades gegenüber der Antriebswelle und Achse schiebt den Überwurf dann wieder zurück. Rückwärtsfahren in 4H und 4L alleine öffnet die Naben noch nicht - in der Theorie. Da aber gerade in Kurven und auf losem Untergrund zusätzliche Kräfte am Rad wirken, kann es vorkommen, dass man z.B. gerade ausgekuppelt hat, das Rad aber gegenüber Achse/Welle noch rückwärts mitgeschleppt wird - und dann ist die Nabe draußen, und bleibt es auch, solange man weiter rückwärts fährt. Beim Vorwärtsfahren sollte sie wiederum nach 1-2 Radumdrehungen wieder einrasten.

 

Was nicht funktioniert, ist von 2H auf 4H zu schalten und rückwärts loszufahren, in dem Fall verriegeln die Naben nicht.


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