Preisschraube bei Porsche: Ab wann ist sie überdreht?

Porsche

Vor ein paar Tagen sah ich einen jetzt 12 Monate alten Test des neuen Cayenne S Coupé. Listenpreis ab € 113 k. Das war schon nach der stattlichen Preiserhöhung zum Modellwechsel auf das Facelift-Modell. 1 Jahr später steht das gleiche Fahrzeug sogar mit € 124 k in der Liste, also ca. 10% Mehrpreis, ohne dass sich irgendetwas geändert hätte (mit Ausnahme des Preisschilds).

Was sich im Vergleich zum Vorgänger allerdings geändert hat, ist der Qualitätseindruck, speziell im Interieur. Drei Beispiele: Schaltkulisse und Schaltknauf wurden durch einen fitzeligen Plastiknippel ersetzt. Die Türöffner innen waren bisher aus Aluminium, jetzt sind das billigste Plastik-Hebelchen, wie sie auch bei Seat und Cupra verbaut werden. Die Abdeckung der Armaturen wurde nicht durch eine billigere Lösung ersetzt, nein, sie wurde gleich ganz gestrichen. In der Fachsprache nennt man solche Maßnahmen De-Contenting.

Preiserhöhung bei Mehrleistung und/oder besserer Ausstattung: gekauft. Deftige Preiserhöhungen bei gleichzeitiger Produktabwertung: unangemessen.

Viele Teilnehmer in diesem Forum können sich einen Porsche leisten. Die Frage ist: Ab wann springen Kunden ab, weil sie der Preispolitik überdrüssig sind?

1915 Antworten
Zitat:
@knolfi schrieb am 29. August 2025 um 10:09:13 Uhr:
....Ich bin sowieso der Meinung, dass durch wachsende E-Mobilität die deutsche Automobilindustire das gleiche Schicksal erleiden wird, wie die Unterhaltungsindustrie vor 30-40 Jahren. Sie wird aussterben. Handys kommen heute nicht mehr von Siemens, sondern aus Asien, gleiches wird bei den E-Autos kommen.

Wenn die Produkte nicht gut sind, ja. Niemand bezahlt einen Premium Preis für me-too Produkte.

Wenn die Produkte gut sind, zahlen die Leute auch. Siehe Leica, Miele, Montblanc, Birkenstock, aber auch Infineon, Rohde & Schwarz, Continental, etc.

Man muss für den Mehrpreis schon auch was bieten.

Danke @MatC21 ich kann das alles unterschreiben was Du schreibst, gut getroffen

Was ich noch als Antwort auf @knolfi einwerfen würde: der europäische Markt ist mit 250 mio Bestandsfahrzeugen und 11 mio Neuzulassungen (ACEA) nicht klein. Das Problem hier ist, dass der Markt gesättigt ist und die Hersteller sich ganz anders bemühen müssen, um auf Wachstum zu kommen. Und da hat Kollege @MatC21 voll ins Schwarze getroffen: den Herstellern war der europäische Kunde vollkommen schnurzpiepegal. Mit dem Wegfall von China und USA fällt denen das jetzt auf die Füsse. Dazu kommt, dass die Kunden immer mehr grollen und das macht sich durchaus bemerkbar z.B. VW/Hyundai bringen wieder Knöpfe statt Touch ins Auto zurück - es gibt Sales incentives, die das Auto für Endkunden günstiger machen, die reagieren schon. Audi und Porsche haben es völlig verpasst. Mercedes und BMW wird sich jetzt zeigen.

Ich hoffe, dass ich unrecht habe und ihr Recht. Allein fehlt mir aktuell Gelaube.

Ein Elektroauto ist kein "mechanisches Meisterstück" mehr wie ein V8 oder V12, sondern ein rollender Computer, der beim kleinsten Bug den Dienst quittiert und dann per (Hard)Reset neu gestartet werden muss. Eben wie beim Computer oder Smartphone. Nach drei bis fünf Jahren ist das Ding dann veraltet und wird ausgetauscht. Keiner nutzt heute noch ein iPhone 4, obwohl qualitativ hochwertig verarbeitet. Wer will also 2035 noch einen Taycan der ersten Generation fahren?

Ich vergleich das mal mit dem Schicksal der Unterhaltungelektronikhersteller wie Loewe oder Grundig. Früher ein dt. Qualitätsprodukt und stand für Made in Germany, heute wird der Name für asiatische Billigprodukte missbraucht. Gleiches sieht man heute bereits bei MG, Lotus & Co. Früher mal klangvolle Namen für Sportwagen, heute klobige Elektro-SUV's. Gebaut werden die Fahrzeuge alle in China.

Use and waste, das wird das Schicksal der automobilen Fortbewegung sein.

Früher emotionales Statussymbol, heute seelenloser Gebrauchsgegenstand.

Ich teile die Ansichten von @MatC21 in Bezug auf die Mehrheit der Anbieter. Porsche war in der Vergangenheit allerdings eher eine löbliche Ausnahme:

911, Boxster, Cayman, Macan I, Macan II und Taycan sind für mich sehr europäische Autos, welche in der Vergangenheit weltweit Erfolg hatten. Da Porsche einen kleinen Marktanteil hat, musste man auch nie den Massengeschmack treffen, sondern konnte lukrative Nischen bedienen. Bei den Sportwagen war und ist man weiterhin ohne großen Wettbewerb. Da hat man sich mit dem Wegfall von Boxster und Cayman einfach selbst ins Knie geschossen.

Bei den SUVs steht man hingegen voll im Wettbewerb. Da der neue Macan sehr gelungen ist, könnte ich mir vorstellen, dass attraktivere Leasing-Konditionen hilfreich wären, um den Absatz zu fördern. Beim inzwischen fast 8 Jahre alten Cayenne hilft nur noch die Rabatt-Keule. So fein sich so ein Cayenne fährt: Wenn er von vorneherein aus dem Budgetrahmen fällt, macht man keine Probefahrt und kauft/least in der Konsequenz auch keinen Cayenne.

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@xkman da hast du Recht, nur leidet Porsche auch unter dem allgemeinen “Image” der anderen Deutschen Autobauer.

Aber ich hab auch den Macan weil er zB als einige der wenigen Autos keine Touchwüste ist und auch für die wichtigen Funktionen noch Knöpfe hat. Trotzdem aber nicht technisch abgehängt wirkt. Hier ist vorallem der Preis der Killer, das Auto ist zu teuer.

Zitat:
@knolfi schrieb am 29. August 2025 um 11:29:04 Uhr:
Ich hoffe, dass ich unrecht habe und ihr Recht. Allein fehlt mir aktuell Gelaube.
Ein Elektroauto ist kein "mechanisches Meisterstück" mehr wie ein V8 oder V12, sondern ein rollender Computer, der beim kleinsten Bug den Dienst quittiert und dann per (Hard)Reset neu gestartet werden muss. Eben wie beim Computer oder Smartphone. Nach drei bis fünf Jahren ist das Ding dann veraltet und wird ausgetauscht. Keiner nutzt heute noch ein iPhone 4, obwohl qualitativ hochwertig verarbeitet.

Kann ich nicht bestätigen. Unser Polestar 2 wird jetzt vier Jahre alt als Zweitwagen und bekommt technisch via OTA alle Updates. Er kann das gleiche, wie das aktuelle Modell. Da ist nichts veraltet von der Software.

Was sind denn 4 Jahre? Das wäre ja der Hammer wenn da schon Schluss wäre mit Updates. Aber warte mal nochmal 4 Jahre ab. Was bis dahin mit dem Akku sein könnte, darüber reden wir noch gar nicht.

Wir können drüber reden, es wird nämlich nichts sein. Es gibt inzwischen Teslas mit mehreren hunderttausend Kilometern auf der Uhr und die fahren noch ganz normal rum (jedenfalls Batterietechnisch). Batterien halten länger als viele Skeptiker glauben.

Zitat:
@knolfi schrieb am 29. August 2025 um 11:29:04 Uhr:
Ich hoffe, dass ich unrecht habe und ihr Recht. Allein fehlt mir aktuell Gelaube.
Ein Elektroauto ist kein "mechanisches Meisterstück" mehr wie ein V8 oder V12, sondern ein rollender Computer, der beim kleinsten Bug den Dienst quittiert und dann per (Hard)Reset neu gestartet werden muss. Eben wie beim Computer oder Smartphone. Nach drei bis fünf Jahren ist das Ding dann veraltet und wird ausgetauscht. Keiner nutzt heute noch ein iPhone 4, obwohl qualitativ hochwertig verarbeitet. Wer will also 2035 noch einen Taycan der ersten Generation fahren?
Ich vergleich das mal mit dem Schicksal der Unterhaltungelektronikhersteller wie Loewe oder Grundig. Früher ein dt. Qualitätsprodukt und stand für Made in Germany, heute wird der Name für asiatische Billigprodukte missbraucht. Gleiches sieht man heute bereits bei MG, Lotus & Co. Früher mal klangvolle Namen für Sportwagen, heute klobige Elektro-SUV's. Gebaut werden die Fahrzeuge alle in China.
Use and waste, das wird das Schicksal der automobilen Fortbewegung sein.
Früher emotionales Statussymbol, heute seelenloser Gebrauchsgegenstand.

Zweifelsohne sind V8 oder gar ein V12 ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Das möchte ich unmöglich abstreiten. Und diese feine Kunst hat auch über die Jahre zum Erfolg und zum Mythos Porsche beigetragen.

Aber die Zeiten ändern sich eben, es gibt doch so vieles mit dem ich als Autobauer punkten kann. Übrigens gibts auch immernoch zB einen Cayenne mit ebensolchem mechanischen Meisterstück zu kaufen, will nur niemand aktuell weil das alleine nicht mehr reicht. Haben wir alles schon gesehen, einen V6 oder V8 können eben die anderen auch.

Bei den Elektromotoren ist der Antrieb noch austauschbarer geworden, dass ist richtig. Auch hier gehört aber trotzdem eine Portion Ingenieurskunst dazu ein tolles Auto zu bauen.

Übrigens fährt kein einziges modernes Auto auch nur einen Meter ohne Software, das sind alles rollende Computer und hat nichts mit dem Antrieb zu tun. Der nächste Schritt sind SDVs wie zB Tesla oder Rivian wo praktisch alles zentral und mit einem einzelnen (oder wenigen) Recheneinheiten gesteuert wird. Soweit ist die Deutsche Autoindustrie noch nicht weil die immernoch in ihrer hochkomplexen Architektur mit unzähligen Steuergeräten feststecken. Das mag einerseits ein beeindruckender Kraftakt sein das alles unter einen Hut zu bringen. Andererseits muss man einfach zugestehen, dass Tesla bewiesen hat das man eben auch erfolgreich Autos bauen kann wenn man Software ins Zentrum stellt. Und kein anderer Hersteller kann so souverän Probleme per OTA beheben oder sogar neue Funktionen auf bestehende Modelle ausrollen. Das funktioniert so gut, dass alle nur noch von SDVs reden und die VW Gruppe dieses Wissen nun teuer aus den USA einkaufen muss. Als Technologieführer hätte man eigentlich erwarten müssen dass man diesen Trend früher erkennt, das gehört eben zu einem führenden Unternehmen dazu, nicht einfach auf Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen und die Kunden melken.

Und mir geht es hier gar nicht um Recht oder Unrecht, ich möchte lediglich meine Sichtweise darstellen. Ich kann mit auch gut vorstellen dass du mit deiner These richtig liegst und über kurz oder lang mehr oder weniger alle Deutschen Autobauer verschwinden oder nach China verkauft werden. Man muss sich ja nur mal bei unseren Nachbarn aus Grossbritannien oder Schweden umsehen. Da gehört mittlerweile alles Deutschland, China oder Indien.

Und wenn das so kommt dann ist es halt so und wir werden alle drunter leiden. Aber dann wird wieder nur die Politik Schuld sein oder die böse EU. Ein Vorstand oder die Geschäftsleitung kann es unmöglich sein, die sind unfehlbar. Ich habe nur ein Problem mit dieser Meckermentalität. Statt dass einfach mal einer hingeht und wieder ein tolles, hochwertiges Auto zu einem vernünftigen Preis baut. Und ja, das muss auch in Deutschland möglich sein.

Zitat:@holgor2000 schrieb am 29. August 2025 um 11:02:15 Uhr:
Wenn die Produkte nicht gut sind, ja. Niemand bezahlt einen Premium Preis für me-too Produkte. Wenn die Produkte gut sind, zahlen die Leute auch. Siehe Leica, Miele, Montblanc, Birkenstock, aber auch Infineon, Rohde & Schwarz, Continental, etc. Man muss für den Mehrpreis schon auch was bieten.

Ich weiß: Porsche Forum.

Aber Miele hat (z.B.) bei Waschmaschinen auch extrem gespart. Meine nächste (hatte bis jetzt stets Miele) wird keine Miele mehr.

Jetzt wieder Porsche. Ich ziehe den Vergleich mit den Türöffnern (innen) beim Cayenne. Sie erfüllen den Zweck und halten ein Fahtzeugleben lang. Ich erwarte aber einfach was anderes. Vergleich, weil Miele Waschmaschinentür nicht mehr Metall sondern Kunststoff. Macht der Wäsche Nix. Aber dem Gesamteindruck.

Zitat:
@St80249 schrieb am 29. August 2025 um 21:04:07 Uhr:
Wir können drüber reden, es wird nämlich nichts sein. Es gibt inzwischen Teslas mit mehreren hunderttausend Kilometern auf der Uhr und die fahren noch ganz normal rum (jedenfalls Batterietechnisch). Batterien halten länger als viele Skeptiker glauben.

Man muss nur aufpassen, dass man nicht in Waschanlagen mit Bürsten fährt. Dann hält die Klapperkiste bestimmt hundert Jahre und Millionen von Kilometern. 🫣

Die Tesla Bedienungsanleitung fordert:

VORSICHT

Wenn Sie Ihr Fahrzeug in einer automatischen Waschanlage waschen, verwenden Sie ausschließlich berührungslose Waschanlagen. Bei diesen Waschanlagen kommen keine Teile (z. B. Bürsten) mit den Oberflächen von Model 3 in Berührung .

Find ich lustig, tolles Auto, dass man nur mit dem Pinkel-Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch zu Hause reinigen kann, wenn man nicht zwanzig Kilometer zur nächsten „berührungslosen““ Waschanlage fahren will. 🤪.

Klapperkiste habe ich bewusst geschrieben. Mein Lackierer hatte neulich einen Leasing-Tesla zur Aufbereitung und hat geflucht: „Für so eine Mistkarre brauche ich die doppelte Zeit. Die Scheinwerfer sind blind, der Lack ist Mist und lässt sich nur mit viel Umdrehungen, also hoher Temperatur, quasi durch Anschmelzen aufbereiten, die Türdichtungsgummis hängen unten raus, Leisten fallen ab, Wasser ist in den Türen und Steuergeräte saufen ab usw.“.

Ich habe diesen Tesla selbst gesehen. Davon war nichts untertrieben. Das Fahrzeug war gerade 1 Jahr alt und in einem jämmerlichen Zustand. Er vergaß noch die Risse in den Heckleuchten, die losen Bedienelemente im Interieur, die nicht vorhandenen Spaltmaße, die hängenden Türen, die nicht richtig schließende Heckklappe usw..

Wahrscheinlich war der Leasingnehmer zu oft in einer „berührenden“ Waschanlage.

Und vielleicht sind die Porsche-Fahrzeuge doch gar nicht so schlecht.

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