Laufleistung als Fahr- bzw. Betriebszeit

Moin Zusammen,

ich hätte mal eine Frage aus Interesse.

Ich kaufe gerne langlebige Dinge, so auch Autos, sodass ich mich vor meinem Autokauf (wie andere wohl auch) mit der zu erwartenden Kilometerlaufleistung des jeweiligen Modells beschäftigt habe. Tut man dies, kommt man schnell in die Diskussion bzw. in das Thema Fahrprofil (Langstrecke oder Kurzstrecke, Autobahn oder Landstraße usw.), wodurch Erfahrungsberichte von anderen schnell wieder relativiert werden.

Ich wundere mich in diesem Zusammenhang schon länger, warum die Laufleistung eines Fahrzeugs (immernoch) nur anhand der jeweiligen Kilometerlaufleistung beurteilt wird. Mittlerweile wird in moderneren Fahrzeugen ja auch die jeweilige Gesamtfahrtzeit erfasst. Diese könnte man auch in älteren Fahrzeugen mit einem simplen Dreisatz mittels der erfassten der Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen (ggf. ohne Standlaufzeit).

Meines Erachtens würde ein Vergleich der zu erwartenden Nutzungszeit eines Fahrzeugs das Interesse der meisten Käufer hinsichtlich der Frage, ob die Karre etwas aushält, mindestens genauso gut beantworten. Ggf. hätten sich dadurch auch die Verwerfungen hinsichtlich unterschiedlicher Fahrprofile erübrigt, wenn statistisch festgestellt werden könnte, dass bspw. 1 Stunde Landstraße bezogen auf den Verschleiß äquivalent zu einer Stunde Stadtverkehr wären oder der Unterschied beim Verschleiß jedenfalls nicht so stark auseinanderfällt, als würde man 1000km Landstraße mit 1000km Stadtverkehr vergleichen.

Freue mich über Meinungen, Erfahrungsberichte und/oder technische Beiträge!

28 Antworten

Interessantes Thema!

Ich bin bekennender Zahlenjunkie und Excel-Fan und habe an unserem aktuellen Fahrzeug von Anfang an (Neuwagen) zu jeder Vollbetankung nicht nur den Verbrauch, sondern auch das Fahrprofil sowie die jeweilige Durchschnittsgeschwindigkeit dokumentiert. Der BC wird bei jeder Vollbetankung resettet.

Inzwischen sind das auf aktuell gut 135.000 km 185 Vollbetankungen. Autobahnanteile lassen sich recht präzise erfassen, bei Landstraße und Stadtverkehr ist das natürlich schwieriger und daher nicht auf den Kilometer genau.

Aus diesen Fahrprofilen (aktueller Gesamtdurchschnitt BAB / LS / ST = 46,2 / 40,2 / 13,6%) errechne ich eine Gesamtfahrzeit unter der Annahme von Durchschnittsgeschwindigkeiten von 80 / 55 / 30 km/h. Sie liegt unter diesen Annahmen aktuell (Stand letzte Vollbetankung) bei 2.370,4 Stunden. Unsere aktuelle Durchschnittsgeschwindigkeit liegt aktuell übrigens bei 61,5 km/h, errechnet aus dem Mittelwert der BC-Werte beim Volltanken.

Es dürfte seitens der Fahrzeughersteller sicherlich eine Kleinigkeit sein, auch die tatsächliche Fahrzeit im BC zu erfassen. Die wäre dann sicherlich ein ganzes Stück genauer als meine Werte…

[ völlig unnötiger Fullquote von MT entfernt]

Weil der Ottonotmalbürger beim Kauf nun mal die Gesamtlaufleistung durch das Alter des Fahrzeug teilt um zu wissen welche durchschnittliche Jahreslaufleistung ein Fahrzeug hat.

Bei sehr niedrigen Laufleistungen im Jahr geht man halt von wenig genutzt,oder vorwiegend Kurzstrecke aus.

Bei hohen eben von viel Langstrecke,hat die letzten 50 Jahre auf dem Markt problemlos funktioniert.

Natürlich kann man dann,wenn vorhanden,das ganze mit angegebenen Betriebsstunden vergleichen.

Geht aber auch,wie Du geschrieben hast,über die angezeigte Durchschnittsgeschwindigkeit.

Und was sagt das jetzt alles über die Haltbarkeit aus?

Eigentlich nichts wenn man sich ein Fahrzeug mit Problemmotor kauft,und bei denen mit wenig Problemen ist das Erbsenzählerei.

Heißt also,wenn man die Wahl hat,das man sich kein Fahrzeug anschafft über dessen Motoren permanent negativ berichtet wird.

Und jedem anderen Motor tut man einen Gefallen wenn man auf den Longlifeintervall verzichtet,vielleicht hätten dann auch die anderen Motoren dann weniger Probleme.

Das ist sicher besser als Betriebsstunden zählen .

Meiner ist mittlerweile 25 Jahre alt mit 210 TKm und läuft wie neu,ist aber ein gut konstruierter Motor ohne Macken.

Den juckt es nicht ob ich in Laufleistung oder Betriebsstunden zähle.

Obwohl ich es auch mache denke ich das solche statistischen Erhebungen vllt. von 1% der Halter gemacht werden.

Wenn ich einen meienr Ex anschaue, stand am Ende zum Verkauf 212tkm auf dem Kilometerzähler. Nun, Aufgrund der nachgehaltenen Durchschnittsgeschwindigkeit könnte ich jetzt 4412 Betriebsstunden beisteuern bzw. eben auch, 48km/h.

Ist das jetzt alles hilfreich? Was Du den Betriebsstunden und den 48km/h nicht ansiehst das ich Hardcore SSA-Fahrer bin, d.h. Motorstillstandzeiten gehen trotzdem in den Geschwindigkeitsschnitt ein.

Jetzt müte ich noch Steuergeräte auslesen und ergänzend die Zahl der Anlassvorgänge mit >100T angeben, denn genau dabei würden viele Panik bekommen.

Sei noch angemerkt das alles was man selbst ermittelt und angibt ja locker gelogen sein kann. Am Ende stellt sich die Frage wer was mit solchen Zahlen anfangen kann.

Is halt so...wird sich auch nichtmehr ändern.

Türlich wäre Betriebsstunden sinnvoller - gemessen wie schon beim alten Traktor (der hatte ja keine Uhr): eine Betriebsstunde = x Motorumdrehungen.

Aber dieser Kilometerstand ist magisch:

wenn ich irgendwelchen alten Ersatzteile bei ebay verkaufe, kommt schonmal die Frage nach der Laufleistung.

Ehrliche Antwort: Digga, das Ding is 40 Jahre alt, keine Sau weiß wieviel der wirklich gelaufen hat.

Folge: kauft keiner.

Erwartete Anwort: X km.

Folge: kauf

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Zitat:
@DidiSchampus schrieb am 17. Juli 2025 um 12:05:02 Uhr:
Ich kaufe gerne langlebige Dinge, so auch Autos...

was heißt bei Dir denn "langlebig", also wie lange fährst du ein Auto als Daily? 10 Jahre, 15, 20 Jahre?

Meine Erfahrung: Am Ende ist der Rost ein größeres Problem als die Laufleistung/Betriebsdauer.

Bei 10-15 Jahren würde ich mir keinen großen Kopf um die Haltbarkeit der Mechanik machen. Bald wirds die Haltbarkeit und Verfügbarkeit der Elektronik sein, die das Lebensende von PKWs bestimmt.

Zitat:
@Stefan_Raba schrieb am 17. Juli 2025 um 18:47:12 Uhr:
Ehrliche Antwort: Digga, das Ding is 40 Jahre alt, keine Sau weiß wieviel der wirklich gelaufen hat.

Naja ein Stundenzähler ist nach 40 Jahren auch nicht genauer.

Und Ehrlichgesagt, die Durchschnittsgeschwindigkeit bzw. Stunden, zeigen mir ja nur den Verschleiß des Motors und selbst das ungenau.

Ich kann eine Stunde durch die Stadt fahren und den Wagen dann eine Stunde mit V-Max über die Autobahn prügeln, am Ende wird der Motor wahrscheinlich mehr Verschleiß aufweisen wie einer der sanft 2 Stunden über die Landstraße gondelt und bei beiden habe ich die gleiche Durchschnittsgeschwindigkeit.

Jeder gemessene Wert ist nur so gut wie die restlichen Informationen die ich dazu habe.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit kann gehörig täuschen. Ich nulle sie im BC bei jeder jährlichen Inspektion, zusammen mit dem Durchschnittsverbrauch. Und das Ergebnis? 89 km/h! Was muss ich gerast sein? Aber der Verbrauch: 8,0 l/100 km, unterhalb der Werksangabe von 8,3 l. Wie passt das zusammen bei einem Fünfzylinder Turbo-Benziner mit AWD? Die Antwort: Fast nur gelassene Lang- und Mittelstrecken und konsequente Vermeidung von kalten Kurzstrecken. Dabei oft Standzeiten von 3 bis 5 Wochen. Die Jahresfahrleistung ist stets vierstellig trotz der vielen Langstrecken.

Wer sich bei meinem Volvo V40 nur einzelne Werte rauspicken würde, käme zu völlig falschen Schlüssen …

Daher gibt es an anderer Stelle den Begriff "Belastungskollektiv". Beim Auto ist das schon mal die halbe Miete, wenn nicht am Kilometerstand gemurkst wurde oder irgendwelches "Tuning" die Peripherie in Bereiche gebracht hat, die der Hersteller nicht vorgesehen hat, und auch um gewisse Reserven zu lassen.

Die dritte Komponente des "Belastungskollektivs" habe ich beim meinem Volvo V40 in den Konfigurationsdaten bei der OBD-Auslese gefunden: Neben dem bekannten und offiziell kommunizierten 12-Monats- und 30.000-km-Intervall ("service time" und "service distance") steht dort tatsächlich auch eine "service engine time" von 1.100 Stunden. Bei 8.780 km und 89 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen den letzten beiden Inspektionen hatte ich gerade mal 100 Stunden Fahrt Genuss :-) Ob Leerlaufzeiten da schon drin sind, weiß ich nicht, doch das spielt bei der Reserve keine Rolle.

Mein Eindruck: Die 12 Monate sind für meine Verhältnisse knapp, die 30.000 km würde ich niemals mit einer Ölfüllung ausreizen, maximal 10.000 km. Und die 1.100 Betriebsstunden Motorlauf erscheinen mir auch sehr großzügig. Wenn man mal Empfehlungen liest, bewegen die sich um 250 Stunden herum.

Wird bei etwas neueren Fahrzeugen sowas nicht irgendwo in den Tiefen der Steuergeräten gespeichert?

Bei noch neueren wahrscheinlich auch in diversen Clouds weltweit.

Bei Verbrennern wäre der absolute Verbrauch wahrscheinlich ein guter Indikator für den zu erwartenden Verschleiß. Aber letztlich bleibt es eh immer Glückssache, wie lange etwas hält.

2011 konnte mir BMW am 740xd F01 auslesen:

x Fahrten unter 1km

x Fahrten unter 2km

usw.

Hatte bemängelt, das die Batteriemeldung kam. Die Karre hat 40tkm im Jahr gelaufen, aber mal eben Post, mal eben Essen fahren...

Mittlerweile kann da sicher sehr genau bei allen Modellen die Nutzung auslesen.

Auch die Kurzstreckenzählung ist ziemlich pauschal, falls nicht die vorherige Stillstandszeit, der Verriegelungsstatus oder die Motortemperatur beim Start mit einbezogen wird.

Sonst hätte ich gerade eine Kurzstrecke hinter mir, weil ich an der Tankstelle beim Warten auf die freie Säule kurz den Motor aus hatte und dann 10 m vorgerückt bin.

Zitat:
@giantdidi schrieb am 23. Juli 2025 um 11:34:06 Uhr:
Bei noch neueren wahrscheinlich auch in diversen Clouds weltweit.

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/assistenzsysteme/obfcm/

Moin sorry, ich war beruflich und privat etwas stärker eingebunden. Vielen Dank für die ganzen Rückmeldungen.

Kleine Ergänzung von mir:

Erstens: Ja genau Fahrtzeit wird bei meinem Auto selbstständig erfasst und lässt sich sogar einfach über die App abrufen. Wäre also bei vielen neueren Autos kein großer Aufwand diese wahrzunehmen/zu berücksichtigen.

Zweitens: Viele legen hier den Schwerpunkt auf den Motor, aber - wie einige schon geschrieben haben - verschleißt das Auto ja auch in anderen Bereichen (Sitze/Interieur, Klimaanlage, usw.) da gibt es zumindest theoretisch Teile bei denen eine Abnutzung einfach durch Nutzungszeit m.E. einfach aufschlussreicher wäre.

Im Ergebnis nehme ich aber durch eure Beiträge folgendes mit:

Erstens: Die Laufzeit hält vergleichbar viele Unwägbarkeiten vor wie die Kilometerleistung, sodass man auch nicht viel schlauer wird.

Zweitens: Es schadet nicht - und die meisten von euch machen das ja offensichtlich auch - sich so viele Infos wie möglich vorab zu holen (Ich weiß, ist ne Binsenweisheit).

Drittens: Ich fände es hiernach trotzdem angemessen, Gebrauchtwagentests/-kaufempfehlungen mal auf mehr Informationen eingingen als die Kilometerleistung.

Vielen lieben Dank ersteinmal für die Insights und Beiträge!

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