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Wed Aug 07 20:24:42 CEST 2013    |    DoNuT_1985    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: BMW, Ford, Kupplung, Schaltung, VW

Heute versuche ich es mal mit einem ganz speziellen Thema... die Kupplung. Ihr werdet euch fragen, wie man darauf kommt, über so ein triviales Pedal wie das der Kupplung zu bloggen, da man sich ja einfach daran gewöhnt und intuitiv täglich zig mal drauftritt - in der Regel ohne etwas kaputt zu machen oder sein Fahrzeug über Gebühr zu beanspruchen. 🙂

Die Idee kam mir, als in meinem letzten Blogartikel eine kleine Diskussion zu dem Thema ausgebrochen ist, nachdem ich nur beiläufig erwähnt habe, dass ich ein paar Fahrten gebraucht habe, um mit meinem Alfa in der Beziehung richtig warm zu werden... nach 1700 km gehts übrigens schon ganz gut. 😉

In der Tat ist es so, dass die Hersteller Widerstand, Druckpunkt und Pedalgefühl ihrer Kupplungen recht unterschiedlich abstimmen, was manchen egal ist, sensible Gemüter wie ich eines bin, merken sowas aber sofort, wenn sie in ein anderes Fahrzeug umsteigen. Wenn man automobiler Monogamist wie ich ist und höchstens 2-3 verschiedene Fahrzeuge regelmäßig bewegt, tu ich mir anfangs oft etwas schwer, wirklich harmonisch mit einem Fahrzeug zu schalten und kuppeln. Wenn mir jemand meinen Fahrersitz um eine Raste verstellt, kann ich zum Tier werden... 😠

Der größte Unterschied, den ich bis jetzt ausgemacht habe und der mich nach 5-6 Jahren Fahrpraxis mit über 100.000 km an einem Fahrzeug verzweifeln ließ, war der Umstieg vom meinem damaligen BMW (318i, Bj. 06) auf einen Golf VI TDI. Obwohl ich meine, ein mittelmäßiger bis guter Autofahrer zu sein, hab ich den Golf doch glatt 2x in einer fast ebenen Einfahr abgewürgt, bevor ich mal zum Fahren kam. Hier kommt wohl auch zum Tragen, dass ich mit eher wenig Gas gefühlvoll losfahre, was sich dann rächt, wenn man in ein Fahrzeug mit völliger anderer Leistungscharakteristik und Abstimmung kommt.

Wie gesagt, war mein BMW recht stramm in der Abstimmung, abgesehen von 1-2 älteren Fahrzeugen wohl mit Abstand die schwergängiste Kupplung meiner Fahrerkarriere. VW als Massenmarke hat wohl weniger auf Dosierbarkeit geachtet, als ihre Fahrzeuge auf niedrige Bedienkräfte auszulegen. Ich dachte anfangs, in dem Wagen sei was gebrochen, aber in der Tat liegen hier für mein Gefühl Welten dazwischen. Dafür kriegt man im Gegensatz zum 3er nach 1 Stunden Stop&Go keine Krämpfe im Oberschenkel, wie ich in diversen Autobahnstaus auch schon erleben durfte... 1 1/2h Stau bei einer Übungsfahrt am Anfang meiner Fahrerkarriere im 98er Ford Focus 1.6 meiner Mutter haben übrigens dazu beigetragen, dass ich zumindest ein bisschen Gefühl entwickelt habe. Ironischerweise hab ich in meiner Fahrausbildung ausgerechnet bei der Prüfungsfahrt das einzige Mal einen Wagen abgewürgt... und zwar einen gutmütigen Golf IV 1.9 TDI. 😁

Ein User hat in den Kommentaren auch gemeint, es käme weniger darauf an, wie das Gefühl ist, wichtig wären nur, häufig Fahrzeuge zu wechseln, da man den richtigen Druckpunkt quasi unterbewusst "speichern" würde und einfach flexibler/weniger Gewohnheitstier ist. Das kann ich nur bestätigen, mit PKWs, die ich regelmäßig fahre, gehts ab dem ersten Meter reibungslos, nur bei neuen, "unbekannten" Autos braucht man wieder eine Lernphase.

Abgesehen davon gibt es aber meines Erachtens nach auch "gute" und "schlechte" Kupplungen, völlig unabhängig von Alter, Zustand oder Marke. Bei manchen Fahrzeugen macht es einfach Spaß zu schalten, weil die Gänge gut flutschen, die Übersetzung und die Anschlüsse passen und der Druckpunkt gut erahnbar ist. Es gibt aber auch Negativbeispiele wie z.B. den Suzuki Samurai eines Bekannten. Klar, ein puristischer Geländewühler ist nicht unbedingt auf optimale Fahrbarkeit ausgelegt, aber der Wagen sticht in meinem Portfolio besonders hervor - auf gefühlten 1-2 Zentimetern rückt das Ding fast komplett ein und man ist sehr froh, wenn man mal ins Fahren gekommen ist, Anfahren und Stop&Go gestalten sich sehr ruppig... nur kann man nicht sagen, dass das eben ein Scheissauto aus den 90ern ist, weil der heruntergerockte Swift aus den 90ern eines Kumpels (ohne Servolenkung, mit Dreizylinder 😁 ) sich dagegen so knackig schaltet wie ein aktueller Kompakter.

Auch Fahrzeuge für "harte Jungs" oder "Hackler" (österreichisch für "Arbeiter"/Workingclass) sind heute kaum mehr der Rede wert. Gängige Modelle wie VW T4/T5 werden tagtäglich von zarten Frauen im Rettungsdienst pilotiert und abgesehen von den unhandlichen Außenmaßen und der hohen Sitzposition ist man in den üblichen Verdächtigen unter den Firmenbussen wie im eigenen Auto unterwegs. Vor den 00er-Jahren gab es auch noch die meisten Sportwagen mit 400-500 PS mit Schaltgetriebe. Hier war aufgrund der herrschenden Kräfte auch oft die eine zierliche Person am Steuer, von der man nicht erwartet hätte, dass sie täglich mit einem Lamborghini Countach zur Aerobicstunde fährt (ich hab gedanklich gerade neonfarbene Schweißbänder und Tom Selleck im Kopf 😁). Heute will sich keiner mehr die Blöße geben, was zu seltsamen Auswüchsen geführt hat, wie z.B. dem aktuellen M5, der nur im Automatikland USA mit 6-Gang-Box verkauft wird... in Europa wohl nur mit guten Kontakten zur M GmbH - what a shame. 🙂

Nichtdestotrotz bin ich "eiserner Schalter", weil mir bei Automatikfahrzeugen einfach der Link zum Antrieb fehlt. Mit ein bisschen Gewöhnung kann man auch einen Automaten beeinflussen, mir fehlt hier aber einfach was. Bin auch schon diverse BMW mit Automatik gefahren (X5 3.0D, 328i F30), aber am meisten Spaß gemacht hat die Box eines bescheidenen 118d Cabrios mit M-Shortshifter. Vielleicht ändert sich das ein wenig mit den Jahren - schließlich hätte ich vor nicht allzulanger Zeit auch nicht gedacht, jemals einen Alfa zu fahren.... 🙄 😉


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