XJ6 2.7 D mit DPF - kapitaler Motorschaden nach 10 Monaten und 8.000 km

Jaguar XJ Mark III (X350, X358) X350/358

Guten Abend,

ich vertrete einen Mandanten, dessen XJ6 bei nicht mal 8.000 km und 10 Monaten im Jahr 2008 einen Motorschaden erlitten hat. Das Auto hat ein Arden-Tuning und wurde überwiedend im Kurzstreckenverkehr eingesetzt. Der Motorschaden trat bei einer längeren Autobahnfahrt auf. Die DEKRA hat den Motor im Auftrag von Jaguar Deutschland untersucht und hat hierbei festgestellt, dass ca. 1 Liter Dieselkraftstoff im Ölkreislauf vorhanden war (sog. "Ölvermehrung" oder "Motorölverdünnung"😉. Dies habe zu einer mangelnden Schmierfähigkeit und schließlich zu einem Abriss des Schmierfilmes und zu einem Lagerschaden geführt (dazu hier mehr: http://www.forschung-sachsen-anhalt.de/content/druckansicht.php3?lang= )

Jaguar und Arden haben sich zunächst gegenseitig die Schuld zugeschoben. Das Autohaus wollte sich von alldem erst nichts annehmen. Im Rahmen eines selbständigen Beweisverfahrens wurde ein weiteres Gutachten erstattet. Der Gutachter geht davon aus, dass es sich um ein "Kurzstreckenfahrzeug" handelt und hat ausgeführt, dass durch die (häufige) Regenerierung des DPF zusätzlich Diesekraftstoff eingespritzt wird, der in den Ölkreislauf gelangen kann. Zur Filterregeneration wird zusätzlich Kraftstoff eingespritzt, um die Abgastemperatur zu erhöhen, damit der Filter sich freibrennen kann. (Gut beschrieben bei Wikipedia zum Thema "Nacheinspritzung": http://de.wikipedia.org/wiki/Dieselru%C3%9Fpartikelfilter ).

Das Autohaus hat den Einbau eines neuen Motors angeboten, was mein Mandant, der ein anderes Auto haben möchte, abgelehnt hat. Der Motorv wäre von Jaguar bezahlt worden. Das Klageverfahren geht gegen das Autohaus. Jaguar und Arden sind dem Streit auf Seiten des Autohauses beigetreten. Das Autohaus meint, der Kunde (der in 15 Jahren acht Jaguar dort gekauft hat) habe selber schuld. Er hätte die "Ölvermehrung" durch das notwendige Prüfen des Ölstandes bemerken müssen.

Das Auto verfügt über eine gelbe sowie eine rote DPF-Kontrolleuchte. "Gelb": Regenerierung durchführen und "rot": Auto in die Werkstatt. Hier hat keine der Lampen aufgeleuchtet - niemals!

Der BGH hat in seinem Urteil vom 04.03.2009 (Az. VIII ZR 160/08) entschieden, dass die Erforderlichkeit von Regenerationsfahrten bei Kurzstreckenbetrieb von Dieselfahrzeugen mit Partikelfiltern kein Sachmangel ist. Damit wurde eine Entscheidung des OLG Stuttgart abgeändert.

Die Frage ist heftig umstritten gewesen. Das OLG Stuttgart hatte darauf abgestellt, dass bei “ganzheitlicher Betrachtungsweise” ein Mangel im Sinne des § 434 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 BGB vorliege. Hierbei wurde die Vergleichsgruppe aller Dieselfahrzeuge – also auch anderer Hersteller – genommen und gefragt, ob diese generell nicht kurzstreckentauglich seien. Der “nicht gezielt aufgeklärte Duchschnittskäufer” gehe bei einem Dieselfahrzeug von einer uneingeschränkten, nicht durch Regenerationsfahrten unterbrochenen Kurzstreckentauglichkeit aus. Der Einbau eines Partikelfilters diene nach seiner Vorstellung nur der Verringerung des Schadstoffausstoßes.

Der BGH hat demgegenüber als Vergleichsgruppe “Fahrzeuge mit Partikelfilter” herangezogen. Da nach den unangegriffenen Feststellungen des Berufungsgericht nach Einholung eines Sachverständigengutachtens die Fahrzeuge aller Hersteller mit Partikelfilter nicht kurzstreckentauglich seien, liege kein Mangel vor. Außerdem komme es für die Ermittlung der zu erwartenden Beschaffenheit weder auf die konkret vorhandene Vorstellung des Käufers an noch auf einen durchschnittlichen technischen Informationsstand. Da alle Fahrzeuge vergleichbarer Bauart mangelnde Kurzstreckentauglichkeit aufwiesen, fehle es schon einer Grundlage für eine entgegenstehende Erwartung.

Der Rechtsstreit wurde an das OLG Stuttgart zurückverwiesen, da das OLG nun in tatsächlicher Hinsicht überprüfen muß, ob – wie vom Kläger vorgetragen – das System mangelhaft ist.

Das OLG Hamm (Urteil vom 19.03.2009, Az. I-2 U 194/08) hat sich nunmehr der Auffassung des BGH angeschlossen; außerdem ist das OLG der Auffassung, dass ein mangelhaftes Handbuch, welches auf die Problematik nicht hinweist, nur eine Bagatelle darstellt, die nicht zum Rücktritt berechtigt (zitiert nach ADAJUR Newsletter vom 29.09.2009).

ICH BITTE KONTAKAUFNAHME BEI VORLIEGEN ÄHNLICHER PROBLEME

Beste Antwort im Thema

Ich glaube hier darf man 2 Sachen nicht durcheinander bringen. DPF Regeneration und Ölvermehrung. Die eine hängt zwar von der anderen ab, es sind aber prinzipiell getrennte Probleme.
Grundsätzlich sind heutige Dieselfahrzeuge bei entsprechenden Fahrzyklen sogar in der Lage, den DPF gelegentlich allein durch die Abgastemperatur freizubrennen. Wenn das nicht funktioniert wird zusätzlich eine DPF Regeneration vom Steuergerät eingeleitet, dies geschieht durch Nacheinspritzung und führt immer zu einer gewissen Ölvermehrung (selbst bei Additiv-DPF Systemen, die brauchen’s nur nicht so oft). Wie oft das geschieht, hängt vom Fahrprofil ab, und ja – Kurzstreckenfahrzeuge müssen viel öfter regenerieren, und müssen infolge dessen gegebenenfalls öfter zum Ölwechsel. Da im vorliegenden Fall offensichtlich die Ölvermehrung zum Motorschaden geführt hat, hat also die DPF Regeneration ganz offensichtlich funktioniert. Es ist also vollkommen unsinnig, hier die Ursache zu suchen, die DPF Regeneration ansich hat genau so funktioniert, wie vorgesehen und erforderlich, und es gibt nicht den geringsten Grund, zu jammern, dass die dafür vorgesehene gelbe bzw. rote Warnlampe niemals geleuchtet hat. Warum hätte sie dies tun sollen?
Der zweite Schutzmechanismus, den so ein Auto hat ist die Bestimmung der Ölvermehrung. Diese ist bei DPF Fahrzeugen (mit wenigen Ausnahmen) zwangsläufige Folge der DPF Regeneration. Wieviel Ruß sich im DPF ansammelt, und wie oft daraus resultierend der DPF regeneriert werden muß, bestimmt das Motorsteuergerät (u.a. durch Differenzdrucksensoren im DPF), und leitet entsprechend die Regenerationszyklen ein. Daraus, und aus der Anzahl erfolglos abgebrochener Regenerationsversuche, ergibt sich, wie stark das Öl verdünnt wird. Um die Ölverdünnung zu bestimmen, geht man grundsätzlich zwei Wege, entweder man hat einen Ölqualitätssensor oder man errechnet sie aus den gefahrenen Fahrzuständen (Last, Drehzahl, Temperatur, erfolgreiche und abgebrochene Regenerationszyklen, etc.). Ist eine kritische Größe für die Ölverdünnung erreicht, wird der Fahrer aufgefordert, einen Ölwechsel machen zu lassen – bei Kurzstreckenfahrzeugen können diese Intervalle ziemlich kurz werden, aber wenn man sich daran hält, erleidet man auch keine Motorschäden.
Die Ölqualitätssensoren sind heute nicht sonderlich zuverlässige Instrumente, und nicht alle Hersteller vertrauen darauf. Weiß nicht, wie es beim 2.7 ist, aber meines Wissens verzichtet auch Ford heute noch auf die Sensoren, und der 2.7 ist ein reiner Ford Motor. In dem Moment wo also die Ölverdünnung aus den jüngsten Fahrzyklen hochgerechnet wird, benutzt der dafür zuständige Rechenalgorithmus wesentliche Daten der Motorsteuerung. Und genau hier liegt die Crux, wenn jemand seinem Fahrzeug ein Motortuning verpasst, dieses stellt einen erheblichen Eingriff in die Motorsteuerung dar, vor allem die Einspritzmengen (die meisten Dieseltunings nutzen den Luftüberschuß des Dieselmotors und erhöhen zunächst nur die Einspritzmenge um die Leistung zu steigern). Kein einziger Tuner berücksichtigt dabei die DPF Strategie und schon gar nicht die Berechnung der Ölvermehrung. Und dies muß zwangsläufig dazu führen, dass die Ölvermehrungsrechnerei (und die daraus resultierende Aufforderung zum Ölwechsel) schlichtweg mit falschen Daten rechnet, da ihr niemand gesagt hat, dass die tatsächliche Motorsteuerung und die damit verbundenen Kraftstoffeinspritzmengen sich durch das Tuning wesentlich verändert haben. Und dies kann am Ende dazu führen, daß im Fahrzeug die DPF Regeneration ansich problemlos funktioniert (weswegen auch keine gelben oder roten Lampen angehen), die damit verbundene Ölvermehrung auch stattfindet (wie zu erwarten), aber die Berechnung der Ölverdünnung fehlerhaft ist, und der Kunde damit zu spät zum Ölwechsel geschickt wird.
Die Ursache für diesen Schaden ist also relativ sicher im aufgebrachten Arden-Tuning zu suchen. Daß Motorschäden durch Tuning nicht durch die Herstellergarantie abgedeckt sind, ist allgemein bekannt, der Kunde trägt hier die alleinige Verantwortung (bei jedem Fabrikat). Er kann diese abwälzen, indem er sich vom Tuner eine Garantie auf den Antriebsstrang geben lässt, oder eben eine entprechende Zusatzversicherung abschließt. Hat er beides nicht, ist er für Schäden an seinem Motor selbst verantwortlich, da er die Veränderung der herstellerseitigen Motorsteuerung eigenverantwortlich in Auftrag gegeben hat.
Es gibt jedoch einen Punkt, der hier einigermaßen unverständlich ist. Das Fahrzeug hat also einen Motorschaden erlitten, und Jaguar hat offensichtlich schon den Austausch des Motors angeboten. Wo ist also bitte das Problem??? Schon das ist ein sehr sehr kulantes Entgegenkommen des Herstellers, zu dem er bei einem ganz offensichtlich selbst herbeigeführten Motorschaden nicht verpflichtet ist!

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Zitat:

Original geschrieben von Mad_Max77



Zitat:

Original geschrieben von Seppo82


Wenn man keine Ahnung hat...einfach mal die Fresse halten. Sagte meine Oma schon immer. 😉 Der Ton macht die Musik!
Gewöhn dir lieber mal einen anderen Ton an... 🙄

Ich hol nur da ab wo man steht. Wer so dümmliche und Ignorante Beiträge verfasst hat es nicht anders verdient!

Zitat:

Original geschrieben von Seppo82



Zitat:

Original geschrieben von Mad_Max77


Gewöhn dir lieber mal einen anderen Ton an... 🙄

Ich hol nur da ab wo man steht. Wer so dümmliche und Ignorante Beiträge verfasst hat es nicht anders verdient!

Herr, lass Hirn regnen!!! Zu Befehl, Herr General!!!

Ich bin jetzt hier weg, mit (Wort deiner Wahl einsetzen) diskutieren bringt eh nix...

Langsam ist gut, ja?
Wir schätzen hier freundliche Umgangsformen und eine entsprechende Ausdrucksweise.

Sollte sich noch jemand dieser Grundsätze nicht bewusst sein, schließe ich nicht nur dieses Thema.
Ich hoffe, dass hat jetzt JEDER begriffen.

Ein Dummer weniger 😉

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Sorry aber ...egal! 😉

Anscheinend hat es nicht jeder verstanden. Schade.

Zitat:

Original geschrieben von Nathaniel


nun auch@Seppo82:

...dennoch bin ich der Meinung, dass du mit deinen Beleidigungen hinterm Zaun halten solltest. Es gibt Regeln im Forum, die gelten auch für dich.

Nichts für Ungut, aber lass bitte künftig einfach mal die Beleidigungen weg...

Greetz,
Nathaniel!

Hallo zusammen!

Danke für die teils verständnisvollen Texte!
Eigentlich ging es mir bei der Veröffentlichung des Motorschadens zum einen darum, kund zu tun, dass etwas passiert ist (bei "normalem" Gebrauch) - einfach um auch eine gewisse Resonanz zu bekommen, wem dies bei diesem Motor ebenfalls schon passiert ist. Ich finde es nämlich immer ärgerlich, wenn sowas herstellerintern bekannt ist und von diesen dann totgeschwiegen wird, weil es keine Öffentlichkeit hat oder bekommen soll.
Dieses Medium bietet doch die Möglichkeit, Dinge zu publizieren oder in Erfahrung zu bringen, die sich weit verstreut, aber doch gehäuft ereignen. Ohne diese Foren gäbe es doch keinen Druck auf die Hersteller, weil jeder sonst als ein anonymes Einzelschicksal gelten würde.
Sicherlich ist es mein Pech und mir geht es auch nicht darum, händeringend einen Verantwortlichen außerhalb zu finden.
Wenn ich jedoch bei der Recherche, (bundesweit angerufene Motoreninstandsetzer) darauf stoße, dass jeder von denen schon einige dieser Motoren auf dem Tisch hatte und noch hat und alle von dem gleichen Schaden erzählen, dann empfinde ich schon eine gewisse Verantwortungslosigkeit bei Hersteller und Werkstätten - und wenn es nur ein Tipp oder verblümter Hinweis gewesen wäre.
Sicherlich kann jemand dann auch seine Meinung dazu schreiben - aber zu so einem kapitalen Motorschaden als seinen ersten Kommentar sinngemäß zu schreiben - ."...wenn Du keine Ahnung von der Technik hast....mußt Du Dich nicht wundern...." .etc. dann lese ich daraus nur, dass jmd. kein Verständnis hat. Ich gestehe auch gerne zu, dass derjenige viel mehr Ahnung als ich, von der Technik haben mag - aber wie armselig von der Intension. Derjenige würde auch beim Herzinfarkt des Nachbarn auch als erstes mal raushauen, dass er ja selber Schuld sei, weil er ja auch irgendwas, von dem der Kommentator mehr Ahnung hat - eben seiner Meinung nach, falsch gemacht hätte.
Um zur Sache zurück zu kommen. Über 60% der Autos sind heute mittlerweile mit Dieselmotor - davon sind über 70% Kurzstreckenfahrer. Die Motoren leiden dadurch zwar mehr - gehen aber nicht in der Form kaputt, wie in diesem oder ähnlichen Fällen. Genau, weil sie das Freibrennen des Partikelfilters anders gelöst haben. Es würde doch ein Update des Motormanagements reichen, welches dem Motor in der absoluten Kaltlaufphase signalisiert, keinen zusätzlichen Dieseltreibstoff einzuspritzen.
Soweit doch nochmal mein Kommentar - obwohl ich auf solche mit negativer Meinungsintension, die wenig hilfreich sind eigentlich gar nicht mehr reagieren wollte. Leider leben die Foren aber mittlerweile durch Meinungen und verlieren zunehmend als Hilfsmedium.

Gruss
SEWTAL

Es wäre nun interessant zu wissen, was sich in diesen Fällen ergab, Reaktionen von Jaguar und/oder von rechtlicher/juristischer Seite!

Zitat:

@SsangyongOpfer schrieb am 26. Dezember 2019 um 10:00:24 Uhr:


Es wäre nun interessant zu wissen, was sich in diesen Fällen ergab, Reaktionen von Jaguar und/oder von rechtlicher/juristischer Seite!

Du gräbst hier ein 6 Jahre altes Thema aus, bezeichnest dich selber im User Namen als Opfer.

Es ist nun mehr als Interessant zu wissen was dich antreibt:
- Warum bist du ein Opfer?
- Suchst du im Internet gezielt nach solchen Fällen ?
- Warum interessiert du dich genau für dieses 6 Jahre altes Thema?
- Fährst du einen Jaguar oder Land / Range Rover?
- Führst du eine Prozess gegen einen Automobilhersteller oder ziehst du einen in Erwägung?
- Bist du Laie oder Rechtsanwalt?

In diesem Sinne noch ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

Jemand anders hätte nun vielleicht gefragt, "was kümmert's dich?" Aber weil ich halt so ein freundlicher Mitmensch bin, hier die Antworten, schön der Reihe nach....
A) Nun, wir alle sind hin und wieder Opfer (SsangyongOpfer bezieht sich auf eine alte Begebenheit mit dieser Marke)
B) Nein, ganz sicher nicht
C) Fahre selbst Jaguar Diesel
D) siehe C)
E) Nein, strebe auch keinen an
F) Ich bin weder noch: KFZ-Mechaniker (mit 45 Jahren Erfahrung, viele Jahre mit Jaguar)
Alles zufriedenstellend beantwortet? OK, dann frag ich jetzt mal: bist du ein Rechtsanwalt der hier eine Klage (= Einkommen) wittert?
Grüße & ein Frohes Fest!

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