Motor stirbt beim Auskuppeln ab
Hallo,
da das mein erster Beitrag ist erstmal eine herzliche Begrüßung an alle Motor-Talk-Mitglieder.
Bevor ich das eigentliche Problem schildere erstmal die Grunddaten zum Fahrzeug:
Ford Mondeo MK3, Baujahr 02/2005, Typ BWY (Kombi), Motor 2.0 16V 107KW
Neben der gewöhnlichen Fahrzeugausstattung wurde auch eine Autogasanlage nachgerüstet, die allerdings auf dieses Problem keinen Einfluss haben dürfte, da sie derzeit abgeschaltet ist. Ansonsten läuft sie mit weniger als 3% Abweichung gegenüber dem Benzinbetrieb, gemessen mittels OBD-Liveauswertung des Kurz- und Langzeittrimms auf einer durchschnittlichen Teststrecke.
Nun zur Symptomatik:
Befindet sich der Wagen im normalen Fahrtbetrieb und wird dann während der Fahrt bei mehr als 1.500 Touren ausgekuppelt, beispielsweise vor einer Kreuzung oder an einer Ampel, dann fällt die Umdrehungszahl zunächst recht schnell (1 bis 2 Sekunden) auf 500 U/min, nach Sekundenbruchteilen stirbt der Motor dann ganz ab. Dieses Sympatom taucht auch dann auf, wenn nicht ausgekuppelt sondern nur die Kupplung getreten wird. Lässt man die Umdrehungszahl allerdings vorsichtig mit eingelegtem Gang bis auf rund 1.000 Touren absinken und kuppelt erst dann aus, geht der Motor ganz normal in den Leerlauf über und stirbt nicht ab.
Der Motor verhält sich ansonsten vollständig normal, Drehmoment und Leistungsabgabe hervorragend, keine Aussetzer oder Ruckler, der gewöhnliche Leerlauf ebenfalls ideal. Im Stand läuft der Motor also nach Lehrbuch, während der Fahrt gibt es ebenfalls kein Problem, erst an Kreuzungen oder Ampeln bzw. immer dann wenn man während der Fahrt die Kupplung tritt und kein Gas mehr gibt, tritt der Fehler auf, was den ansonsten sonst gut laufenden Wagen natürlich ungebräuchlich macht. Ein anderes Problem, was sich inzwischen jedoch gelöst hat (dazu nacher mehr), ist das Standgas, denn das hat von Anfang an nicht funktioniert. Durch meine Lösungsversuche klappt es aber nun. Ferner ist sporadisch die Öllampe im Amaturenbrett angegangen, obwohl der Ölstand korrekt war, das lies sich durch einen neuen Öldrucksensor beheben.
Bislang durchgeführte Diagnose:
- Generelle Untersuchung auf die Symptomatik beim Ford-Händler, dieser konnte aber nichts finden und schlug vor "auf gut Glück" den Motor auseinanderzubauen in der Hoffnung etwas zu finden - da die Diagnose bis dahin schon genug gekostet hatte, habe ich mich darauf aber nicht eingelassen. Ansonsten keinerlei Fehler gefunden
- Vor und nach der Fordwerkstatt habe ich selbst auch die OBD-Fehlercodes ausgelesen. Weder im Freeze-Frame noch im normalen Fehlerspeicher gab es Fehlermeldungen.
Was ich bislang unternommen habe (einiges davon wäre sowieso bald fällig geworden):
- Zündkerzen ausgetauscht (Original Motorcraft), Zündkabel ausgetauscht, Zündspule ausgetauscht
- Leerlaufregelventil ausgetauscht
- MAP-Sensor am Ansaugkrümmer ausgetauscht
- Lambdasonde ausgetauscht
- Ansaugkrümmer abmontiert, gereinigt und neue Wirbelklappen und Dichtungen eingesetzt
- Drosselklappe gereinigt
- Luftfiltergehäuse gereinigt und neuen Luftfilter eingesetzt
- Sichtkontrolle des Unterdrucksystems, alle Schläuche augenscheinlich (mit Lecksuchspray) dicht und richtig angeschlossen
Gebracht hat das alles aber überhaupt nichts - außer dass das Standgas nun perfekt funktioniert, was vorher gar nicht funktioniert hat, was ich auf den Tausch des Leerlaufreglerventils zurückführe.
Allerdings habe ich heute eine (wenn auch unbefriedigende) provisorische Lösung gefunden:
Mir ist aufgefallen, dass die Stahldrähte des Gaszugs ohne Betätigung des Pedals vollständig entspannt sind. Man kann sie fast einen Zentimeter runter drücken, ohne dass sich der Stellregler an der Drosselklappe bewegt. Im Drosselklappengehäuse selbst ist eine Schraube als Abstandhalter für den Stellmechanimus eingebracht. Verlängert man diese Schraube zum Beispiel mit einem kleinen Stück Filz, dann simuliert man ja praktisch ein ständiges leichtes Gasgeben. Dadurch fällt die Tourenzahl natürlich nicht mehr auf die kritischen 500 Touren ab und das Problem ist gebannt.
Das unangenehme daran: Es gibt keinen echten Leerlauf mehr, der Filz ist außerdem keine wirklich zuverlässige Lösung. Die Schraube selbst hat scheinbar auch keinen Kopf, man kann sie auch nicht mit einer Zange drehen, weil sie dafür zu fest sitzt. Man kann darüber also die Leerlauftourenzahl leider nicht feindosieren, indem man sie weiter rausschraubt, da ja genau das nicht geht. Möglicherweise ist der Schraubenkopf bei meinem Drosseklappengehäuse auch nur von irgendjemandem abgerissen worden, ich habe leider keinen Vergleich wie das im Original aussieht.
Die Frage ist nun, ob es tatsächlich nur diese Stellschraube ist, bei der sich vielleicht im Laufe der Jahre das Metall verzogen hat und dadurch das Leerlaufgas nicht mehr ausreicht, wenn der Motor plötzlich darauf "zurückfällt" oder ob es eigentlich eine andere Ursache gibt, die jetzt testweise nur dadurch umgangen wird, dass die Drosselklappe wegen der Filzverlängerung der Schraube vermutlich gar nicht mehr dicht abschließt und somit das Unterdrucksystem ganz anders reagiert.
Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand zu dieser Symptomatik eine Idee hätte. Ich suche nun bereits seit Wochen nach einer Lösung und nachdem selbst die Fordwerkstatt nichts findet und nur auf gut Glück Teile austauschen will, bin ich etwas am Verzweifeln.
Eine kürzere Beschreibung konnte ich leider nicht schreiben, weil ich mir absolut nicht sicher bin, was davon weggelassen werden kann.
Vielen Dank für die Unterstützung im Voraus,
Philipp
Beste Antwort im Thema
So inzwischen gibt es Klarheit.
Ich wurde von den Ford-Händlern in meiner Region an eine Werkstatt verwiesen, die gute 100 Kilometer weit weg ist, an die immer die Problemwägen überreicht werden.
Dort hat man dann sofort gemeint, da alles andere bereits gecheckt wurde, kann es nur noch das Ventilspiel sein. Tatsächlich war es dann auch so - obwohl der Motor praktisch keinen Leistungsverlust hat und wunderbar rund läuft, gibt es eine deutliche Abweichung im ersten Zylinder, die zu der Leerlaufproblematik führt. Dort sind von 0,3mm vorgeschriebenem Spiel nur noch 0,1mm übrig - seltsamerweise ist in allen anderen Zylindern das Ventilspiel in Ordnung.
Als provisorische Lösung, weil keine Teile auf Lager waren (Auslaßventile sind durch den Gastbetrieb hin), haben sie jetzt einfach die Drosselklappe angebohrt, sodass der Motor im Leerlauf mehr Luft bekommt. Das hat auch tatsächlich den Fehler behoben.
Ich werde den Motor jetzt vermutlich bei einem Motoreninstandsetzer wieder auf Vordermann bringen lassen und ihn dabei auch gleich gasfest machen lassen. Die Ford-Werkstatt verlangt für acht neue Ventile und das Einstellen des Ventilspiels rund 980 Euro, da bei meinem Motor dafür leider die Steuerkette raus muss. Der Motoreninstandsetzer verlangt 1250 Euro, dann ist aber auch die Ventilführung neu und die Ventilsitze werden gegen gehärtete getauscht. Unterm Strich lohnt sich das also.
Nochmal vielen Dank an alle, die sich an der Problemfindung beteiligt haben.
16 Antworten
Hey Artur mein Name ich wollte mal nachfragen ob es was gebracht und was es gekostet hatt denn motor gasfest zu machen
Zitat:
Nach Allem was du beschrieben hast, tippe ich auf den Kupplungspedalschalter!
Der soll, wenn man die Kupplung tritt, dem Steuergerät den Tritt verraten und die Drehzahl noch halten, um die Schaltvorgänge weicher zu machen.MfG
panko
Ich hänge mich hier mal dran.
Weil:
Bei meinem ist das so, dass es genau umgekehrt ist.
Trete ich das Kupplungspedal, dann fällt die Drehzahl schnell.
Hau ich den Gang einfach so raus (ohne die Kupplung zu treten) dann bleibt die Drehzahl hoch.
Was ist denn nun richtig?
Mein Motor, 2,0 TDCI, stirbt dann auch ab.
Hat jemand hier den Durchblick?
Ich nicht.
Fehlerspeicher sind komplett leer und er springt mit dem Zündschlüssel auch sofort wieder an.