Preisschraube bei Porsche: Ab wann ist sie überdreht?

Porsche

Vor ein paar Tagen sah ich einen jetzt 12 Monate alten Test des neuen Cayenne S Coupé. Listenpreis ab € 113 k. Das war schon nach der stattlichen Preiserhöhung zum Modellwechsel auf das Facelift-Modell. 1 Jahr später steht das gleiche Fahrzeug sogar mit € 124 k in der Liste, also ca. 10% Mehrpreis, ohne dass sich irgendetwas geändert hätte (mit Ausnahme des Preisschilds).

Was sich im Vergleich zum Vorgänger allerdings geändert hat, ist der Qualitätseindruck, speziell im Interieur. Drei Beispiele: Schaltkulisse und Schaltknauf wurden durch einen fitzeligen Plastiknippel ersetzt. Die Türöffner innen waren bisher aus Aluminium, jetzt sind das billigste Plastik-Hebelchen, wie sie auch bei Seat und Cupra verbaut werden. Die Abdeckung der Armaturen wurde nicht durch eine billigere Lösung ersetzt, nein, sie wurde gleich ganz gestrichen. In der Fachsprache nennt man solche Maßnahmen De-Contenting.

Preiserhöhung bei Mehrleistung und/oder besserer Ausstattung: gekauft. Deftige Preiserhöhungen bei gleichzeitiger Produktabwertung: unangemessen.

Viele Teilnehmer in diesem Forum können sich einen Porsche leisten. Die Frage ist: Ab wann springen Kunden ab, weil sie der Preispolitik überdrüssig sind?

1899 Antworten
Zitat:@xkman schrieb am 28. August 2025 um 10:25:47 Uhr:
@Swissbob:1 x VW-Bus, 1 x A6, 1 x G-Klasse Diesel. Selbstverständlich würden die in der Schweiz Cayenne o.ä. fahren. Deshalb arbeiten ja auch viele deutsche Ärzte in der Schweiz 😀.@Kaltstrom:Danke für den Begriff "Spitzenverdiener". Laut BMF fallen Gehälter ab € 8359.- brutto in diese Kategorie, ab € 23277.- brutto gehört man dann zu den Top-Verdienern (oberstes Prozent der Pyramide). Von 44 Millionen Erwerbstätigen sind also laut BMF 440.000 Top-Verdiener (leichte Zweifel meinerseits). Ergo existieren massenhaft solvente Kunden, die sich einen oder mehrere Porsche leisten können, wenn sie es nur wollten. Und am "wollen" scheint es aktuell sehr zu fehlen, siehe auch den letzten Absatz in obigem Beitrag von @knolfi.Ich gehe davon aus, dass die Kaufzurückhaltung nicht nur Folge der Preisspirale ist, sondern das Thema Hochleistungs-ICEs zunehmend aus der Zeit fällt.

Von den 440.000 genannten Topverdienern wird es genug geben, die auf einen Porsche (oder anderen Sportwagen) keinen Wert legen.

Für mich eine etwas zu einfache Darstellung der möglichen Käufer.

Genau so ist es.

Bisher konnten Porsche-Verkäufer gegenüber BEV-Interessenten stets argumentieren, dass der Preis-Leistungs-Vergleich eines Porsche gegenüber einem Xiaomi, XPeng oder BYD unzulässig sei. Begründung: Subventionen, Werkstattnetz, Zukunftssicherheit, etc. etc. Diese Themen waren ja auch nicht vollständig von der Hand zu weisen.

Mit der Markteinführung des Audi E5 sind viele dieser Argumente vom Tisch, denn der E5 ist ein Produkt aus dem gleichen Konzern. Ich kann mir nur schwer vorstellen, welche Gründe die hiesigen Verkäufer, speziell die Flottenbetreuer, vorbringen werden, um die exorbitante Preisdifferenz zwischen einem E5, einem Taycan GTS oder einem Audi e-tron GT zu rechtfertigen. Das Argument "Der Konzern wird dieses Modell ausschließlich in China anbieten" hält nicht lange Wasser. Zumindest die Flottenmanager werden bei den Verhandlungen Druck machen. Entweder der E5 kommt auch hier auf den Markt oder aber die Tarife für die hiesigen Modelle werden für Flottenbetreiber auf ein ähnliches Niveau abgesenkt. Das sollte den Mittelständlern und Privatkunden mittelfristig auch zu Gute kommen.

Ich gehe davon aus, dass für das Gros des Fahrzeugabsatzes das heutige Preisniveau in Bälde der Vergangenheit angehören wird, genau so wie die jährlichen Preiserhöhungen. Erster Vorgeschmack ist der Smart #5 Brabus: 646 PS, 710 NM, 800 V Ladetechnik, Vollausstattung, LP € 60 k brutto. Und das ist erst der Beginn der Reise, nicht das Ende.

Die Leute werden Brabus die Bude einrennen. 646PS in einem E-Rollstuhl ist genau das wonach der Markt seit Jahrzehnten schreit 🤦🏻‍♂️

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Das ist aber durchaus nicht so weit hergeholt.
Nach all den fetten Jahren in der Autoindustrie wo mit Entfeinerungen und Kosteneinsparungen die Margen zu Gunsten der Innhaberfamilien und Aktionären erhöht wurden spüren die Deutschen, Japanischen und Amerikanischen Hersteller mal wieder das was sich “Konkurrenzdruck” nennt.
Man hat auch die Chinesen lange gemolken und “unsere” Autos dort zu horrenden Preisen an den Mann und die Frau gebracht.

Schlussendlich kommt es vielleicht nach Jahrzehnten von steigenden Neuwagenpreisen durch die Chinesische Konkurrenz vielleicht mittelfristig zu einer Entspannung beim Preisniveau. Auf jeden Fall wird es immer schwieriger Autos in der Spanne 100-200t Euro zu verkaufen, ich denke die triffts am härtesten und genau da sitzt Porsche.

Zitat:
@xkman schrieb am 28. August 2025 um 19:55:38 Uhr:
Mit der Markteinführung des Audi E5 sind viele dieser Argumente vom Tisch, denn der E5 ist ein Produkt aus dem gleichen Konzern. Ich kann mir nur schwer vorstellen, welche Gründe die hiesigen Verkäufer, speziell die Flottenbetreuer, vorbringen werden, um die exorbitante Preisdifferenz zwischen einem E5, einem Taycan GTS oder einem Audi e-tron GT zu rechtfertigen. Das Argument "Der Konzern wird dieses Modell ausschließlich in China anbieten" hält nicht lange Wasser. Zumindest die Flottenmanager werden bei den Verhandlungen Druck machen. Entweder der E5 kommt auch hier auf den Markt oder aber die Tarife für die hiesigen Modelle werden für Flottenbetreiber auf ein ähnliches Niveau abgesenkt. Das sollte den Mittelständlern und Privatkunden mittelfristig auch zu Gute kommen.

Der E5 ist meiner Kenntnis nach ein fremdentwickektes chinesisches Produkt, welches in Richtung Audi umgerüscht wurde. Also ein chinesisches Auto und deutschen Namen. Also ähnlich wie ein aktueller Grundig Fernseher.

Das macht ihn natürlich nicht schlechter, genauso preisinteressant. Aber er dient nicht als Vergleich mit einem „Ingolstädter“. Er ist in meinen Augen der verzweifelte Versuch als Label nicht komplett vom Markt zu fliegen.

Beim Überfliegen meiner Posts und dem Lesen Eurer Kommentare geht mir folgendes durch den Kopf:

Wenn wir hier mit unserer Einschätzung daneben liegen, kostet das nicht mehr als ein paar MB verplemperte Speicherkapazität. Liegen die Aufsichtsräte und Vorstände eines Unternehmens daneben, kostet das im schlimmsten Fall Arbeitsplätze, Existenzen, manchmal ganze Konzerne oder Firmen.

Insofern haben wir es als Kommentatoren sehr viel kommoder als diejenigen, die Verantwortung tragen und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen verantworten müssen.

Den Rücktritt von Blume und auch die Black Edition Modelle, haben einzelne User aber schon vor Monaten vorhergesagt.

Auch dass der Absatz wegen der sich immer weiter drehenden Preisschraube einbricht, ist für aufmerksame Leser diese threads nichts Neues.

Zitat:
@xkman schrieb am 28. August 2025 um 22:41:57 Uhr:
Beim Überfliegen meiner Posts und dem Lesen Eurer Kommentare geht mir folgendes durch den Kopf:
Wenn wir hier mit unserer Einschätzung daneben liegen, kostet das nicht mehr als ein paar MB verplemperte Speicherkapazität. Liegen die Aufsichtsräte und Vorstände eines Unternehmens daneben, kostet das im schlimmsten Fall Arbeitsplätze, Existenzen, manchmal ganze Konzerne oder Firmen.
Insofern haben wir es als Kommentatoren sehr viel kommoder als diejenigen, die Verantwortung tragen und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen verantworten müssen.

Ein CEO oder Vorstandsmitglied wird finanziell sicher deutlich weniger schaden nehmen, als all die anderen die jetzt ihren Job verlieren, denke ich.

Ob die Gehälter im Verhältnis zur "Verantwortung/Haftung" überhaupt noch verhältnismäßig sind, ist ein anderes Thema.(haftet da jetzt überhaupt irgendjemand im Vorstand oder muss seine zuvor bezogenen Boni o.ä zurückzahlen?)

Gruß

Neuwagensuchender

Zitat:
@Neuwagensuchender schrieb am 29. August 2025 um 06:03:37 Uhr:
Ein CEO oder Vorstandsmitglied wird finanziell sicher deutlich weniger schaden nehmen, als all die anderen die jetzt ihren Job verlieren, denke ich.

Und da geht mittlerweile echt die angst um, wie ich selbst von einer Porsche-Führungskraft erfahren durfte. Selbst die Ebene eins unter dem Vorstand bangt gerade um ihre Jobs, weil sie nicht so weich fallen wie die Vorstände.

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