LKW und Schneefall. Keine gute Kombination
Was veranläßt Fahrer von LKW´s, die auch noch ohne geeignete Bereifung unterwegs sind, bei starkem Schneefall an Autobahnsteigungen auf die mittlere und sogar die linke Fahrspur zu gehen, um schon fast stehende (mit durchdrehenden Rädern) LKW zu überholen? Dabei aber selber liegen bleiben, und die Autobahn komplett blockieren.
Die Folge: Mehrer Stunden Stau !!
Ganz schlaue fahren dann von der Autobahn runter, mit ihren LKW , und versuchen ihr Glück auf Ausweichruten. Dumm nur, wenn diese auch über Steigungen verfügen und nun auch blockiert werden.
Die Folge: Ausweichrute gesperrt !!
Alles erfunden? Nein, erst jetzt am Wochenende erlebt.
Wieso gibt es keine Mitführungspflicht von Ketten für LKW, und zwar eine kalendarische?
Das Problem mit der Bereifung ist dem BGL bekannt, dennoch gibt es jedes Jahr die gleichen Szenarien.
Beste Antwort im Thema
Zitat:
@Alpenfreund schrieb am 1. Februar 2015 um 19:51:00 Uhr:
Was veranläßt Fahrer von LKW´s, die auch noch ohne geeignete Bereifung unterwegs sind, bei starkem Schneefall an Autobahnsteigungen auf die mittlere und sogar die linke Fahrspur zu gehen, um schon fast stehende (mit durchdrehenden Rädern) LKW zu überholen?
Antwort:
Das Wissen, selber in solchen Situationen nicht wieder anfahren zu können, falls sie endgültig zum stehen kommen sollten.
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Zitat:
@Holdi79 schrieb am 10. Februar 2021 um 21:00:34 Uhr:
Was die Winterreifen angeht versuche ich mal ein wenig aufzuklären. Einen richtigen Winterreifen für Lkws gibt es eigentlich garnicht. Ihr dürft das nicht wie bei euch mit dem PKW vergleichen. Es gibt eigentlich nur zwei Arten von Reifen für die Antriebsachse. Das erste, ich nenne es mal straßenprofil und das zweite ist ein Grobstollenprofil. Die Grundmischung des Gummis ist immer die selbe, nur das Profil sieht anders aus. Allerdings haben beide Reifen Arten vor und Nachteile....
Verstehe ich (als nicht LKW-Fahrer) nicht. Seit 2020 ist es doch Pflicht auf Antriebs- und Lenkachse Winterbereifung zu haben. Die Reifen müssen auch dieses Symol "Berg mit Schneeflocke" haben.
Hat denn dieses "Grobstollenprofil" ein ensprechendes Symbol?
Wenn ich mal nach LKW-Winterreifen google, dann finde ich auch genug ausgewiesene Winterreifen die jetzt nicht sehr grobstollig wirken.
Zitat:
@Bamako schrieb am 10. Februar 2021 um 15:13:44 Uhr:
Es wurde im aktuellen Beispiel "Bielefelder Berg" ja auch schon eingestanden, dass die Nachricht über das Fahrverbot nicht alle Fahrer erreicht hat.
Ich sehe hier die Speditionen in der Verantwortung, ihre Fahrer über punktuelle / temporäre Fahrverbote zu informieren und dafür zu sorgen dass diese sich dran halten.
Für alle andern Dinge wissen sie ja auch, wie sie ihre Fahrer 24/7 erreichen können. Hier dann nicht ?
@Homie777 ...bei einem LKW kannste nicht mal eben, wie bei einem PKW nen Satz Reifen wechseln... bei einem Sattelzug mit 5 Achsen würde ich mal so grob über den Daumen schätzen ist das für 2 Mann fast eine Tagesaufgabe... außerdem mußte den nicht benötigten Satz auch irgendwo lagern... selbst bei einer kleinen Spedition mit nur wenigen Zügen kommt da einiges zusammen.
Aus der Praxis würde ich für LKWs keine Winterreifen vorschreiben, sondern bei winterlichen Straßenverhältnissen nur die Mindest-Profiltiefe auf ca. 8mm hochschrauben -obs jetzt in einem Gesetz 6 oder 10mm sind ist egal. So reichen z.B. wie das viele Firmen sowieso schon immer machen zum Winter hin neu aufgezogene Reifen jedweder Art mit gutem Profil.
Außerdem würde ich auf LKWs Schneeketten vorschreiben, die bringen nämlich wirklich was... müssen keine 7 Stück, wie in den skandinavischen Ländern sein, aber mindestens für die Antriebsachsen... damit bekommt man auch ohne fremde Hilfe -insofern sich der Fahrer zu helfen weiß- auch einen festgefahrenen LKW wieder zum Laufen.
Die Situation auf den LKWs ist heute so, dass die meisten Fahrer bei Problemen -LKW festgefahren, Reifenplatzer, Pannen, usw.- sowieso kapituliert haben, die Hände in die Hosentache stecken und sagen is nicht mein Job.
Und die paar die motiviert wären sich selbst zu helfen haben keine Chance, weil se austattungsmäßig nichts dabei haben... kein Werkzeug (das Bordwerkzeug der meisten Hersteller ist ein Witz), keine Ersatzteile, keine Abschleppstange oder Abschleppseil -viele spielenda dann mit Spanngurten rum und machen dabei noch etliches kaputt, wenn die reißen-, nicht mal nen Satz Spiralkabel (Druckluft / Strom).
Ich hatte z.B. damals in Eigenregie, privat organisiert einen Sack Split im Staukasten am Auflieger um bei eisglatter Fahrbahn zum Anfahren ggf. ein paar Hände voll davon unter die Antriebsreifen schmeißen zu können.
Wie schon gesagt, ich würde Ketten vorschreiben... und bei den sowieso vorgeschriebenen Modulschulungen könnte man den Fahrern ja auch mal so als praktischen Teil zeigen wie man die Dinger aufzieht - ich hab das z.B. am Wolf (MB G-Klasse), Unimog und MAN GL bei der Bundeswehr gelernt.
Zitat:
@gast356 schrieb am 11. Februar 2021 um 08:35:45 Uhr:
...bei einem LKW kannste nicht mal eben, wie bei einem PKW nen Satz Reifen wechseln... bei einem Sattelzug mit 5 Achsen würde ich mal so grob über den Daumen schätzen ist das für 2 Mann fast eine Tagesaufgabe.
.....
Ist aber in D seit 2020 Pflicht.
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...dann wären die LKWs halt mit aufgezogenen Winterreifen quer gestanden.
Die Wirkung von einem Winterreifen gegenüber einem guten neuen normalen Reifen / Sommerreifen ist marginal.
Und vieles hängt auch von der Qualität der Fahrer ab... die im Durchschnitt zunehmend schlechter wird und das ist keine Einschätzung sondern Fakt.
Erfahrene alte Hasen, die sich zu helfen wissen gehen zunehmend in Rente, die guten Fahrer mittleren Alters flüchten in andere besser bezahlte und weniger streßige Jobs... über bleiben die die sonst nirgends unter kommen, blutige Anfänger, von den Spediteuren mit allen möglichen Aktionen / Werbeaktionen ala "Fahrermangel" / "Dmax, Schubert, Truckerbabes und Konsorten" in die Führerhäuser gezerrte "Hausfrauen" und die wenigen erfahrenen guten Fahrer, die den Job aus Überzeugung machen richten als extreme Minderheit auch nix mehr raus.
PS:...nur mal so als Beispiel ich hab letztens aus Euphorie, daraus resultierender Dummheit und noch unerfahren mit dem neuen LKW selbst einen voll geländegängigen Allrad in einer Steigung zum Stehen gebracht... bin dann rückwärts die Steigung wieder runter.
Ich hatte aber die entsprechende Technik und wußte was los ist... also nicht mit Automatik sondern manueller Modus, damit der nicht in der Steigung zu Schalten beginnt und außerdem ASR (Anti-Schlupf-Regelung) aus... sonst regelt der mir die Motorleistung weg sobald auch nur ein Rad durchgeht.
Die Differentialsperren hab ich nicht mal mehr gebraucht... so bin ich da im Steinbruch problemlos etliche Mal am Tag die satte Rampe zur oberen Abbauebene hochgefahren.
Ein Sattelkipper, der nur eine angetriebene Achse hatte hat es auch versucht... der hat nach 3 Versuchen mit entsprechendem Anlauf aufgegeben.
Es gibt Sattelzüge, die haben noch nicht Mal eine Differentialsperre. Da hat man dann ganz schnell verloren.
Unbestreitbar ist auch, das gerade auf'm Sattelzug absolute Einzeller sitzen zum Teil.
Das Foto habe ich letzten Winter aufgenommen:
Ca 8% Steigung, ich bin da selbst mit nem Geländekipper nur quer mit durchdrehenden Rädern hoch gekommen.
Ich komm wieder runter, Straße dicht. Ein Pole kommt, fährt sich am Fuß der Steigung direkt fest. Was macht der zweite Pole? Versucht an ihm vorbei zu fahren und hängt direkt daneben fest.
Die Typen sollte man wahrlich ohrfeigen.
...hab ich aber ganz ehrlich noch keinen gesehen... bis jetzt hatte jeder den ich gefahren hab meist den "Kaffee-Mühlen-Wählschalter" für die Diff.-Sperre.
Und mein neuer hat sogar neben offenen Sperren 3 weitere "Mahlstufen" 😁
Ich hab schon LKW-Knäuel erlebt, dazu haben die nicht mal ne Steigung gebraucht... die sind mit den Kühl-Sattelzügen bei Dachser aufm scheebedeckten nicht geräumten & vereisten Hof so ineinader gerrutscht, dass sich keiner mehr einen Millimeter bewegen konnte... ich hab halt etwas weiter weg gewartet, bis die Rangierfläche und die Rampe(n) -übrigends per Hand von uns Fahrern und einigen vom Lagerpersonal mit allem was man im Lager an Schaufeln und Besen auftreiben konnte- freigeräumt waren.
Zitat:
@Holdi79 schrieb am 10. Februar 2021 um 21:00:34 Uhr:
Wo ich euch recht geben muß ist das auf einer drei spurigen Fahrbahn ganz links kein LKW was zu suchen hat.
Was ja, wie im Thread bereits geschrieben, in der StVO so verankert ist (§ 7, Abs. 3c) 🙂
Um hier möglichen Missverständnissen vorzubeugen: Ebenso wie PKW sind auch Kraftomnibusse (KOM), die die linke von drei Fahrspuren für eine Richtung nutzen, von § 7 (3c) StVO
nichtbetroffen.
Abgesehen von dieser Ausnahme, gilt § 5 (3a) StVO (
"Wer ein Kraftfahrzeug mit einer zulässigen Gesamtmasse über 7,5 t führt, darf unbeschadet sonstiger Überholverbote nicht überholen, wenn die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m beträgt.") natürlich für LKW wie KOM.
Mal ehrlich:
Ich habe in den letzten Tagen TAUSENDE sauber abgestellte, wartende LKW gesehen, einige Dutzend, die versucht haben, sich dazuzustellen, und Parkplatzeinfahrten blockiert haben, weil es nicht ging, sowie Einige, die bei jedem Wetter gefahren sind.
Diese Einige sind das Problem. Sie werden auch nicht ans Ziel kommen, aber sie gefährden Dritte, Rettungsdienste und alles, was mit gesundem Menschenverstand schützenswert ist.
Es sind nicht "die LKW-Fahrer", die schlimm sind, es sind EINIGE LKW-Fahrer, die SIND aber schlimm.
Zitat:
@xis schrieb am 11. Februar 2021 um 14:24:14 Uhr:
Es sind nicht "die LKW-Fahrer", die schlimm sind, es sind EINIGE LKW-Fahrer, die SIND aber schlimm.
Wie bei PKW-Fahrern, Radfahrern und Fußgängern auch...
Nun, es gab wohl eben nur "einige" Fahrer, die für das Chaos auf den Straßen trotz Fahrverbot gesorgt haben.
Aber wie @Bamako richtig anmerkte, war der Hinweis auf das Verbot wohl nicht adressatengerecht. Meine Frage diesbezüglich ist noch unbeantwortet. 🙂