Drehmomentschlüssel richtig anziehen
Hallo,
ich habe vor wenigen Tagen erstmal meine Winterreifen selbst montiert, und mir dazu einen hochwertigen Drehmomentschlüssel gekauft. Mir ist klar, dass ich damit die Radschrauben bis zum ersten Klick, aber nicht weiter anziehen soll.
Jetzt ist mir aufgefallen: Zieht man die Radmuttern bis zu besagtem ersten Klick an, und hält den Druck aufrecht, dann lassen sich die Radmuttern noch ein kleines Stck weiterdrehen. Beim zweinen ansetzen wird dieses kleine Stück, das die Radmuttern quasi weiterrutschen schon kleiner, und nach vier bis fünf Anziehversuchen geht nach dem Klick quasi nichts mehr.
Frage: Habe ich die Muttern damit schon zu fest angezogen? Also was ist richtig: Einmal bis zum ersten Klick, und dann so lassen? Oder darf man ruhig mehrfach ansetzen (z.B. eine zweite oder dritte Runde ums Auto machen, um sicherzugehen, dass alle Schrauben sauber angezogen sind)? Mich wundert halt, dass nach dem ersten Klick des Drehmomentschlüssels noch nicht Schluss ist, und die Radmuttern sich noch etwas weiterdrehen lassen. Oder ist mein Drehmomentschlüssel Schrott?
Wie geht es richtig?
Beste Antwort im Thema
Immerhin kommen bisher keine Tipps wie zwei mal mit 60 Nm statt einmal 120 anzuziehen.
Spass bei Seite - wichtiger als ein oder zwei Klicks ist die Bürste, um die Radaufnahme sauber zu machen. Wenn da Dreck ist - den mit X Newtonmetern zu komprimieren macht gar keinen Sinn. Da steckt viel mehr "Fehler" als in einem billigen Schlüssel, der auch bei korrekter Bedienung sicherlich 5-10 Nm "daneben" liegen wird.
Was ich gar nicht mag - die Schlagschrauberfuzzis, die Schrauben erst mit 200 Nm anwummsen um dann alibimäßig einmal den "Klick" zu machen.
123 Antworten
Zitat:
@Kodiac2 schrieb am 12. November 2019 um 00:05:51 Uhr:
Zitat:
@Jaden2000 schrieb am 11. November 2019 um 21:20:49 Uhr:
Die Radschrauben werden gar nicht gefettet.
Hier ein BMW Dokument.
Das geht sogar soweit:
Bei Fettrückständen im Bereich der Radschraubenbohrung muss die Bremsscheibe ausgebaut und gereinigt werden.https://www.newtis.info/.../4E2zA7N
Hatte selber nie ein Problem, dass da was festbackt.
Da steht aber auch das die Radmittenzentrierung leicht eingefettet werden soll .
Verallgemeinern lässt sich das Thema wohl kaum.
Wenn die Räder und Schrauben wartungsgemäss und regelmässig behandelt werden backt auch nichts an.
Die Radmittenzentrierung wird auch eingefettet.
Allerdings nicht die Schrauben.
Zitat:
@Genie21 schrieb am 11. November 2019 um 22:34:33 Uhr:
@kine050683 In dem Dokument von BMW steht auch drinnen. Nicht mit dem Schlagschrauber anziehen. Alles klar, ich wäre gern mal Mäuschen in der nächsten BMW Werkstatt jetzt zur aktuellen Reifenwechsel Saison. Was bei ATU, Reifendienst & Co. los ist.. eh klar oder!
Ich war mal beim Reifenwechsel dabei, BMW hat das tatsächlich von Hand angezogen+ Drehmomentschlüssel.
Hab die auch gefragt warum die den Schlagschrauber nicht benutzen (damals kannte ich das Dokument noch nicht), die haben darauf hin gesagt, dass das nicht erlaubt sei.
Wie die das jetzt machen weiß ich nicht.
Eigentlich spricht ja nichts dagegen, mit dem Schlagschrauber auf 40 NM vorzuziehen und danach mit dem Drehmomentschlüssel.
So langsam dämmert es mir, warum beim BMW-Autohaus der Reifenwechsel immer ca. das Doppelte als bei den freien Werkstattketten kostet
....und nen Kaffee sowie ein Zeitungs-/Zeitschriftenangebot gibt es beim BMW-Freundlichen während der Wartezeit im Kundenraum auch - noch ohne Zusatzverrechnung - als all-inclusive Schmankerl mit dazu 😉.
Solange ich die Kleine, die die Rechnungen süß lächelnd präsentiert, nicht flachlegen darf, ist mir das herzlich egal. 😛
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Zitat:
@Volvoluder schrieb am 12. November 2019 um 12:10:23 Uhr:
..und nen Kaffee.. ..- noch ohne Zusatzverrechnung - als all-inclusive Schmankerl mit dazu.
Das ist leider schon in den Stundenlöhnen mit drin. Pech für den, der keinen Kaffee mag.
Eigentlich ist das, was der TE beschreibt, so nicht möglich. Dreht man eine Schraube "aus der Bewegung heraus" bis zum Auslösen des Drehmomentschlüssels, dann hatte man dabei durchgehend Gleitreibung (im Gewinde und zwischen Felge und Schraubenkopf). Hält man jetzt an, wird sie zur Haftreibung, die immer größer ist als Gleitreibung. Wenn man jetzt noch mal mit exakt dem selben Drehmoment ansetzt, dann dürfte sich die Schraube gar nicht mehr bewegen, weil jetzt für den Übergang von der Haftreibung zur Gleitreibung ein größeres Losbrechmoment notwendig ist. Nur wenn sich eine Schraube gelockert oder gesetzt hat, könnte man sie mit dem selben Drehmoment wieder drehen. Das Setzen kommt aber in diesem Ausmaß bei Radschrauben nicht vor.
Nach deiner Schilderung setzt du aber noch 5 weitere Male an und erst nach dem 5. Mal dreht sich die Schraube nicht mehr. Das bedeutet meiner Meinung nach, dass du nach dem Auslösen des Drehmomentschlüssels mit zu großer Kraft weiter drehst.
Zitat:
@Jaden2000 schrieb am 12. November 2019 um 07:46:11 Uhr:
Eigentlich spricht ja nichts dagegen, mit dem Schlagschrauber auf 40 NM vorzuziehen und danach mit dem Drehmomentschlüssel.
Nur dass man die 40Nm mit einem normalen Schlagschrauber kaum dosieren kann.
Sieht man doch oft genug, nur "locker" mit dem Schlagschrauber andrehen und der Drehmomentschlüssel dreht beim Nachziehen nichts mehr.
Zurück zur Fragestellung des TE Wie man den Drehmomentschlüssel zum festziehen richtig bedient, war ja einiges Richtiges dabei, nur etwas verteilt. Daher versuche ich mal zusammenzufassen.
1. Radschrauben gut Handfest mit bspw Radkreuz über Kreuz anziehen
2. mit Drehmomentschlüssel (eingestellt) in einem Zug bis zum ersten „Knack“ über Kreuz anziehen. (Der „Knack“ soll während der Drehbewegung der Schraube kommen.)
3. alle Schrauben im Kreis nochmals mit Drehmomentschlüssel bis zum „Knack “(nicht weiter ) kontrollieren.
( die Radschrauben sollten sich dabei nicht weiterdrehen , das benötigte „Losbrechmoment“ im Gewinde und Konus verhindert das korrekterweise. Ein weiterdrehen würde das Drehmoment erhöhen)
4. Drehmomentschlüssel entspannen.
5. um an schon befestigten Radschrauben das Drehmoment zu kontrollieren, sollten diese leicht gelöst werden ( nicht mit dem Drehmomentschlüssel) , und dann wieder in einem Zug auf Drehmoment gebracht werden.
....was vergessen? So jedenfalls mach ich es seit Jahren.
Also ich kann meinen E-Schlagschrauber sehr gut dosieren. Der Poti steuert eben den Stromfluss. Damit legst du die Muttern nur an und ziehst sie mit dem Dremo fest.
Wenn ich aber beim Reifendienst wäre und jeden Tag 100 Sätze wechseln müsste, ich hätte da auch keinen Lust drauf ....
Wenn der Reifenhändler die Räder anzieht, dann löse ich sie alle nochmals und ziehe dann mit vorgeschrieben Anzugsmoment an. Die werden meist so fest angeballert, das die niemals mit 110 NM ( Opel Vorgabe) angezogen sind. Ich ziehe die dann meist mit 115Nm in einen Zug bis zur Auslösung an und kontrolliere dann nach kurzer Fahrt nochmals. So bekommt man die Radschrauben immer ohne Probleme gelöst.
Ich habe ja auch einen Akku Schlagschrauber, der hat Lösekraft bis 400NM und beim Festschrauben ist er auf 150Nm begrenzt. Ich ziehe nur immer bis die Schrauben an der Felge anliegen und so kann man mit dem Drehmo. ordentliche das geforderte Drehmoment anziehen.
Zitat:
@Golfschlosser schrieb am 11. November 2019 um 12:49:09 Uhr:
Mir ist das herzlich egal, was die Hersteller da so empfehlen.
Klein bissl Fett und Probleme beim Lösen rutschen in weite Ferne.
Habe meine Winteschlappen noch nicht aufgezogen, sodass ich beim Wechsel aufs Lösemoment achten kann.
Bei den Autos wo mein Vater die Reifen gewechselt hat gehen die Schrauben auch immer nicht lose. Da springt man dann wie Rumpelstilzchen auf dem Radkreuz rum. Ich hatte ihn mal meinen Drehmomentschlüssel angeboten aber er hat das als neumodischen Kram verteufelt, ging beim Trabbi ja auch immer ohne.
Wenn ich die Räder wechsle, dann nehme ich immer den Wert den der Hersteller empfiehlt und die Schrauben lassen sich dann relativ leicht wieder lösen. Sie sind fest aber einmal kräftig gedreht und sie sind ab. Die Radnaben selbst (nicht die Schrauben/Muttern oder Gewinde!) sprühe ich immer mit ein klein wenig Fett ein, dann fallen die Räder quasi von selbst ab wenn alle Schrauben runter sind. Mein Vater braucht immer den Gummihammer 😁
Zitat:
@Provaider schrieb am 13. November 2019 um 13:07:55 Uhr:
Also ich kann meinen E-Schlagschrauber sehr gut dosieren. Der Poti steuert eben den Stromfluss. Damit legst du die Muttern nur an und ziehst sie mit dem Dremo fest.
Wenn ich aber beim Reifendienst wäre und jeden Tag 100 Sätze wechseln müsste, ich hätte da auch keinen Lust drauf ....
Bekannter arbeitete mal bei einem Reifendienst bei dem das Thema ganz einfach war, die hatten drei Typen Schlagschrauber. Der für PKW schaffte nur 70Nm Anzugsmoment, fix ab Werk so eingestellt. Einer für Lieferwagen usw mit ca 150Nm und Einer für LKW usw der dann auch richtig Kraft hatte. Da diese unterschiedliche Größen und Farben hatten war ein Vertauschen eigentlich nicht möglich und gab auch mehr als einen Anschiss vom Chef wenn sich Einer nicht an die Anweisungen hielt. Allerdings war sich der Chef auch nicht zu Schade in der Werkstatt zu helfen wenn es viel Arbeit gibt und in der WR-Saison würde er auch regelmässig bis mitten in der Nacht in der Werkstatt stehen um Räder zu montieren.
Um die Verwirrung perfekt zu machen: Wenn man in mehreren Stufen anzieht, muss zwischen den Stufen genügend Abstand sein. Man will ja aus der Gleitreibung heraus auf das Drehmoment anziehen. Mein Ami will 135 Nm am Rad haben, wenn man vorher auf 125 Nm angezogen hat, ist die Haftreibung der Mutter schon so groß das dann das weiterdrehen auf 135 Nm nicht mehr geht.
BTW: Mein 1/2 Zoll Proxxon, zieht bei eingestellten 39 Nm, 39,7 Nm an (zuviel) und bei 64 Nm 62,7 Nm an (zuwenig).
Ob das jetzt 110 oder 120 Nm sind ist uninteressannt ,wichtiger ist das alle Schrauben gleichmässig angezogen werden.
Bei mir z.B. soll der Kegel gefettet werden und 110 Nm angezogen werden ,da aber das Fett die Gleitreibung begünstigt ,werden da mehr als 110 rauskommen.
Zitat:
@Kodiac2 schrieb am 14. November 2019 um 15:51:50 Uhr:
Bei mir z.B. soll der Kegel gefettet werden und 110 Nm angezogen werden ,da aber das Fett die Gleitreibung begünstigt ,werden da mehr als 110 rauskommen.
Der Satz ergibt keinen Sinn. Auch bei gefetteten Schrauben bleiben 110 Nm natürlich 110 Nm. Da kann nicht "mehr rauskommen". Der Drehwinkel ist dann aber gegenüber einer trockenen Schraube größer.