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DeepBlueGalants Blog

Japanischer Reisauflauf mit ein paar deutschen Kartoffeln.

12.04.2017 21:30    |    DeepBlueGalant    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: EA0, Galant, Mitsubishi

Wir ihr wisst spielen die meisten meiner Blogeinträge bisher weit in der Vergangenheit, um genau zu sein bis Frühjahr 2013. Dieser Blogeintrag ist eine Zeitreise im Schnelldurchlauf was mit meinem verunfallten Galant Pazifik nach dem Unfall passierte - und das streckt sich bis fast in die Gegenwart, bis zum Frühjahr 2016. Leser die jetzt erst zuschalten empfehle ich die vorherigen Teile zu lesen, um die Vorgeschichte zu kennen. Außerdem beinhaltet dieser Artikel eine gehörige Portion Selbstkritik, da er mein Versagen schildert. Daher hat es ein wenig Überwindung gekostet den Artikel zu verfassen. Aber lest selbst:

 

Die erfolglose Suche nach Hilfe

 

Pazifik nach dem UnfallPazifik nach dem UnfallAnfang 2013 hatte ich also den Nachfolger "Atlantik" für meinen verunfallten Galant "Pazifik" gefunden. Für den beschädigten Galant wurde mir in der Restwertbörse der Versicherung maximal 350€ angeboten. Alle Anfragen bei Firmen in meiner Heimatstadt den Wagen wieder in stand zu setzen blieben ergebnislos. Das Mitsubishi-Autohaus kalkulierte mit 5600€ Reparaturkosten. Selbst wenn ich die Heckklappe selbst besorgen würde wollten sie mindestens 2000€ sehen. Ein Karosserieinstandsetzungsbetrieb weigerte sich nur die Ecke hinten links zu reparieren. Wenn dann müssten die Radläufe auch gleich mitgemacht werden - alleine das hätte 1000€ gekostet, zuzüglich der Ecke. Auch ein in der Szene sehr bekannter Galant-Schrauber aus meiner Heimatstadt im Bergischen Land verweigerte jede Reparaturversuche.

 

Reparaturversuche in Eigenregie

 

Mit neuer HeckklappeMit neuer HeckklappeAlso nahm ich mir das Ziel den Wagen selbst instand zu setzen. Das war ein sehr ehrgeiziges Ziel, da ich absoluter Autoschrauber-Anfänger war und weder im Bekannten- noch im Freundeskreis irgendwelche Schrauber kannte, erst recht nicht spezialisiert auf japanische Fahrzeuge. Die ersten Schritte waren noch durchaus von Erfolg gekrönt. Zunächst half mir ein Nachbar die zermatschte Ecke hinten links mit einem Hammer wieder halbwegs in Form zu bringen. Dann versuchte ich die zerstörte Heckklappe zu ersetzen. Glücklicherweise hatte ich noch eine gute Heckklappe in der passenden Farbe da. Ein halbes Jahr vor dem Vorfall mit dem Schneepflug, im Oktober 2012, hatte ich nämlich einen selbstverschuldeten Unfall (siehe Teil 3). Die Heckklappe hatte ich allerdings nie getauscht und konnte sie nun gebrauchen. Bei der Montage fiel mir jedoch auf, dass ich die Heckklappe nicht richtig einstellen konnte, da die Scharniere verzogen waren. So besorgte ich mir zwei passende Scharniere aus dem Internet und die Klappe schloss wieder perfekt.

 

Scheitern nach den ersten Erfolgen

 

Reperatur-EckeReperatur-EckeNach meinen anfänglichen Erfolgen geriet das Projekt immer weiter ins Stocken. Das hatte mehrere Gründe. Zunächst einmal bin ich im Sommer 2013 bei meinen Eltern ausgezogen und habe mir meine erste eigene Wohnung nahe der Universität in Bochum gesucht, da ich die tägliche Fahrerei leid war. Der beschädigte Galant verblieb aber bei meinen Eltern, da diese einen privaten Stellplatz haben, auf dem der abgemeldete Wagen stehen konnte. Weil ich mit dem Aufbau meiner Wohnung sowohl zeitlich wie auch finanziell beschäftigt war, konnte ich mich nur wenig um Pazifik kümmern. Wenn ich zu meinen Eltern fuhr, hatte ich etwas anderes zu tun oder es war bereits dunkel draußen. Außerdem suchte ich monatelang erfolglos nach Jemandem, der mir eine Ersatz-Ecke aus einem Schrott-Galant ausschneiden und verkaufen würde. Als ich endlich eine Ecke erwerben konnte, war das Projekt bereits zu schwer für mich geworden, aber das realisierte ich erst später.

 

Die ersten Standschäden

 

Grünspan macht sich breitGrünspan macht sich breitBereits kurze Zeit nachdem ich aufgrund meiner neuen Wohnung und des Studiums keine Energie in den Wagen investieren konnte begannen die ersten Standschäden zu entstehen. Wegen der beschädigten Ecke hinten links drang Wasser in den Wagen ein und es kam zu einer massiven Schimmelbildung an allen organischen Substanzen. Jedes Mal wenn ich nun bei meinen Eltern war konnte ich Schaltknauf und Lenkrad vom Schimmel befreien, da beide aus echtem Leder waren.

 

Währenddessen versuchte ich mich an der Rostbeseitigung. Exemplarisch wollte ich mit der Aufnahme der Batterie anfangen. Stundenlanges Bearbeiten mit Schleifpapier und Einlegen in Cola (wegen der Phosphorsäure) brachten keinen nennenswerten Erfolg. Ich besaß weder Dremel noch eine Flex (Beides besitze ich heute) und kannte Niemanden, der in Bereich der Rostbeseitigung Erfahrung gehabt hätte.

 

Erfolglose ReparaturversucheErfolglose Reparaturversuche Auch an den Radläufen blühte der Rost munter weiter. Ich hatte bereits einen Ersatz-Radlauf der Firma Klokkerholm besorgt, wusste aber Niemanden der mir diesen hätte einschweißen können. Das hätte alleine daran gescheitert, dass der Galant erst einmal dorthin hätte gelangen müssen. Der Wagen war abgemeldet, im Februar 2014 war dann auch der TÜV abgelaufen und zu allem Überfluss saßen irgendwann die Bremsen fest - so richtig. Darüber hinaus besitze ich nur einen einfachen Führerschein der Klasse B. Also schied das Mieten eines Anhängers oder eines Abschleppwagens aus. Heute weiß ich, dass es auch Abschleppwagen gibt, die mit einem Führerschein der Klasse B gefahren werden dürfen. Das war mir damals leider nicht bekannt.

 

Kurz: Das Projekt "Reparatur Pazifik" war mangels Erfahrung/Können, fehlender Zeit, fehlender Kontakte und fehlendem Geld gescheitert. Zudem fingen die Nachbarn meiner Eltern an mich zu nerven, wann denn endlich die "Schrottkarre" weg käme. Wobei das die Nachbarn bei einem Privatparkplatz eigentlich nicht zu interessieren gehabt haben sollte.

 

Verkaufsversuche

 

Ich entschloss mich nun (mittlerweile Ende 2014) zu versuchen den Wagen zu verkaufen. Das fiel mir wirklich nicht leicht, da ich ein ausgesprochener Dickkopf bin und Dinge normalerweise durchziehe. Dazu fragte ich zunächst einmal bei dem Autohaus nach, bei dem der Wagen einst als Neuwagen im Ausstellungsraum stand. Dabei muss man wissen, dass Pazifik der Hochzeitswagen des Autohaus-Besitzers war und dieser den Wagen gerne von dem zweiten Besitzer zurückgekauft hätte. Der zweite Besitzer, ein pensionierter Lehrer, hatte den Wagen aber bei einem Renault-Autohaus in Zahlung gegeben und der Wagen landete - wahrscheinlich durch einen Paket-Kauf - bei jenem Fähnchen-Händler, bei dem ich ihn schließlich kaufte (siehe Teil 3).

 

Leider lehnte der Autohausbesitzer aufgrund des schlechten Zustandes ab. Ein damaliger Freund von mir hätte den Wagen für einen Appel und ein Ei bekommen können, aber die Mutter wollte nicht, dass der Wagen die ganze Garage vollstellen würde. Und das obwohl in der Garage nur Gerümpel lagerte.

 

Auch war der Zeitpunkt einen Galant EA0 zu verkaufen denkbar schlecht. Zu dieser Zeit gab es gute Fahrzeuge mit TÜV bereits um 1000€. Heute, im Jahr 2017, sieht es komplett anders aus. Die Galant EA0 sind ungebrochen sehr beliebt, da aber viele Autos entweder den Rosttot durch mangelnde Pflege gestorben sind oder von jungen Fahrern bei einem Unfall zerstört wurden, steigt der Preis kräftig an. Aktuell sollte man mindestens 2000€ für einen Galant V6 (mit TÜV) einplanen.

 

Schlachtung

 

Die ausgebaute ServopumpeDie ausgebaute ServopumpeIn mir reifte der Gedanke den Wagen auszuschlachten, weil ich mir so erhoffte mehr Geld zu bekommen, als wenn ich ihn komplett verkaufen würde. Keine gute Idee, wie sich später herausstellen sollte. Ich hatte keine Möglichkeit Getriebe und Motor auszubauen. So verkaufte ich lediglich Handschuhfach, Lautsprecherboxen, Front- und Heckscheinwerfer, Türpappen, Motorhaubenschloss und die Servopumpe sowie die Einstiegsleiste zum Kofferraum. Beim Verkauf der Heckstoßstange fiel mir auf, dass sie während der Standzeit bei meinen Eltern von einer mir unbekannten Person gerammt worden war und somit der Lack an einer Stelle fehlte. Sehr ärgerlich, weil die Stoßstange erst ein halbes Jahr vor dem Unfall lackiert worden war und ich somit viel weniger für diese verlangen konnte.

 

Als ich dann die Türe hinten rechts verkaufte, musste eine Plane zum Abdecken der fehlenden Türe her, die sich andauernd löste. Die genervten Nachbarn sprachen mich jedes Mal auf den "Schandfleck an". Problematisch war auch, dass in der Mitsubishi-Szene zu diesem Zeitpunkt wenig Fahrzeuge in ozeanblau vertreten waren, somit konnte ich Karosserieteile schlecht verkaufen, da sie erst hätten in der richtigen Farbe lackiert werden müssen. Vielleicht hätte ich doch energischer versuchen sollen den Wagen komplett zu verkaufen....

 

Ab zum Verwerter

 

Auf dem Weg zur letzten RuhestätteAuf dem Weg zur letzten RuhestätteIch versuchte nun, Anfang 2016, die traurigen Überreste des Wagens noch irgendwie zu Geld zu machen und warb mit dem bis zuletzt gut laufenden Motor sowie dem Getriebe. Beide Teile sind zusammen etwa 500€ wert. Nach mehreren Angeboten von 50-100€ gab es jemanden, der mir auf mobile.de 150€ bot. Er wollte noch am gleichen Tag vorbeikommen. Das bedeutete für mich ziemlichen Stress, da ich erst von Bochum zu meinen Eltern Fahren musste und dort anfing den teilgeschlachteten Wagen wieder etwas ansehnlicher zu machen und Dinge aus dem Wagen zu entfernen, die ich behalten wollte. Leider war der Interessent viel zu früh da, sodass der Wagen immer noch wie eine Müllhalde aussah. Er wollte mir nun - entgegen der Vereinbarung - nur noch 100€ geben. Ich wurde sauer und verlangte die vereinbarten 150€, er willigte ein. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Pazifik gemacht. Der Wagen drückte mir auf die letzten Meter nochmal einen rein und es versagte plötzlich die Schaltung. Gänge ließen sich nur noch bei ausgeschaltetem Motor einlegen und der Wagen schoss bei jedem Gangwechsel nach vorne. Daher verzichtete ich freiwillig auf eine Menge Geld und gab dem Verwerter den Wagen für 50€. Die Entscheidung bereue ich bis heute, vor allem da ich mittlerweile über viel bessere Möglichkeiten verfüge.

 

Und das Ende vom Lied? Ein Résumé

 

Die letzte Fahrt mit Pazifik nach dem Unfall und vor der erfolglosen Reparatur, links der alte Benz eines Kommilitonen.Die letzte Fahrt mit Pazifik nach dem Unfall und vor der erfolglosen Reparatur, links der alte Benz eines Kommilitonen.Letzten Endes war das Ganze ein riesen Reinfall. Ich habe durch den Verkauf der Ersatzteile 262€ und durch den Wagen 50€ eingenommen. Den neuen Ersatz-Radlauf habe ich mit starkem Verlust an einen anderen Galant-Schrauber verkauft und das Reparatur-Blech für die Ecke besitze ich heute noch. Ein paar Kleinteile wie eine Radhausschale (alias Innenkotflügel) und das Bedienteil der elektrischen Fensterheber hatte ich im Laufe der Standzeit als Ersatzteil zu Atlantik getauscht. Direkt nach dem Unfall hätte ich den Wagen besser von der Versicherung an der Restwertbörse verkaufen lassen sollen. Da hätte ich 350€ bekommen und mir den ganzen Stress erspart. Beim misslungenen Aufbau mangelte es mir an fast allem. Am wichtigsten wäre wohl ein trockener Unterstellplatz gewesen, dann wären die Standschäden weniger gravierend ausgefallen. Allerdings sehe ich auch eine gute Seite an der ganzen Leidensgeschichte. Es freut mich, dass mit meinen Schlachter-Teilen andere Wagen am Leben gehalten wurden.

 

Aber vor allem habe ich eine Menge Erfahrung gesammelt. Mittlerweile bin ich in der Mitsubishi-Szene richtig gut vernetzt und habe an meinem neuen Galant einige Sachen selbst repariert. In naher Zukunft werde ich noch einmal versuchen ein Fahrzeug aufzubauen, aber dieses mal mit System und mehr Erfahrung.

 

Auch für euch als Leserschaft ist es nun Zeit euch von Pazifik zu verabschieden, der diese Blogserie von Teil 2-5 und 7 begleitet hat. Es bleibt die Frage: Hat sich der Wagen alles in Allem gelohnt? War er die bessere Wahl als der Astra vorher (Siehe Teil 1)? Vermutlich nicht! Eigentlich hat er nur Geld verschlungen. Dennoch hat mich sein Unfall zu meinem neuen Galant Atlantik geführt, mit dem ich komplett gegenteilige Erfahrungen machen konnte und der bis heute (Stand April 2017) bei mir ist.

 

Auch nach dem Ende von Pazifik geht es hier weiter.

 

Zu guter letzt: ich freue mich über Kommentare. Hoffentlich fallen sie nicht all zu drastisch aus. Denn es ist gar nicht einfach selbstkritisch zu sein und sein Versagen zuzugeben. Gibt es Leute, bei denen Reparaturen ähnlich gescheitert sind wie bei mir?

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13.04.2017 07:40    |    pico24229

Aiaiai da hast du ja echt Pech gehabt, tut mir leid :(

Was ich nicht verstehe ist warum du nicht einfach die Reparatur, oder Ausbesserung, der beschädgten Ecke forciert hast. Ich schätze das würde in meiner Stammwerkstatt 150-300€ (da ich kein Profi in der schadensanalyse anhand der bilder bin) kosten. Inklusive 1A Lackierung. Oder selbst wenn man da selbst ein bisschen dran rum fuschen würde, so dass es immerhin wieder dicht ist und einfach weitergefahren wäre..


13.04.2017 10:17    |    DeepBlueGalant

Naja, ich habe an der ganzen Sache eine Menge Lehrgeld bezahlt. Eigentlich hält sich der Verlust in Euro noch in Grenzen, aber die Zeit und Mühe, die da reingegangen ist war völlig umsonst. Schade ist auch, dass der Wagen heute noch existieren könnte, wenn ich die Sache richtig angegangen wäre.

 

Du hast Recht. Die richtige Werkstatt hätte das günstig repariert. Leider war ich damals jung und unerfahren. Nach den drei Absagen hatte ich nicht gedacht, dass ich irgendwen finde, der das günstig reparieren würde.


13.04.2017 10:33    |    pico24229

Achso.. ja das stimmt man muss erstmal ein bisschen Erfahrung sammeln und dann läufts aber auch ziemlich schnell mit der richtigen Werkstatt, etc.


13.04.2017 14:50    |    ToledoDriver82

Ja,das mit der Erfahrung ist so ne Sache....ich geh da mit....mit dem Wissensstand von heute,wäre so einiges anders gelaufen bei bestimmten Autos.....aber,aus Fehlern lernt man und man kann es nur besser machen ;)


16.06.2017 14:43    |    Polmaster

Ich fuhr von 2001 bis 2009 eine EA0 Kombi V6 "Sport Edition" in malveviolett-metallic und kann die Begeisterung für dieses Auto nachvollziehen. Alle genannten nachträglichen Änderungen an der Karosse waren im Sport Edition bereits vorhanden (HC Tacho, Borbet-Felgen, dazu noch das Spoiler-Paket) und verliehen dem Fahrzeug damals eine tolle Optik.

 

Aber, der Rost war zum Schluss sehr ausgeprägt, der damals zum zweiten Male anstehenden Zahnriemenwechsel (180.000km) sehr teuer und der Verbrauch auch nicht wegzudiskutieren. Es war, auch im Hinblick auf die Gründung einer Familie, einfach nicht mehr rentabel im Unterhalt. Leider.

 

Ich habe den V6 sehr gemocht und war sehr stolz auf ihn! Ein tolles Auto mit Charakter, aber auch teuren Macken. Bis heute habe ich Mitsubishi nicht verziehen, das sie keinen adäquaten Nachfolger auf den deutschen Markt gebracht haben.

 

Ich hätte mir vielleicht 2009 sehr schlechte Erfahrungen mit Toyota erspart, da ein Toyota Verso damals den Galant ablöste und ich damit so richtig auf die Schnauze fiel. Das aber nur am Rande.


Deine Antwort auf "Mitsubishi Galant EA0 V6: Teil 7 - Bye bye Pazifik oder Abschied auf Raten"