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14.08.2015 12:54    |    Shorty-McNugget    |    Kommentare (18)    |   Stichworte: Meine Fahrzeuge, Mercedes, W123

Hi zusammen,

 

heute werde ich mal meinen Sommer-Diesel und seine mir bekannte Geschichte vorstellen.

 

Also, ich habe ihn ca. einen halben Monat nach meinem 18. Geburtstag gekauft. Da ich noch in der Ausbildung war/bin wollte ich mir zuerst gar kein Auto kaufen, da ich vermutete, dass eine solche Anschaffung meine Ersparnisse sowie mein Azubi-Gehalt zerfressen würde.

Anfangs, als mir der Kostenfaktor noch nicht bewusst war, sah ich mir fast jeden Tag Autos in mobile und Autoscout an. Meine Favoriten wechselte oft: Anfangs 190er, ganz kurz ein Golf IV, w202 C250 TD & 220 CDI, W124 200D, C124, e36 316i & 318i, Clk Cabrio, etc. Zwischenzeitlich bin ich sogar auch auf ein paar alte Strichacht gestoßen, welche aber mit meinem Budget nicht in gutem Zustand erhältlich waren. Irgendwann fing ich an bei jedem Fahrzeug die Kosten auszurechnen. Dabei wurde mir klar, dass so ein Auto kein billiges Hobby ist und mit der Zeit verlor ich dann auch die Motivation ein Auto zu kaufen, da ich erstens mit dem Firmenwagen (320d Bj. 2014)von meinem Dad auch fahren durfte und ich zweitens anfangs nicht wirklich bereit war, für ein Auto auf so viel zu verzichten, obwohl ich schon als Kind vom ersten Auto geträumt habe.

 

Es verging einige Zeit (zwischenzeitlich wurde ich 18.) in der ich nicht mehr so fanat auf ein Auto war, als ich durch eine Anzeige in Facebook der Gothaer für Oldtimer wieder auf die älteren Fahrzeuge aufmerksam gemacht wurde. Vor allem, als ich die Preise für eine Oldtimer-Versicherung sah. Vorher wurde ich immer von den hohen Versicherungsprämien als Anfänger von einem Autokauf abgeschreckt, doch durch die billigen Versicherungen der Oldtimer, die keine Rücksicht auf das Alter nehmen, rückte das erste eigene Auto in greifbare Nähe.

In den nächsten Tagen graste ich das halbe Internet nach bezahlbaren Fahrzeugen mit H-Zulassung ab. Auch hier war der Favoritenkreis groß: mehrere alte Opel, Volvo, BMW E30, W123.

Letzteren favorisierte ich am Ende, da sich mein Vater sehr gut mit der, sich in Grenzen haltenden, Technik auskennt, ich Mercedes von vorn herein schon bevorzugte und weil er als Diesel erhältlich ist und sich dadurch billig bewegen lässt. Ich fand sogar zwei Stück in meinem direkten Umkreis: ein 230E & einen 240D.

Als erstes kontaktierte ich den Anbieter 230ers telefonisch. Er machte mir schon von Anfang an einen komischen Eindruck. Als ich nach einem Termin fragte, meinte er, er müsse erst den Innenraum zusammenbauen und der Karosse müsse er auch nnochmal ran. Da war die Sache für mich gelaufen. NEIN DANKE!

Also beim anderen Mal Anfragen.

Das Gespräch am Telefon verlief im Großen und Ganzen ganz gut und ich konnte sogar am gleichen Tag einen Termin ausmachen. Also ins Auto rein, dahin und besichtigen. Der Wagen hatte kaum Schwächen, bis auf die bekannten, geschweißten Stellen unten an den vorderen Kotflügeln und an der Fahrertür ganz leicht, wo es ein bisschen blühte.

Die Probefahrt danach war Faszination pur. Einfach die komplette Entschleunigung. Gemütlich gefedert, Fenster und Schiebedach offen, milde Abendluft und das fleißige Nageln den 4-Zylinders schufen pure Entspannung. Nach dieser Probefahrt war ich schier begeistert von dem Auto. Ich musste mich für die Preisverhandlungen richtig zusammenreißen, was mir extremst schwerfiel. Ich wolte genau dieses Auto!

Die Verhandlungen waren zwar ein bisschen zäh aber dann doch recht erfolgreich. Mein Dad wollte aber dann doch, bevor ich den Kauf tätige, noch einmal in einer Werkstatt unters Auto linsen um sicher zu gehen. Zwei Tage später trafen sich der Verkäufer und mein Dad während ich in der Arbeit war und sahen nach. Und er war unten wie neu! Ich erfuhr dann erst, dass der Wagen auch eine Historie besitzt, die anzeigt, dass der Benz seit 1981 (Bj. 80) nicht mehr im Winter gefahren wurde und dementsprechend sah/sieht er untenrum aus.

Als die Whatsapp Nachricht, dass der Wagen ok ist, eintraf, herrschte bei mir schiere Begeisterung und ich wollte so schnell wie möglich heim um das Geschäft zu tätigen, jedoch war der Verkäufer geschäftlich unterwegs und erst wieder in 2 Tagen da.

Also fuhren wir erst zwei Tage später, die mir vorkamen wie die 18 Jahre davor, zum Herrn Verkäufer und der Deal ging von statten. Ich war stolz wie Bolle. Mein erstes Auto!!! Ein W123 240D!!!

Ich fuhr aus der Einfahrt raus Richtung trautes Heim und der Diesel nagelte dahin. Ein Gefühl, besser als meine erste Freundlin :D Einfach unbeschreiblich. 18 Jahre warten hatten hatten sich letztendlich gelohnt.

Dort angekommen erstmal allen Zeigen. Es war zwar mehr Verwunderung als Begeisterung, aber nach der ersten mitfahrt konnten viele mich verstehen.

Ich bekam so ungefähr von 10 Leuten die Zusage, dass diese mir einen vollen Tank zahlen würden, jedoch haben bis heute nur 3 Leute das Versprechen eingelöst.

Tja, und so ging das dann halt dahin. Ich nutzte Ihn eigentlich jeden Tag. Ich fuhr damit zur Arbeit, zu Freunden, zum Sport, etc. Auch die längeren Reisen machten ihm nix aus. Ich war einfach vollstens zufrieden. Bis der eine Tag kam...

Ich wollte mal wieder mein Auto säubern und aussaugen und entfernte dieses Mal, dass erste Mal seit der Besichtigung, die hinteren Teppiche und der SCHOCK... hinten rechts steht Wasser!!!

Ich war total perplex. Ich vermutete im ersten Moment, dass das Wasser aufgrund einer defekten Türdichtung reinläuft. Nachdem ich aber den Teppich, der den Schweller verdeckt, mit aller Kraft entfernt hatte, da dieser anscheinend mit allen Mitteln festgeklebt wurde, sah ich den Grund dafür: Ein circa 15cm langes, rostiges Loch, das entlang des Schwellers verläuft. Was für eine Sch****!!! Fu**!!! etc.

Da war natürlich erstmal Nachdenken angesagt, was aber in der damaligen Stimmung kaum möglich war. War ich wirklich an einen Blender geraten? Ich schlief erstmal eine Nacht drüber um einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen. Jedoch hatte ich nur Fantasien, wie ich dem Verkäufer... (ihr könnts euch denken )

 

Naja, nach mehrmaliger Fehlersuche in den nächsten Monaten war der Fehler immer noch nicht gefunden, obwohl ich sämtliche Tipps & Tricks versucht habe (Loch abkleben, mit der Luftdruckpistole durchstechen, reinpumpen und wenn anderes fühlen lassen, ob irgendwo Luft rauskommt, etc.). Sämtliche Versuche waren vergebens. Mir blieb nichts anderes übrig, ihn schweren Herzens einzuwintern und über den Winter nach Lösungen zu forschen.

Während der kalten Jahreszeit war aber erstmal kaum an den Sommer-Diesel zu denken, denn wie ihr vielleicht wisst, hatte ich mit einem anderen Pferd aus meinem Stall Probleme ( http://www.motor-talk.de/.../...und-tiefen-mit-happy-end-t5191186.html ). Erst gegen März konnte und wollte ich mich der Problembewältigung stellen, jedoch kam jedes Mal etwas anderes dazwischen und wenn ich einmal Anfing zu suchen verlor ich ziemlich schnell die Geduld. Erst vor 2 Monaten riss ich mich zusammen und startete neue Versuche und siehe da: Nachdem ich die Spritzwand im rechten Kotflügel abgebaut habe und mit dem Wasserschlauch voll reingehalten hatte, lief Wasser in den Innenraum, zwar fiel mir dabei ein weiteres Loch auf der Höhe des Beifahrersitzes auf, jedoch hatte ich den großen Fehler gefunden. YEEESSSSSS!!! Endlich!!!

 

Jetzt war es an der Zeit,Um jetzt an das Loch zu kommen, was irgendwo hinter dem Kostflügel lag, musste dieser "erstmal" runter. "Erstmal" war der Plan, jedoch ist das Entfernen eines Kotflügels, dass dieser danach noch zu gebrauchen ist, bei dieser Baureihe eine nicht gerade einfach zu bewerkstelligende Angelegenheit. Jeder der das bei einem solchen Fahrzeug schon einmal gemacht hat, der weiß wovon ich rede. Der Kotflügel ist mit einer ca. 1,5 cm dicken Klebschicht so fest an die Seitenwand geklebt, so dass man das Gefühl bekommt, Thor höchstpersönlich hat den Kotflügen festgeklebt . Darüber ist noch eine PVC Schicht, die den Kotflügel von innen Schützen soll. Um jetzt den Kotflügel jetzt ab zu bekommen, soll man laut "So wird’s gemacht" mit einem Heißluftfön die ganze Brühe erhitzen und danach mit einem Messer durchschneiden. Doch vorher mussten noch die Schrauben entfernt werden, und siehe da, dass Wasser-Problem ist ausgemacht. Das hintere, untere Ende des Kotflügels ist mit 2 Schrauben befestigt, jedoch hatte hier die vordere Schraube keinen halt mehr, da das vorherige, kleine Loch in der Seitenwand sich in der Zeit zu einem gut 3cm großen, blühenden Loch ausgeweitet. So und jetzt kommt der Hammer: Einer meiner Vorbesitzer ist nun auf die kluge Idee gekommen, den Kotflügel an der Stelle ANZUSCHWEIßEN, ich wiederhole ANZUSCHWEIßEN. Anstatt das Problem zu lösen schweißt er den Kotflügel ans Auto an. Deswegen ist auch immer weiter das Wasser ins Fahrzeug eingedrungen und hat dort weitere Schäden verursacht.

Gott sei Dank konnte man den Kotflügel an der Stelle relativ leicht „wegflexen“, so dass daran wenigstens keine Schäden mehr entstanden sind.

Aber jetzt war es soweit, Kotflügel abbauen. Wie vorhin erwähnt ist das hier eine sehr schwierige Angelegenheit. Als alle Schrauben entfernt waren, musste mit einem Heißluftföhn der Kleber inkl. PVC erhitzt werden und danach mit einem Messer durchgeschnitten werden.

Hört sich einfach an, aber man kommt ums verre***n nicht an diesen Kleber ran. Ganz nebenbei holt man sich noch ne Staublunge inkl. sämtlicher Atemwegserkrankungen durch das verbrennende PVC, aber sonst ist eigentlich ganz ok :D

Dieses Prozedere dauerte ganze 1 ½ Tage. Dann war der Kotflügel aber nicht ab, sondern kaputt. Toll. Als wir dachten „Jetzt kommt er. Jetzt hat er verloren“ knickte er ein. Und wir verloren :D

 

Heißt ein neuer Kotflügel musste her, aber woher. Es gibt ungefähr 25 verschiedene Anbieter und als erstes Sah ich im Niemöller-Katalog nach, da es dort laut einiger Oldtimerzeitungen billiger ist als bei Daimler selbst. 460,-€ lautete die Schockdiagnose, vor allem weil ich plante beide Seiten zu erneuern, da der linke auch nicht mehr der frischeste war.

Zwei Tage später, an meinem 19., rief ich einfach aus Prinzip mal bei nächsten Mercedes-Fuzi an und siehe das: 260,-€ plus Steuer. Total verdutzt fragte ich den Typen am Telefon, ob das sein Ernst sei. Anscheinend dachte er, es wär mir zu teuer und versuchte sich gleich zu erklären, während ein riesiger Stein vom Herzen fiel.

Am gleichen Tag wurden beide Kotflügel bestellt und ich bekam die Info das sie gleich am nächsten Tag (Samstag) da wären, was sie dann auch waren. Gleich danach wurde der Weg zum Lackierer angetreten. Dieser meinte in Ur-Bayrisch: „Wennst ma´s am Montog bringst, donn hostas spätestens am Friedog wieda“ Deal!

Jetzt hieß in der Zeit zwischen Montag und „Freidog“ die verhängnisvollen Löcher zu stopfen, oder, wie wir es gemacht haben, zu schweißen :D und weitere, vorbereitende Arbeiten zu erledigen.

Zum ersten Mal lief alles nach Plan, sodass gleich am Samstag montiert werden konnten. Zwar gab es zwischenzeitlich kurz „Beef“ mit meinem Dad, jedoch glätteten sich schnell die Wogen und die Arbeiten wurden fortgeführt und fertig gestellt.

In der darauf folgenden Zeit wurde der Sommerdiesel noch Hohlraumkonserviert und bekam eine neue Ölwanne inkl. neues Öl und sämtliche neue Filter. Zusätzlich wurde er einmal richtig poliert und gewienert, um den TÜV´ler von eventuellen Unregelmäßigkeiten, von denen mir bis heute keine Bekannt sind, abzulenken.

Nach mehreren Wochen stand er da wie eine 1. Die Bilder an der Tankstelle waren am Tag, an dem er seine Plakette bekam, da sieht man wie er an diesem Tag ausgesehen hat. Das war letzte Woche Montag, der Tag der Wahrheit. Ich hatte mal wieder Stress mit meinem Dad, wie immer ging es um irgendeine Lappalie, bei der keiner nachgeben wollte. Wieder glätteten sich die Wogen und wir zogen mit meinem W124 230TE den Diesel zum TÜV luden ihn ab und los ging Untersuchung. Bei der Untersuchung, muss ich zugeben, hatte ich ziemliche Stimmungsschwankungen. Bei der ersten war sie im Keller, als mein Dad des TÜV´ler sah und sagte (bayrisch): „Ned der, der woa friara scho so a oasch

“. Jedoch legte sich das schnell, als der Mann von der Prüfbehörde kam und meinte (ebenfalls bayrisch): „Der is Nei oba a ned ondas do gschdanden“.

Es war im Endeffekt viel Lärm um nichts, den mein 123er kam ohne Mängel durch und wurde am gleichen Tag noch angemeldet und meine Swetlana (Kosename für meine Winterschlam*e W124 230TE) abgemeldet.

Und dann kam der magische Moment, als ich den Diesel vom TÜV-Gelände fuhr und wieder das nageln des Diesel hörte spürte ich einfach, dass es sich gelohnt hatte, dass ich in den letzten 4 Wochen keinen Tag Freizeit hatte und fast jeden Tag nach der Arbeit noch zum Auto raus bin um etwas zu erledigen. Es waren einfach enorme Glückgefühle mein Auto wieder dahin fahren zu dürfen, wohin ich will, anstatt immer in die Garage und aus ihrer hinaus. An diesem Tag lernte ich, dass es sich lohnt, an etwas lange zu arbeiten, denn umso länger und umso härter man dafür gearbeitet hat, umso schöner ist es, wenn es fertig ist.

Tut mir leid das der Artikel vielleicht den Benz etwas zu hoch lobt, aber bei meinen eigenen Autos kann ich nicht unparteiisch sein, wie beim Fußball :D

 

 

Shorty

 

P.S. Falls irgendwer Probleme beim Verstehen des bayrischen Wortlautes hat, kann ich gern den Translator spielen :D

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14.08.2015 16:12    |    lukasn

Geiles Teil! Sieht super aus! Jeder 123 der mir über den Weg fährt, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht :)

Find ich gut, dass du dich so rührend um ihn kümmerst. Hoffentlich dankt er es dir mit Treue und Zuverlässigkeit. Aber da braucht man bei einem alten Daimler Diesel nicht sooo zu zweifeln ;). Daumen nach oben!


16.08.2015 16:29    |    hydroelement

danke für einen bericht über ein ECHTES auto! nicht irgendein yolo-rotz oder sonst was... fahre selbst nen 250 D, alte mercedes-diesel sind wirklich sie gescheitesten fahrzeuge. hab meinen jetzt drei jahre, auf der bahn wird die linke spur immer mitbenutzt, verstehe garnicht wieso viele sich über mangelndes temperament beschweren. mit nem vertreter-a4 avant ist man auch nicht schneller unterwegs...

 

allzeit gute fahrt mit diesem schicken alten dieselstern :)


17.08.2015 15:12    |    Shorty-McNugget

Vielen Dank für die Blumen :)

Die alten Vorkammer-Diesel von Daimler haben generell ein Siegel für Zuverlässigkeit. Die Taxifahrer haben ja nicht umsonst die Teile benutzt.

 

@hydroelement: Ist dein 250er auch schon auf H, oder noch normal?

 

 

Shorty


18.08.2015 09:22    |    JürgenS60D5

Auf der einen Seite: schönes Auto.

 

Auf der anderen Seite, die wohl unumgängliche Blindheit, was die wahren Möglichkeiten und Qualitäten des Fahrzeugs anbelangt. Ist schon klar, ein 72PS-Saug-Diesel hält spielend mit 170PS (eher mehr) mit. Logisch! Zur Zuverlässigkeit: Ich bin "in den 80er" Taxi gefahren. man kannte nichts anderes. und meinen Führerschein habe ich auf einem /8 gemacht. Aber "Zuverlässig" und "Langlebig" waren die Motore -aus heutiger Sicht- nicht wirklich. Vom ersten Kilometer an gab es Ölverbrauch in einer Menge, bei der heutzutage ein Motor als verschlissen gilt.

 

Mein Fazit: optisch tolle Karo, guter Federungskomfort, gute Bremsen, miserable Sitze. Ansonsten: leistungsarm und schadstoffstark.


18.08.2015 09:30    |    Shorty-McNugget

@JürgenS60D5

Meiner hat mich bis jetzt noch nicht im Stich gelassen und ich habe bis jetzt auch nur positive Rückmeldungen (unter anderem früherer Taxi-Fahrer) zum Thema Zuverlässigkeit und Langlebigkeit bekommen. Auch bei meinen Eltern und Großeltern gab es nie Probleme mit den alten Saug-Dieseln.

 

 

Shorty


18.08.2015 09:41    |    JürgenS60D5

Das menschliche Gehirn hat eine tolle Eigenschaft: es verdrängt negatives und bewahrt positives.

 

Nicht falsch verstehen: auch ich mag die Form, und ich kann verstehen, wenn man positive Gefühle für so einen wagen hat. Die will ich dir auch nicht nehmen. Viel Freude an dem Wagen.

 

Aber meine Erfahrungen mit dem w123 stehen dem Siegel "zuverlässig" eindeutig gegenüber. In dem Taxibetrieb hat eigentlich immer jemand geschraubt. Und was hydroelement über die dynamischen Fähigkeiten schreibt, ist eher Wunschtraum als Realität. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber der 55PS 200D, den ich fuhr, hatte wohl eine Höchstgeschwindigkeit von 135km/h, der 240D meines Vaters 142km/h (korrigiert mich, oder war t-modell 142, Limo 147?), der 300D kam wohl auf 160? Ein heutzutage "üblicher" 2-Liter Diesel liegt ziemlich locker bei 220km/h. Und 0-100 ist das keine Ewigkeit mehr, sondern deutlich unter 9 sec. (eher schneller).

 

Zum Fahrverhalten sag ich lieber nichts. Ja, gut federn kann der Wagen. Aber Kurven? Die Kugelumlauflenkung war gruselig.

 

Um die Fahrzeuge "optisch" halbwegs sauber erscheinen zu lassen, gab es die Anweisung den Dieselruss jeden Abend vom Kofferraum zu wischen. Und, bei jedem Tanken war der Ölstand zu kontrollieren. Wie sieht es heute aus? bei meinem XC60 habe ich auf den letzten 198.000 weder Russ abgewischt, noch den Ölstand kontrolliert.

 

Das Fahren eines Autos, welches in den 70er konstruiert wurde, ist eine interessante Sache. Wenn man es mag ist es sicher toll. Aber, man sollte bitte weder glorifizieren, noch die Realitäten übersehen.


18.08.2015 10:19    |    jackknife

Hm, das mag natürlich der Fall sein. Nur frag ich mich wie viele Leute heutzutage einen Motorschaden "mitverursachen" weil sie eben nicht mindestens jede zweite Woche mal nach den Flüssigkeiten im Motorraum schauen. Ich denke dass sich viele Probleme da schon vermeiden liessen wenn die Leute sich - wie es früher einfach notwendig war - mehr selbst um ihre Fahrzeuge kümmern würden anstatt sich auf eher schlecht funktionierende Lämpchen zu verlassen. Solche Dinge wie fehlende Ölpeilstäbe sind da nicht besonders hilfreich. Aber der Kunde zahlts ja (in der Werkstatt).

 

Dabei finden jüngere Leute retro-Fahrzeuge irgendwie schon wieder cool. Manuelle Fensterheber, Wagen ohne Servolenkung wo man "noch richtig kurbeln muss" (und sofort weiss wenn es draußen glatt werden sollte), sowas begeistert viele viel mehr als Parkpiepser und Berganfahrassistenten.

Ich hab sogar schon von einigen gehört dass sie Fahrzeuge ohne Assistenzsysteme vorziehen weil das in gewissen Fahrsituationen eher eine Herausforderung darstellt.


18.08.2015 10:54    |    Shorty-McNugget

@JürgenS60D5

Ich finds gut auch einmal eine Einschätzung von einer anderen Seite zu bekommen. Jedoch hab ich bis jetzt weder Russ an meinem Auto (außer natürlich am Auspuff) gesehen noch weggewischt.

Dass die damaligen Auto bei weitem nicht die Leistung und Vmax haben wie die heutigen, ist je klar. Ich habe auch nie behauptet, dass es anders wäre.

Das Fahrverhalten ist natürlich "miserabel", jedoch muss man auch hier bedenken, dass alle Mercedes aus dieser Zeit nur auf Komfort ausgelegt waren. Man muss halt bei einem solchen Fahrzeug seine eigene Fahrweise umstellen (ähnlich wie die älteren Opel Modelle wenn ich mich recht entsinne).

 

@jackknife

meiner hat Gott sei Dank eine Servolenkung :D

 

 

Shorty


18.08.2015 12:17    |    JürgenS60D5

Meine Aussagen zum Thema Leistung bezogen sich auf das, was hydroelement gesagt hat.

 

@jacknife: ich weiss ja nicht, welche Autos Du gerade fährst. Aber, meines hat keine "schlecht funktionierenden Lämpchen". Meines hat auch keinen Ölpeilstab mehr. Aber der wird im "Display" virtuell angezeigt. Nicht falsch verstehen, ich sag nicht, dass dies die optimale Lösung ist. Aber meine Autos "damals" in den 80er haben immer Öl gebraucht, da war so ein Peilstab lebensnotwendig. Auch musste man sich regelmässig kümmern. Aber meine aktuellen Autos kommen mit vielleicht 5% der Wartung aus, wie meine älteren. Gut, wer gerne schraubt: einverstanden. Zu Diener Aussage mit der Servolenkung: ich lese es, nehm es hin, aber verstehen? nein, niemals. Gerade die Unterstützung ist konditionserhaltend. Offensichtlich fährst Du nicht öfter längere Strecken. Ich schon (bei 70.000km p.a......) und da will ich nicht auf SL und klima verzichten.

 

Und diesen Satz: Zitat:

Ich hab sogar schon von einigen gehört dass sie Fahrzeuge ohne Assistenzsysteme vorziehen weil das in gewissen Fahrsituationen eher eine Herausforderung darstellt.

Zitat ende

Tue ich als die typische männliche Überheblichkeit und Arroganz ab. Ohne Kommentar.

Rate mal, warum die Anzahl der im Strassenverkehr beständig abnimmt. Das liegt zum einen in der leichteren Fahrbarkeit der Autos, der gestiegenen Sicherheit und der Fahrerunsterstützung.

 

Ja, ja, ich weiss: ist wie beim ABS am Motorrad. Manche können auch bremsen wie Rossi, wenn nicht sogar besser.


18.08.2015 22:33    |    Corsadiesel

Habe selber einen W123 allerdings als 200D 60PS gefahren und habe das Auto geliebt, z.B. den satten "Plopp" mit den die Tür in Schloß gefallen ist und natürlich der Fahrkomfort. Dazu kam dann noch die Kaminwäre der Heizung im Winter (selbst bei 3 Std Stau im Leerlauf) hinzu, die ich geschätzt habe.

 

Das das KFZ nicht mehr wie 135km/h gefahren ist, hat mich nicht gestört, auch der Verbrauch von 8 L/100 nicht.

 

Leider mußte ich in Folge eines Totalschaden, von anderen verursacht, auf das KFZ verzichten.

 

Das Folgefahrzeug war ein 190D 72PS, war zwar mit anfälliger Technik (Traggelenk, sonst nur Kleinigkeiten), dafür aber sparsamer, 6L Verbrauch und nach Tacho 175km/h, 250 000km selber mit gefahren, bis ein Wildschaden ein Totalschaden gleich kam.

 

Danach dann der W124D mit ebenfalls 72PS und über 300 000km selbst gefahren, eben nur Kleinigkeiten daran gehabt. Nach 20Jahren (Fahrzeugalter) haben dann die Kotflügel angefangen von innen zu rosten, wurde er nach Polen verkauft.

 

Wollte dann einen W202 kaufen, allerdings kam es nicht dazu, denn die Wagen fingen bereits nach 4 Jahren an zu rosten, was sich wohl bis 2006 (so etwa) fortgesetzt hat.

 

Allerdings ist ein C180K (2007 - 2008) mit 1800er Benziner mit AT jetzt wieder auf meiner Wunschliste (u.a.).


19.08.2015 16:45    |    hydroelement

nee meiner bekommt ein H erst in fünf jahren, fünfeinhalb :D. bis dahin muss die schwarze plakette noch halten^^.


19.08.2015 17:20    |    Harhir

In Deutschland hatte ich Mitte der 80er auch einmal das "Vergnuegen" einen 240D Automatik eines Freundes zu fahren. Mit 5 Personen im Auto wurde er seinem Spitznamen als Wanderduene mehr als gerecht.

Aber sie scheinen unkaputtbar zu sein. Lebe nun in USA und hier sieht man immer wider noch W123 auf der Strasse. Und ausschliesslich Diesel. Vom 240D bis zum 300D Turbo Diesel. Meisst aber nicht in einem gepflegten Zustand sondern als auf Biodiesel umgeruestete Arbeitstiere.


20.08.2015 11:56    |    Airway

...ich hatte Anfang der 90iger selbst einen,einen 200er Benziner.....vom unerschütterlichen Fahrgefühl her, ein tolles Auto...aber,der Rost...war ein 76er Bj. ,und wie alle Autos der 70iger,waren auch die Mercedes damals üble Roster....dazu noch der weiße Unterboden-Kitt,wenn man diesen abzog,ging das perforierte Blech gleich mit....egal,habe TÜV gemacht,das Auto ein Jahr gefahren und ihn für mehr Geld wieder verkauft...mit dem Nachfolger,dem 124er,ging die Ära der richtigen Mercedes dann zu Ende....


20.08.2015 12:59    |    Shorty-McNugget

@Airway

ja leider waren die ersten beiden Serien des W123 sehr Rostanfällig. Meiner ist auch noch aus der 2ten Serie, ist aber im Winter nie gefahren worden und ist deswegen auch im großen und ganzen verschont geblieben.

Jetzt wurden bei mir ja die Roststellen entfernt und alles mit Teroson und Wachs konserviert. Das einzige was ich noch nachrüsten will, sind innenkostflügel um die konservierung von Steinschlägen zu schützen.

 

Shorty


20.08.2015 14:27    |    timmi74

Ah, ein weisser 240D, so einer war auch mein erstes Auto. Ausgezeichnete Wahl!

 

Pfleg ihn nur ordentlich und schau regelmässig nach dem Rost, vor allem unter dem Blech. Wenn der Rost kein Problem ist, dann ist ein 123er nahezu unkaputtbar!


20.08.2015 19:48    |    Airway

@Shorty....,

 

es ist immer schön,wenn junge Leute etwas für alte Autos über haben....ich wünsche Dir viel Spaß und immer gute Fahrt damit......


21.08.2015 16:37    |    MaverickV40

Tolles Auto. Wollte auch schon immer einen haben. Irgendwie hat es nie gepasst. Aber das Ding ist noch nicht vom Tisch. Und das kommode gondeln mit so einem klassischen Saloon ist ohnehin unnachahmlich. Der w123 macht das sehr gut. - fast so gut wie mein jetziger Rover 600 ;)


15.07.2017 19:59    |    Garfield_13

Ein W123 240D war das erste Auto, mit dem ich jemals selbst gefahren bin - In der Fahrschule. Gleich in der ersten Fahrstunde durfte ich damit einen Tanklaster bergauf auf der B8 im Spessart überholen. Zum Glück war damals auf den Straßen noch nicht so viel los wie heute...

Hatte danach einige 123, die ich teils lange gefahren bin: 200D, 240D, 250, 280E. An das Fahrgefühl in diesen Autos erinnere ich mich auch heute noch gerne. Zudem habe ich die Autos immer als zuverlässige Begleiter mit relativ wenig Macken erlebt, schwäbische Wertarbeit eben. Man sollte ein solches Auto aber nicht mit heutigen Fahrzeugen vergleichen, da liegen nunmal Welten dazwischen.


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