Was erreicht schneller Betriebstemperatur - Kühlflüssigkeit oder Motoröl?
Hallo, liebe Community!
Ich hatte heute eine hitzige Diskussion mit einem Mechaniker zu oben genannten Thema. Hier auf MT habe ich gelernt, dass der Motor und das Motoröl noch lange nicht auf Betriebstemperatur sind, nur weil die Kühlmitteltemperaur-Anzeige im Innenraum "Betriebstemperatur" anzeigt. Nach ungefähr drei Kilometern zeigt mir genannte Anzeige ungefähr die erreichte Betriebstemperatur an. Hier habe ich wie gesagt erfahren, dass dies noch lange kein grünes Licht für "Hochdrehen und drauflatschen" auf der Autobahn ist, da der Motor selbst bzw. das Motoröl hier nach den drei Kilometern noch lange nicht auf Betriebstemperaturen sind. So weit, so gut.
Heute meinte jener, nennen wir ihn weiterhin einfach nur Mechaniker, dass dies ein absoluter Blödsinn sei. Das Motoröl erreiche viel schneller eine höhere und somit Betriebstemperatur, als die Kühlflüssigkeit, da das Öl direkt mit den "heißen" Teilen im Motorraum in Berührung kommt und dessen Hitze aufnimmt. Bis die diese Hitze erst einmal von der Kühlflüssigkeit aufgenommen und durch den Kühler abgeleitet wird, sei das Öl schon längst auf Temperatur.
Also im Endeffekt genau das Gegenteil davon, was ich hier gelernt habe. Zu einem langjährigen KFZ-Mechanikergesellen hege ich jedoch schon ein gewisses Maß an Vertrauen.
Was sagt ihr dazu?
Beste Antwort im Thema
Der Mechaniker hat Blödsinn erzählt.
Das Kühlwassergemisch kann in kürzer Zeit viel mehr Wärme aufnehmen als Motorenöl. Wenn das nicht so wäre, würde man heutzutage kein Wasser-Glykol-Gemisch im Kühlkreislauf haben, sondern Motorenöl.
123 Antworten
Naja, wenn es draußen Minus grade sind und die Heizung auf Max steht dann kann das schon dauern bis er warm ist. Je neuer der Motor und je besser sein Wirkungsgrad, desto länger dauert es. Und 40°C ist nicht warm, da kommt nicht mal richtig wärme aus der Lüftung wenn keine Zusatzheizer verbaut wurden.
Zitat:
@RedRunner10 schrieb am 22. November 2014 um 12:48:12 Uhr:
Außerdem erreicht man die beschriebenen 40 Grad Celsius meistens schon nach einem Kilometer je nach Stadtverkehr und Motor auch früher.
Im Sommer ja, im Frühling, Herbst und Winter in der Regel nicht.
Zitat:
@Provaider schrieb am 22. November 2014 um 12:39:04 Uhr:
Es gibt zwar noch passungen die im kalten zustand etwas weiter sind, bedingt durch unterschiedliche Ausdehnungen. Aber es ist nicht so das dabei das Metall abgeschliffen wird.
Durch die nicht korrekte Passung im kalten Zustand entsteht aber an manchen Stellen eine zu große Flächenpressung (Durck) wodurch der Schmierfilm leichter abreißen kann.
Zitat:
@Provaider schrieb am 22. November 2014 um 12:39:04 Uhr:
Wenn ich aber den Motor stoppe und wieder starte muss ich beim Gleitlager jedes mal durch die Mischreibung,
Es bleibt aber immer etwas Öl an den Lagerstellen, besonders wenn man den Motor erst gerade eben erst abgestellt hat und das Öl aufgrund der hohen Viskosität nocht nicht abfließen konnte. Das sollte ausreichen um die paar Sekunden bis zum vollen Öldruck aufzufangen.
Außerdem könnte man mit dieser Argumentation auch sagen, dass das Abstellen eines heißen Motors schädlich ist, denn da geht der Öldruck genauso verloren und die Lager werden trocken. (Sogar noch schneller, weil das Öl dünnfüssiger ist)
Zitat:
@Provaider schrieb am 22. November 2014 um 12:39:04 Uhr:
Wenn ich den Motor kalt abstelle, dann wird er ja noch langsamer warm. Er kühlt ja wieder aus an der Ampel. Wer sich als durch Berlin von einer roten Ampel zur nächsten Quält wird nie richtig warm werden.
Der Motor ist nur so kurz aus, dass er fast gar nicht abkühlen kann. Dazu ist sein Volumen zu groß und seine Oberfläche zu klein. Bis er dann auf Temperatur ist, hat er vermutlich gleich viele Umdrehungen gemacht, egal ob man ihn zwischen drin ständig startet und stoppt oder durchlaufen lässt.
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Zitat:
@Provaider schrieb am 22. November 2014 um 13:05:47 Uhr:
Naja, wenn es draußen Minus grade sind und die Heizung auf Max steht dann kann das schon dauern bis er warm ist. Je neuer der Motor und je besser sein Wirkungsgrad, desto länger dauert es. Und 40°C ist nicht warm, da kommt nicht mal richtig wärme aus der Lüftung wenn keine Zusatzheizer verbaut wurden.
Das ist nicht ganz richtig 😉
"Wärmemanagement verkürzt Kaltlaufphase
Neu entwickelt wurde auch das Wärmemanagement: Im Kaltbetrieb strömt dank einer schaltbaren Wasserpumpe mit strömungsoptimiertem Kugelventil kein Kühlmittel durch den Motor, so werden die Brennräume nach dem Start schnell erwärmt. Der Thermostat ist elektronisch geregelt, die Kühlmitteltemperaturen werden in Abhängigkeit von Fahrweise und Umgebungsbedingungen eingestellt. Der Thermostat selbst ist ebenfalls ein strömungsoptimiertes Kugelventil. Im Interesse hoher Effizienz ist auch die Ölpumpe wie in den V-Motoren volumenstromgeregelt."
http://....mercedes-benz-passion.com/.../
Nur dumm das nicht alle Fahrzeuge mit Start Stopp ein gutes Wärmemanagement haben, es gibt wohl viele Fahrzeuge die einfach nur S-S nachgerüstet bekommen haben an einen bestehen Motor. Nur wenn der Motor neu entwickelt wurde konnte man sowas berücksichtigen. Schlimm wird es bei Diesel, die werden ja eh nicht richtig warm.
Natürlich ist das Abstellen eines Motor mit verschleiß verbunden, man muss ja wieder durch die Mischreibung. Und genau das machen die Gleitlager jedes mal wenn du sie aus dem Stillstand wieder anlaufen lässt. Siehe Stribeck Kurve. Unter eine Mindestdifferenz kann das Lager nicht aufschwimmen, egal wie dick oder dünn dein Öl ist.
Moin
Na, ganz so schlimm kann der Verschleiß beim Warmstart ja nicht sein. Sonst würde kein Prius lange leben, aber auch dort sind 200.000 und deutlich mehr, bis eine Million km normal. Zumindest aber haben sie keine kürzere Lebensdauer wie ein normaler Motor ohne StartStop und ähnliches.
Nur das beim Prius ab 50 Grad Wassertemperatur, also bei um 8 Grad außentemperatur nach gut zwei Minuten, der Motor bei jedem Gas weg nehmen stehen bleibt (unterhalb 69 kmh).
Moin
Björn
Zitat:
@Provaider schrieb am 23. November 2014 um 21:29:47 Uhr:
Natürlich ist das Abstellen eines Motor mit verschleiß verbunden, man muss ja wieder durch die Mischreibung. Und genau das machen die Gleitlager jedes mal wenn du sie aus dem Stillstand wieder anlaufen lässt. Siehe Stribeck Kurve. Unter eine Mindestdifferenz kann das Lager nicht aufschwimmen, egal wie dick oder dünn dein Öl ist.
Das ist richtig, aber das gilt genauso bei heißem Motor, kann also nicht als Argument gegen Kaltstarts verwendet werden, höchstens als Argument gegen Starten überhaupt.
Zitat:
@Provaider schrieb am 23. November 2014 um 21:29:47 Uhr:
Nur dumm das nicht alle Fahrzeuge mit Start Stopp ein gutes Wärmemanagement haben [...]
So richtig, aber pauschal, je neuer der Motor desto schlimmer, gilt halt nicht. Eher umgekehrt.
@Spacemarine
Trotzdem wird nach Wassertemp (Öl auch?) gegangen und öftersmal, solange die Karren kalt sind, gibts kein Start-Stop.
Der Prius ist ein schlechtes Beispiel für StartStop, den der hat eine andere Startprozedur als moderne Start Stop Fahrzeuge.
Moin
@ provaider
Du meinst den modernen Prius, und die unmodernen Bastellösungen....
Für die Mischreibung beim Neustart des stehenden Motors macht dies aber kaum einen Unterschied.
Lediglich die Drücke sind anders.
Moin
Björn
Zitat:
Es bleibt aber immer etwas Öl an den Lagerstellen, besonders wenn man den Motor erst gerade eben erst abgestellt hat und das Öl aufgrund der hohen Viskosität nocht nicht abfließen konnte. Das sollte ausreichen um die paar Sekunden bis zum vollen Öldruck aufzufangen.
Vorteil elektrisch betriebene Ölpumpe, die sich bei Neukonstruktionen immer mehr durchsetzt.
Der Prius kann den Motor hochdrehen und dann die Einspritzung und Zündung zuschalten, er hat nicht das Bedürfnis einen möglichst kurzen Start hinzulegen weil er auch ohne Verbrenner fährt.
Die VBM mit Start Stop spritzen Kraftstoff ein und Zünden den um den Motor anzuschieben. Somit ist mehr Druck auf den lagern ohne das sie sich drehen. Der prius kann den ganzen Motor beölen und dann zünden.
Die E-Pumpe für das Öl wäre toll, auch für den Turbo zum nachlaufen lassen. Leider müssen wir da noch etwas warten bis sie kommt. Aber vllt bringen sie die dann wenn sie 0W16 einführen.
Moin
Schrieb ich ja, der Druck ist ein anderer. Die Mischreibung beim hochdrehen bleibt aber. Zumal der Motor dies ja deutlich häufiger diesen Zustand hat.
Moin
Björn
Richtig, dazu noch ein Motor der geringer verdichtet, Miller Steuerzeiten und ein MPI ist, kein Vergleich zu den DI Motoren .
Mischreibung kannst nicht vermeiden, aber minimieren. Sei es durch weniger Startphasen oder durch andere Maßnahmen. Nicht umsonst gibt es polymerbeschichtete Gleitlager in den Start Stop Fahrzeugen.