Bremsscheiben hinten ringförmig abgeplatzt / verrostet Golf 7
Hallo zusammen,
bei meinem Golf 7 (5 Jahre, 100 tkm, meist Langstrecken mit höherer Geschwindigkeit) habe ich immer darauf geachtet die Bremsscheiben vor dem Abstellen gut trocken zu bremsen. (Wenn man in einer Innenstadt ankommt ists halt schwierig.)
Bislang sind noch die original Bremsscheiben drauf. Jetzt zeigen plötzlich die hinteren Bremsscheiben erschreckenden Verschleiß: Ein relativ breiter Ring außen an der Bremsscheibe wird offenbar nichtmehr von den Belägen erreicht, und ist zu größeren Teilen abgeplatzt (ca. 1mm tief).
Mich wundert dies auch, weil die letzten Wochen kaum noch Salz gestreut wurde, und trotzdem so massiver Rost sichtbar ist, obwohl das Auto trocken gebremst abgestellt wurde (aber dann 2 Tage im Regen stand).
Dann auf einer Gefälle-Strecke fünfmal stark runtergebremst: Danach Foto 3+4, und die nassen Felgen haben hinten leicht gedampft, vorne dagegen nicht. Daraus schließe ich stärkere Wärmeentwicklung als normal bei den hinteren scheiben.
- was kann hierfür die Ursache sein? die elektrische Handbremse ist grundsätzlich aktiv.
- lässt sich hier noch was retten, oder sind neue Scheiben fällig? In Kürze Termin bei der VW-Werkstatt... lohnt sich hier vorher ein Versuch bei einer freien Werkstatt wegen Abdrehen o.ä.?
- was kann man außer trockenbremsen noch tun, um die Scheiben zu schonen? Konservierungssprays o.ä.?
Danke!
117 Antworten
Zumindest bei Volvos der 2010er Jahre und sicher auch bei vielen anderen Fahrzeugmodellen legt die (adaptive) Tempomatfunktion gerne mal selbstständig die hinteren Bremsen zur Geschwindigkeitsregulierung an. Das sind keine großen Bremskräfte, aber häufige. So soll es komfortabler sein mit weniger spürbarem Bremsnicken als über die Vorderräder … und hat schon manchen Bremser mit ungewöhnlich frühem Verschleiß hinten verwundert.
Zitat:
@benprettig schrieb am 17. Februar 2024 um 15:35:02 Uhr:
Nirgendes steht, dass hinten mehr gebremst wird.
Ich habe nicht behauptet daß hinten mehr gebremst wird.
In dem Link gibt's genügend Beschreibungen zu Patenten rund um Bremskraftverteilung.
Gruß Metalhead
Zitat:
@metalhead79 schrieb am 14. Feb. 2024 um 12:58:17 Uhr:
Nö, für Spurstabilität wird hinten mehr gebremst
Vor Allem die Begründung 'für Spurstabilität' ist völliger Bullshit, das Gegenteil ist der Fall.
Es macht Technisch auch keinen Sinn hinten zu Überbremsen.
Trotzdessen bremsen fast alle Fahrzeuge mit Abstandstempomat und Bremsfunktion mehr hinten, da es harmonischer sein soll. Kommt aber stark auf das jeweilige Konzept an
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Ich kann nur für BMW sprechen, da hast du keine 100% an der Hinterachse. Es spielt aber ganz klar die Geschwindigkeit eine Rolle
Die modernen Systeme können sehr genau jedes Rad einzeln ansprechen für die ganzen Assistenzen. Für ganz leichte Bremsungen kan natürlich die hintere Bremse benutzt werden. Aber alles was normal ist, ich sage mal normaler Verkehrsfluss in der Stadt, vor Kreisverkehren, da wäre man eine Behinderung so zart zu bremsen. Wenn man hingegen auf der Landstraße geringe Verzögerung möchte, um von 100km/h auf 70km/h zu kommen und dafür mehrere 100m Weg hat...
Die die es nicht glauben können, überlegt doch mal, wie das noch in den frühen 90ern im Winter war. Da wurde gelehrt, nicht zu heftig einzukuppeln beim Runterschalten und Hinterradantrieb, im Idealfall ganz auf runterschalten verzichten. Automatikgetriebe wurde mit der Winterfunktion und sanften Kuppeln beworben... Die Bremswirkung des Einkuppelns konnte die Fuhre ausbrechen lassen. Und jeder weiß wie sanft eine Motorbremse letztlich verzögert.
Klipp und klar, die Hinterachse ist spurführend, deshalb gehören dort auch immer, egal ob Front- oder Hinterradantrieb die besseren Reifen hin.
Zitat:
@benprettig schrieb am 18. Februar 2024 um 08:19:58 Uhr:
Die die es nicht glauben können, überlegt doch mal, wie das noch in den frühen 90ern im Winter war. Da wurde gelehrt, nicht zu heftig einzukuppeln beim Runterschalten und Hinterradantrieb, im Idealfall ganz auf runterschalten verzichten.
Das war aber vorranging ein problem bei Frontmotoren, sprich bei niedriger Hinterachslast. Nicht umsonst hat so mancher ins seinem FrontmotorHeckAntrieb hinten ein paar Waschbetonplatten (oder Säcke) reingeschmissen und damit den Gripp am heck deutlich angehoben. Quasi Käferprinzip.
Bremslastverteilungen sind ja auch Achlastabhängig. Bei Heckmotoren kann (muß) man deutlich mehr Bremskraft an die Hinterachse legen.
Mittlerweile dürfte die Bremskraftverteilung recht dynamisch sein. Also nciht merh starr beo sowas wie 60/40 70/30.
Zitat:
Klipp und klar, die Hinterachse ist spurführend, deshalb gehören dort auch immer, egal ob Front- oder Hinterradantrieb die besseren Reifen hin.
Da mag die ein oder andere pers. Priorisierung anders sein. Wenn es im Winter mal glatt ist und ich weiß das ich jeden Tag 2x mind. 6% runter/rauf muß ist für mich erstmal wichtig das ich Vortrieb habe und auch Verzögerung aufbringen kann. Wenn ich nicht vorrankomme, brauche ich mir über die Spurstabilität keinen Kopf machen. Grundlegend mache ich mir den kopf schon vor dem Einsteigen.
Wenn Reifendomino angesagt ist wandern bei mir die neidrigeren profiltiefen immer nach hinten (sind auch seit langem immer Frontriebler).
Zitat:
Wenn Reifendomino angesagt ist wandern bei mir die neidrigeren profiltiefen immer nach hinten (sind auch seit langem immer Frontriebler).
Schlecht. Für Steigungen mag deine Argumentation nachvollziehbar sein. Bei Kurvenfahrt wird dein Auto im Grenzbereich damit jedoch zum Risiko.
Zum Thema:
Die Bilder sehen gruselig aus. Das Problem liegt mEn am Sattel, entweder sind nur die Beläge ordentlich in ihren Führungen angegammelt oder der ganze Sattel ist hin. Mittlerweile vermutlich letzteres.
Auch wenn bei diesen Bildern das Problem länger bestehen muss, musste ich bei meinem neulich verwundert feststellen, dass es von blanken Scheiben hinten zu beidseitig schlechtem Tragbild genau 3 Tage bei Winterwetter gedauert hat. Interessanterweise hilft auch kein mutwilliges Gefahrbremsen aus höheren Geschwindigkeiten mehr, das Tragbild bleib schlecht. Das wird eine Kombination aus angegammelten Belagführungen und Witterung sein.
Ich muss @benprettig zustimmen, da ich im nahen familiären Umfeld etliche Golf 7 / Seat Leon und Skoda Octavia habe/hatte.
Mein damaliger 2014er Octavia 3 Combi ist baugleich mit dem Golf 7, hat zum Glück aber noch eine normale Handbremse gehabt. Nach Regenfahrten konnte ich so die Scheiben hinten immer schön freibremsen und die hielten bis zum Verkauf bei 120.000km.
Ausnahmslos alle Golf 7 und alle Seat Leon hatten Probleme mit der hinteren Bremse!
Unser jetziger Civic hat bremsentechnisch keinerlei Probleme, die sehen blitzblank aus vorn und hinten, ich glaube aber auch, dass das ACC auf die Hinterachse wirkt.
Das ist denke ich erwiesen das ACC stärker auf Hinterachse wirkt und deshalb kaum Probleme auftreten wenn oft mit ACC gefahren wird.
Bei unserem Tiguan Bj 2018 sind die hinteren Scheiben überwiegend blank aber nicht ganz so wie vorn.
Danke an die zahlreichen Antworten!
Hier nun endlich das Ergebnis von der VW-Vertragswerkstatt:
- "das ist ein normaler Verschleiß, das haben wir häufig, ist halt ungünstig konstruiert. Die Scheibe rostet vom Rand her nach innen herein und kann nichtmehr freigebremst werden (Bremslast hinten nur z.B. 30% bei starkem Bremsen weil sonst ABS ansprechen würde). Nur bei Fahrzeugen mit ACC (hat dieser nicht) sind die hinteren Scheiben deutlich sauberer und teils sogar zuerst verschlissen"
- es liegt ausdrücklich NICHT an festgegammelten Bremssätteln! Sondern ist "normal" so 😠
- zusätzlich ist ein hinterer Bremssattel defekt (leckt Bremsflüssigkeit an der Manschette), der allein kostet schon 400€ 😁 Hier wird immerhin Kulanz angefragt bei VW.
- gefragt nach optimaler Verwendung der Handbremse: höchstens bei längeren Standzeiten soll man ggf. auf die Handbremse verzichten, um ein Festrosten zu vermeiden. Im Alltag soll man sie ganz normal nutzen.
Zitat:
@KlauberJay schrieb am 28. Februar 2024 um 10:46:54 Uhr:
Hier nun endlich das Ergebnis von der VW-Vertragswerkstatt:
- "das ist ein normaler Verschleiß, das haben wir häufig, ist halt ungünstig konstruiert.
Ah, VWs Lieblingsantwort: "Ist Stand der Technik".
Wäre es nicht so traurig, könnte man fast drüber lachen.
Sowas kann man wohl erheblich günstiger außerhalb einer Vertragswerkstatt tauschen lassen.
Es kann sicherlich nicht jeder selbst machen, aber im Normalfall reicht es aus den Bremssattel ausgebaut schön fein sandzustrahlen, die Freigängigkeit des oder der Kolben zu prüfen (ggf. ein Reparaturkit einsetzen) den Bremssattel mit neuem Lack schützen, neue Beläge, neues Einbaukit, an den richtigen Stellen etwas schmieren und eine neue Bremsscheibe.
Der konstruktive Mangel besteht darin, dass die Hinterachse zum Schutz vor Überbremsung von Anfang an sehr wenig Bremsdruck im Normalbetrieb abbekommt und sich mit der Zeit der ganze Dreck auf den Auflagepunkten der Bremsklötze festbackt, was letztlich zum Verkeilen der Beläge führt und die bremsen dann kaum noch mit und die Bremsscheibe gammelt vor sich hin. Man könnte auch bei jeder Inspektion hinten die Beläge rausnehmen, den Sattel säubern und die Beläge mit neuem Einbaukit wieder einsetzen. Macht halt in den ersten Jahren niemand. Und dann kommts beim Teiletauscher ganz dicke. ...