Audi 100 C4 als Anfängerfahrzeug. Was beachten?
Hallo liebe Gemeinde,
ich habe ein Patenkind, das diesen Winter 18 wird. Da sie sich als Schülerin kein Auto leisten kann, spiele ich mit dem Gedanken der jungen Dame ein Fahrzeug zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. Ich würde die Anschaffung, Steuer und Versicherung bezahlen, sie dagegen soll Sprit und Wartung bezahlen und ggf. was sie selbst kaputt gemacht hat; natürlich mit Hintergedanken. Erstens soll sie lernen, dass das Geld, das sie verfährt, nicht auf Bäumen wächst, wenn sie es sich via Ferienjobs etc. schwer verdienen muss und zweitens ist ihr dann nicht egal was die Karre schluckt und fährt dementsprechend spritsparend und vor allem nicht sinnlos in der Gegend herum.
Ich hatte an ein Fahrzeug um die 2000 EUR herum gedacht, damit nicht viel hin ist, wenn die ersten Parkrempler kommen. Zuerst dachte ich an einen jüngeren Polo, Lupo, Golf III oder irgendsowas typisches. Andererseits wäre mir wohler dabei, wenn sie als Fahranfängerin etwas mehr Blech um sich herum hätte, sollte doch mal irgendwas schiefgehen. Ferner sollte das Fahrzeug möglichst langlebig sein (kein Rost!), also vollverzinkt. Außerdem sollte der Motor auch in diesem Fahrzeugalter noch robust sein, womit schon mal die ganzen TDIs ausscheiden. Auch relevant: das Auto sollte nicht peinlich sein für 'nen chices junges Mädel, weder in die eine Richtung (z.B. S-Klasse Langversion Vollausstattung blablub), noch in die andere (z.B. Lada Niva Basis)
All diese Kriterien zusammen (viel Blech, vollverzinkt, ca. 2000 EUR, robuster Benziner, altersgruppen-kompatibel) haben mich auf dem Papier zum Audi 100 C4 2.3E geführt, Baujahr irgendwas zwischen 1992 und 1994.
Meine Frage nun an die Insider dieses Fahrzeugs: gibt's bei diesem Typ irgendwas zu beachten? Irgendwelche latenten Schwachstellen, wo man beim Kauf acht geben muss. Wie ist der 2,3 Liter Fünfzylinder so bei Laufleistungen zwischen 150.000-200.000 km? Gibt's Möglichkeiten wie Aufrüstung zu D3-Abgasnorm via Kaltlaufregler, LPG Umrüstung o.a. Oder doch lieber nur den 2.0, weil... ?
Oder würde mir irgendjemand prinzipiell von meinem Gedankenspiel abraten, weil... ?
Bin für jede Meinung, jeden Tipp und jeden Rat dankbar, ehe ich das Mädel ins Unglück stürze 😉
49 Antworten
Hallo allerseits,
nach einem weiteren Jahr muss ich den Thread mal wieder ans Tageslicht holen zur Auffrischung des Status Quo - und als Anregung für alle Patenonkel 😉
Mein Patenkind hat im letzten Jahr knapp 10.000 km mit dem C4 abgespult. Die chice Optik und der geniale Fünfzylinderklang machen natürlich Eindruck auch bei ihren Freunden und Freundinnen, und man merkt, dass ihr das Fzg am Herzen liegt. Im Winter z.B. war die Batterie defekt, weil länger nicht gefahren. Aber statt mich anzurufen und zu flöten "Du-uuuuu Patenonkel, der Audi springt irgendwie nicht mehr an" kauft sie (wie erwähnt Schülerin ohne geregeltes Einkommen) einfach selber ne passende Batterie und lässt sie von einem Bekannten einbauen. 😎
2500 EUR hatte das Fahrzeug gekostet. Inzwischen sind ein paar Sachen dazu gekommen. Nichts großes, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.
Abgesehen von den normalen Wartungen (Öl, Filter, Scheibenwischer, Zündkerzen) waren die Türleisten rundum fällig (die Stoßleisten oben und die Abdeckleisten unten), die C4-typisch von innen aufgeblüht waren. Als Audi Originale hätten die sagenhafte 255 EUR gekostet (wir sprechen von Plastik-Leisten!). Die eBay Polenplagiate für 2x ca 60 EUR kann man schon nehmen. Dann aber bitte unbedingt die Original Halteklammern aufheben! Die beiliegenden Klammern sind Müll und passen nicht auch nur im Entferntesten!
Vor einigen Wochen platzte dann die Folie der Tachoscheibe ab, was dazu führte, dass die Tachonadel ab 120 km/h feststeckte und sich erst auf Kopfsteinplaster wieder freivibrierte. Auf Anraten verschiedener Leute habe ich mir dann ein komplettes Kombi-Instrument in der Bucht ersteigert, da wohl erfahrungsgemäß noch das ein oder andere in diesem Bereich kaputt gehen wird und es nie schaden kann was zum schlachten herumliegen zu haben. Hat 90 EUR gekostet (eine neue Tachoscheibe allein übrigens 75 EUR). Folie getauscht, passt wieder alles.
Ein paar Sachen habe ich noch gemacht bzw. machen lassen, die noch nicht unbedingt hätten sein müssen, die aber sicherlich zu Folgeschäden oder gar Funktionsausfall/Unfall geführt hätten. Beim Spurstangenkopf vo. re. war der Gummi gerissen, weswegen der Verschleiß zu Spiel geführt hätte (29 EUR). An beiden Gummi-Faltbälgen der Stoßdämpfer vorne gab es Risse (8 EUR) und beim Anfahren nach scharf links gab es einen "Knack" an der Vorderachse, was von einem verschlissenen Lager des rechten Querlenkers herrührte (100 EUR). Wie gesagt: wäre auch so noch gegangen, aber man hat einfach ein besseres Gefühl, wenn das Patenkind - gerade in Sachen Aufhängung - auf der sicheren Seite unterwegs ist.
Offen ist derzeit noch das Jaulen der Servo-Pumpe beim Lenken im Stand oder bei niedriger Geschwindigkeit. Wenn ich die Suchenfunktion richtig benutzt habe, ist das ein weit verbreitetes Problem, und auch eines, das wiederkehrt, selbst wenn man die Pumpe tauscht. Daher mache ich hier erst mal nichts bis die Pumpe komplett ihren Geist aushaucht.
Mit anderen Worten: prinzipiell war die Aktion bisher ein voller Erfolg. Allerdings sollte man sich bei einem 16 Jahre alten Auto auch keinen Illusionen hingeben, dass da immer alles am Schnürchen und ohne Zusatzkosten läuft wie bei einem Neuwagen mit Rund-um-Sorglos-Garantie. Da kann immer was sein! Dank der weiten Verbreitung des Audi C4 und der teilweise Übereinstimmung mit dem noch wesentlich weiter verbreiteten B4 ist die Ersatzteilbeschaffung allerdings keine große Sache.
Obwohl das Fahrzeug mit einem Super-Benzin Verbrauch zwischen 7 und 10 Litern je nach Fahrweise und Umgebung erstaunlich sparsam ist, bekommt es nächste Woche als letzte Ausbaustufe noch eine gebrauchte teilsequenzielle Landi Renzo IGS LPG-Anlage, damit das Mädel künftig zum halben Preis tanken kann; und in einem Jahr melde ich mich dann zum 3-jährigen Jubiläum des Threads wieder 😁 Mal sehen was dann ist...
Finde ich super, dass in so einem Fred auch nach längerer zeit nochmal reingeschrieben wird, und die Erfahrungen geschildert werden. Das hilft bestimmt einigen noch unentschlossenen gut weiter 🙂
mfg Andi
Ej ich bin auch Fähranfänger *Räusper* Willst mir nicht auch ne Gasanlage Sponsern?
Finde es schon klasse, wobei ich ja immer der Meinung bin: Nur was man sich selbst erarbeitet hat, weiß man zu schätzen!
hallo A6 treiber....
freut mich zu lesen.....😛
sehr schön, dass das alles geklappt hat und nach dem bild zu urteilen haste ja auch nen richtig schicken c4 gefunden...!😉
bin übrigens nach 1 1/2 jähriger entäuschter pause auch wieder auf den c4 gekommen....ist einfach ein klasse auto....
dann wünsch ich dir bzw ihr noch viel schöne kilometer mit dem schönen wägelchen....😁
gruß
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Hallo zusammen,
jetzt muss ich diesen Thread - nach weiteren 2 Jahren - abermals aus der Versenkung holen; den übrigen Patenonkeln zu liebe 😁
Quintessenz: die ganze Aktion war ein Fehler! 😰
Also nicht grundsätzlich, aber in diesem speziellen Fall. Natürlich hat sich die Patentochter über das Auto gefreut und sie nutzt es auch quasi täglich. Und seit der LPG-Nachrüstung im Jahr 2010 und den damit einher gehenden extrem niedrigen Kraftstoffkosten (0,75 EUR LPG bei 9 L/100 km Verbrauch im Schnitt) umso mehr.
Allerdings bin ich bei der ganzen Sache - und das als Warnung an all die anderen Patenonkel da draußen - zu sehr von mir in diesem Alter ausgegangen, habe verdrängt, dass heutige 18-20 jährige, noch dazu weibliche Verkehrsteilnehmer, ganz anders ticken.
Grundsätzlich ist der Audi 100 C4 mit Fünfzylinder-Motor technisch unkaputtbar. Es gab in den letzten 30.000 km seit der Übernahme 2009 überhaupt keinen essenziellen technischen Schaden (Motor, Getriebe, etc.).
Was allerdings ein Problem ist in diesem speziellen Fall, sind die aufgrund des Alters des Fahrzeugs und diverser Aktionen des Vorbesitzers häufigen Kleinigkeiten. Das sind z.B. eine abgeplatzte Tachoscheibe, die dazu führt, dass der Tachozeiger auf 120 km/h festhängt, ein falsch angeschlossenes MP3-Radio, das aufgrund fehlender Standby-Funktion nach 5 Tagen Stillstand die Batterie leersaugt, ein Innenspiegel, der aufgrund der ständigen direkten Sonneneinstrahlung auf dem Parkplatz draußen irgendwann abfällt, der undicht gewordene Ansaugtrakt, der dazu führt, dass das Fahrzeug sporadisch nicht anspringt, der Wackelkontakt in der Bremsverschleißanzeige, der die Fahrerin mit sporadisch aufleuchtender Bremskontrollleuchte verunsichert, die Heckklappe, die aufgrund einer losvibrierten Mutter des Schlosses nicht mehr zu öffnen ist, usw.
Wie gesagt: die Technik des Fahrzeugs an sich ist unkaputtbar. Aber diese Kleinigkeiten führten in den letzten Monaten/Jahren immer wieder zu Unbill. Dabei ist es für die Patentochter völlig irrelevant, dass es sich dabei allesamt nur um Peanuts handelte. Denn egal ob Peanuts oder nicht; sie konnte nicht fahren, musste sich abholen oder fahren lassen, weil "ihr" Auto mal wieder nicht fahrbereit war; warum auch immer.
Das ganze wäre vielleicht abzufedern gewesen, wenn ich im gleichen Ort wohnen würde, wie mein Patenkind. Dann wäre das kein Ding, könnte kurz vorbeischauen und das kleine Übel mit großer Wirkung rasch beseitigen. Da allerdings fast 400 km dazwischen liegen, kann ich am Telefon zwar manchmal brauchbare Ratschläge aus der Ferne geben, häufig auch nur mit den Achseln zucken, wenn ich das Problem nicht vor Augen habe. Ich habe dann die Wahl zwischen 400 km einfach hinfahren, oder ihr zu raten, eine freie Fachwerkstatt aufzusuchen. Allerdings ist das auf Dauer keine Lösung, da man selbst dort inzwischen nach Strich und Faden abgezockt wird.
Beispiel: um die Startprobleme vor einigen Wochen zu lösen, schickte ich mein Patenkind in eine freie Werkstatt, mit einem detaillierten Plan, was sie checken sollen, um von vornherein auszuschließen, dass die Patentochter dort abgezockt wird; so von wegen neue Lambdasonde muss her (obwohl eine neue Bosch vor anderthalb Jahren reingekommen ist, ebenso wie Zündkerzen, etc.) Ursache war, dass die KE-III Jetronic Falschluft gezogen hat über die Krümmerdichtung. Diese Dichtung hätte mich 4 EUR zzgl. Versand und Einbau durch mich gekostet, wenn ich das Fahrzeug hier gehabt hätte. Die Rechnung der Werkstatt, die das für mich erledigt hat, belieft sich allerdings auf 660 EUR 😰
Und da fängt das ganze natürlich an, uninteressant zu werden. In dem Moment, wenn man bei einem >15 Jahre alten Fahrzeug - egal wie robust die eigentliche Substanz sein mag - auf fremde Hilfe angewiesen ist, wird's arg. Und für die Patentochter ist es halt irrelevant, ob sie wegen eines kapitalen Motorschadens nicht fahren kann, oder wegen der gerissenen Dichtung für 4 EUR. Sie kann nicht fahren und der Ärger ist groß!
Daher mein Rat an alle geneigten Patenonkel da draußen: grundsätzlich ist so eine Aktion schon zu empfehlen, allerdings nur, wenn Ihr das Patenkind samt Auto in Griffweite habt und Kleinigkeiten mit großer Wirkung mal eben selber beheben könnt. In dem Moment, wo zig km dazwischen liegen und Ihr per Handy gefragt werdet, warum das Auto nach dem Zwischenhalt - 400 km entfernt - nun plötzlich nicht mehr anspringt, wird die Sache uninteressant.
Unter dem Strich steht nach 3 Jahren bei 2500 EUR Anschaffungskosten plus LPG-Nachrüstung übrigens mit all den planmäßigen Wartungen (Ölwechsel, Zündkerzen, etc.), den planmäßigen Fixkosten (Steuer und Versicherung für eine Fahrerin unter 23) und natürlich den unplanmäßigen Reparaturen (Querlenker, Seitenleisten, Abdichtung Ansaugtrakt, usw.) - selber kaputt gemacht, was sie hätte bezahlen müssen, z.B. Parkrempler, etc., hat sie nicht - eine 10.000 😮 Das nur als Warnung für all jene, die ihrem Patenkind auch was gutes tun wollen...