28.12.2012 14:08    |    BENZinblueter    |    Kommentare (45)    |   Stichworte: , , , , , , ,

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Hallo liebe Leserinnen und Leser,

In meinem Blog "Sternstunden" möchte ich Young-und Oldtimer der Marke Mercedes-Benz noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und Vorzüge, bzw. Nachteile der einzelnen Modelle weiter erläutern.

 

Mein erstes Thema möchte ich dem W123 240D widmen. Als Reiz diente der sauber erhaltene 240D meines Onkels, mit welchen ich am letzten Wochenende eine- lasst es uns "Probefahrt" nennen- machen durfte.

 

Allgemeines

Die Baureihe W123 wurde von November 75 bis Januar 1986 ca. 2,7 Millionen mal gebaut. Dabei unterscheidet man zwischen der Serie 0,5 (1975-1976), der ersten Serie (1976-1979), der zweiten Serie (1979-1982) und der dritten Serie (1983-1986).

 

Zu jeder Serie kamen gewisse Neuerungen, sodass sich die Serie 0,5 durch viele Details von der dritten Serie unterscheidet, wobei man die Dritte Serie gut an den rechteckigen Scheinwerfern erkennen kann, wo vorher nur zwei runde "Ochsaugen" verbaut wurden. Die Eckigen Scheinwerfer waren bis zu dritten Serie nur den Topmodellen, dem 300D und dem 280E, sowie den Coupés vorbehalten.

 

Den 123er konnte man in vier Karosserievarianten bestellen. Dazu gehört die Limousine, das T-Modell (Kombi), die Langversion, und das Coupé.

 

Zum 240D

Der 240D (OM 616) ist ein Vierzylinder Reihenmotor als Vorkammerdiesel mit 2.404 cm³ bzw. später mit 2,399 cm³. Er hatte erst 65, dann 72PS, wobei das Starten der 65PS Variante noch mittels Zugstarter geschehen muss. Außerdem hat der 240D ein maximales Drehmoment von 137Nm, die schon bei 2400 Umdrehungen anstehen. Der 240D wurde relativ häufig verbaut, aber er ist trotzdem, wie alle 123er, ein beliebtes Fahrzeug, was ihn heute selten macht. Der reelle Verbrauch liegt etwa bei 9L Diesel auf 100km.

Insgesamt wurde der OM616 oft eingesetzt: Im /8er und im 123er als 200D, 220D und 240D und in der G-Klasse als 240GD. Außerdem war der OM616 ein beliebter Motor für diverse Nutzfahrzeuge (Unimog, Gabelstapler, Kleintransporter).

 

 

Mein Eindruck

Die Fahrt mit dem 240D (Handgeschaltet, dritte Serie, Bj. 1983) gefiel mir sehr.

 

Schon beim Öffnen und Schließen der Tür fällt einem auf, dass man in einem knapp 30 Jahre alten Fahrzeug sitzt. Die Tür schließt sich sehr charakteristisch mit einem -"klack".

 

Sofort fühlt man sich zuhause. Die beigen Sessel fangen den Fahrer und seine Beifahrer weich auf, sodass eben das von mir so angepriesene "welcome home-flair" entsteht und alles wirkt, wie für die Ewigkeit gemacht. Man bekommt auch beim Anfassen der Schalter keine Angst, man könnte den Softlack abbröseln, so wie es bei unserem W204 der Fall ist :mad:

 

Die Fahrt sollte beginnen. Wer sonst nur W204 gewohnt ist, wird schon mal mit Vorglühen konfrontiert. Was beim W204 nebensächlich geschieht, muss beim 123er noch etwas Zeit kosten.

Als der 240D dann gestartet war, wurde mir sofort ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. Er ist zwar zwar das Gegenteil von den modernen und "zarmen" Dieseln, aber eben genau das macht ihn aus. Er nagelt ziemlich rau und auffällig, aber man bekommt die Illusion von Unzerstörbarkeit und Langlebigkeit in den Kopf gesetzt. Als es dann endlich losging konnte ich mich am sehr einzigartigen Fahrgefühl erfreuen. Man sieht eine komplette Motorhaube und vorne thront der Stern so stolz es nur geht.

 

Der 240D ist kein Beschleunigungswunder, aber er reicht aus, um im Verkehr mitzuschwimmen. Es ist komfortables Gleiten angesagt. Einige behaupten auch, dass knappe 160 auf dem Tacho auch mit dem 240D gut möglich sind. Daher soll keiner spotten, der 240D sei eine lahme Krücke. Schnell ist er zwar nicht, aber ausreichend. Die Wanderdünen sind eher der 200D und der 220D, aber was möchte man auch von einem etwa 30 Jahre alten (Saug-)Diesel verlangen?

 

Das nächste Aha-Gefühl bekam ich bei der Lenkung, denn auch diese ist in keinster Weise mit heutigen Fahrzeugen zu vergleichen, obwohl die Servolenkung den Wagen souverän durch die Landschaft steuert. Das Fahrzeug lässt sich indirekter lenken und es untersteuernder, als moderne Fahrzeuge. Das ist eben Effekt der "Evolution", die das Auto erfuhr.

Die Federung ist weich abgestimmt, was auch sehr gut zum 240D passt, denn dadurch wird der Charakter der komfortablen Oberklasselimousine unterstrichen.

 

Am Ende der Fahrt durfte ich einen Blick unter die Haube werfen. Sofort fällt diese Leere auf. Wenn ich beim W204 oben auf dem Motor eine Schaufel Sand werfen würde, würde unten nicht mehr viel auf dem Boden ankommen. Beim 123er war es eben genau anders. Man kann sogar die Pflasterung, auf der das Auto steht, gut erkennen. Nun fragt man sich, ob man heutzutage wirklich so viel "Schnick-Schnack" am Motor braucht, oder ob alles doch letztendlich nur Verschlimmbesserungen, oder überflüssige Technologien sind, denn auch der 240D fährt sich nicht schlecht und ist eben längst nicht so anfällig, wie heutige Motoren.

 

Schwachstellen

Auch ein eigentlich solides Fahrzeug hat seine Schwachstellen, denn das perfekte Auto wurde leider noch nicht erfunden ;)

Besonders die Fahrzeuge der ersten Serie und der Serie 0,5 sind leider vom Rost befallen, da diese fast nicht versiegelt wurden und keine Innenkotflügel vorhanden sind. Die dritte Serie ist zwar immernoch anfällig, aber man kann von einem versiegelten Fahrzeug sprechen.

Die typischen Roststellen sind eben die Wagenheberaufnahmen, und viele Teile der Karosserie, wie Türen, Radläufe und der Kotflügelübergang zur Frontschürze, um nur wenige Herde zu nennen.

 

Die störende Kugelumfanglenkung spielt auch eine Rolle beim W123, sowie die gerne streikende Zentralverriegelung.

 

Was ist aus heutiger Sicht zu sagen?

Der W123 und speziell der 240D ist ein sehr solides Fahrzeug. Wer den 123er erst einmal zurecht gemacht hat, der kann sich lange an ein Auto mit Charakter und solider Technik erfreuen. Der Mercedes hat ein, für mich, sehr ansprechendes Design und verkörpert die pure Eleganz.

Leider hat der W123 ein Problem mit der braunen Pest. Daher sind sehr gut erhaltene W123 auch für stolze Summen zu erhalten, denn das Fahrzeug ist ein beliebter Young-bzw. Oldtimer. Stolze Preise sind bei Sammlermodellen keine Seltenheit.

 

Einen einigermaßen guten W123 kann man schon für 5.000€ -6.000€ erstehen, nach oben sind für die Topmodelle alles offen, speziell der 300D Turbo, den es nur selten und nur beim T-Modell gab.

 

Alles in allem kann ich sagen, dass mir die Fahrt mit dem 240D sehr gefallen hat. Das Fahrzeug ist einfach ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst. Viele Faktoren, wie das Solide und die Eleganz tragen dazu bei, dass der 123er auch heute noch ein gern gesehener Mercedes mit einer großen Fangemeinde ist.

 

 

Ich hoffe, euch hat mein erster Blogartikel gefallen! Ich werde im Laufe der Zeit weitere Modellreihen, oder Motorisierungen in meinem Blog veröffentlichen. Wenn euch mein Artikel gefallen hat, ihr Wünsche, oder Anregungen habt, könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen, oder mir eine private Nachricht verfassen. Über Kommentare zum Fahrzeug freue ich mich natürlich auch sehr.

 

 

MfG

und einen guten Rutsch!


28.12.2012 14:20    |    MarioE200

gerade mit großem Interesse gelesen, da ich bis letztes Jahr August ebenfalls einen W123 fuhr.

 

Gut gemacht - weiter so.

 

Ergänzend zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass der 65 PS 240D mittels Zugstarter gestartet wird.

 

Gruß

Mario


28.12.2012 14:37    |    BENZinblueter

Danke für deinen Kommentar. Ich hab' das mal mit dem Zugstarter hinzugefügt :)


28.12.2012 15:19    |    el lucero orgulloso

Ein außerordentlich gelungener Einstieg ins Bloggen (werde dich nachher noch zu meinen Blogfavs hinzufügen), gefällt mir sehr gut, auch wenn mir mal gleich 2 Anmerkungen gestattet sein sollen:

 

Zitat:

Den 123er konnte man in drei Karosserievarianten bestellen. Dazu gehört die Limousine, die Langversion, und das Coupé.

Was ist mit dem Kombi/T-Modell?

 

Zitat:

Der 240D (Om 616) ist ein Vierzylinder Reihenmotor als Vorkammerdiesel mit 2.404 m³.

Falls damit der Hubraum des Motors gemeint sein sollte, wovon ich ausgehe, wundert es mich nicht, dass das Ding läuft wie die Pest, und auch eine mehr als imposante Geräuschkulisse liefert. :D

 

 

Ansonsten bin ich auch ein Fan des W123, verpasste es bisher allerdings leider, mal in einem mitzufahren oder gar selbst zu fahren.

Ich stelle es mir sehr schön vor, da er eben noch eine Stufe hinter dem W124 steht, welcher mich ja ohnehin schon begeistert.

 

Gerade die Diesel haben ihren Reiz, ihr Nageln, welches aus heutiger Sicht antik wirkt, aber zumindest mir immer ein Grinsen ins Gesicht zaubert, weil es für mich eine gewisse Unverwüstbarkeit symbolisiert und grenzenloses Vertrauen für den Motor hervorruft. Es ist eben dieses "Knallen" jeder Verbrennung, welches bei 0 Km anfängt, bei 100 000 Km unverändert ist, bei 250 000 Km gleich weiterklingt und bei über 600 000 Km immer noch stur weitertaktet. Einfach herrlich. :)

 

Leider werden 123er-Typen teuer. T-Modelle bekommt man kaum noch mehr, die Limo ist ganz klar am erschwinglichsten.

Vielleicht sollte man mal zuschlagen? ;)


28.12.2012 15:27    |    BENZinblueter

Danke ;)

Man möge mir meinen Fehler verzeihen, denn natürlich gehört das T-Modell auch dazu ... (Habs gleich geändert)

 

Den OM 616 240D gab es mit 2.404m³ (65PS) und 2399m³ (72PS).

Die Geräuschkulisse ist aber wirklich eine Klasse für sich- den muss man mal gehört, bzw. genossen haben ;):D

Und die Fahrt war ebenso ein Genuss, da einem das Auto- wie schon gesagt- einfach die Unverwüstlichkeit symbolisiert.


28.12.2012 15:35    |    el lucero orgulloso

Kein Problem, bist ja auch nur ein Mensch (hoffe ich doch). :p

 

Allerdings...

Zitat:

Den OM 616 240D gab es mit 2.404m³ (65PS) und 2399m³ (72PS).

...gab es beide Motoren nie und es wird sie auch nie geben... ;) Ganz sicher!


28.12.2012 15:41    |    BENZinblueter

stimmt! 2.404L wären schon heftig :D


28.12.2012 15:54    |    norske

Unaussprechlicher,

 

ich verstehe Deinen Einwand nicht.

Mercedes Benz 240D W123 (1976) OM616 mit 2.404 ccm und 64HP | 65PS | 48kW –> Klick! <–

und Mercedes Benz 240D W123 (1978) OM616 , mit 2.399 ccm und 71HP | 72 PS | 53kW –> Klick! <–

 

Grüsse

Norske

 

Edit: Autsch! Gerade erst gesehen – ich geh mir mal die Brille putzen.


28.12.2012 16:02    |    BENZinblueter

ich schon: In der ersten Fassung hatte ich da stehen, dass der 240D einen Hubraum von 2404 Cubicmetern hat. Das wär ein bisschen viel ;)


28.12.2012 16:18    |    el lucero orgulloso

Schon okay ihre beiden, jetzt ist es ja korrekt. :)

 

Eines muss ich allerdings noch loswerden: Wären vielleicht ein paar Bilder des 240D des Onkels drin? Würden mich interessieren.


28.12.2012 16:25    |    BENZinblueter

Ich hab' leider noch keine gemacht.. Schade am zweiten Weihnachtstag war er mit dem Wagen bei uns :( Da hätt' ich ihn mal fragen können.

Mal schauen, wann es sich ergibt.


28.12.2012 17:37    |    motzendorfer

Servus,

 

super Start für einen Blog... WEITER SO !!!

Bin mit W115 aufgewachsen, mein zweites (erstes war ein Audi 80) Auto in meinem Leben war dann bereits ein W123... 250er Vergaser!

 

Ich war von Kindesbeinen an schon Mercedes-verseucht, durfte als 12jähriger schon mit Papas '75er 230.4 Automatik (auf Feldwegen) herumfahren :D

 

Du hast jetzt wieder sentimentale Erinnerungen in mir geweckt... ich habe fast alle Motorisierungen in W115 und W123 gefahren - und ALLE hatten ihren Reiz - am meisten liebte ich jedoch die Zugstarter mit dem Vorglüh-Lochblech der ersten Serie... ggg (Rudolf-Diesel-Gedenkminute) *seufz*

 

So, jetzt höre ich wieder auf - sonst langweile ich euch noch...

 

LG und ein gutes neues Jahr,

Mani aus Wien


28.12.2012 17:39    |    el lucero orgulloso

Zitat:

So, jetzt höre ich wieder auf - sonst langweile ich euch noch...

Viel mehr warte ich schon lange sehnsüchtig auf den Moment, an dem du endlich deinen eigenen Blog aufmachst!! :)


28.12.2012 17:41    |    Spocky229

Wer Interesse hat an nem 1979er 200 D, kann sich ja mal melden. Fzg hat fast keinen Rost, 618 mimosengelb mit roter (selten) Innenausstattung, Servolenkung. Chromdeckel der wr in fzgfarbe, sr mit barockfelgen. Faehrt tadellos und tauglich.

 

Spocky229@aol.com


28.12.2012 17:43    |    motzendorfer

@ el lucero: ach geh... ggg

ich kann nicht schreiben - und wenn dann nur im Zwei-Finger-System, besser geht's halt nicht. Da bräuchte ich schon einen Ghostwriter... nach 31 Jahren und 63 Privatfahrzeugen, (die vielen, welche ich mit roter Nummer (Probefahrtkennzeichen) als Händler damals fuhr, nicht mitgerechnet) - auch vieler Firmenfahrzeuge (Bus, Transporter, LKW) - wäre das kein Blog, sondern eine mindestens 12-teilige Abenteuer-Roman-Serie - als dicke Bücher... :D

 

EDIT: ach ja, hänge mal ein Bild von einem meiner vielen W123 an:

220D, Bj. 77, Zugstarter. Extrem verrostet, 1989 mit 1 Jahr TÜV um 500.- Mark gekauft als Winterauto... ist aber brav gelaufen!



28.12.2012 18:21    |    Flykai

heute wirkt es Antik-als wir damals den ersten auf dem Hof hatten,der dann natürlich einen der /8 abgelöst hat- war es ein wunderwerk der Modernen Technik :-D


28.12.2012 19:11    |    schipplock

toll recherchiert und gut geschrieben. Der Blog wird aboniert.


28.12.2012 19:57    |    Kollegola

Sehr Schöner Bericht, gefällt mir.

Schön das die Benz Fans nicht austerben :D

Den 123er kenne ich noch sehr gut, da habe ich auch schon viel herumgeschraubt.

Eich echter Klassiker, und ich freu mich jedesmal, wenn ich noch Heute einen herumfahren sehe.


28.12.2012 20:07    |    BENZinblueter

Danke für die ganzen Abonenten und für eure Resonanz! Ich werde versuchen, weiterhin interessante Themen zu gestalten.

Und toll, dass auch ihr positive Erfahrungen mit dem W123, oder anderen Mercedes-Klassikern sammeln konntet.

Denn meiner Meinung nach sind es gerade diese Modelle, die Mercedes auszeichnen und die noch für was stehen. Jeder weiß, dass

ein 123er, oder der 115er für die Ewigkeit gemacht wurden, erst recht mit einem Diesel-Aggregat. Hat man sich einen schönen geangelt

und ihn versiegelt, kann man lange Spaß an einem voll alltagstauglichen Klassiker haben.

Klar macht so ein Fahrzeug auch mal Probleme, aber statistisch steht ein alter Daimler für Haltbarkeit. Und nicht nur das, denn die alten Mercedes'

eignen sich durch ihren Komfort auch prima für lange Strecken, es sind eben Oberklasselimos.


28.12.2012 20:15    |    Lewellyn

Ja, Vadderns 280TE von 1980 war schon was besonderes damals.

Einmal die Größe innen, der Anzug (185PS Kickdown, da ging was), dann das ABS, die Klimaanlage und dann 1983 das B-Netz Autotelefon. Das war was.

 

240D waren Bauern oder Taxifahrer. ;)


28.12.2012 20:22    |    norske

Zitat:

Original geschrieben von BENZinblueter

[…]

jeder weiß, dass ein 123er, oder der 115er für die Ewigkeit gemacht wurden

[…]

Das kann man so eigentlich nicht stehen lassen.

Sowohl die W114/W115 als auch die W123 waren Roster vor dem Herren. Durch die aufwendige und verschachtelte Karosserie sollte man zu einem eventuellen Kauf unbedingt einen Spezialisten mitnehmen oder sich wenigstens vorher eingehend über die reichlich vorhandenen Schwachpunkte informieren –> Klick! <– das kann vor sehr teuren Reparaturen schützen.

Die W123 Diesel sind nur mit H-Zulassung alltagstauglich, oder nur dort, wo es keine Umweltzonen gibt.

 

Grüsse

Norske


28.12.2012 20:25    |    BENZinblueter

Zitat:

.... Hat man sich einen schönen geangelt und ihn versiegelt, kann man lange Spaß an einem voll alltagstauglichen Klassiker haben....

Du siehst, dass ich auf den Rost hinaus wollte, daher die Einschränkung ;) Ein alter Mercedes der rostet ist leider keiner Seltenheit.

Und über Umweltzonen brauch' ich mir hier auf dem Lande keine Gedanken machen.

 

Und ein 280er als Kombi war natürlich damals, wie heute was! Der 6-Zylinder hat einen wahnsinns Sound und läuft auch für damalige Verhältnisse recht gut. Heutzutage ist so ein 280TE leider recht rar geworden- schade eigentlich


28.12.2012 20:38    |    VolkerIZ

Den 240TD hatte ein Freund von mir, mit 1,4 Millionen km. Der wievielte Motor drin war, weiß keiner mehr, nur daß mal einer kaputtgefroren war, und danach ein ganz schlechter gebrauchter reinkam. Er selber hat dann noch einen guten Motor eingebaut und ist bis zum Getriebeschaden (gleichzeitig mit Tüv-Ende) gefahren. Der Motor kam danach noch in einen Transporter, der Rest war aber auch sowas von am Ende: Bei den diversen schlecht reparierten Unfallschäden kam der Rost durch, die Innenausstattung war völlig versifft (aber nicht kaputt) und aufgrund des extremen km-Stands hatte er auch sonst einige Macken: Das Schiebedach hakte in der verzogenen Karosserie, irgendwann fiel mal eine Scheibe beim Runterkurbeln in die Tür und der Motor ging wegen der undichten ZV nur aus, wenn man das Lenkrad voll eingeschlagen hat und gleichzeitig den Knopf an der Beifahrertür mit einem Zimmermannshammer runtergehauen hat.

Aber beim Fahren merkte man davon nichts. Ich habe mir den Kombi öfter mal geliehen, wenn mein Freund schon zu breit zum Bierholen war oder er gerade an meinem Bus schraubte. Und das Geniale an den 123ern war, daß sie sich bis zum bitteren Ende immer solide und zuverlässig anfühlen. Auch noch nach 1,4Mill. km und kurz bevor das letzte heile Teil sich verabschiedet.

Bei vernünftiger Pflege (die dieser Mercedes leider nie bekommen hatte) und ein paar Unfällen weniger wäre bei dem km-Stand auch noch lange nicht Schluß gewesen.


28.12.2012 20:39    |    Goify

Norske, die Kaufberatung für den W124, der schon w123-Fahrer ist, liest sich noch viel schlimmer. Nach Kaufberatungen ist jedes Auto die letzte Gurke, so konnte ich es zumindest feststellen. Liegt wohl daran, dass in einem Satz gesagt wird, dass der betreffende Wagen äußerst robust sei und danach seitenweise Mängel aufgezählt werden.


28.12.2012 20:41    |    Polo I

Mein damaliger Vermieter hatte so einen, als Diesel. Er startete ihn 2 Stunden bevor er endlich los fuhr, die Geschwindigkeit war dabei gigantisch.... für die 50m vom Hof benötigte er mindestens 2 Minuten. :)

 

Ich kann nicht einmal sagen, ob die Karre heute immer noch zuverlässig vor sich hinnagelt.

 

Damals konnte ich mir nicht vorstellen jemals so alt zu werden, um an solch einem Diesel mich erfreuen zu können. ;)

 

......... heute bin ich so alt - und erfreue mich an einem Benz-Diesel... allerdings nicht ganz so alt :rolleyes:


28.12.2012 21:09    |    norske

Goify,

 

beim Mustang I oder T-Bird ist's ähnlich. Sind z.B. die Abläufe im Wasserkasten unter dem Windleitblech durch, dann wird's teuer.

Hier ist aber bei Interessenten bekannt bekannt, dass man dort entweder mit einem Endoskop oder einem Eimer Wasser prüft. Auch gilt hier der Grundsatz, lieber eine schlechtere Technik als eine schlechtere Karosserie zu kaufen.

Bei Mercedes, und hier ganz speziell bei W124 und W126, sorgt aber die Mythenbildung vom unzerstörbaren Auto durchaus dafür, das viele Interessenten ziemlich unbedarft an einen Kauf heran treten und sich u.U. dann wundern, wenn der TÜV zum Wiederbesuch einlädt, nachdem das Auto von vorne bis hinten durchgeschweißt wurde und dafür dann ein paar tausend Euro fällig werden.

 

Grüsse

Norske


28.12.2012 22:02    |    schipplock

Zitat:

Ein alter Mercedes der rostet ist leider keiner Seltenheit.

da muss ich korrigieren; Ein Mercedes, der rostet, ist leider keine Seltenheit.

 

Jeder Mercedes rostet. Es gab kein Modell ohne Rost; ausnahmslos.


28.12.2012 22:12    |    Kollegola

Das liegt daran, das Mercedes so lange läuft bis er rostet :D:D:D

Es gibt Hersteller, da fahrn mit diesem Baujahr keine mehr herum, oder nur noch äusserst selten.

Da sieht man wie Robust die Benze eignetlich sind, nicht mal der Rost kann sie Stoppen :D:D:D:D:D


28.12.2012 22:20    |    bronx.1965

@BENZinblueter:

 

Schön geschrieben, mehr davon;)

Zum 123er sei gesagt, da hat Norske absolut recht, es waren übelste Roster. Das schmälert deinen Beitrag nicht, du schreibst es ja selber. Jemand hat mir mal erzählt, es hätte am minderwertigen Recycling-Blech gelegen, welches man günstig seinerzeit aus der ehem. UdSSR bezog. Sozusagen die Rache am Klassenfeind:D Ob das haltbar ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Der Rest an dem Karren ist für mich haptisch und olfaktorisch ein Höhepunkt. Alleine das Geräusch der zufallenden Tür. Das vergisst man nicht. In meiner aktiven Schrauberzeit fuhr ich nach einem vergammelten Ponton einen ebenso vergammelten /8. Der war schon gut. Der 123er war besser, auch den nahm ich als Winterkarre. (seinerzeit für 1500,-DM mit Rest.Tüv) Es war ein 280, der ging ab, wie oben von Lewellyn bestens beschrieben. Damals waren das einfach alte Autos. :D

 

Jahre später erst bin ich der Faszination dieser Kisten erlegen. Beruflich längere Zeit im nahen Osten tätig, lernte ich die Langversion des 123er kennen. Als Massentaxi vor Flughäfen, vor Basaren in allen "Aggregatzuständen", von noch erkennbar bis "granuliert". Unfassbar, was diese Karren dort erdulden mussten! Die 10-Köpfige Großfamilie im Innenraum, Koffer und Säcke mit Datteln und anderem Zeug auf dem Dach. Turmhoch und überladen. Ähnliches meisterten dort nur noch Kleinbusse von Nissan, genau wie die Mercedes Langversion als "Bongo-Truck" bezeichnet.

 

Ich kenne kein ähnliches Automodell, welches so zur Legendenbildung für Daimler Benz beitrug.


28.12.2012 22:25    |    VolkerIZ

Mercedes hat seinen guten Ruf vielen Dingen zu verdanken, aber bestimmt nicht dem Rostschutz. Mercedes war fast immer vom Blech her nur Mittelmaß. Ausnahme waren vielleicht gerade die übelsten Jahrgänge überhaupt, die späten Strich-8er und die frühen 123er. Denn in der Zeit waren alle anderen so schlecht, daß ein Mercedes, der nach 7 Jahren Löcher hatte, schon zu den haltbarsten gehörte. Besser waren zu der Zeit nur Volvo und Porsche.


28.12.2012 22:26    |    christians

Es will hier zwar bestimmt keiner Lesen, aber mal meine Erfahrungen damit, vor über 20 Jahren:

Die Sitze sind das absolut rückenunfreundlichste, was ich jemals gesehen habe. Der dauerhaltbare und luftdurchlässige Federkern ist von seiner Kontur völlig am Körper vorbei geformt worden.

 

Der Motor ist mit 65PS im Geräusch für sein Baujahr erträglich, der mit 72 leider nicht.

Beste Eigenschaft gegenüber modernen Dieseln: Er wird schnell warm. Verbrauch von 9L/100km gilt nur für 123, im Transporter gerne auch 15. Durchzug ist mit 123NM, soviel hatte damals auch ein 1,6L Benziner, praktisch nie vorhanden, dafür kann man ihn recht hoch drehen, was dann aber auch den Verbrauch treibt. Ist aber eher ein Problem des Transporters, nicht der PKW.

 

Haltbarkeit ist auch nicht so üppig wie es immer behauptet wird. Damals hat es aber keinen gestört nach 200.000 km Kolben mit Übergröße einbauen zu lassen. Das ganze dreimal und schon hat man 600tkm mit einer Maschine. Man darf aber nicht ausser acht lassen, das damals alle Motoren für weniger Laufleistung gut waren als heute.


29.12.2012 01:21    |    dodo32

W123? Ein toller Wagen! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen... :cool:


29.12.2012 08:34    |    wwdent

Das erinnert mich ein wenig an meine Studentenzeit, als ich Dank Oma einen agavengrünen 300TD (Bj. weiß ich nicht mehr) für damals stolze DM 9.500 erwarb. Er hatte seinerzeit 190.000 km drauf und ich verkaufte ihn Jahre später mit 310.000 km an einen Türken für immerhin noch DM 6.000.

 

Ich habe gar keinen Zweifel, daß das Auto noch etliche Male vollbepackt und problemlos Richtung Bosporus schipperte. In keinem Auto danach hatte ich dieses Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit, in jedem Fall anzukommen, egal ob draußen brütende Hitze oder Schneesturm herrschte. Und ja, er war ein Roster: Vor allem die Heckklappe erfuhr regelmäßig liebevoll-künstlerische Behandlungen mit diversen Prestolitprodukten.

 

Persönlich sehe ich den W123 als Zwitter zwischen Young- und Oldtimer. Nicht so antik wie ein 115er, aber viel altmodischer als ein 124er, dem momentan meine Liebe gilt und der meiner Meinung nach in Sachen Geborgenheitsvermittlung dem 123er fast das Wasser reicht, aber viel problemloser ist.


29.12.2012 09:22    |    Moritz2004

meinem alten 240TD weine ich heute noch ein wenig nach. Ich habe ihn nur wegen Rost an einen Algerier für 1.000DM verkauft. Dort fährt der sicher immer noch. Als ich meinen Krümel übergab hatte er 1.750.000km mit dem ersten Motor und dem ersten AUTOMATIKgetriebe abgespult. Das schafft heute vermutlich kein Auto mehr.

 

Ausser regelmässig Flüssigkeiten, Bremsen und Reifen wechseln, habe ich fast nichts reparieren müssen. Ein paar Kleinigkeiten, aber nichts gravierendes. In den fünf Jahren in denen ich den Krümel fuhr (ca.300.000km pro Jahr), musste ich nicht mal den Auspuff wechseln.

 

Nachfolger wurde dann ein 300TD, der aber nur Probleme machte und nach einem Unfall im Winter kaufte ich den ersten 124er. In meinem ganzen Leben hatte kein Auto mit solchen Schwierigkeiten. Nach einem Jahr und rund 13.000DM Reparaturen, hatte ich die Nase voll und erwarb das Auto, das von der Zuverlässigkeit, Verarbeitung und Komfort dem alten 240er beinahe ebenbürtig war, einen Toyota Landcruiser HDJ 80.


29.12.2012 10:51    |    skthomas

Wer in der heutigen Zeit mit einem mitfahren moechte,

 

auf Tenerife machen viele ihre Art noch den Job als TAXI

 

Saludos



29.12.2012 10:59    |    schipplock

was bedeutet das "SP"-Schild unter dem Nummernschild denn?


29.12.2012 11:35    |    skthomas

Busse und Taxis die Personen von A nach B bringen,

 

haben auch das SP ( servicio publico ) am Kennzeichen.

 

Gute Frage, muesste ich mich mal genauer schlau machen !!!

 

Saludo


29.12.2012 12:00    |    schipplock

ah danke fuer die Info; das "wieso" ist ja gar nicht so wichtig :).


29.12.2012 15:40    |    Fordlover1975

Das alte Mädel ist noch eine auf die man sich verlassen kann, Onkel hatte

240 D , Bekannte von Eltern hatten 240D, leider zu hohe Steuern und Versicherung, wäre sonst vielleicht mein erstes Auto geworden.


29.12.2012 21:36    |    TazaTDI

Schöner Blog, der mir Spass bereitet hat ihn zu lesen :)

 

Ich finde den W123 immer noch ein tolles Auto. In meiner Kindheit sass ich oft drin und das Highlight war für mich immer vorne zu sitzen und dann diesen Stern vor sich auf der Haube zu sehen, der mich immer an ein Fadenkreuz erinnerte.

 

In Marokko fahren heute noch Unmengen an W123 rum. Die meisten werden immer noch als Nutzfahrzeuge und Taxen genutzt und das zu unglaublichen Arbeitsbedingungen.

 

Die meisten werden als Überlandtaxen genutzt und das heisst, dass dort jede Fahrt immer mit 7 Personen ist. Fahrer plus 2 Personen auf dem Beifahrersitz und 4 Personen hinten.

 

Es wird immer Vollgas gefahren, überholt wo es auch nur annäherend möglich ist und das jeden Tag den ganzen Tag.

 

Es mag sein, dass der Wagen rostete und auch so manch anderes Problem hatte, aber ich kenne kaum ei Auto das so belastbar und trotzdem dankbar ist wie der W123.

 

Hier mal ein Bilder aus dem Sommer auf nem Taxistand einer Kleinstadt.

 

schönen Gruss

TazaTDI



Deine Antwort auf "W123, 240D - Ein treuer Weggefährte"

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