Bremsflüssigkeitswechsel-Intervall bei wenig gefahrenem Fahrzeug?
Hallo,
Bremsflüssigkeit zieht ja immer Wasser.
Aber ich könnte mir vorstellen, dass sie bei einem Fahrzeug welches wenig gefahren wird nicht so viel zieht.
Denn immerhin wird sie nicht so viel bewegt und unterliegt weniger Temperaturschwankungen.
Dann müsste man doch z.B. bei einem Saisonfahrzeug welches nur weniger als 1000km/Jahr bewegt wird den Wechselintervall verlängern können.
Oder liege ich mit meiner Vermutung falsch und Bremsflüssigkeit zieht immer gleich viel Wasser - egal ob sie nur im System "herumsteht" oder ständig in Bewegung ist und Heiß-Kalt Schwankungen unterliegt?
114 Antworten
Es gibt viele Dinge, die sehe ich recht locker und halte mich nicht an bestehende Regeln oder Vorgaben. Anders sieht es allerdings mit sicherheitsrelevanten Dingen aus, da bin ich sehr vorsichtig und halte mich an die Vorgaben. Darüber würde ich mich nur hinwegsetzen, wenn ich absolut sicher bin und ich das überblicken kann, dass nichts passieren kann. Vermutungen reichen mir da nicht aus.
Aus diesem Grunde wird bei meinem Auto eben entsprechend der Vorgaben die Bremsflüssigkeit gewechselt; PUNKT.
Im Übrigen habe ich es schonmal erlebt, dass meine Bremse versagt hat, weil die Bremsflüssigkeit ca. 3 Jahre alt war (vorgeschriebenes Wechselintervall 2 Jahre).
Diese Erfahrung zeigte mir auch, dass ich richtig liege mit meiner Konsequenz, zumal gerade der Bremsflüssigkeitswechsel nicht die Welt kostet also kaum eine Ersparnis bedeutet, wenn man das Intervall überzieht.
Ich bin mir im Übrigen auch nicht sicher, ob man die Qualität der Bremsflüssigkeit im Behälter überhaupt vernünftig messen kann, denn wichtig ist die Qualität in den Satteln oder den Radbremszylindern. Gerade nun, wenn wenig gefahren wird, vermute ich nur ein geringen Flüssigkeitsaustausch zwischen dem Behälter und den Satteln bzw. Radbremszylindern. Daher ist es eben fraglich, ob die Messung im Behälter etwas aussagt über die Qualität der Bremsflüssigkeit in den Bremszylindern bzw. Satteln.
Gruß
Uwe
Zitat:
@Uwe Mettmann schrieb am 19. August 2021 um 15:42:21 Uhr:
Im Übrigen habe ich es schonmal erlebt, dass meine Bremse versagt hat, weil die Bremsflüssigkeit ca. 3 Jahre alt war..
Aber bestimmt nicht deswegen.
Zitat:
@4Takt schrieb am 19. August 2021 um 15:55:55 Uhr:
Zitat:
@Uwe Mettmann schrieb am 19. August 2021 um 15:42:21 Uhr:
Im Übrigen habe ich es schonmal erlebt, dass meine Bremse versagt hat, weil die Bremsflüssigkeit ca. 3 Jahre alt war..
Aber bestimmt nicht deswegen.
Wenn er zur Fraktion der Serpentinen Dauerbremser gehört dann vielleicht schon. 😁
In der Regel enthält Bremsflüssigkeit nach einer gewissen Zeit in den Radbremszylindern mehr Wasser als im Vorratsbehälter. Das führt zu Korrosion und letztendlich zu Undichtigkeiten.
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Zitat:
@4Takt schrieb am 19. August 2021 um 15:55:55 Uhr:
Aber bestimmt nicht deswegen.
Doch. Ich habe ins Leere getreten. Vor Ort habe ich die Bremse überprüft. Alle Bremsen waren kühl oder leicht warm. Dann habe ich alle Räder hochgebockt und die Räder ließen sich leicht drehen. Es war auch alles dicht.
Das Ganze hat natürlich einige Zeit gedauert, so dass genügend Zeit zum Abkühlen der Bremsflüssigkeit und des Motors war. Ich konnte anschließend auch ganz normal wieder fahren und die Bremse funktioniert wieder ganz normal.
Am nächsten Tag habe ich die Bremsflüssigkeit wechseln lassen und das Problem ist nie wieder aufgetreten.
Ursache für die heiße Bremsflüssigkeit war wohl, dass die Bremsleitungen relativ dicht am Abgaskrümmer vorbeigeführt wurden und das reichte wohl, dass die Bremsflüssigkeit mit dem zu geringen Siedepunkt zu sieden anfing. Durch das Gaspolster ging das Bremspedal ins Leere und ich musste die Bremse anpumpen, um anhalten zu können.
Klar, ein Konstruktionsfehler des Autos. Mit frischer Bremsflüssigkeit wäre das nicht passiert. Bremsflüssigkeit wird aber nicht nur durch Konstruktionsfehler erhitzt, sondern z.B. auch durch Bergabfahrten. Was bei mir durch den Konstruktionsfehler aufgetreten ist, kann dann durch die Bergabfahrt passieren.
Nö, dieses Risiko gehe ich nicht ein, nur um einen Pillepalle-Betrag einsparen zu können.
Gruß
Uwe
Zitat:
@lejockel schrieb am 19. August 2021 um 12:35:41 Uhr:
Leider vergessen viele, das die Bremsflüssigkeit nicht nur zum Bremsen sondern auch für ASR, ESP, Tempomat usw. genutzt wird.
Kupplung auch
Zitat:
Abgesehen davon war mir immer unklar, wie genau Wasser in die Bremsflüssigkeit geraten soll. An sich ist die bremsanlage ja sowohl Luft. als auch wasserdicht. Bleibt noch die Belüftungsöffnung im Deckel des Ausgleichsbehälters. Schaden würde Feuchtigkeit aber nur da, wo die Bremse heiß wird, also am Radbremszylinder.
--> war mir immer schon unklar, wieso man die Flüssigkeit alle paar Jahre wechseln muss.
Habs dann auch nie mehr gemacht, und lebe trotzdem noch.
Die Feuchtigkeit diffundiert vor allem durch die unteren Gummischläuche von außen in die Bremsflüssigkeit. So zumindest war das Ergebnis eines Forschungsberichts, den ich mal gelesen hab. Nur die Metallleitungen sind komplett dicht. Ein bisschen kommt auch durch den Ausgleichsbehälter, der im übrigen nicht luftdicht ist, da z.B. bei abgefahrenen Bremsbelägen, der Kolben weiter ausfährt und der Pegel sinkt und Luft nachfliessen muss. zzgl. hast Du im Behälter auch noch ein wenig Kondensation durch den gewollten Luftaustausch.
Der Wasseranteil ist im unteren Bereich immer deutlich höher als oben. Ein Messen im Ausgleichsbehälter gibt einen groben Anhalt, aber keine Sicherheit, dass alles in Ordnung ist.
Ich habe mehrere Jahre alte Bremsflüssigkeit zu Hause (Blechdose), die kaum Wasser gezogen hat und noch verwendungsfähig ist. Ansonsten haben manche Bremsflüssigkeiten ein Haltbarkeitsdatum aufgedruckt.
Bei Fahrzeugen, die in einer Garage frostfrei stehen, würde ich schon meinen, dass man das Intervall gefahrlos verlängern kann. Bei Fahrzeugen, die normal bewegt werden halte ich Wechselintervalle >2 Jahre für fahrlässig und > 4 Jahre für lebensgefährlich.
Abgesehen davon fängt der Bremssattel innen zu rosten an, wenn man nicht regelmäßig wechselt, mal abgesehen vom Totalversagen bei Überhitzung.
Ich habe auch mal ein gebrauchtes Motorrad gekauft, was nicht ordentlich gebremst hat, da hat die Bremsflüssigkeit schon Fäden/Klumpen gebildet. Nach dem Wechsel hat es ordentlich gebremst.
Der BFl-Wechsel in einer freien Werkstatt kostet ca. 60 €. Bei einem 2-Jahresintervall sind das 30 € p.a. und man fährt safe.
Soviel sollte einem die Fahrzeugsicherheit schon wert sein, auch wenn man bei einem 4-Jahresintervall 60 €, also ein gutes Abendessen in einem Restaurant spart ...... was dann aber bei einem Bremspedaltritt ins Leere das letzte gewesen sein könnte.
@400.000km: Danke für deine Ausführungen, sehr interessant!
Ich denke ich werde das mal beobachten und mich bei meinem Saisonfahrzeug an ein 3-Jahres Intervall rantasten.
Sehr interessante und nützliche fürs Leben ( 😉 ) Thread. Vielen dank an Uwe Mettmann und 400.000km für wissenswerte und neue für mich Tatsache und der Wirklichkeiten.
Ich selbe habe nie eine Gedanke an Sicherheit zu sparen gehabt und bin ärmer nicht geworden.
Zitat:
@pat92 schrieb am 20. August 2021 um 11:57:28 Uhr:
Ich denke ich werde das mal beobachten und mich bei meinem Saisonfahrzeug an ein 3-Jahres Intervall rantasten.
Diese Ansicht kann ich nicht nachvollziehen.
Punkt 1:
Um nun mal gerade 8,33 € pro Jahr (69 Cent pro Monat und 2 Cent pro Tag) zu sparen, gehe ich doch nicht das aller geringste Risiko ein.
Punkt 2:
Es wurde hier doch nun ausführlich ausgeführt, umso mehr Wasser die Bremsflüssigkeit gezogen hat, umso eher besteht die Gefahr, dass in den Bremszylinder oder Bremssättel Rost ansetzt. Gerade aber wenn nun kaum gefahren wird, also die Bremse kaum benutzt wird, besteht eher die Gefahr, dass ein Kolben dann festgammelt. Dann werden die gesparten 8,33 € im Jahr eventuell recht teuer.
Was heißt eigentlich rantasten? Solang das Intervall verlängern, bis die Bremse versagt oder ein Kolben festsitzt.
Ein bisschen nicht mehr bremsen können gibt’s nicht. Das Rantasten kann also fatale Folgen haben.
Gruß
Uwe
Also das Intervall auf 3 Jahre zu ziehen, ist in dem geschilderten Fall alles andere als leichtsinnig, sondern vorsichtig verlängert.
2 Jahre ist das Intervall, was für alle reicht. Das reicht für Laternenparker mit Frost und Sonne. Leute die 365 Tage draußen parken.
2 Jahre reicht für Fahrzeuge, die ständig im Regen fahren.
Da ist jetzt 3 Jahre für ein Fahrzeug, welches die meiste Zeit trocken in einer Garage steht nun wirklich kein Risiko.
Klar nach 4,5 oder 6 Jahren, man weiß es nicht, werden irgendwann die Bremsättel von innen korrodieren, aber nicht nach 3 Jahren. Ich hatte mal ein Motorrad stillgelegt und nach 8 Jahren wieder in Betrieb genommen. Da waren beide Bremssättel fest und es kam mächtig rostige Soße raus, obwohl dur der Kolben aus Stahl war. Kann 8-10 Jahre alte Flüssigkeit gewesen sein.
Zitat:
@Istefanos schrieb am 21. August 2021 um 10:11:33 Uhr:
Also das Intervall auf 3 Jahre zu ziehen, ist in dem geschilderten Fall alles andere als leichtsinnig, sondern vorsichtig verlängert.
…und wenn die vorsichtige Verlängerung schief geht, passiert das:
Zitat:
@Uwe Mettmann schrieb am 19. August 2021 um 15:42:21 Uhr:
Im Übrigen habe ich es schonmal erlebt, dass meine Bremse versagt hat, weil die Bremsflüssigkeit ca. 3 Jahre alt war (vorgeschriebenes Wechselintervall 2 Jahre).
…und dieses Risiko würdest du eingehen, nur um 8,33 € im Jahr zu sparen. 🙁
Darf ich fragen, welche Ausbildung, welche berufliche Qualifikation und welche Erfahrung du hast, dass du meinst, einschätzen zu können, dass die Angaben von den Herstellern falsch sind und um wieviel man die vom Hersteller angegebenen Intervalle überziehen darf, ohne dass das geringste Risiko besteht?
Gruß
Uwe
Zitat:
Darf ich fragen, welche Ausbildung, welche berufliche Qualifikation und welche Erfahrung du hast, dass du meinst, einschätzen zu können, dass die Angaben von den Herstellern falsch sind und um wieviel man die vom Hersteller angegebenen Intervalle überziehen darf, ohne dass das geringste Risiko besteht?
Ich hab schon viel beruflich gemacht. In dem Bereich würde ich jetzt mal folgende anführen:
Leiter einer kleinen Prüfstelle für Hauptuntersuchungen §29
Leiter einer großen KFZ-Werkstatt und gleichzeitig "verantwortliche Person" der KFZ-Innung für Bremsensonderuntersuchungen, bzw. Sicherheitsprüfung (SP)
Tätigkeit als Entwicklungsingenieur bei einem großen deutschen Bremsenhersteller.
Reicht?
Der TE kann ja mal nach drei Jahren eine Probe aus dem unteren Bereich mal auf den Siedepunkt testen lassen. Wäre interessant, was da rauskommt.
Wenn ich aus den Radbremszylindern Flüssigkeit entnehme und die dann teste, kann ich auch gleich die Suppe komplett durchlaufen lassen, habe 2 Jahre Ruhe und kein Risiko.