BMW-Bremsen (Standard / Leichtbaubremse / Compound Bremse)

BMW 3er F30

Da hier häufig mit den verschiedenen Namen für die BMW-Bremsen um sich geworfen wird und Vieles dabei verwechselt wird, will ich mal etwas Licht ins Dunkel bringen ...

Normale Bremse:
Nabentopf und Scheibenkranz sind eine integrale Einheit und bestehen beide aus Stahlguss.

Leichtbaubremse (F30/F31: M Performance / Sportbremse):
hierbei besteht der Nabentopf aus Aluminium und wird mit dem Stahlgussscheibenkranz vernietet.
Der Vorteil ist, dass der Nabentopf leichter ist als ein entsprechendes Stahlgussteil.
Diese Bremsen werden beim 335i-Modellen bzw. als Nachrüstbremsen "M-Sportbremse" oder "M Performance Bremsanlage" angeboten. Sie ist/war auch bei den 135i-Modellen eingesetzt.

Compound Bremse:
Nabentopf und Scheibenkranz sind entkoppelt. Vom Prinzip her könnte man von einer schwimmenden Lagerund der Scheibe sprechen. Der Kranz ist nicht starr mit dem Topf verbunden und kann sich so thermisch freier ausdehnen ohne dass sich Spannungen bilden.
(Bei einer Bremse, wo Topf und Scheibe aus einem Teil bestehen, dehnt sich der kühlere und über die Nabe gekühlte Topf weniger aus, als die heisse Scheibe -> das kann bei starker Beanspruchung leichter zum Verzug der Bremsscheibe führen.)
Diese Bremsen werden nur bei den M-Modellen von BMW verbaut.

Noch ein Wort zu versch. Bauarten von Bremszangen:

Die einfach und nicht schlechte Bauform ist: Schwimmsattel- oder Faustsattelzangen
Vorteile: einfach zu produzieren, stabile Zange

Mehrkolbenzangen:
Hier gibt es 2-, 4-, 6- und 8-Kolbenzangen.
Grundsätzlich gilt für 4- bis 8-Kolbenzangen, dass man die Kraftverteilung auf den Bremsbelag und die Reibfläche hier besser verteilen kann. Die Kolben auf der 'einlaufenden' Seite sind im Durchmesser meist kleiner ausgeführt, da sich durch das Reinziehen der Beläge auf der einlaufenden Seite die Andruckkräfte selbst verstärken. Auf der auslaufenden Seite sind die Bremskolben grösser dimensioniert, um eine höhere Kraft zu übertragen.
Durch die passende, radiale Anordnung der Kolben kann der Belag grösser konzipiert werden, was die Flächenbelastungen (Druck, thermische Bel.) verringert.
Bei 8-Kolbenzangen gibt es auch häufiger mehrfach-Beläge, wo jeder Kolben einen 'eigenen' Belag hat.
Nachteile: Kosten, Gewicht und die mechanische Stabilität der Zange. Für die Produktion werden die Zangen meist als Hälften bearbeitet und dann miteinander verschraubt. Diese Verschraubung stellt das grösste Manko der Mehrkolbenzangen da. Ist die verschrauben nicht stabil genug, kann sich die Zange beim Bremsen leicht etwas aufweiten, was den Druckpunkt aufweicht und die Bremswirkung intransparenter macht.

Und zum Schluss sollte man auch an die Beläge denken! Keine 6-Kolbenzange ist gut, wenn die Bremsscheiben schlecht oder unterdimensioniert sind. Oder die Beläge nichts taugen.
Bei den Belägen kommt es auf thermische Stabilität und die Abhängigkeiten von Reibwert zur Temperatur an. Auch diese Komponente muss entsprechend hochwertig ausgeführt sein, damit aus einer Bremsanlage eine gute und belastbare Bremsanlage wird.

Anbei noch drei Bilder zu den verschiedenen Bremsscheiben (Std. + Leichtbau von der BMW-Seite; Compound über Google-Bilder)

Beste Antwort im Thema

Da hier häufig mit den verschiedenen Namen für die BMW-Bremsen um sich geworfen wird und Vieles dabei verwechselt wird, will ich mal etwas Licht ins Dunkel bringen ...

Normale Bremse:
Nabentopf und Scheibenkranz sind eine integrale Einheit und bestehen beide aus Stahlguss.

Leichtbaubremse (F30/F31: M Performance / Sportbremse):
hierbei besteht der Nabentopf aus Aluminium und wird mit dem Stahlgussscheibenkranz vernietet.
Der Vorteil ist, dass der Nabentopf leichter ist als ein entsprechendes Stahlgussteil.
Diese Bremsen werden beim 335i-Modellen bzw. als Nachrüstbremsen "M-Sportbremse" oder "M Performance Bremsanlage" angeboten. Sie ist/war auch bei den 135i-Modellen eingesetzt.

Compound Bremse:
Nabentopf und Scheibenkranz sind entkoppelt. Vom Prinzip her könnte man von einer schwimmenden Lagerund der Scheibe sprechen. Der Kranz ist nicht starr mit dem Topf verbunden und kann sich so thermisch freier ausdehnen ohne dass sich Spannungen bilden.
(Bei einer Bremse, wo Topf und Scheibe aus einem Teil bestehen, dehnt sich der kühlere und über die Nabe gekühlte Topf weniger aus, als die heisse Scheibe -> das kann bei starker Beanspruchung leichter zum Verzug der Bremsscheibe führen.)
Diese Bremsen werden nur bei den M-Modellen von BMW verbaut.

Noch ein Wort zu versch. Bauarten von Bremszangen:

Die einfach und nicht schlechte Bauform ist: Schwimmsattel- oder Faustsattelzangen
Vorteile: einfach zu produzieren, stabile Zange

Mehrkolbenzangen:
Hier gibt es 2-, 4-, 6- und 8-Kolbenzangen.
Grundsätzlich gilt für 4- bis 8-Kolbenzangen, dass man die Kraftverteilung auf den Bremsbelag und die Reibfläche hier besser verteilen kann. Die Kolben auf der 'einlaufenden' Seite sind im Durchmesser meist kleiner ausgeführt, da sich durch das Reinziehen der Beläge auf der einlaufenden Seite die Andruckkräfte selbst verstärken. Auf der auslaufenden Seite sind die Bremskolben grösser dimensioniert, um eine höhere Kraft zu übertragen.
Durch die passende, radiale Anordnung der Kolben kann der Belag grösser konzipiert werden, was die Flächenbelastungen (Druck, thermische Bel.) verringert.
Bei 8-Kolbenzangen gibt es auch häufiger mehrfach-Beläge, wo jeder Kolben einen 'eigenen' Belag hat.
Nachteile: Kosten, Gewicht und die mechanische Stabilität der Zange. Für die Produktion werden die Zangen meist als Hälften bearbeitet und dann miteinander verschraubt. Diese Verschraubung stellt das grösste Manko der Mehrkolbenzangen da. Ist die verschrauben nicht stabil genug, kann sich die Zange beim Bremsen leicht etwas aufweiten, was den Druckpunkt aufweicht und die Bremswirkung intransparenter macht.

Und zum Schluss sollte man auch an die Beläge denken! Keine 6-Kolbenzange ist gut, wenn die Bremsscheiben schlecht oder unterdimensioniert sind. Oder die Beläge nichts taugen.
Bei den Belägen kommt es auf thermische Stabilität und die Abhängigkeiten von Reibwert zur Temperatur an. Auch diese Komponente muss entsprechend hochwertig ausgeführt sein, damit aus einer Bremsanlage eine gute und belastbare Bremsanlage wird.

Anbei noch drei Bilder zu den verschiedenen Bremsscheiben (Std. + Leichtbau von der BMW-Seite; Compound über Google-Bilder)

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Zitat:

Original geschrieben von UA2


Naja, die angegeben Gewichte sind "Verpackungsgewichte" und nicht wirklich gemessene Bauteilgewicte!
Ich würde auf diese Angaben nicht so viel geben.

Für die von dir aufgelisteten Teile sind sie aber ziemlich genau. Unterscheiden sich vllt. um 100-200 Gramm.

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