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Manöverkritik XE 20d Prestige

Jaguar XE

Da ich aktuell einen XE als Firmenwagen bewegen darf und nun die ersten paar tausend Kilometer hinter mir habe wollte ich mal ein paar Gedanken zu dem Wagen zusammenfassen, vielleicht dienen sie dem ein oder anderen als Orientierung oder Entscheidungshilfe.

Meine bis dahin einzige Erfahrung mit Jaguar war im Prinzip als Kind, als uns die Eltern eines Freundes damals noch im XJ der 90er Jahre durch die Gegend zu Freibad und Geburtstagsfeiern kutschiert haben. Für mich noch heute eine der schönsten Limousinen, sehr individuelle Formgebung, einfach eine schöne Umsetzung von Assoziationen die einem bei Begriffen wie "englischer Landadel" oder "Old Money" kommen.

Dass seitdem auch vor Jaguar der zweifelhafte "Fortschritt" in Form von Gleichteilen, Systemlieferanten und 2-Liter-Dieselmotoren nicht Halt gemacht war mir seit der ersten Sitzprobe im XE auf der IAA letztes Jahr dann auch bewusst geworden.

Als es dann nun hieß, ich könne wählen zwischen 3er, A4 und dem Jaguar habe ich trotzdem keine Sekunde gezögert und blind den Briten gezogen. Im Prinzip weil ich Audi noch nie mochte und seit dem Abgasskandal mich sowieso weigere, irgendetwas von VW anzufassen und privat schon einen 3er fahre (den aber sehr gerne).

Bekommen habe ich dann einen 180 PS 20d in Prestige-Ausstattung mit ziemlich vielen Schmankerln, allerdings nur dem kleinen Infotainment-System, auf 18" Matrix-Felgen in Caesium blau. Mit einigen Assistenzsystemen, Taurus-Leder, Xenon-Brennern liegt der Listenpreis bei rund 50.000 EUR.

Das schien mir erst recht viel, aber zur Verteidigung gleich mehr.

Außen:

Das Äußere des XE ist sicher sein größtes Asset. Ich sehe in von der Formgebung und der gefühlten Größe nicht unbedingt in einer Gruppe mit 3er, A4 oder C-Klasse sondern eher einem 4er Gran Coupe oder einem A5 Sportback - und die sind eben (gerechtfertigt oder nicht) sogar nochmal ein paar Euronen teurer. Mir sagten sogar schon Leute "Ich dachte schon, Du kommst mit einem Tesla", aber dafür ist er dann doch zu laut.

Linienführung und Überhänge sind einfach super gelungen, der Grill hat seine Eigenständigkeit zum Glück bewahrt, die Front wirkt schön geduckt, wie sich eine Raubkatze nunmal auch in der Regel bewegt. Das Fehlen der Kühlerfigur wäre mir garnicht aufgefallen, aber auch das wurde schon häufiger angemerkt: "Wo ist denn der Jaguar auf der Haube?"

Spricht dafür, dass, obwohl es lange ruhig war um Jaguar, dies den Leuten noch im Gedächtnis ist, und man hier den Wiedererkennungswert wohl deutlich steigern könnte.

Wo ich sehr gemischte Gefühle habe ist beim Heck. Hier scheint den Designern die Lust oder die Zeit ausgegangen zu sein. Die Leuchten mögen ja noch diskutabel sein (ich finde sie tendenziell zu groß und undefiniert in der Form). Was aber garnicht cool ist sind die Endrohre in Baumarkt-Optik - selbige hat ein E46 BMW 316i Baujahr 1998 - , eingelassen in den viel zu großen Ausschnitt dieses angedeuteten eBay-Diffusors. Das sieht wirklich übel aus, als wäre da die Endrohrblende verloren gegangen.

Innen:

Ich bin kein Innenraumfetischist, Haptik und Passung sind mir relativ egal, kann aber verstehen, wenn Leuten, die da Wert drauf legen, dies "zu wenig" ist, was der XE bietet. Lenkrad fasst sich gut an, der Hub-Drehknauf zur Gangwahl ist ein nettes Gimmick, aber ansonsten bewegt man sich hier auf nüchternem Niveau eines Opel Insignia oder Ford Mondeo. Die Gestaltung insgesamt ist definitiv zu beliebig, Materialwahl und Verarbeitung im Detail schwach, wobei man zugeben muss, dass hier die komplette Mittelklasse über die letzten Modellgenerationen "entfeinert" hat. Platzangebot empfinde ich aber als völlig ausreichend und die Sitze sind auch gut, spiegeln in ihrem Seitenhalt aber nicht die Fähigkeiten des Fahrwerks wider.

Was mich zur Weißglut treibt sind mehrere Knarz- und Vibrationsgeräusche, die im Innenraum auftreten. Insbesondere beim Rausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller übertragen sich bei rund 1900-2100 u/min die Frequenzen auf das komplette Armaturenbrett und alles dröhnt und vibriert als würde er gleich in eine Million Krümel zerbersten. Alles in allem setzt sich das beinah spektakuläre Äußere im Innenraum nicht ansatzweise fort, was sehr schade ist, aber wirklich schlimm, wird das nur für Audi-Fanboys sein, denen Aluknöpfe, Rastpunkte von Knöpfen und Gummilacke auf Schaltern wichtiger sind als Fahrleistung und -gefühl.

Elektronik, Infotainment, Assistenten & Ausstattung:

Die Menüoptik des Infotainmentsystems ist ebenfalls völlig beliebig gehalten, sieht bunt aus wie bei einem Nachrüst-Navi oder einem Huawei-Smartphone. Hier wäre die Weiterführung der Jaguar-CI (wenn es eine gibt?) schon nett. Die Tacho-Einheit wirkt auch bereits etwas eingestaubt mit ihren analogen Rundanzeigen und dem relativ geringauflösenden Display dazwischen. Die Bedienung ist allgemein eher wenig intuitiv und umständlich, insbesondere, dass ich zur Einstellung von Luftverteilung und Sitzheizung sowohl einen Druckschalter als auch den Touchscreen bedienen muss, finde ich schon sehr störend. Der Spurwarner ist meiner Meinung nach etwas überempfindlich, und der Fernlichtassistent etwas langsam. Fahre mittlerweile eigentlich ohne Fernlichtassistent, da ich doch häufig angeblinkt wurde von entgegenkommenden Fahrern.

Alle anderen Assistenten funktionieren aber gut. Insbesondere die Warnung vor sich von hinten schnell nähernden Fahrzeugen auf der Nebenspur sowie die "Ausparkhilfe", die den Querverkehr prüft, finde ich sehr hilfreich und kannte ich so noch nicht, wobei dies sicher mittlerweile Industriestandard ist.

Ansonsten, wie bei den Nischenherstellern mittlerweile irgendwie üblich, ist die Ausstattung zwar komplett, aber nicht gerade vorn dabei. WLAN-Hotspot, Matrixscheinwerfer und dergleichen sind eben garnicht verfügbar.

Antrieb und Fahrwerk:

Neben dem Karosseriedesign ist für mich das Fahrgefühl einer der großen Pluspunkte des XE. Satte Straßenlage mit gutem Feedback von Fahrwerk und Lenkung, präzise und störeinflussfrei dirigierbar, Heckantrieb trägt sein Übriges dazu bei. Ähnlich straff wie ein Audi, aber DEUTLICH weniger synthetisch und entkoppelt. Komfortabler als ein 3er BMW mit Standardfahrwerk, tendenziell auch mit höherer Wankneigung, die könnte für meinen Geschmack leicht geringer ausfallen. Alles in allem sehr gute Abstimmung, macht wirklich Spaß flott zu fahren. Das adaptive Fahrwerk ist generell eine Spielerei, die ich in der Regel nicht brauche, die Differenzierung zwischen den Modi ist aber beim XE fahrwerksseitig immerhin gut spürbar und der Sportmodus ist praktisch mein Standard. Bei manchen Modellen beschränkt es sich ja auf eine veränderte Gaspedal- und Lenkradkennlinie, was dann doch etwas albern ist.

Der 2-Liter-Diesel ist im kalten Zustand extrem laut nagelnd, was ich nicht ganz angemessen finde, was sich andererseits aber nach knapp 5 Minuten legt - richtig ruhig bleibt er jedoch nie. Dafür bietet er für meine Begriffe eine im Alltag absolut ausreichende Leistung, mit der man überdurchschnittlich schnell unterwegs ist, leichtfüßig überholt - und aber eben auch sparsam unterwegs sind. Die 4,2 Liter Werksangabe schaffe ich nicht, aber eine 5 vor dem Komma ist drin.

Die 8-Gang-Automatik ist ein gelungenes Stück Technik, wobei sie bei schnellerer Gangart, insb. im manuellen Schaltbetrieb doch zu ruppig bis harten Gangwechseln neigt. Mit dem Motor ist der XE aber sowieso eher ein schneller Gleiter als eine wirkliche Sportlimousine, insofern passt das. Die Gangwechsel sind jedenfalls kaum merklich langsamer als bei einem DKG, mit geübtem Fuß lässt sich auch das kleine Turboloch gut kaschieren.

Fazit:

Der XE hat zwei große Stärken, die mir persönlich auch sehr wichtig sind, nämlich eine fahrerorientierte Antriebs- und Fahrwerksauslegung und eine, mit leichten Abstrichen, grandiose Optik.

Leider merkt man aber, dass Jaguar mit dem Wagen ganz ganz stark versucht, das "Establishment" zu kopieren und deren Stärken möglichst identisch abzubilden, ohne aber echte Mehrwerte zu Tage zu fördern. Ausstattungsmöglichkeiten und Bedienung sind eher enttäuschend, manche Details nicht zu Ende gedacht. Ich würde ihn als Firmenwagen immer wieder nehmen, zweifellos, und allein dem Individualismus wegen, aber er löst in der Form, in der ich ihn nun fahre, kein gesteigertes Verlangen nach Privatbesitz aus. Dafür fehlt ihm etwas Rasse und Eigenständigkeit. Vielleicht wäre die Ausstattung R-Sport die noch etwas bessere Lösung für mich.

Da der Wertverfall nicht ohne zu sein scheint, Jahreswagen mit Prestige-Ausstattung gibt es schon für <30.000 EUR, wird man mit Sicherheit mittelfristig beim Privatwagenkauf dennoch auch einen XE in die engere Auswahl einbeziehen können.

Allgemein finde ich die Tendenz zu mehr Diversität in der Mittelklasse, mittlerweile gegeben durch Alfa Giulia, Jaguar XE, Volvo S60 oder auch, wenn auch andere Preisliga, eine Maserati Ghibli, doch sehr schön - wirkt sie dem Vertreterkutschen-Einheitsbrei auf der linken Spuren in Deutschland doch entgegen, auch wenn noch in homöopathischen Dosen. Das wiederum ist aber auch gut so, denn einer der guten Gründe für das Fahren des XE ist doch seine vergleichsweise Seltenheit.

Beste Antwort im Thema

Da ich aktuell einen XE als Firmenwagen bewegen darf und nun die ersten paar tausend Kilometer hinter mir habe wollte ich mal ein paar Gedanken zu dem Wagen zusammenfassen, vielleicht dienen sie dem ein oder anderen als Orientierung oder Entscheidungshilfe.

Meine bis dahin einzige Erfahrung mit Jaguar war im Prinzip als Kind, als uns die Eltern eines Freundes damals noch im XJ der 90er Jahre durch die Gegend zu Freibad und Geburtstagsfeiern kutschiert haben. Für mich noch heute eine der schönsten Limousinen, sehr individuelle Formgebung, einfach eine schöne Umsetzung von Assoziationen die einem bei Begriffen wie "englischer Landadel" oder "Old Money" kommen.

Dass seitdem auch vor Jaguar der zweifelhafte "Fortschritt" in Form von Gleichteilen, Systemlieferanten und 2-Liter-Dieselmotoren nicht Halt gemacht war mir seit der ersten Sitzprobe im XE auf der IAA letztes Jahr dann auch bewusst geworden.

Als es dann nun hieß, ich könne wählen zwischen 3er, A4 und dem Jaguar habe ich trotzdem keine Sekunde gezögert und blind den Briten gezogen. Im Prinzip weil ich Audi noch nie mochte und seit dem Abgasskandal mich sowieso weigere, irgendetwas von VW anzufassen und privat schon einen 3er fahre (den aber sehr gerne).

Bekommen habe ich dann einen 180 PS 20d in Prestige-Ausstattung mit ziemlich vielen Schmankerln, allerdings nur dem kleinen Infotainment-System, auf 18" Matrix-Felgen in Caesium blau. Mit einigen Assistenzsystemen, Taurus-Leder, Xenon-Brennern liegt der Listenpreis bei rund 50.000 EUR.

Das schien mir erst recht viel, aber zur Verteidigung gleich mehr.

Außen:

Das Äußere des XE ist sicher sein größtes Asset. Ich sehe in von der Formgebung und der gefühlten Größe nicht unbedingt in einer Gruppe mit 3er, A4 oder C-Klasse sondern eher einem 4er Gran Coupe oder einem A5 Sportback - und die sind eben (gerechtfertigt oder nicht) sogar nochmal ein paar Euronen teurer. Mir sagten sogar schon Leute "Ich dachte schon, Du kommst mit einem Tesla", aber dafür ist er dann doch zu laut.

Linienführung und Überhänge sind einfach super gelungen, der Grill hat seine Eigenständigkeit zum Glück bewahrt, die Front wirkt schön geduckt, wie sich eine Raubkatze nunmal auch in der Regel bewegt. Das Fehlen der Kühlerfigur wäre mir garnicht aufgefallen, aber auch das wurde schon häufiger angemerkt: "Wo ist denn der Jaguar auf der Haube?"

Spricht dafür, dass, obwohl es lange ruhig war um Jaguar, dies den Leuten noch im Gedächtnis ist, und man hier den Wiedererkennungswert wohl deutlich steigern könnte.

Wo ich sehr gemischte Gefühle habe ist beim Heck. Hier scheint den Designern die Lust oder die Zeit ausgegangen zu sein. Die Leuchten mögen ja noch diskutabel sein (ich finde sie tendenziell zu groß und undefiniert in der Form). Was aber garnicht cool ist sind die Endrohre in Baumarkt-Optik - selbige hat ein E46 BMW 316i Baujahr 1998 - , eingelassen in den viel zu großen Ausschnitt dieses angedeuteten eBay-Diffusors. Das sieht wirklich übel aus, als wäre da die Endrohrblende verloren gegangen.

Innen:

Ich bin kein Innenraumfetischist, Haptik und Passung sind mir relativ egal, kann aber verstehen, wenn Leuten, die da Wert drauf legen, dies "zu wenig" ist, was der XE bietet. Lenkrad fasst sich gut an, der Hub-Drehknauf zur Gangwahl ist ein nettes Gimmick, aber ansonsten bewegt man sich hier auf nüchternem Niveau eines Opel Insignia oder Ford Mondeo. Die Gestaltung insgesamt ist definitiv zu beliebig, Materialwahl und Verarbeitung im Detail schwach, wobei man zugeben muss, dass hier die komplette Mittelklasse über die letzten Modellgenerationen "entfeinert" hat. Platzangebot empfinde ich aber als völlig ausreichend und die Sitze sind auch gut, spiegeln in ihrem Seitenhalt aber nicht die Fähigkeiten des Fahrwerks wider.

Was mich zur Weißglut treibt sind mehrere Knarz- und Vibrationsgeräusche, die im Innenraum auftreten. Insbesondere beim Rausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller übertragen sich bei rund 1900-2100 u/min die Frequenzen auf das komplette Armaturenbrett und alles dröhnt und vibriert als würde er gleich in eine Million Krümel zerbersten. Alles in allem setzt sich das beinah spektakuläre Äußere im Innenraum nicht ansatzweise fort, was sehr schade ist, aber wirklich schlimm, wird das nur für Audi-Fanboys sein, denen Aluknöpfe, Rastpunkte von Knöpfen und Gummilacke auf Schaltern wichtiger sind als Fahrleistung und -gefühl.

Elektronik, Infotainment, Assistenten & Ausstattung:

Die Menüoptik des Infotainmentsystems ist ebenfalls völlig beliebig gehalten, sieht bunt aus wie bei einem Nachrüst-Navi oder einem Huawei-Smartphone. Hier wäre die Weiterführung der Jaguar-CI (wenn es eine gibt?) schon nett. Die Tacho-Einheit wirkt auch bereits etwas eingestaubt mit ihren analogen Rundanzeigen und dem relativ geringauflösenden Display dazwischen. Die Bedienung ist allgemein eher wenig intuitiv und umständlich, insbesondere, dass ich zur Einstellung von Luftverteilung und Sitzheizung sowohl einen Druckschalter als auch den Touchscreen bedienen muss, finde ich schon sehr störend. Der Spurwarner ist meiner Meinung nach etwas überempfindlich, und der Fernlichtassistent etwas langsam. Fahre mittlerweile eigentlich ohne Fernlichtassistent, da ich doch häufig angeblinkt wurde von entgegenkommenden Fahrern.

Alle anderen Assistenten funktionieren aber gut. Insbesondere die Warnung vor sich von hinten schnell nähernden Fahrzeugen auf der Nebenspur sowie die "Ausparkhilfe", die den Querverkehr prüft, finde ich sehr hilfreich und kannte ich so noch nicht, wobei dies sicher mittlerweile Industriestandard ist.

Ansonsten, wie bei den Nischenherstellern mittlerweile irgendwie üblich, ist die Ausstattung zwar komplett, aber nicht gerade vorn dabei. WLAN-Hotspot, Matrixscheinwerfer und dergleichen sind eben garnicht verfügbar.

Antrieb und Fahrwerk:

Neben dem Karosseriedesign ist für mich das Fahrgefühl einer der großen Pluspunkte des XE. Satte Straßenlage mit gutem Feedback von Fahrwerk und Lenkung, präzise und störeinflussfrei dirigierbar, Heckantrieb trägt sein Übriges dazu bei. Ähnlich straff wie ein Audi, aber DEUTLICH weniger synthetisch und entkoppelt. Komfortabler als ein 3er BMW mit Standardfahrwerk, tendenziell auch mit höherer Wankneigung, die könnte für meinen Geschmack leicht geringer ausfallen. Alles in allem sehr gute Abstimmung, macht wirklich Spaß flott zu fahren. Das adaptive Fahrwerk ist generell eine Spielerei, die ich in der Regel nicht brauche, die Differenzierung zwischen den Modi ist aber beim XE fahrwerksseitig immerhin gut spürbar und der Sportmodus ist praktisch mein Standard. Bei manchen Modellen beschränkt es sich ja auf eine veränderte Gaspedal- und Lenkradkennlinie, was dann doch etwas albern ist.

Der 2-Liter-Diesel ist im kalten Zustand extrem laut nagelnd, was ich nicht ganz angemessen finde, was sich andererseits aber nach knapp 5 Minuten legt - richtig ruhig bleibt er jedoch nie. Dafür bietet er für meine Begriffe eine im Alltag absolut ausreichende Leistung, mit der man überdurchschnittlich schnell unterwegs ist, leichtfüßig überholt - und aber eben auch sparsam unterwegs sind. Die 4,2 Liter Werksangabe schaffe ich nicht, aber eine 5 vor dem Komma ist drin.

Die 8-Gang-Automatik ist ein gelungenes Stück Technik, wobei sie bei schnellerer Gangart, insb. im manuellen Schaltbetrieb doch zu ruppig bis harten Gangwechseln neigt. Mit dem Motor ist der XE aber sowieso eher ein schneller Gleiter als eine wirkliche Sportlimousine, insofern passt das. Die Gangwechsel sind jedenfalls kaum merklich langsamer als bei einem DKG, mit geübtem Fuß lässt sich auch das kleine Turboloch gut kaschieren.

Fazit:

Der XE hat zwei große Stärken, die mir persönlich auch sehr wichtig sind, nämlich eine fahrerorientierte Antriebs- und Fahrwerksauslegung und eine, mit leichten Abstrichen, grandiose Optik.

Leider merkt man aber, dass Jaguar mit dem Wagen ganz ganz stark versucht, das "Establishment" zu kopieren und deren Stärken möglichst identisch abzubilden, ohne aber echte Mehrwerte zu Tage zu fördern. Ausstattungsmöglichkeiten und Bedienung sind eher enttäuschend, manche Details nicht zu Ende gedacht. Ich würde ihn als Firmenwagen immer wieder nehmen, zweifellos, und allein dem Individualismus wegen, aber er löst in der Form, in der ich ihn nun fahre, kein gesteigertes Verlangen nach Privatbesitz aus. Dafür fehlt ihm etwas Rasse und Eigenständigkeit. Vielleicht wäre die Ausstattung R-Sport die noch etwas bessere Lösung für mich.

Da der Wertverfall nicht ohne zu sein scheint, Jahreswagen mit Prestige-Ausstattung gibt es schon für <30.000 EUR, wird man mit Sicherheit mittelfristig beim Privatwagenkauf dennoch auch einen XE in die engere Auswahl einbeziehen können.

Allgemein finde ich die Tendenz zu mehr Diversität in der Mittelklasse, mittlerweile gegeben durch Alfa Giulia, Jaguar XE, Volvo S60 oder auch, wenn auch andere Preisliga, eine Maserati Ghibli, doch sehr schön - wirkt sie dem Vertreterkutschen-Einheitsbrei auf der linken Spuren in Deutschland doch entgegen, auch wenn noch in homöopathischen Dosen. Das wiederum ist aber auch gut so, denn einer der guten Gründe für das Fahren des XE ist doch seine vergleichsweise Seltenheit.

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6 Antworten

Danke für den Text, habe ich mit Interesse gelesen!

Nick

sehr detaillierte und interessante fahrzeugbeschreibung.

Guter Testbericht.

Wenn ich in eine paar Jahren mal meine beiden Autos gegen eins ersetzen will, steht der XE neben der Guilia auf der Haben-Wollen-Liste, natürlich nicht mit dem Ölbrenner vorne drin, sondern mit einem PKW-Motor.

Schöner ausführlicher Bericht, prima, vielen Dank! :-)

1-2-3 Kommentare wollte ich dazu abgeben, auch wenn ich den XE nur mal für einen Tag hatte (habe noch meinen 2010er XF 3.0D):

- Den Leaper gibt's auf deutschen Neufahrzeugen bald 20 Jahre nicht mehr, "zu gefährlich", im Ausland wird er teils noch angeboten

- Der XE soll lt. Jaguar ganz klar mit C, 3er und A4/A5(=besserer A4) konkurrieren, die nächste Etage ist der XF der bei 5er- und A6-Kunden wildern soll

- Ich finde der Inneraum ist bei allen drei Modellen (XE, A4,..) auch nicht sonderlich groß

- Die Frontansicht des XE ist wirklich super, die Rücklichter finde ich dagegen auch erstaunlich öde, gerade wenn man sich den neuen XF, F-Pace und F-Type anschaut

- Der Auspuff - naja, es ist nun mal ein 2.0D, was soll man da große Röhren dran hängen?

Vielleicht eine kleine Chromblende aus dem Zubehör.

- Das Interieur ist mir z.B. sehr wichtig, der Hauptgrund warum ich seit 15 Jahren Jaguar fahre.

Ich fühle mich in den Fahrzeugen einfach wohl (das 2010er A5 Cabrio meiner Frau hat eine rote KI-Anzeige und viel graues Plastik - grauenhaft, das war in meinem 2001er X-Type schöner ...) und ich kann bequem und entspannt auch lange Strecken fahren.

- Für mich stellt das Design übrigens eine schlichte Eleganz dar (Ian Callum mag das anders genannt haben), das mit dem XK Facelift und dem ersten XF kultiviert wurde. Die Weiterentwicklung des Infotainment im neuen XF und XE gefällt mir nicht mehr ganz so gut, zu viele Knöpfe und eben diese merkwürdige Interaktion Touchscreen/Knöpfe.

- Sicher hat man hier auch an der Sparschraube gedreht, was die Materialien angeht, aber so schlimm finde ich es im Vergleich zur Konkurrenz nicht.

- Baukasten und Designvarianten sind wohl der Profitabilität geschuldet, man muss wohl oder übel zugeben, dass Ford damals Jaguar so gerettet hat.

- Dass nun hinter dem "R" Modell nicht mehr der Kompressor Motor steht sondern nur "ein paar Spoiler" finde ich dann doch etwas albern.

- Überhaupt passt sich Jaguar ja doch kräftig der Nachfrage an, sonst würde es wohl keine 2-Liter Diesel geben. Früher hat es keinen Jaguar Fahrer interessiert ob er 10-12-14 Liter verbraucht, solange der Tank groß genug war ;-)

- Und wenn man einem 2.0D Leistung abverlangt wird er nun mal laut, man kann nicht gleichzeitig einen "Sparfuchs" und einen "Renner" haben, das geht vielleicht mit Hybrid-Technik.

- "Echte Jaguar Performance" wird man nur bei den großen Benzin-Motoren erfahren, mein 3.0D Bi-Turbo ist zwar auch schon recht flink, aber eben doch ein Diesel

- Das adaptive Fahrwerk (früher bei Jaguar "CATS") ist schon sinnvoll, fahr mal die gleiche langgezogene Autobahnkurve mit 100 km/h und mit 180 km/h, dann merkt man den Unterschied auch ohne "Sport-Modus".

- Letzten Endes muss Jaguar auch Stückzahlen verkaufen, um dauerhaft zu überleben, deswegen gibt es moderne Fahrzeuge wie XE + XF und keinen S-Type mehr.

- Warum der Wertverfall bei den Modellen der letzten Jahre immer noch so groß ist, bleibt mir ein Rätsel. Die deutsche Konkurrenz ist m.E. nicht mehr viel besser/haltbarer. Gut, der Käufer freut sich über die Preise der Jahreswagen und Co., aber dann muss er den Wagen wohl behalten bis er auseinander fällt...

Meine Erfahrungen mit dem XE und Jaguar sind diese:
Ein sehr schönes Auto, das Design ist wunderschön.Und man hat etwas was andere nicht haben.Doch auch das gibt es.
Störanfällige Elektronik.Häufiger Ausfall von Assistenzsystemen ,auch Audio und Navi melden sich häufig ab.Als Krönung lies sich das Fahrzeug nicht mehr ab/erschliessen.Bislang war der XE innerhalb bisherigen Nutzungszeit 1,5 Jahre ca. 11 Wochen in der Werkstatt.
Besonders nervig ist es, dass nach den Software Updates, (davon gibt es einige)ob für /durch die Wartung oder zur Fehlersuche die gespeicherten Daten,Einstellungen,Favoriten, etc. neu eingegeben werden müssen. Jaguar kennt oder kann keine Datensicherung! Trotz USB Anschluss.Das Problem sei bekannt sagt man.Es gibt keine Lösung! Kaum zu glauben.
Achtung, das gilt auch für die Einstellungen zu autom.Parkhilfe/Distanzkontrolle,etc.
Sie müssen neu eingegeben werden ansonsten.........Prost Mahlzeit.
Die Werkstätten selbst tun ihr bestes... das reicht aber nicht.
Die deutsche Organisation ist ein Desaster und ist nicht gerade für Ihre Kundenorientierung bekannt. Man posiert lieber in einschlägigen Magazinen und organisiert Events.Mitarbeiter haben geringe Entscheidungskompetenzen. Wünsche ,Fragen Beschwerden werden mit Standard-Mails erledigt....Wir bedauern...
Dabei war Jaguar einmal anders. Freundlicher, näher am Menschen, näher am Ball. Mitarbeiter waren Fachleute auch ohne Zertifizierung und Customer Award. Heute sitzen einem Nervenbündel unter Zeitdruck gegenüber oder Sprechmaschinen. In die Werkstatt durfte man noch rein.Geht nicht mehr.Unfallgefahr! Heute gibt es klimatisierte Aufenthaltsräume mit NTV an der Wand,Teeküchen, Bars, etc.Schon einmal nachgedacht wer das zahlt? Der Kunde.
Bei Jaguar läuft es nun wie fast bei allen Herstellern nach diesem Muster.
Die Werbung ist hui.Alles ist toll, cool, unglaublich, neu, usw.
Lauter coole Typen, fröhliche Kunden, mit Frau und Kind....und natürlich darf ein Hund nicht fehlen und die tollen Landschaften...
Bei Problemen verweist man den Kunden auf die AGBs. Die Beweislast trägt der Kunde. Man läst ih hängen.Selber schuld.Durch Kostensenkungsprogramme und Effizienz- Steigerungsprogramme werden Mitarbeiter modelliert, angepasst und trauen sich nicht mehr zu.
Die Showroom s werden immer aufwendiger, größer, toller, Kaffee bis zum abwinken.
Hauptsache der Kunde kauft.Danach heisst es im besten Fall ...Tut uns leid.
Der Deutschland Chef oder Vorstandsvorsitzende schottet sich ab,hat nie etwas gewusst und wenn er nicht mehr zu halten ist ,dann geht er mit vollem Vertrauen des Aufsichtsrates/Beirates in die Rente oder so.

Habe meinen jetzt 15 Monate und 18.500km auf der Uhr. Habe das "kleine Navi", also nicht das PRO und somit auch keine Ausfälle, oder andere elektronische Probleme. Bestenfalls die Verkehrszeichen- Erkennung kann ich bemotzen, weil jene eher nach dem Zufallsprinzip arbeitet und meine System- Uhr geht im Monat eine Minute nach. Einmal hatte ich das Problem, dass sich mein Panoramadach nicht mehr schließen ließ. Habe es selbst nach Anleitung zurückgesetzt, seither schließt es wieder astrein. Die Verkehrszeichenerkennung ist für mich sekundär und der angebliche SW Update ohnehin noch nicht erhältlich. Diese Dinge bringe ich dann beim 1. Service unter.

Was die Funksperre der Türen betrifft, so hat das heute jeder Wagen. Entweder sind es Störsender, weil gerade wieder ein Automarder sein Unwesen treibt, oder irgendeine andere Funkfrequenz überlagert den kleinen Handsender. Ich habe dieses eher selten auftretende Problem jetzt beim 3. Auto und jedes war eine andere Marke (Mercedes, Alfa und jetzt eben der Jag).

Bis jetzt war mein XE noch nie in der Werkstatt, außer wegen der Rückrufaktion bez. einer angeblich lockeren Schelle am Kühlsystem. Aber da habe ich gleich darauf gewartet. Da habe ich bei einem Mercedes SLK Neuwagen ganz andere Dinge miterlebt, das war wieder mein persönlicher Supergau! Von meiner Warte aus betrachtet, kann ich den XE bedingungslos empfehlen. Was den Innenraum anbelangt, wer hier Leder ordert bekommt das Armaturenbrett ebenfalls überzogen und mit wunderschönen Kontrast- Nähten versehen. So ausgestattet hält er optisch locker den Vergleich mit den gehobenen Mitbewerbern dieser Klasse stand.

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