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el lucero orgulloso

05.01.2014 18:15    |    nick_rs    |    Kommentare (35)    |   Stichworte: Ford, Scorpio

Als die Frage aufkam, über was ich denn einen Artikel schreiben möchte, schoss mir sofort der Scorpio in den Kopf.

Warum? Es ist ein Ford vom alten Schlag und erinnert mich immer an unseren alten Escort.

Als die Scorpios noch oft auf der Straße zu sehen waren, war ich noch im Kindergarten. Ich erinnre mich noch grob an einen Nachmittag mit ein paar Freunden. Ich dürfte höchstens fünf Jahre alt gewesen sein. Wir machten die ersten Versuche mit den Inline Skater auf einem Parkplatz. In den Pausen saßen wir im Kofferraum eines Scorpio der ersten Generation in ausgeblichenem rot, der mit der riesen Heckklappe und den knatsch orangenen Blinkern, die optisch in 3 geteilt waren. Wir hörten laut Radio. Nach ein paar Stunden ging das Radio aus. Batterie leer. Ein netter Mann überbrückte.

SierraSierraDes weiteren fiel mir immer wieder der Scorpio Tunier auf. Mein Onkel hatte damals einen Ford Sierra Tunier. Eine Sache war mir immer suspekt: Da gibt es einen Ford, der sieht fast genauso aus, nur hat der komplett Orangene Rückfahrstrahler :eek:. Ja, als Kind fällt einem so etwas auf. Der mit den komplett orangenen Leuchten (also der Scorpio) machte auf mich aber immer den edleren Eindruck :)

 

Soweit zu meiner persönlichen Verbindung zum Scorpio, nun zum Auto an sich:

 

 

 

 

Scorpio mk1 Aero-HeckScorpio mk1 Aero-HeckScorpio mk1

 

Der Scorpio wurde im April 1985 auf dem Genfer Salon vorgestellt. Er war der letzte Heckgetriebene Ford und der letzte Ford der oberen Mittelklasse. Er sollte an den Erfolg des Granada anknüpfen, was er aber nie tat. Vom Scorpio wurden insgesamt rund 850.000 Exemplare verkauft, vom Granada im vergleichbaren Zeitraum fast das Doppelte. Die Ursache dafür ist simpel. Den Scorpio gab es anfangs nur mit dem "Aero-Heck" genannten Fließheck, welches seinerzeit nicht sehr populär war (ich persönlich finde es sehr schön, gerade durch das durchgehende Chromband an der Fensterkante). Die Limousine folgte erst viereinhalb Jahre später und der Kombi, der beim Granada weit über die Hälfte der Zulassungen ausmachte, kam erst mit dem kleinen Facelift 1992. Bis dahin waren Granadakunden längst zu Opel oder Mercedes gewechselt.

An der Tatsache änderte auch die Begeisterung der Fachpresse nichts. Diese war überzeugt vom Scorpio. So wurde er "Auto des Jahres 1986" und gewann im selben Jahr das "Goldene Lenkrad".

Der Scorpio hatte aber auch viel zu bieten. Fordtypisch hielt er sein Versprechen und bot viel Auto für wenig Geld: So bot der Scorpio Platz en masse im Innenraum. Die Beinfreiheit im Fond beispielsweise war wesentlich größer, als in dieser Fahrzeugklasse üblich. Auch der Kofferraum war riesig und durch die große Kofferraumklappe einfach zu beladen. Auch löblich war das ergonomische Cockpit, an dem sich alle Bedienelemente in nächster Nähe des Lenkrads befanden.

Der Scorpio war eine innovative Komfortschleuder. Schon damals hatte er vieles an Board. Dazu gehören unter Anderem: Bordcomputer, Sitzheizung, el. Sitze mit Memoryfunktion, elektrische Rücksitze, beheizte Frontscheibe, höhenverstellbarer Gurt.

Wegweisend war das ABS, dass der Scorpio als erstes Großserienfahrzeug serienmäßig an Board hatte sowie seine sehr gute Aerodynamik.

 

Motoren waren folgende verfügbar:

- 1,8L Vergasermotor mit 90 PS

- 2,0L Vergasermotor mit 105 PS

- 2,0L Einspritzmotor mit 115 PS <- Diesen gab es auch mit Katalysator, allerdings hatte er dann nur noch 101 PS

- 2,8L V6-Einspritzmotor mit 150 PS <- Dieser war ab 86 mit dem 4x4 Allradantrieb zu haben.

- 2,5L Diesel mit 69 PS <- Dieser Motor kam von Peugeot

 

Serienmäßig war ein 5-Gang Schaltgetriebe verbaut, alternativ konnte man eine 4-Gang Wandler-Automatik wählen.

 

1987 brachte Ford eine neue V6 Motorengeneration heraus.

- 2,4L V6-Einspritzmotor mit 130PS

- 2,9L V6-Einspritzmotor mit 150PS

Beide Motoren waren mit Katalysator lieferbar und hatten dann 5 PS weniger. Der 2,4L V6 ersetzte den alten 2,3L V6 des Granadas, der 2,9L V6 den 2,8L V6.

Beide Motoren basieren auf dem alten 2,8L V6, besitzen aber eine Elektronische Benzineinspritzung. Diese hat den Vorteil, dass der Motor schon bei niedrigen Drehzahlen nicht ruckelt und kraftvoll ist, so lässt sich der Scorpio schaltfaul fahren. Außerdem ist er wesentlich laufruhiger geworden. Trotzdem war der Verbrauch mit jenseits der 12L nicht mehr zeitgemäß.

Der AutoBild-Test der V6 Motoren zum Download als PDF

Im selben Jahr bekam der Peugeot-Diesel einen Turbo und leistete nun 92 PS

 

Scorpio mk1 Aero-HeckScorpio mk1 Aero-HeckScorpio mk1 LimoScorpio mk1 LimoScorpio mk1 LimoScorpio mk1 LimoScorpio mk1Scorpio mk1Scorpio mk1Scorpio mk1Scorpio mk1Scorpio mk1Scorpio mk1Scorpio mk1

 

Scorpio mk1 Facelift Aero-HeckScorpio mk1 Facelift Aero-HeckFacelift 1992

 

1992 brachte Ford ein kleines Facelift des Scorpios heraus. Mit dem Facelift kam auch der Tunier genannte Kombi. Der Kombi bat neben der großen Beinfreiheit wie bei der Limousine auch noch einen riesen Kofferraum. Allerdings war die Fensterkante so niedrig, das die Abdeckung nicht auf höhe der Rücksitzlehnen angebracht werden konnte.

 

Die Änderungen des Facelifts waren dezent. Vorne wurden die Leuchten kleiner und die Stoßstange wurde überarbeitet. Die Blinker wurde weiß und "zeigten" nun nach unten. Am Heck bekamen die Rückleuchten eine neue Grafik und wurden dunkel eingefärbt. Optisch wurden die Leuchten durch einen dunklen Streifen verbunden, in dem nun auch das Logo und der Schriftzug Platz fanden. Auch das Cockpit wurde überarbeitet. Es wirkt nun wuchtiger und edler.

Der Diesel kam nun nicht mehr von Peugeot sondern von VM aus Italien und leistete 115 PS.

Außerdem war nun der "Cosworth" verfügbar. Er beinhaltete Ausstattungsdetails sowie einen 2,9L 24 Ventil V6 Motor, der inklusive Katalysator 195PS brachte und an eine Automatik gekoppelt war.

 

Scorpio mk1 Facelift Aero-HeckScorpio mk1 Facelift Aero-HeckScorpio mk1 Facelift LimoScorpio mk1 Facelift LimoScorpio mk1 Facelift LimoScorpio mk1 Facelift LimoScorpio mk1 Facelift TunierScorpio mk1 Facelift TunierScorpio mk1 Facelift TunierScorpio mk1 Facelift TunierScorpio mk1 Facelift TunierScorpio mk1 Facelift TunierScorpio mk1 FaceliftScorpio mk1 Facelift2,9L Cosworth2,9L Cosworth

 

Scorpio mk2 LimoScorpio mk2 LimoScorpio mk2

 

Nachdem sich der erste Scorpio nur schleppengdverkaufte sollte das mit dem Scorpio mk2 anders werden. ANDERS. Das war das Wort, das Ford beim Scorpio mk2 so ernst nahm, wie kein anderes...

Mit dem Thema auch bewarb Ford 1994 den neuen Scorpio. Die Braut steht am Altar, schaut sich um, Mann, Trauzeuge, Priester, Gäste, alle sehen gleich aus. "NEIN!" schreit sie, rennt raus über den Parkplatz auf dem langweilige, gleichaussehende schwarze Limousinen stehen. Am Ende wartet ein Scorpio. Begeistert steigt sie ein. "Der neue Scorpio. Einer wie keiner." heißt der Slogan. (Werbespot)

 

Als Ford den neues Scorpio im Herbst 1994 vorstellt, ist dieser der Hoffnungsträger. Er soll durch sein besonderes Design zur Konkurrenz aufholen und sich positiv auf die Ford Palette auswirken. Dass dieser Schuss komplett nach hinten los gehen wird, mag Ford nicht geahnt haben.

 

Der Scorpio war genau genommen nur ein umfangreiches Facelift. Trotzdem änderte Ford die Typenbezeichnung auf Mk2 (wie VW beim Passat B6/B7. Alles schon einmal da gewesen, genauso wie der "das Auto" Slogan :rolleyes:)

Das Fließheck entfiel wegen mangelnder Nachfrage. Nur der Kombi und die Limousine wurden weitergebaut (komisch, beim Facelift des Mondeo Mk4 entfiel die Limousine und das Fließheck blieb ;)).

Wie schon erwähnt polarisierte das Design. Die Scheinwerfer wurden rund und wanderten nach außen. Dazwischen prunkte ein riesiger verchromter Grill. Hinten erhielt der Scorpio ein durchgängiges Leuchtband, dass an amerikanische Limousinen erinnerte. Das Heck des Kombis blieb unverändert. Alles war ein wenig runder gestaltet, auch der Innenraum.

Fahrer und Beifahrerairbag waren jetzt serienmäßig, auch Seitenairbags waren lieferbar, die später dann auch serienmäßig wurden.

 

2,3L Vierzylinder2,3L VierzylinderMotorentechnisch kam ein neuer 2 Liter 16 Ventiler hinzu, der eine obenliegende Nockenwelle besaß und damit moderner war. Er hatte einen Kat und leistete 136 PS. Die Vergasermotoren und der 2,3 L V6 fielen aus dem Programm. Der 2 Liter 8 Ventiler leistete mit Kat nun 115 PS.

Der 2,9 Liter 24V Cosworth Motor leistete nun 207 PS.

Der 2,9 Liter Mit Kat und nun 150 PS wurde nur wenige Monate gebaut. Er wurde 1996 durch den neuen 2,3 Liter 4 Zylinder mit 147 PS ersetzt.

Auch wurde 1996 der 2,5L Diesel von 115 PS auf 125 PS aufgeblasen. Er erfüllte nun Euro 2.

 

(Hier das o.g. Schulungsvideo)

 

 

 

Scorpio mk2 LimoScorpio mk2 LimoScorpio mk2 TunierScorpio mk2 TunierScorpio mk2 TunierScorpio mk2 TunierScorpio mk2 TunierScorpio mk2 TunierScorpio mk2Scorpio mk2

 

Scorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftFacelift 1997

 

1997 wurde der Scorpio ein letztes Mal überarbeitet. Die Scheinwerfer wurden schwarz hinterlegt, neben den Nebelleuchten war nun ein kleiner Lufteinlass zu finden. Die dicke Chromspange um den Grill wurde in Wagenfarbe lackiert. Nur eine schmale Chromleiste war noch zu finden. Das Ford-Logo rutschte in den Kühlergrill. Am Heck der Limousine entfiel das Chromband über den Leuchten und diese enthielten eine neue Grafik.

 

 

 

 

 

Scorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 FaceliftScorpio mk2 Facelift

 

Leider ließ sich auch damit der Misserfolg des Scorpio nicht beenden. So wurde er im Juni 1998 endgültig eingestellt.

Als Nachfolger sollte der Lincoln LS zu uns kommen, aber dann musste es in letzter Minute doch der brave Mondeo mit V6-Motor richten.

 

Was bleibt ist ein Youngtimer Klassiker, den Fans der 80er und 90er oder von Ford zu schätzen wissen, denn ein schlechtes Auto war der Scorpio keineswegs. im Gegenteil: Er war immer einer der Besten seiner Klasse und ist auch heute noch ein Geheimtipp in Low-Budget Gebrauchtwagenmarkt.

Auch Hans, als bekennender 90er Fan gönnte sich zum 65. Geburtstag einen 1996er Scorpio in weiß, der ungefähr so aussehen dürfte, natürlich ist seiner wesentlich gepflegter.

 

So ähnlich muss Hans' Scorpio aussehenSo ähnlich muss Hans' Scorpio aussehen

 

Auch ich habe beim recherchieren gefallen am Scorpio gefunden und nun verabschiede ich mich nachdenklich und mit einem dicken Dankeschön an Hans.

Nick


05.01.2014 18:19    |    Trackback

Kommentiert auf: el lucero orgulloso:

 

HANS ZU EHREN: Vorwort - Der Blogherr lädt ein!

 

[...] hervorzuheben :D

Liebe Leser, ich wünsche euch viel Spaß bei meinem neuen Artikel über den (Trommelwirbel)FORD SCORPIO

[...]

 

Artikel lesen ...


05.01.2014 18:34    |    Christian8P

Großes Lob an Nick. Ein wirklich gelungener Artikel über den Scorpio. Das lesen und "Bildergucken" hat richtig Freude gemacht!:)


05.01.2014 18:36    |    bronx.1965

Da schliesse ich mich doch gleich mal an! Klasse gemacht. Dankeschön! ;)


05.01.2014 18:43    |    italeri1947

Das gibt es alles gar nicht! Vielen herzlichen Dank zu diesem umfassenden Bericht für den Scorpio; eines meiner Lieblingsautos überhaupt! Ich habe den Scorpio schon 1985 nicht als das schräge Fahrzeug aufgefasst, das die Zielgruppe in ihm sah, sondern als das, was er wirklich immer war und noch heute ist: Ein Auto für Genießer, für Kenner, für Fans des Besonderen oder auch für Menschen, die wissen, was wichtig ist: Nicht das Sichtbare, sondern das Unsichtbare. Ein Herr de Saint-Exupéry hat das einst viel netter als ich beschrieben; ihr kennt das sicher.

 

Ich habe jeden Scorpio schon immer gemocht, wobei mein Herz besonders an den Limousinen (Stufenheck und Aeroheck) hängt; der Turnier geriet mir im Heckbereich etwas zu "Sierra-mäßig".

 

Mit dem Scorpio ist Ford immer am Ball geblieben und lieferte zeitgemäße Technik, gute Ausstattungen, erstklassigen Komfort und hohe Zuverlässigkeit zu einem stets mehr als fairen Preis. Das Basismodell, der 1.8 CL mit 90 PS und Fünfgang-Getriebe kostete bei überdurchschnittlicher Grundausstattung (ABS, Fünfgang-Getriebe schon 1985) bei Einführung im April 1985 laut Preisliste "nur für den internen Gebrauch" (Rotdruck; sehr selten!) 23.950.- DM. Die Liste vom 15. August 1988 wies für den Scorpio 2.0 CL Kat. mit Fünfgang-Getriebe schon 27.480 Mark aus, doch war hier auch schon einiges dabei, was 1985 noch Aufpreis kostete (Zentralverriegelung, höhenverstellbarer Fahrersitz etc.). Auch der Opel Omega war immer etwas teurer! Der Scorpio II kostete in seiner letzten Version vor dem Facelifting (das meiner Ansicht nach nicht hätte sein müssen) als 2.0i-Limousine mit 115 PS zuletzt 41.950 Mark. Hier war aber wirklich alles dabei, sogar ein Audiosystem mit Kassettenteil, Holzdekor im Innenraum und Mittelarmlehne vorn sowie Velourssitze waren im Grundpreis inbegriffen. Der 48.800 Mark teure Ghia war fast das fairere Angebot, weil hier alles dabei war, was im Basis-Scorpio Aufpreis kostete - das Basismodell hätte mit den selben Extras deutlich mehr gekostet.

 

Regelmäßig gab es vom ersten Scorpio Sondermodelle wie "CL Exklusiv" (1988/89), "Saphir" (1991/92) oder "Topas" (1993/94), die die jeweils beliebtesten Extras sowie Sonderlackierungen und Spezialpolster zu vorteilhaften Preisen anboten. Vom Scorpio II sind mir keine Sondermodelle bekannt, aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren!

 

Scorpio fahren, ist eine Faszination. Inzwischen fällt er auch wieder auf, einen guten Zustand vorausgesetzt. Wer einen Scorpio II als Limousine fährt, der muss damit rechnen, dass er immer wieder auf den Wagen angesprochen wird. Mein Scorpio ist das Auto, auf das ich am meisten angesprochen werde, fahre ich damit irgendwo hin. Manche halten ihn vielleicht auch für ein deutlich teureres Fahrzeug! Für den Alltag ist er sehr empfehlenswert; ein Scorpio ist besonders gediegen und gemütlich - er nimmt dem Alltag viel Hektik und Stress.

 

Der Scorpio hat im Alltag viele Talente und ist heute für zwei Zielgruppen empfehlenswert - für solche, die einen kommenden Klassiker mit viel Stil, "mit Herz" wollen und sich von der Masse abheben möchten, und für solche, die viel Auto für wenig Geld suchen.

 

Grundsätzlich ist der letzte große Ford sehr angenehm und macht auch 19 Jahre nach Vorstellung keinen unzeitgemäßen Eindruck. Er fährt sich angenehm, bietet robuste und problemlose Technik, hohe Zuverlässigkeit und ist ein gut verarbeitetes, leicht bedienbares Auto, in dem sich jeder zurechtfindet. Zudem besitzt er - nicht ganz selbstverständlich für Fahrzeuge von Großserienherstellern, die 1994 auf den Markt kamen und vom Konzept her aus 1985 stammen - immer ABS und mindestens zwei Airbags.

 

Der Scorpio bietet ein sehr stimmiges Verhältnis von Preis und Leistung sowie einen dicken Vorteil: Die Limousine ist eigentlich nur als seriös gepflegtes, hervorragend erhaltenes, scheckheftgewartetes Auto zu finden. So einen kauften sich meist Leute, die in den 90er-Jahren in Rente gingen und schon vorher ausschließlich Ford-Modelle fuhren (analog zum Hauptkonkurrenten Omega B), auch wenn das Geld für den Mercedes E230 locker da gewesen wäre. Das heißt: Auch im höheren Fahrzeugalter wurde noch gutes Geld in Wartung und Pflege investiert, die Autos wurden idealerweise gut betreut und allenfalls durchschnittlich viel gefahren. So ein Auto ist der Traum eines Gebrauchtwagenkäufers, zusammen mit den Talenten des Scorpio und der üppigen Ausstattung. Der Turnier (Kombi) ist hingegen heute meist eher ungepflegt, weil er gern in die Hände von Leuten kam, die in erster Linie viel Platz für ganz wenig Geld wollten. Auch wenn die Technik langlebig und unkompliziert ist, ist die Güte eines so alten Autos heute vom Pflegezustand abhängig - klarer Vorteil für das Stufenheck. Außerdem ist auch die Limousine schon sehr geräumig.

 

Ein sehr empfehlenswertes Auto, auch da er gewisse Elektro- und Rostprobleme, die Opel in den 90er-Jahren hatte und die leider auch den Omega B mitunter betrafen, nicht hat. Faktisch hat der Scorpio II eigentlich keine Nachteile. Seine Mängel und Schwachstellen sind heute allesamt rein alters- und pflegeabhängig - und auch, wenn er sehr zuverlässig und haltbar ist, kann immer wieder was kommen.

 

Danke für diesen wunderbaren Bericht zu einem tollen, ewig unterschätzten Automobil!

Ich freue mich sehr!

 

Euer Hans!


05.01.2014 18:50    |    backbone23

Er ist nicht gerade hübsch, aber irgendwie hat er doch das Gewisse etwas ... und als Cosworth ... wäre schon eine Überlegung wert, als Hobby. :D

 

Mir hat mal eine ehemaliger Ford-MA (Führungsposition im Vertrieb oder so) erzählt wie der die letzten Modelle die im Werk rumstanden verramscht hat. :D :D :D


05.01.2014 18:58    |    250d348

Ach wie herrlich, danke für diesen Klasse-Artikel :)!! So ausführlich und einfach verständlich geschrieben, mit Herz und Verstand, so soll es sein! Mein Vater hatte auch einen Scorpio, als 2.8i Ghia mit ordentlicher Vollausstattung, 1990 bei BMW Schmidt in Lünen gekauft worden, wurde er wegen des hohen Verbrauchs (Meinung meines Paps) nach nur drei Wochen schon gegen den Omega A eingetauscht, sehr schade drum, war ein echtes Schmuckstück.


05.01.2014 20:05    |    Hartgummifelge

Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar, wer alle derer mal gefahren hat, wird nichts vergleichbares unter den europ. Anbietern finden..

Geniale Fahrzeuge, egal ob Limo, Aero, Turnier oder Stufenheck.

Das Glubschauge hatte ein richtiges Gesicht verpasst bekommen :)

Sowas kann heute auch keiner mehr, dafür sind die Entwickler dem Einheitsbrei hörig sodass man bspw. ohne großen Aufriss zu haben, die Nase eines Subarus gegen die eines Audis 1:1 ersetzen kann.


05.01.2014 20:05    |    B.Trüger

Vielen Dank für den Artikel. Ein völlig unterschätztes Auto, neu wie gebraucht. Sowas ist mir sehr sympathisch.

 

Das Bild vom Innenraum des Mark II Facelift hat's mir besonders angetan (von der Motor-Klassik-Website aus dem Bericht von/mit Malte Jürgens wenn ich mich nicht irre?). Diese lederbezogenen Clubsessel und das skurril anmutende Holzimitat schaffen eine herrlich altbacken-behagliche Atmosphäre.


05.01.2014 20:18    |    Bert Benz

Die Glubschaugen Außenoptik des Scorpio Mk2 muss eine Stammtischwette der Autodesigner gewesen sein und der dösige Ford-Vorstand hat es ungesehen durchgewunken...

Immer gut für eine Top3 Platzierung der hässlichsten Autos ever.


05.01.2014 20:24    |    B.Trüger

Der Reiz des Scorpio MK II liegt für mich in dem Kontrast zwischen dem/der sehr konservativen Konzept/Innenraum/Zielklientel und dem avantgardistisch-gewöhnungsbedürftigen Exterieur-Design. Dazu noch die Seltenheiten und die recht geringen Preise.

 

Ein Genießer-Auto, das sich von der Masse abhebt und sicherlich den einen oder anderen provoziert.


05.01.2014 20:36    |    Dortmunder 65

Wow ein super Bericht, ich konnte mich aber nie für diese Fords richtig begeistern.

Trotzdem ein großes Danke!!!!


05.01.2014 21:03    |    MB Dieselmaster

Sehr schöner Bericht, von einen unterschätzen Wagen. Ein MK2 mit V6 24V wäre eine Überlegung wert.:)


05.01.2014 21:50    |    Mazout

Wir haben mal einen rostigen Scorpio MK1 für den Fastnachtsumzug in ein Blues-Brothers-Polizeimobil verwandelt. Danach ging's entgültig auf die Halde. Das dürfte so 14-15 Jahre her sein, daran sieht man, dass Langlebigkeit nicht unbedingt eine der Tugenden war.

Ein schöner Bericht mit netten Fotos. Schön wird der Scorpio aber nie werden.


05.01.2014 21:52    |    B.Trüger

Das ist wie mit Zwölftonmusik. Die muss auch nicht schön sein, um ihren Reiz zu haben. Das Heck gefällt mir aber ausgesprochen gut. :p


05.01.2014 23:28    |    OJ65

Er fuhr FORD und kam nie wieder :D

 

Schöner Bericht:p


06.01.2014 00:09    |    nosdriver

Achja wer kennt sie nicht die "Glupschis" :D

 

Bei mir in der Ecke fährt noch nen Scorpio MK1 von der Bereitschaftspolizei rum...

Immer wieder schön anzusehen das letzte Aufbäumen von Ford im Ami-Chic ;).

 

Auch war bei uns in EF öfter ein in beige-matt lackierter MK2 zu sehen.

Mit komplett rotem Leuchtenband.

Irgendwie hat der was.

 

Grüsse


06.01.2014 10:21    |    andis hp

Danke für den tollen Bericht.

 

Der MKII steht bei mir immer noch auf dem Zettel als Zweitwagen. Da der Astra G Caravan seine Dienste getan hat (Umzug u.ä.), liegt einem Wechsel eigentlich nichts im Weg.

Nur meine bessere Hälfte hat ihre eigene Meinung. Ihr gefällt halt der Astra. Und beim Scorpio kommt nur "bäh, wie sieht denn der aus!".:D

Aber da die Frauen heutzutage mitentscheiden was gekauft wird, wird es noch ein bisschen dauern, bis der der Scorpio (grundsätzlich aber nur als Limo) vor der Tür steht.

 

Mfg

Andi


06.01.2014 20:25    |    Andi2011

Moin,

 

da ist dir ein hervorragender Blog für Hans geglückt, sehr umfangreich und aussagekräftig bebildert und du weißt,dass auch ich an beiden Generationen des Scorpio mit Wehmut hänge!

Ein weiterer Höhepunkt der Hans zur Ehr Reihe:)

 

Zitat:

Der Scorpio II kostete in seiner letzten Version vor dem Facelifting (das meiner Ansicht nach nicht hätte sein müssen) als 2.0i-Limousine mit 115 PS zuletzt 41.950 Mark. Hier war aber wirklich alles dabei, sogar ein Audiosystem mit Kassettenteil, Holzdekor im Innenraum und Mittelarmlehne vorn sowie Velourssitze waren im Grundpreis inbegriffen. Der 48.800 Mark teure Ghia war fast das fairere Angebot, weil hier alles dabei war, was im Basis-Scorpio Aufpreis kostete - das Basismodell hätte mit den selben Extras deutlich mehr gekostet.

Hier kann ich dir,lieber Hans nur komplett zustimmen!Der Scorpio war immer ein Auto für Kenner und ist es bis heute,daher wundert es mich auch überhaupt nicht,dass er zu deinem Fuhrpark kam!

Ich liebe beide für ihre Optik und ihren Komfort und es ist im Nachgang noch schmerzhaft zu wissen,mit welchen irrwitzigen Nachlässen die letzten MK2 an den Käufer gebracht werden müssten.

Ich erinnere mich an einen der Letten Mk2 Ghia beim Ford Händler meines Vaters,der dort mit ziemlich vollständiger Ausstattung rund 51.000 Mark kostet,hinterher wurde er für 4 Wochen auf den Autohausbesitzer angemeldet und stand dann mit knapp 1000km auf der Uhr für 20.900 Mark wieder im Laden, da gab es ihn schon nicht mehr neu zu bestellen,dass muss man sich mal vorstellen,weniger als die Hälfte des Neupreises und er ging trotzdem erst Monate später weg.

 

Grüsse

Andi


07.01.2014 09:24    |    italeri1947

Zitat:

Hier kann ich dir,lieber Hans nur komplett zustimmen!Der Scorpio war immer ein Auto für Kenner und ist es bis heute,daher wundert es mich auch überhaupt nicht,dass er zu deinem Fuhrpark kam!

Vielen Dank, lieber Andi! Ich hatte ja schon 1985 eine Sympathie für das erste Modell und empfand den Scorpio immer als Auto, das man erst einmal persönlich kennen muss, ehe man dazu etwas sagt. Das ist nicht wie ein Escort, Astra oder Golf, den man emotionslos kauft, sondern ein Auto für echte Kenner, für Liebhaber, für Sammler und für Leute, die den wirklichen Wert des Ford Scorpio kennen. Ein hervorragendes Automobil!

 

Zitat:

Ich erinnere mich an einen der Letten Mk2 Ghia beim Ford Händler meines Vaters,der dort mit ziemlich vollständiger Ausstattung rund 51.000 Mark kostet,hinterher wurde er für 4 Wochen auf den Autohausbesitzer angemeldet und stand dann mit knapp 1000km auf der Uhr für 20.900 Mark wieder im Laden, da gab es ihn schon nicht mehr neu zu bestellen,dass muss man sich mal vorstellen,weniger als die Hälfte des Neupreises und er ging trotzdem erst Monate später weg.

Das gab es bei uns auch - ein luganoblauer 2.3-Liter mit Automatik, der als Tageszulassung preiswert verkauft wurde; viel kostete er auch nicht. Den indes gibt es noch. Ein Rentner hat den Wagen damals erlöst und fährt ihn heute noch im Alltag. Zwar wurde ein Unfallschaden mehr schlecht als recht gerichtet, das sieht man auch, da wurde hinten links schlecht lackiert, ansonsten aber sieht der Ford noch schön aus. Er hat die Velourspolsterung, Schiebedach, schöne Alufelgen und das Audiosystem mit Kassettenteil; es müsste ein Ghia sein!

 

Wer sich für den Scorpio begeistern kann, aber keinen findet, kann übrigens den kleinen Bruder kaufen. Der Mondeo Mk1/Mk2 bietet speziell im Interieur sehr vieles, was mit dem Scorpio II in Verbindung gebracht werden kann, und speziell die wuchtigen Stufenhecks gibt es noch oft aus Rentnerhand. Einer der besten Low-Budget-Gebrauchtwagen! Hier ist eine Kaufberatung meiner Reihe; nirgendwo passt sie besser, als hier!

 

Vielen Dank für den wunderbaren Bericht über den Scorpio. Ein Auto, das mir sehr nahe steht!


07.01.2014 10:31    |    Turboschlumpf6

Auch ich bin Scorpio-Fan: klick. Vor allem den MK1 V6 und MK2 V6 habe ich persönlich kennen gelernt. Beide waren sehr gut und sehr komfortabel.


07.01.2014 12:16    |    italeri1947

Im Sommer 1993 stand die Form des Scorpio II fest und wurde veröffentlicht. Zeitgleich wurde auch die endgültige Form des Opel Omega B gezeigt. Die Leserbrief-Schlacht in der Autobild gegen den Ford Scorpio war enorm - ich erinnere mich noch gut, habe die betreffenden Ausgaben auch zuhause. Bei Interesse kann ich gern zitieren und etwas heraussuchen!

 

Wobei ich weniger denke, dass das Design an sich den Scorpio "gekillt hat". Wie so oft, wie zeitgleich auch beim Safrane und bei anderen Nicht-Premium-Fahrzeugen dieser Klasse, starb die klassische Kundschaft, die noch Granada und Scorpio I gekauft hat, aus, kaufte markenintern kleinere Autos wie den Mondeo Mk1, der fast Granada-Maße erreichte (auch im Innenraum) oder behielt einfach den Granada oder Scorpio der ersten Serie weiter. Die klassiche Stammkundschaft blieb einfach aus, und wer eine Oberklasse wollte, der kaufte 1994 eben BMW oder Mercedes. An dieser Problematik scheiterte 2004 letzten Endes auch der Opel Omega.


07.01.2014 12:43    |    Andi2011

Zitat:

Wobei ich weniger denke, dass das Design an sich den Scorpio "gekillt hat". Wie so oft, wie zeitgleich auch beim Safrane und bei anderen Nicht-Premium-Fahrzeugen dieser Klasse, starb die klassische Kundschaft, die noch Granada und Scorpio I gekauft hat, aus, kaufte markenintern kleinere Autos wie den Mondeo Mk1, der fast Granada-Maße erreichte (auch im Innenraum) oder behielt einfach den Granada oder Scorpio der ersten Serie weiter. Die klassiche Stammkundschaft blieb einfach aus, und wer eine Oberklasse wollte, der kaufte 1994 eben BMW oder Mercedes. An dieser Problematik scheiterte 2004 letzten Endes auch der Opel Omega.

Das stimmt vollkommen!

 

Dazu kommt aber schon auch der Faktor Design und noch folgendes:

 

Die Unterscheidung der einzelnen Autoklassen war in den 80er Jahren noch eine etwas Andere. Mittelklasse war ein Granada oder auch der Opel Rekord, darüber rangierte die obere Mittelklasse mit dem 5er BMW oder dem W123,dann kam die Oberklasse.

 

Ford versuchte damals sich mit dem Scorpio im Revier der oberen Mittelklasse und gar der Oberklasse zu etablieren und die Voraussetzungen waren mit dem Scorpio gar nicht so übel (zumindest nicht schlechter als damals bei Audi) hier in ein oder zwei späteren Generationen fest im Boot zu sein.

Der Scorpio war mit rund 5m groß genug, es gab etablierte und gute Sechszylinder, das technische Knowhow von Ford galt als zuverlässig ....alles ideale Voraussetzungen, aber dann machten sie einen in meinen Augen wesentlichen Fehler...

 

Ford erkannte nicht, dass der Scorpio als Alleinstellungsmerkmal seine gute Ausstattung (mit ABS) zum vergleichbar konkurrenzlosen Preis gereicht hätte, nein, sie machten den Fehler OPTISCH in dieser Fahrzeugklasse NEUE Akzente setzen zu wollen und führten ihn als in diesen Klassen völlig unbeliebtes Schrägheck ein und kamen mit Turnier und Stufenheck viel zu spät hinterher, da war der Zug lange weg.

Gleichzeitiug vergraulte man mit diesen Ambitionen das Stammklientel - eine doppelte Katastrophe sozusagen.

 

Da Ford aber aus diesen Fehlern auch nicht hinreichend lernte, machten sie den gleichen Fehler fast identisch mit dem MK2 noch einmal.

Diesmal entschied man sich zwar, kein Fliessheck mehr anzubieten sondern nur Stufenheck und Turnier aber dafür meinte man, es sei eine gute Idee europäischen und amerikansichen Geschmack in einen Topf zu werfen und heraus kam der "Wal" mit den Glupschaugen und dem Ami-Heck. Das trifft den Geschmack des angepeilten alten wie des neuen Klientels nun gar nicht mehr, das Resultat kennen wir ja.

 

So bleibt HEUTE vom Scorpio nur übrig, was er ist: Ein hervorragender Reisewagen mit extrem vielen guten Qualitäten für im Vergleich wenig Geld und einem Design, dass man nur lieben oder hassen kann.


07.01.2014 12:44    |    italeri1947

Weil es thematisch so schön passt, und ich Freude daran habe, suchte ich euch den passenden Bericht aus. Er stammt aus dem Juli 1993 und handelt den "über-Geschmack-lässt-sich-streiten-Scorpio" ab. Schade, dass der Scorpio jedes Mal, wenn ein neues Modell auf den Markt kam, vom Start weg nieder gemacht wurde.


07.01.2014 15:37    |    Goify

Hans, das lag daran, weil er eigentlich nie gut aussah und das letzte Modell war wirklich misslungen. Wer den fuhr, wurde grundsätzlich schräg angeschaut.

Der Scorpio hätte erfolgreich sein können, aber dann mit einem anderen Designer.

 

Seit den 70ern hatte Ford scheinbar immer den falschen Designchef und damit konnten sie es vergessen, richtig erfolgreich zu werden. Bis heute haben sie sich von dem etwas schrägen Design nie lösen können, was ich wirklich schade finde.


07.01.2014 16:15    |    Andi2011

Zitat:

Hans, das lag daran, weil er eigentlich nie gut aussah und das letzte Modell war wirklich misslungen. Wer den fuhr, wurde grundsätzlich schräg angeschaut.

Der Scorpio hätte erfolgreich sein können, aber dann mit einem anderen Designer.

Seit den 70ern hatte Ford scheinbar immer den falschen Designchef und damit konnten sie es vergessen, richtig erfolgreich zu werden. Bis heute haben sie sich von dem etwas schrägen Design nie lösen können, was ich wirklich schade finde.

goify,

das kann ich so nicht stehen lassen.

Uwe Bahnsen war in den 70er und 80er Jahren als Designchef mit Ford ausserordentlich erfolgreich und Modelle wie Escort, Taunus, Granada, Mustang, Capri, Fiesta usw. waren auch verkaufstechnisch allesamt sehr erfolgreich eine richtige Pleite fällt mir da nicht ein. Der einzige wirkliche verkaufstechnische Flopp (auch von Bahnsen) war der Scorpio.

Also falscher Designchef, neee wirklich nicht;)

 

Wenn man den Erfolg eines Designs an den Verkaufszahlen messen kann, dann waren Jack Telnack mit dem New Age Design von Ford oder Martin Smith mit dem Ford kinetic Design also sehr erfolgreich und insbesondere letzteres hat das zuletzt "altbackene" Image doch schon sehr hinter sich gelassen, von daher kann ich deiner Aussage nicht ganz folgen.


07.01.2014 16:33    |    Goify

Gut, wenn man es an den Verkaufszahlen misst, mag das stimmen. Aber objektiv betrachtet (bronx, mache bitte beide Augen zu), waren besonders die Innenräume in den 70ern und 80ern eine Beleidigung für die Augen. Man kann sie wohlwollend als modisch beschreiben. Und genau das sind sie noch immer - modisch. Modern leider nicht.

 

Aber auch von außen wirkten die Taunus, Granadas oder Fiestas recht plump und unförmig. Es fehlte der letzte Schliff, damit sie pfiffig wurden. Die Fahrzeuge waren alle knapp davor, gelungen zu sein. So als hätte man sie einen Monat vor Fertigstellung des endgültigen Designs plötzlich bauen müssen. Klar, dass da noch nicht alles so ausgearbeitet ist, wie es sein sollte. Auch denke ich, dass der Kostendruck enorm hoch gewesen sein muss.

 

Im direkten Vergleich war VW mit Giugiaro viel besser beraten, auch wenn es sicherlich nicht ganz billig war, seine Entwurfsarbeiten an die Italiener zu vergeben.


07.01.2014 16:35    |    italeri1947

Zitat:

Aber auch von außen wirkten die Taunus, Granadas oder Fiestas recht plump und unförmig. Es fehlte der letzte Schliff, damit sie pfiffig wurden. Die Fahrzeuge waren alle knapp davor, gelungen zu sein. So als hätte man sie einen Monat vor Fertigstellung des endgültigen Designs plötzlich bauen müssen. Klar, dass da noch nicht alles so ausgearbeitet ist, wie es sein sollte. Auch denke ich, dass der Kostendruck enorm hoch gewesen sein muss.

Dass die Taunus-, Granada- oder Escort-Modelle früher etwas plump gerieten, mag ich nicht leugnen - aber die Kundschaft wollte genau solche Autos bei Ford haben; man kaufte einen Ford nicht wegen der Optik, sondern weil Preis und Leistung sowie das Servicenetz genau mit dem übereinstimmten, was die Ford-Kundschaft von einem Fahrzeug erwartete. Optik und Stil waren da eher zweitrangig; man freute sich mehr über die stets etwas bessere Ausstattung und preiswerte Sechszylinder-Motoren. Außerdem waren die Ford-Typen designtechnisch immer auf der Höhe ihrer Zeit - andere Hersteller bauten für meine Begriffe auch nicht "schöner".

 

Entsprechend verstört waren die Stammkunden, als dann 1982 der Sierra und 1985 der Granada auf den Markt gekommen sind. Nachdem Ford moderner wurde, blieben die Kunden aus, kauften noch schnell die Auslaufmodelle oder wechselten zu anderen Herstellern. Erst 1990, mit dem Stufenheck-Scorpio, und mit dem ersten Facelifting des Sierra 1987, das auf ein Stufenheck baute, ging es wieder los mit dem Ansturm und dem Erfolg.


07.01.2014 16:43    |    Goify

Und nun stelle man sich vor, der Granada wäre so elegant wie der BMW E12 gewesen. Die hätten Ford die Türen eingerannt. Und genau das finde ich schade, denn zu einem gelungenen Auto gehört wenigstens ein etwas flotteres Design.

Waren die Menschen damals so pragmatisch und spießig, um einen Langweiler zu kaufen? Gut, eine rhetorische Frage. Schaut man auf die Straßen, wird man etwas schläfrig, wenn man die unzähligen VWs/Audis und Fords sieht. Da sind die Opels schon fast eine Auflockerung im Straßenbild.

 

Die Leute können sich doch mal was trauen und mal über ihren Schatten springen und sich was gönnen. Muss ja nicht gleich teuer sein.


07.01.2014 16:55    |    italeri1947

Zitat:

Waren die Menschen damals so pragmatisch und spießig, um einen Langweiler zu kaufen? Gut, eine rhetorische Frage. Schaut man auf die Straßen, wird man etwas schläfrig, wenn man die unzähligen VWs/Audis und Fords sieht. Da sind die Opels schon fast eine Auflockerung im Straßenbild.

Ich (66 Jahre) würde knallhart behaupten: Ja, sie waren atsächlich so pragmatisch und spießig, um bewusst einen Langweiler zu kaufen. Man wollte alles, außer auffällig sein. Ich kenne das aus meiner Generation sowie den Jahrgängen davor nur zu gut. Da galt es auf dem Land sogar als Tabu, einen "dieser komischen Japaner" zu kaufen, und es wurden teilweise schlimme Vorurteile gefällt. Renault und Peugeot waren akzeptiert, dank R4 und Ente vor allem bei Leuten der Jahrgänge 1930-1940 aufwärts, aber die Japaner haben hier auf dem Land erst Mitte der 80er-Jahre "gezündet", wobei das Servicenetz schon Jahre vorher da war.

 

Zitat:

Die Leute können sich doch mal was trauen und mal über ihren Schatten springen und sich was gönnen. Muss ja nicht gleich teuer sein.

Wer sich damals "etwas traute" und nicht "reich" war (was auch immer man sich darunter vorstellte), der wurde schnell kritisch beäugt und riskierte, dass man als Opfer von Spötteleien oder Gerüchten dienen musste. Keiner wollte das außer echten Freidenkern, denen alles egal war, riskieren.

 

Aktuell meine ich zu erkennen, dass die heutige "junge Generation" es den "Alten" scheinbar nachzumachen versucht: Jeder will sein wie der andere, man will nur nicht auffallen.

 

Noch ein paar Gedankengänge zum heutigen Leben auf dem Land!

 

Thema Alkohol und/oder Obrigkeit/Menschen: Für manche, auch ältere Leute, ist es, weil man es schon immer so gemacht hat, eigentlich Standard, sich sonntags nach dem Frühschoppen oder abends nach dem Stammtisch teils deutlich angetrunken in den Wagen zu setzen und dann nach Hause oder in die nächste Gaststätte zu fahren. Solange nichts passiert - wird schon schiefgehen...

 

Das Schlimme dabei ist, dass etliche dieser Leute polizeibekannt sind, aber die Polizisten auf dem Land nichts dagegen machen. Sicher auch, weil man sich kennt und dann vielleicht als "Spaßverderber" etc. hingestellt wird, nimmt man irgendeinem Herrn, der seinen Wagen betrunken in den Graben setzt, den Führerschein ab. Ich glaube, diese Scheu, als ein Verpfeifer dazustehen, ist größer als die, einen potenziellen Verkehrssünder außer Gefecht zu setzen und damit der Allgemeinheit zu dienen. Das spricht sich schnell herum, und wenn ein Polizist einen "ach so harmlosen" Mann aus dem Verkehr zieht, der betrunken sein Auto versenkt, dann gelten die Polizisten schnell als böse, scharf, ungerecht und unfair, obwohl sie im Recht lagen. Dieses Image wirst du dann nie mehr los!

 

Unsere Gesetzeshüter auf dem Land sind sehr weichherzig; mit denen kann man über alles noch mal reden, und wer da ordentlich jammert, der kommt auch mal so davon, vor allem dann, wenn man sich kennt. Von Bestechlichkeit kann keiner reden, Geschenke nehmen die nicht an, aber wenn man sich kennt - und hier auf dem Land kennt man sich sehr gut, zumindest bei den Alteingesessenen - dann regelt man das auch mal so "ohne viel Hektik". So geht dann auch das Treiben ewig weiter. Ich finde dieses Verhalten eigentlich nicht schlimm, aber nur dann wenn es um harmlose Dinge geht, wie Nachbarschaftsstreitigkeiten.

 

Noch eine Ausführung zum Thema Mercedes-Benz, die den Blogbetreiber hier bestimmt interessieren wird:

 

Bei mir hier hält sich die Jugend von Mercedes eher fern; sogar der Auszubildende beim Mercedes-Autohaus (Kfz-Mechatroniker) fährt zum Beispiel einen klassikgrünen Opel Astra G "Edition 100". Es hat bei uns eher mit einem konservativen Obrigkeitsdenken zu tun; nicht wenige denken hier noch, Mercedes sei eine Marke, die ausschließlich für reiche Leute gedacht sei und nichts für den kleinen Mann von der Straße. Motto: Mercedes ist immer teuer. Das Argument ist natürlich nichts als lächerlich, aber so werden die Autos wenigstens nicht verheizt.

 

Wer hier Mercedes fährt, ist entweder Rentner (W202, W210, B-Klasse, 190er/124er) oder ein reicherer Zeitgenosse (E-Klasse, M-Klasse, S-Klasse), oder aber Gewerbetreibender (Taxiprogramm; Mercedes-Nutzfahrzeuge). Andere Mercedes-Fahrerkreise gibt es hier kaum, entsprechend sieht man auch Autos wie die A-Klasse selten. Der W202 dürfte dem W203 stückzahlenmäßig auch überlegen sein; den W204 sieht man so gut wie gar nicht.

 

Die Menschen denken teilweise eindimensional und hinterwäldlerisch. Ich bin mir sicher, dass viele, würden sie die Unterhaltskosten eines Mercedes mit denen ihres VW, Peugeot, Skoda oder Hyundai vergleichen, erwachen würden und merken, dass "ein Benz" so teuer nicht ist - und aus Obrigkeitsdenken trotzdem weiterhin felsenfest sagen würden, ein Mercedes sei nur etwas für Begüterte.

 

Ich landete bei meinem E280 am Ende bei etwas mehr als 1.500 Euro für das Auto mit neuem TÜV - dafür kaufen sich andere einen 1996er Golf III mit bielleicht einem Jahr HU, 200.000 Kilometern, vier Vorbesitzern, fehlendem Service-Werdegang plus Wartungsstau und vielleicht fragwürdig-peinlichem Baumarkt-Tuning, und halten sich dabei für unglaublich vernünftig. Oder so: Man kauft sich lieber den Nicht-Mercedes fürs gleiche Geld, auch wenn man dabei ganz genau wüsste, dass der Mercedes vom Zustand her erheblich besser ist und im Unterhalt nicht teurer kommt.

 

Am Ende zahlt sich aber nur das aus, was das Auto wirklich kann, und der E280 kann und bietet deutlich mehr, außerdem wird er im Unterhalt durch die Historie und alle belegbaren Reparaturen wohl deutlich preiswerter sein als so ein alter Golf, der von einer halben Fußballmannschaft schon nicht gerade zimperlich bewegt wurde! Aber bring' das erst einmal der "Landbevölkerung" hier bei. Die jungen Menschen hier sind gar konservativer als die meiner Generation.


07.01.2014 18:21    |    Goify

Hans, du sprichst mir aus der Seele. Es bereitet großen Spaß, dir zuzuhören. Bezüglich des Lebens auf dem Land kann ich dir den folgenden Schimanski empfehlen. Er spielt ganz untypisch auf dem Lande und alle machen mit, die Behörden schauen weg, besonders der Dorfpolizist, der sich lieber um Unwichtigkeiten kümmert, als das Recht auch dort durchzusetzen.

 

Ja das Gerücht vom teuren Mercedes. Jetzt habe ich doch tatsächlich erfahren, dass bei uns im Tal (6 Familien auf 4 Höfen) noch einer einen W202 fährt. Was da wohl alle dachten, kommt der reiche Schnösel mit dem Mercedes, denn er ist Städter und hat sich eines der Häuser gemietet, es war ein altes Austragshaus, was dadurch sozusagen zum Inhaus wurde. Der echte Landbewohner weiß, was es damit auf sich hat. Bei uns auf dem Land ist das noch normale Tradition mit der Höfeordnung.


07.01.2014 18:28    |    italeri1947

Ich freue mich sehr, dass ich dir Freude bereiten kann mit meinen Ausführungen über das Landleben aus meiner Sicht! Danke für den Tatort; ich empfehle hier noch einen von Brinkmann.


04.02.2014 21:16    |    gspannfahrer

Wie die Zeit vergeht!

Anno 85 war ich noch nicht mal 30. Ich hatte meine erste Begegnung mit einem Scorpio, der mit leerer Batterie an einer Tanke stand und dem ich per Starthilfekabel helfen konnte.

Gefallen hat mir die Riesenschüssel nie. Das waren damals für junge Leute absolut uncoole Autos. Wenn ich es mir hätte leisten können, wäre es ein Golf GTI oder ein 323i geworden, so aber tuckerte ich mit einem rostigen Golf 1 durch die Gegend und las sehnsüchtig AMS.

Später hatte ich zwei Escorts hintereinander, das waren absolut emotionsfreie Arbeitstiere. Ich war zufrieden, aber angesprochen haben mich diese Autos nie. Dafür hab ich einen Renault Kangoo ins Herz geschlossen, der mich 11 Jahre ausgehalten hat. Vom Design her fand ihn meine Umwelt auch sehr schräg, also ein Bezug zum Scorpio.

 

Ach ja, Jahre später bollerte ich mit meinem Einzylindrigen Kraftrad an einem sonnigen Wintertag durch die Gegend. Bergauf lief ich auf einen gemütlich fahrenden metallicbraunen Scorpio mit einem Rentner am Steuer auf. Gas und dran vorbei. Im Rückspiegel konnte ich sehen, dass ich den armen Senior mit dem Geboller sehr erschreckt hatte. Er hatte das Steuer verrissen und war halb in den Acker geraten.


10.04.2014 23:25    |    admiral26

Bin seit kurzem auch stolzer Besitzer eines 90er Scorpio I Stufenheck. Zeitlebens Garage-gepflegt und daher bis auf einen Radlauf rostfrei, ansonsten Tip-Top.

Was mir seitdem aufgefallen ist: Sie sind weg. Ich habe nicht einen einzigen in den letzten Wochen gesehen, still und leise so gut wie ausgestorben. Das war mir bisher gar nicht bewusst :(.

Verdient hat er´s nicht.


19.07.2014 15:55    |    VincentVEGA_

Bei mir in der Straße gabs mal einen goldenen Scorpio MK1 Stufenheck, Vorfacelift, Ghia mit Velourspolstern. Außerdem parkte im Haus dahinter noch einen roten, ausgeblichenen Opel Rekord E2 Berlina. Bis ca. 2011 fuhren sie, seitdem stehen dort Suzuki Splash und VW Polo. Schade...


26.07.2015 10:54    |    Fordrallyesport

Ich kann mich auch noch gut an den Scorpio meines Onkels erinnern, das Auto war ein halbes Jahr jünger wie ich sozusagen. Habe das Glück gehabt ihn selbst ab und an mal zu fahren. Leider war dieses Auto auch ein Opfer der Abwrackprämie und wurde durch einen Ka ersetzt. Der Ka ist mittlerweile auch Geschichte, er hat gerade mal einen Bruchteil der 23 Jahre vom Scorpio gehalten. Jetzt im Nachinein denke ich mir hätte ich nur das Auto geholt, mein Onkel hat mich noch am Tag als er das Auto zum Abwracken brachte gefragt. Alleine wegen dem 6 Zylinder der Motor war ein Gedicht. Der Innenraum war auch noch okay für das Alter.

Naja man macht manchmal Fehler...


Deine Antwort auf "HANS ZU EHREN #5: Der ewig Ungeliebte - Ford Scorpio"

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