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TOP THEMA: Peugeot SA - Varin's Vision

Themenstarteram 1. Dezember 2009 um 22:59

Quelle: http://www.ftd.de/.../50044411.html

 

Peugeot - Gewinner der Autokrise

 

Mit einem Strategiewechsel will der neue PSA-Chef Philippe Varin Marktführer werden. Dabei wäre der Peugeot- und Citroenhersteller beinahe das erste Krisenopfer geworden - wären da nicht die staatlichen Hilfen aus Paris gewesen.

 

Auf dem Weg zum Essen treffen die Ingenieure von Europas zweitgrößtem Automobilbauer auf den Gegner. Die Chefs von PSA Peugeot Citroën haben in ihrem Entwicklungszentrum Vélizy vor die Kantine den neuen VW Polo gestellt. Als Ansporn für ihre Mitarbeiter.

 

Traditionell lassen sich die Franzosen gerade bei Kleinwagen von der deutschen Konkurrenz ungern etwas vormachen. Dennoch haben sie bei der Entwicklung des neuen Citroën C3, der dieser Tage auf den Markt kommt, auch nach Wolfsburg geschielt. Zum Gegner. "VW hat lange Zeit daran gearbeitet, jedes neue Modell qualitätsmäßig und klassenmäßig deutlich höher anzusiedeln als das zuvor präsentierte", sagt Citroën-Chef Frédéric Banzet. "So gibt es einiges, was wir von denen lernen können."

 

In Vélizy, im ganzen Konzern herrscht ein neues Selbstbewusstsein. In den Turbulenzen von Absatzflaute, Kapitalschwäche, Strukturwandel ist PSA zum Krisengewinner geworden. Den vermeintlichen Abstiegskandidaten hat der Ehrgeiz gepackt: In Paris ist im Sommer mit Philippe Varin ein Vorstandschef angetreten, der entschlossen ist, die Misere zum Angriff zu nutzen - und den traditionsreichen Konzern zu alter Stärke zurückzuführen. "Ich habe PSA schon als großen Verlierer der Krise gesehen", sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Jetzt sieht das anders aus."

 

Denn gerade in den Monaten, in denen die Abwrackprämie die Märkte regierte, hat PSA die großen europäischen Konkurrenten ausgespielt, vor allem Volkswagen . In Deutschland konnten die Franzosen die Verkäufe dieses Jahr doppelt so schnell steigern wie VW, der Marktanteil schnellte von 5,7 auf 6,4 Prozent. Und das in einem Markt, in dem um jedes Zehntel Prozent gekämpft wird.

 

Im Frühjahr hatte der mächtige Peugeot-Clan die Notbremse gezogen. Die verschwiegene Haupteignerfamilie hinter PSA, neben den Piëchs, Porsches, Klattens und Agnellis eine der letzten Autodynastien Europas, wollte nicht mit ansehen, wie ihr Konzern zum ersten großen Opfer der Autokrise wird. Abrupt setzten sie PSA-Chef Christian Streiff vor die Tür und engagierten Varin, einen Manager ohne Branchenerfahrung, aber einen erprobten Sanierer, der in Rekordzeit den maroden britisch-indischen Stahlkonzern Corus restrukturiert hatte, ohne größere soziale Spannungen. Jetzt soll Varin PSA retten.

Seine Feuertaufe besteht der Neue Mitte November. Varin lässt 100 Analysten und ein paar Journalisten vor die Tore von Paris karren, in eine Halle seines Designzentrums. Er lässt sie auf Handys und Computer filzen, stellt sich solitär angestrahlt in die Mitte des dunklen Saals und verkündet den Aufbruch: 3,3 Mrd. Euro extra Gewinn in zwei Jahren, Marktanteilsgewinne, Einsparungen. Er will ein Profitabilitätsniveau, mit dem er VW auf die Pelle rücken würde.

 

Varin hat Visionen

 

Tönende Versprechen sind Analysten gewohnt, auch von PSA. Dieses Mal scheint es anders. 2009 werde PSA Geld einnehmen statt verbrennen, verkündet Varin. Er lockt nicht nur mit Zahlen, auch mit Visionen: PSA müsse vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister werden, sagt er, Versicherungen verkaufen, Werkstattpakete, Rundumversorgung. Geschäftsmodelle für urbane Zielgruppen, die auf Elektroautos abfahren, Teilnutzung, Dauerverfügbarkeit. "Wir wollen Dienstleistungen mit der gleichen Rigorosität entwickeln wie Fahrzeuge." Eine strategische Kehrtwende, mitten in der Krise.

Glückt die Operation, kann Varin zum Pionier der Branche werden. Und wenn er Probleme bekommt, kann er sich zugutehalten, nicht gelähmt reagiert zu haben wie so viele andere. Denn neben Fiat -Chef Sergio Marchionne , der Chrysler gekauft hat, ist er einer der ganz wenigen, die Neues wagen.

 

Kann das gut gehen? "Warum sollen wir Ihnen glauben?", schmettert ein Bankexperte dem neuen Konzernchef entgegen. Der blickt gütig durch seine Brille. Um zu überzeugen, wagt er einen Tabubruch. "Wir haben etwas gezögert", kokettiert er. Dann zeigt er sechs Autos, die noch niemand gesehen hat, nicht mal als Zeichnungen oder auf Paparazzi-Fotos - darunter das Modell, das für PSA so wichtig ist wie für VW der Golf: der Nachfolger des Peugeot 207, der erst in zweieinhalb Jahren auf den Markt kommen soll. Das Auto, das mit den aggressiven Linien des mäßig erfolgreichen 207 bricht, rollt um den Vorstand herum, bevor es schnell hinter einem Vorhang verschwindet.

 

Manchem im Saal steht der Mund offen. Üblich ist es, neue Autos erst ein halbes Jahr vor Marktstart zu zeigen. "Wenn man sich derart vor Analysten bis auf die Unterhose auszieht, signalisiert das große Dringlichkeit", sagt Automarketingmann Paolo Tumminelli, der an der Fachhochschule Köln lehrt. Philippe Houchois von UBS ergänzt: "Varin musste Beweise dafür liefern, dass er fähig ist, die Probleme zu überwinden."

 

Er hat. Hat am Design arbeiten lassen, an Markenimage, Modellpalette. Mit exakt platzierten Autos hat PSA den Nerv des Marktes getroffen, etwa dem Peugeot 3008, einem Familienkombi, der wie ein SUV aussieht, aber nicht so viel schluckt. Der Citroën C4 Picasso wurde bei Kompaktvans Europas Marktführer. Für den Preisdruck ist man nun weniger anfällig. "PSA ist neben BMW der einzige Hersteller, der in den kommenden Jahren wesentliche neue Modelle bieten kann", sagt Houchois. Den PSA-Leuten gelang es, die Wiederverkaufswerte ihrer Autos zu steigern. So wollen sie auch nach dem Ende der Abwrackprämie Firmenkunden gewinnen.

 

Dazu kommt die von Varin angekündigte Dienstleistungsoffensive: Ab Januar bietet Peugeot in Paris, Berlin und Amsterdam eine Prepaid-Karte, mit der man stundenweise Autos, Motorroller und Fahrräder mieten kann - Fahrzeuge, die ohnehin in den Niederlassungen herumstehen. "Das geht in die richtige Richtung", urteilt Andreas Knie, der am Wissenschaftszentrum Berlin seit Jahren über Mobilität forscht. "Autohersteller dürfen sich nicht mehr nur mit Autos beschäftigen, sondern mit der Vernetzung von Verkehrsbedürfnissen." Studien belegten, dass klassische Autokäufer Rundumbedienung mit Versicherungen, Langzeitgarantien und Rufbereitschaft schätzten. Die Alterung der Gesellschaft sei neben der Verstädterung der zweite Trend, der den Automarkt bestimme.

 

Vorerst auf Europa konzentrieren

 

Noch aber kämpft Varin mit allerlei strukturellen Schwächen. Die aktuellen Marktanteilsgewinne verdankt PSA vor allem den staatlichen Subventionsprogrammen: Als Spezialist für Kleinwagen und Einzelkunden war der Konzern da präsent, wo Abwrackkunden suchten. Und die fragile Finanzstruktur konnte 2009 nur eine staatliche Milliardenspritze retten.

 

Global fehlt PSA speziell in Wachstumsmärkten Größe. Denn obwohl die Marken Peugeot und Citroën seit Jahrzehnten in Lateinamerika präsent sind und Citroën in China neben VW zu den Pionieren zählt, krebst der Konzern dort bei Marktanteilen um drei Prozent herum. Zu wenig, um gut zu verdienen und am Boom zu partizipieren. PSA wird mit seinen Produkten zerrieben zwischen Weltkonzernen und lokalen Anbietern, zwischen Premiummarken und Billigangeboten. Kein Wunder, dass Varin sich nun nach Partnern umsieht.

 

Aber vorerst bleibt bei PSA alles auf den europäischen Markt zentriert, der in Zukunft bestenfalls stagniert. Die Franzosen verkaufen 70 Prozent ihrer Autos in Europa, bei Konkurrent VW sind es nur 48. Und punkten kann auf den hiesigen Märkten nur, wer beim Kampf um klimafreundliche Technik vorn liegt. Auch das ein Problem.

 

Technisch hat PSA die alten Vorsprünge verspielt. Zwar hat man einen sparsamen kleinen Benzinmotor in petto und prescht bei der Start-und-Stop-Technik voran. Doch was aus einer ganz neuen Antriebstechnik wurde, sieht man in Carrières-sous-Poissy. In einem Seitenflügel des PSA-Forschungszentrums verstauben Elektroautos aus den 90er-Jahren. 2005 wurde das Programm gestoppt. Nun verspricht Varin für 2010 ein E-Modell. Das aber liefert Partner Mitsubishi. PSA klebt nur seine Labels drauf.

 

"Sein Plan ist überzeugend, die Ziele sind erreichbar"

 

Immerhin spricht der Konzernchef die Schwächen schonungslos an. Er versucht es mit eigens für China und Lateinamerika entwickelten Autos. Außerdem scheint sein Programm einer langfristigen Strategie zu folgen. "Varin hat nicht von ungefähr davon gesprochen, dass er jetzt das Haus in Ordnung bringen will", sagt UBS-Experte Houchois. "Wenn ihm das gelingt, kann er anschließend aus einer Position der Stärke heraus Verhandlungen über Fusionen führen."

 

"Sein Plan ist überzeugend, die Ziele sind erreichbar", bilanziert auch Éric Michelis von der Société Générale. Und Helmut Becker, Berater und einst Chefvolkswirt bei BMW , sagt: "Wenn Varin die Strategie weiterverfolgt, müssen die Deutschen am Ende von den Franzosen lernen." Unter dem Druck der Krise würden Frankreichs Automanager progressiv, progressiver als die Deutschen.

 

Vor der Kantine in Vélizy glauben sie, dass das Lernen schon angefangen hat. Etwas abseits steht eine Mitarbeiterin. "Wir haben gehört", flüstert sie, "dass die sich in Wolfsburg schon den C3 haben kommen lassen."

 

Quelle: http://www.ftd.de/.../50044411.html

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2 Antworten

Der Mann hat Visionen, aber hat er auch Konzepte?

Die Zahlen sprechen nun irgendwie gegen seine Visionen...

http://www.kfz-betrieb.vogel.de/.../?icmp=aut-artikel-artikel-75

Und mit den Zahlen sieht sich PSA als Gewinner der Krise?

Naja...

Geil, einfach mal den Mitarbeitern nen Konkurenzfahrzeug vor die Nase stellen. So nachdem Motto: Bitte so und nich anders. Hoffentlich war es ein Polo Highline 1,2TSI

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