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Mercedes E-Klasse S212 400 T 4MATIC Test

04.06.2020 19:37    |   Bericht erstellt von pippo678

Testfahrzeug Mercedes E-Klasse S212 400 T 4MATIC
Leistung 333 PS / 245 Kw
Hubraum 3498
HSN 1313
TSN EJB
Aufbauart Kombi
Kilometerstand 108000 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 11/2015
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von pippo678 4.5 von 5
weitere Tests zu Mercedes E-Klasse S212 anzeigen Gesamtwertung Mercedes E-Klasse S212 (2009 - 2016) 4.0 von 5
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Einleitung

Seit Anfang März 2019 in unserem Haushalt. Nur wenige Kilometer in der Stadt und wenn, dann aussschließlich zum Transport großer Gegenstände. In erster Linie als Reisefahrzeug auf langen Strecken durch D, A, CH, F und I und für (Urlaubs-)Fahrten in die Berge, Sommer wie Winter. Die Jahresfahrleistung ist mittlerweile stark gesunken, ich fahre vielleicht noch 8.000 km im Jahr. In der Stadt und auf kurzen Strecken wird der Wagen weiterhin überhaupt nicht genutzt, in der Regel 100 Km und darüber.

 

Weiter unten sind bei 'Unterhalt' Kosten für die Bremsanlage aufgeführt. Diese hatte ich bereits nach der ersten Probefahrt bemängelt, damals hieß es allerdings: Hauptuntersuchung ohne Mängel bestanden. Weitere Mängelmeldung nach der ersten Urlaubsreise, zwei Wochen nach Fahrzeugkauf. Diagnose auf dem Bremsenprüfstand: keine Mängel. Zum ersten Service sieben Monate und knapp 6.000 KM nach dem Fahrzeugkauf dann die (für mich überhaupt nicht überraschende) Diagnose: vordere Scheiben und Beläge kurz vor der Verschleissgrenze und die hinteren Beläge noch gut für ca. 4000 KM. Das Autohaus hat sich kulant gezeigt und hat die Hälfte der Kosten übernommen. Bei der Sportbremsanlage mit den gelochten Scheiben ist das nicht gerade wenig.

 

Im Dezember 2022 hat der Innenraumlüfter seinen Dienst quittiert, gerade in der kalten Jahreszeit. Den Lüfter kann man selber wechseln, dauert vielleicht 15 Minuten, ist aber etwas fummelig, weil man im Beifahrerfussraum auf dem Rücken liegend arbeiten muss. Vor einer Woche ist die Verlustsicherung vom Tankverschluss gerissen (aus Gummi). Auch irgendwie peinlich für ein Premiumfahrzeug.

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Karosserie

4.5 von 5

Gekauft wurde das Fahrzeug in erster Linie als komfortables Reise- und Familienauto, in zweiter Linie als Lastenträger. Klar, die Motorleistung hat auch eine Rolle gespielt, aber dazu weiter unten mehr. Was das Ladevolumen angeht, ist/war die Kombivariante der Baureihe 212 nur schwer zu übertreffen. Mittlerweile hat Skoda mit dem Superb III ein fast identisches Ladevolumen nachgeliefert, aber beim Superb gibt es keinen ebenen Ladeboden bei umgeklappten Rücksitzen (war mir wichtig, weil ich doch immer mal wieder größere Gegenstände zu transportieren habe). Leider ist sonderaustattungsbedingt die mögliche Zuladung im Verhältnis zur Fahrzeugmasse eher mau (knapp 500 kg bei meinem Kombi). Voll beladen darf es das Fahrzeug auf knapp 2,5 Tonnen bringen (leer fahrbereit knapp 2 Tonnen).

 

Ich bin berufsbedingt ein paar Jahre mit Einsatzfahrzeugen im Rettungsdienst unterwegs gewesen, die wesentlich größer waren, Rangieren und Einparken sind für mich eine leichte Übung.

Allerdings kann bei einer Fahrzeuglänge von über 4,90 m die 360° Kamera beim Einparken für den einen oder anderen hilfreich sein.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Platzangebot und Ladekapazität
  • + Staumöglichkeiten und Ladungssicherung
  • - Für den reinen Stadtbetrieb wahrscheinlich zu groß; aber dafür wurde der Wagen auch nicht konzipiert
  • - Maximale Zuladung im Verhältnis zum Leergewicht könnte höher sein.

Antrieb

5.0 von 5

Meine Ansicht war immer: mehr als 200 PS braucht niemand. Nach der ersten Probefahrt: 333 PS braucht auch niemand, fährt sich aber seeeehr gut!

Leider sind kurz nach dem Kauf während der ersten großen Fahrt die NOx-Sensoren ausgefallen. Das Problem wurde behoben und im Anschluss konnte ich den Wagen auch auf seine Wirtschaftlichkeit hin testen. Natürlich fährt man nicht immer bei idealen Bedingungen und manchmal muss es eben etwas zügiger vorangehen. Auch sind Fahrweisen unterschiedlich und nicht alles lässt sich vergleichen, aber ich finde, dass man bei einem allradgetriebenen Kombi, der im Winter auf 245/45/17 Reifen daherrollt und beladen über 2 Tonnen wiegt, in Anbetracht von einem Verbrauch zwischen 7.5 - 8 l/100 km durchaus von einem effizienten Antrieb sprechen kann. Auf der Rückreise aus einem Skiurlaub in den frankzösischen Alpen waren es laut Anzeige sensationelle 7.2 l/100 km! Bei gleichmäßiger Fahrweise und einer mehr oder weniger konstanten Geschwindigkeit von ~130 km/h sind Reichweiten von über 900 Kilometern (Tankvolumen: 80 Liter) kein Problem. Für einen Benziner dieser Leistungs- und Gewichtsklasse wahrlich beachtlich. Klar, wenn die 333 PS laufen müssen, dann bekommen sie Durst. Die 19-Zoll Mischbereifung im Sommer verlangt nach einem knappen Liter mehr auf 100 km, das hätte ich nicht erwartet. Motor und 4Matic haben auch bei voller Zuladung kein Problem mit dem Gewicht und Überholvorgänge laufen sehr zügig ab. Einzig das Getriebe bekommt von mir keine volle Punktzahl: trotz bereits erfolgter Adaption durch die Werkstatt macht sich noch immer ein leichtes Rucken beim Wechsel vom 2. in den 3. Gang und auch zurück bemerkbar, unabhängig davon, ob das Getriebe nun kalt oder warm ist.

Galerie
Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Der Motor: wow!
  • + In Anbetracht von Gewicht und Leistung sehr effizient
  • - Muss eigentlich nicht erwähnt werden: wenn 333 PS abgerufen werden, wird der Motor durstig

Fahrdynamik

4.5 von 5

Um gleich mal eine Sache ins rechte Licht zu rücken: ein 400er im AMG-Gewand macht zwar optisch einiges her, er wird dadurch aber nicht zum Sportwagen. Wie auch, der Kombi ist lang und schwer. Die 333 PS (laut Papier, die Leistung streut aber wohl um bis zu 10% nach oben!) machen sich auf Abruf mitunter vehement bemerkbar (auch beim Durst...), aber im (Reise-)Alltag fährt sich der Wagen absolut zivil. Die AirMatic (Luftfahrwerk) verrichtet ihre Aufgabe bislang ordentlich, in der Regel nutze ich die Einstellung 'Comfort'. Sobald die gefahrene Geschwindigkeit 120 km/h übersteigt, senken die Luftdämpfer das Fahrzeug um 1.5 Zentimeter ab und der Wagen liegt straffer auf der Fahrbahn. Sofern man es auf der Landstraße etwas zügiger angehen lassen möchte, empfiehlt sich tatsächlich die Fahrwerkseinstellung 'Sport'. Der Wagen liegt dann merkbar straffer (aber auch unkomfortabler). A propos Komfort: im Sommer rollt der Kombi auf AMG 19-Zöllern mit Mischbereifung. Da ist mir die Sporteinstellung schon fast zu hart. Für die Kurvenhatz könnte für meinen Geschmack die Lenkung deutlich direkter sein. Es ist halt kein Sportwagen, sondern ein Kombi mit ordentlichen Leistungswerten und seine Aufgabe (unter meiner Führung) ist das Reisen. Wenn es sein muss auch mal etwas zügiger...

Der Wendekreis fällt für die Größe des Fahrzeugs erfreulich klein aus. Das automatische '7G-Tronic Plus'-Getriebe arbeitet gut mit dem Motor zusammen (das Schaltrucken zwischen den Gängen 2 und 3 hatte ich weiter oben bereits erwähnt). An dieser Stelle nochmal 'Achtung!': ich bin in der Regel gemäßigt unterwegs, meine Eindrücke müssen sich nicht unbedingt mit denen anderer Fahrzeughalter decken.

Galerie
Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Für die Größe und das Gewicht doch recht dynamisch.
  • - Lenkung könnte direkter sein

Komfort

4.5 von 5

Ich freue mich tatsächlich jedes Mal auf lange Fahrten mit diesem Fahrzeug. Zur Vollausstattung fehlen zwar noch ein paar Optionen wie zum Beispiel das B&O Soundsystem oder die beheizbare Scheibenwaschanlage (weiß der Henker, weshalb der erste Fahrzeughalter bei dieser aus meiner Sicht wirklich sinnvollen Option keinen Haken gesetzt hat; und das bei einem Endpreis nach Konfiguration von knapp 100.000,- €, die 202,- € brutto können den Kohl ja wohl nicht mehr fett gemacht haben...), durch das Gesamtpaket gestaltet sich das Reisen aber sehr komfortabel. 800 Kilometer am Stück, kein Problem, ich halte nur an, wenn ich mal auf die Toilette muss (geht natürlich nur, wenn ich alleine unterwegs bin). Im Innenraum finde ich für die Sommermonate die Sitzbelüftung besonders angenehm. Über diese Oprion wird auch häufig geschimpft, für mich unverständlich, ich möchte diese Funktion nicht mehr missen. Das AirMatic-Fahrwerk ist eine feine Sache, gerade auf langen Strecken. Ich hoffe nur, dass dieses Fahrwerk nicht irgendwann zur Baustelle wird.

Überrascht war ich am Anfang von der Geräuschkulisse, zuerst hatte ich die Abgasanlage in Verdacht. Ich habe dann herausgefunden, dass es an der Sägezahnbildung der Winterreifen liegt. Das ist mir das bei dem Vorgänger, meinem alten C-Kombi, nicht so aufgefallen. Gut, die Reifen waren im direkten Vergleich auch jeweils 40 mm schmaler. Und mittlerweile merke ich es auch beim S212 nicht mehr.

Galerie
Testkriterien
Federung (einstellbar): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Die Ausstattung des Fahrzeugs bietet einen ordentlichen Komfort
  • - Die Geräuschkulisse: ein Brummen aus dem Heckbereich bei Geschwindikeiten oberhalb 130 km/h

Emotion

5.0 von 5

Eigentlich braucht auch kein Mensch ein Avantgarde Sport-Paket AMG mit Night-Paket. Warum also habe ich mich für so eine Ausführung entschieden? Weil der Wagen so halt doch gefällt (Achtung: Geschmackssache!). Das Design des Facelifts finde ich gelungen, die Frontpartie trägt bereits die Elemente der Baureihe 213 und im Heckbereich ist (zum Glück) dieser altbackene Ponton-Hüftschwung entfallen (Achtung auch hier: Geschmackssache!).

 

Ich bin vor Kurzem von zwei Jungen Männern angesprochen worden (sicher 20 Jahre jünger als ich), die mir vorgeschwärmt haben, wie toll und gelungen sie den Heckbereich, aber auch das gesamte Erscheinungsbild finden. Gerade bei den jüngeren (Herren) scheint die Baureihe 212 ein gutes Bild abzugeben, die Formensprache kann also so falsch nicht sein und ich wage auch hier das Design als 'zeitlos' zu bezeichnen. Klar, das AMG-Sport-Night-Gedöns macht natürlich auch was her. Wer es gerne dezenter möchte: auf Avantgarde und AMG verzichten.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Avantgarde Sport-Paket AMG in Verbindung mit Night Paket :)
  • - Für den Möbeltransport eigentlich zu schade...

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 200-300 Euro
Verbrauch auf 100 km 9,0-9,5 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 300-500 Euro
Gebrauchtwagengarantie 24 Monate
Werkstattkosten pro Jahr bis 200 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 80639
Haftpflicht 200-300 Euro (30%)
Vollkasko 200-400 Euro 30%
Außerplanmäßige Reparaturkosten Sonstiges - Bremsscheiben und -beläge vorne & Beläge hinten (600 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wer einen dynamischen, geräumigen und absolut langstreckentauglichen Familienkombi sucht, der wird mit dem T-Modell der Baureihe 212 sehr gut bedient. Darüber hinaus lässt sich der Sechszylinder BiTurbo-Benziner auch noch im Hinblick auf den Verbrauch effizient bewegen und zu humanen Preisen versichern.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wer einen reinrassigen Sportwagen oder aber ein Spritsparwunder fahren möchte: anderes Fahrzeug suchen. Täglich durch die Stadt fahren und vor allem einen Parkplatz suchen zu müssen möchte ich mit diesem Auto auch nicht. Zum einen wäre er mir dafür zu schade und zum anderen gibt es für solche Zwecke ganz bestimmt geeignetere Fahrzeuge.

 

Und dann wäre da noch: der Unterhalt in der Werkstatt. Das sollte aber keine Überraschung sein. In meinem Fall bin ich bislang von kostspieligen Reparaturen verschont geblieben, was aber in erster Linie an der Junge-Sterne-Garantie liegt. Die musste ich schon kurz nach dem Fahrzeugkauf in Anspruch nehmen: NOx-Sensoren defekt, Starterbatterie schwach (Gewährleistung), neue Getriebeadaption.

 

Die erwähnten Mängel müssen aber auch nicht zwangsläufig auftreten, war in meinem Fall einfach blöder Zufall. Ein Grund mehr direkt beim Vertragshändler zu kaufen.

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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