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Fri Feb 03 00:03:48 CET 2012    |    DoNuT_1985    |    Kommentare (0)    |   Stichworte: 3er, BMW, E90

Es ist zwar schon Jahrtausende her, dass ich hier meinen letzten Blogartikel geschrieben habe, aber heute kam mir mal wieder der Gedanke "Damals auf Motor-Talk", und so hab ich den Account mal wieder rausgekramt.

Anlass ist eine kleiner "Vergleichstest" an der Basis der heuer ausgelaufenen E90-Baureihe (wenn man sich den F30 von vorne ansieht, wird man sie vielleicht sogar noch vermissen).

In bester Tradition (siehe ältere Blogartikel) hat es nach gut 2 Jahren ohne Blessuren und einem schönen Hagelschaden im Spätsommer vor 2 Wochen wieder mal gekracht und auf einer vereisten Privateinfahrt (Brücke über Bach) ging es mit ca. 6-7 km/h schräg gegen die begrenzenden Blumentöpfe und einen Randstein. Das Resultat war ein lädierter Stoßfänger und ein "schönes Eck" in meinen schon seit dem Kauf lädierten Winterfelgen.

Da ich mit Versicherungsabwicklungen schon recht gut vertraut bin, ging es in der Woche darauf schon in die Werkstatt zum Gutachter, und gestern morgen musste ich mich mal wieder von meinem 318i trennen, ein Wiedersehen in alter Frische gibt es voraussichtlich morgen Nachmittag nach der Arbeit.

Allerdings ging dieser Abschied nicht mit dem oft obligaten Verzicht in Form eines Kleinwagens mit Dreizylinder einher (womit ich kein Problem hätte, solang es fährt und die Heizung funktioniert 😁). Ich hatte nämlich Glück und bekam passenden Ersatz in Form eines weiteren E9x, konkret ein E91 316d LCI Touring... die Umstellung hielt sich bis auf Kleinigkeiten in Grenzen, zumindest für den Laien. 🙂

Für mich war es interessant, weil ich von Haus aus jede Kleinigkeit ergründen möchte, wenn ich in einem neuen/fremden Auto sitze - vor allem, weil ich hier den Vergleich des Facelift/LCI-Modells mit meinem "Urmodell" (Bj. 10/2006) hatte, zudem einen Touring statt einer Limousine und einen Diesel statt des braven Ottos (316d statt 318i).

Als ich den schwarzen 3er mit Stahlfelgen übernahm, dachte ich mir zwar, "spiessiger gehts wohl nimmer, 3er in schwarz mit Basisdiesel", dennoch (soviel sei jetzt schon verraten), haben mir die 180 km in den letzten 2 Tagen mehr Fahrspass als erwartet bereitet.

Kommen wir mal zu den augenscheinlichen Unterschieden - mit dem Facelift hat BMW beim E90 einige Dinge verändert, die einem nach 60.000 km in einem E90 sofort auffallen. An der geänderten Optik fallen von innen nur die zusätzlichen Linien auf der Motorhaube auf, aber im Innenraum hat sich im Detail einiges geändert - irgendwie scheint der Klimaautomatik die Restwärme-Funktion abhanden gekommen zu sein - zumindest hat ist der "REST"-Knopf im rechten Klimaregler verschwunden. Die unförmigen (EU-konformen) Seitenspiegel fallen auch sofort ins Auge - in dem Punkt gewinnt mein VFL-Modell, die ovalen Spiegel sehen deutlich besser aus... 😉

Schmerzlich vermisst hab ich auch die belegbaren Tasten im Multifunktionslenkrad, das übrigens das Sportlenkrad war. Der untere, rechte Funkionsknopf ist in meinem Wagen mit iDrive als "Mute"-Taste belegt, im Leihwagen mit Radio Professional hab ich keine Option zum Ändern gefunden...

Ansonsten ist die Bedienung ja gleich geblieben, mein iDrive (so gern ich es habe) ist mir aber nicht abgegangen... das Radio Professional tuts auch und bietet sogar ein paar Zusatzanzeigen (Temperatur, Verbrauch, Geschwindigkeit) - in Sachen Klang kommt mir meine Anlage in Verbindung mit dem Navi Pro etwas besser vor, obwohl der Wagen in den Fensterecken zusätzliche Boxen hatte...

Dass ich an diesen Wintertagen auf eine Sitzheizung verzichten musste, wurde dadurch aufgewogen, dass ich Stoffsitze hatte, und zwar in Form der tollen Sportsitze (hätte ich in meinem auch gern gehabt). Das Xenonlicht des E90 LCI ist auch weit über die Halogenscheinwerfer meines Wagens (mit Osram Nightbreaker) zu stellen.

Soviel zum Innenraum, die vergleichsweise geringe Ladekapazität des Tourings hab ich bis jetzt nicht gebraucht, daher kommen wir nun zum (vor allem bei einem BMW) wichtigsten Thema, dem Fahren.... 😁

Auch hier sind mir einige Sachen aufgefallen, die einen Unterschied zu meinem 318i ausmachen. Erster Punkt ist die Lenkung - es wurde im Forum nach dem FL oft geschrieben, sie ist tatsächlich deutlich leichtgängiger, aber in Sachen Präzision immer noch erstklassig, auch wenn der 316d auf 16-Zöllern nicht ganz so zackig einlenkt wie mein Wagen auf 225/45R17. Irgendwie fühlt sich der Wagen dadurch trotzdem agiler an, obwohl ich das Gefühl hab, dass das LCI-Modell zugleich eine Spur komfortabler geworden ist - Poltern oder Versetzen bei Querfugen ist mir jedenfalls keines aufgefallen - Spurrinnen lassen den Wagen ebenso kalt und der Geradeauslauf ist tadellos - auf der AB kann man das Lenkrad loslassen und bleibt trotzdem lange in der Spur (um 8 Uhr abends kann man sowas schon mal ausprobieren).

Die größte Umstellung hat allerdings der Antrieb erfordert - ich behaupte zwar mal, einigermaßen Autofahren zu können, und weiß auch, dass ein Diesel anders gefahren werden will, trotzdem hatte ich auf den ersten Kilometern mit dem 316 etwas zu kämpfen. Die Kupplung ist im Vergleich zu meinem Benziner etwas aggressiver ausgelegt, und so hab ich mich an der ersten Ampel gleich mal mit den Fahrschülern solidarisiert.... 😉

Irgendwie ist es schwierig, mit dem Wagen gemütlich anzufahren. Mit wenig Gas würgt man oft den Motor ab, lässt man die Kupplung gefühlvoll mit wenig Gas kommen, gewinnt man keine Ampelstart und versucht man, zügig anzufahren, muss man einen gut dosierten Gasstoß geben, dann springt man allerdings förmlich los. In dem Fall fällt dann auch so etwas wie ein "Turboloch" auf. Zuerst kommt man gut vom Fleck, ist man dann schon mit 1200-1300 Touren in Bewegung und rollt, verschluckt sich der Motor kurz und zieht dann ab ca. 1500 Touren wieder los - vielleicht braucht es ja noch ein paar Kilometer Übung, vielleicht ist es aber auch der Drosselung des Zweiliters geschuldet (115 PS aus 1995 cm³ waren schon in den 90ern keine Spitzenwerte mehr).

*edit* Nach einem weiteren Tag ging die Anfahrerei schon etwas besser. Das "Turboloch" lässt sich mit etwas mehr Gas überspielen und mit der richtigen Dosierung kommt man im gewünschten Tempo ohne peinliche Momente (Springbock) los, wenn man als wenig gefühlvoller Fahrer einen Leihwagen der Sorte 316/318d bekommt, könnt ich mir schon vorstellen, dass man ihn verfluchen würde... 🙄

Fährt man allerdings mal, zeigt sich der Motor durchaus von seiner angenehmen Seite - setzt der Turbolader zwischen 1500 und 2000 U/min ein, zieht der Wagen angesichts der Masse von mindestens 1,5 Tonnen respektabel los und ist zügig auf Autobahn- oder Landstraßentempo. In der Werksangabe fehlt dem 316d eine gute Sekunde auf meinen 14 PS stärkeren Benziner, allerdings macht der Diesel das mit gutem Durchzug ab 2000 Touren und willigem Hochdrehen wieder wett. Auch der Klang ist für einen Diesel recht zurückhaltend - im Vergleich mit den früheren Pumpe-Düse-Naglern hält sich das Aggregat aber vornehm zurück, auch wenn mein Benziner das feinere Klangbild hat und beim Ausdrehen eine Brise Sportlichkeit aufkommen lässt.

Über den Klee möchte ich den 316d auch nicht loben, weil er trotz allem fleißig geschaltet werden will. Im 318i gewinnt man zwar keine Ampelrennen, aber im 3. Gang hat man zwischen 1000 und 6500 Touren ein ordentliches Drehzahlband, das man zum moderaten Beschleunigen oder Mitschwimmen nutzen kann - der Diesel hat zwar in der Mitte deutlich mehr Schub, er wehrt sich aber sowohl in 30er-Zonen als auch auf der AB im 6. Gang gegen niedertouriges Fahren - hier hab ich das Gefühl, der Benziner wäre souveräner. Auf meinen 30 Autobahn-Kilometern komme ich mit meinem Wagen jedenfalls meistens im 6. Gang durch, während in der Stadt meistens die 3/4. drin ist - mit dem Diesel musste ich oft zurück in die Zweite. Auf jeden Fall erfordert es eine gewisse Umstellung - der Benziner "geht" zwar nicht so gut, dafür ist es ihm herzlich egal, in welchem Drehzahlbereich man fährt - der Diesel hat ein begrenztes - aber zugegeben relativ breites - Leistungsfenster - nach ein paar hundert Kilometern hat man das aber wahrscheinlich verinnerlicht - mich hat die Herumflipperei zwischen 2/3/4. Gang in der Stadt anfangs etwas genervt.

Mit Messwerten kann ich das nicht belegen, subjektiv (und komischerweise?) geht meine "Schaltfaul"-Empfehlung an den Benziner... zumindest, solang man nicht allzuoft Zwischensprints einlegt. Ich hatte 2011 schon mal die Gelegenheit, die nächststärkeren Diesel in einem 118d Cabrio zu fahren, dort war der Motor allerdings deutlich souveräner.

Wo wir schon beim Thema "Schalten" sind - das Getriebe im Leihwagen schaltet sich tadellos, für mein Gefühl eine Spur leichtgängiger, dafür aber nicht so knackig und satt rastend wie in meinem 3er - vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass dieser ca. 60.000 km mehr am Tacho hat und demnächst die 100.000er-Marke knackt - möglicherweise hat der Diesel auch ein anderes Getriebe oder der M-Schalthebel in meinem Wagen macht den Unterschied aus...

Da ich mit meinem Eintrag an der Sonntagszeitungslänge kratze, möchte ich langsam zu einem Resümee kommen... der getestete 316d ist auch kein Rennwagen, mit etwas Übung und Gefühl aber sicher recht angenehm zu fahren, BMW hat mit dem nun auch schon wieder 3 Jahre zurückliegenden Facelift des mittlerweile ausgelaufenen E9x viel richtig gemacht, er fährt sich tadellos, einzig im Innenraum scheint man 1-2 Bedienfunktionen zurückgenommen zu haben.

Das herausstechende Merkmal des Wagens ist allerdings seine Sparsamkeit - schon mit meinem Benziner hab ich über die letzten 60.000 km einen recht ordentlichen Durchschnittsverbrauch von 7,42 Litern (+3% über der Normangabe geschafft), beim 316d ist mir das mit immer noch respektablen 5,1 l/100 km (statt 4,5 in der Norm) nicht geglückt - allerdings ist der 3er ja kein ganz kleines Auto mehr, wodurch man mit ca. 1200 km Reichweite durchaus zufrieden sein kann, zumal ich doch ca. 15% Prozent Stadtverkehr auf meiner Strecke hatte und die Start-Stopp-Automatik bei Temperaturen unter -5°C kein einziges Mal stoppen wollte... 🙂

Die Zweifel ob des spießigen Kombi-Hinterteils hielten sich auch in Grenzen - nachdem ich mich versichert hatte, dass auf der Rückbank keine Kindersitze verzurrt waren und keine Riesenpackung Pampers im Kofferraum zu finden war, ließ sich der Wagen wie jeder 3er bewegen - die Übersicht war dank der zusätzlichen Fenster vor der D-Säule sogar eine Spur besser... sollte es sich in den nächsten Jahren finanziell ausgehen und ich - wenn schon nicht mehr - zumindest besser nutzbaren Stauraum brauchen, ist ein 3er Touring durchaus ein Kandidat auf der Liste, aber im Herzen wäre das auch vor dieser kurzen Liason so gewesen... 🙂

FIN 😎


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