W203 mit Avantgardefelgen des W204
Guten Abend,
fährt zufällig von euch jemand die W204 Avantgardefelgen auf seinem W203? Die ET ist größer als bei den für den W203 freigegebenen Felgen. Somit sollten die Felgen mit Distanzplatten ohne Probleme gefahren werden können, richtig?
Hier besagt Felgen: EBAY
Gruß
Chris
Beste Antwort im Thema
Hallo Chris,
tut mir leid, dass es länger gedauert hat als ich dachte, aber nun geht's los.
Die von Dir gewünschte Umrüstung ist möglich, erfordert aber eine Änderungsabnahme nach §§ 21 und 19(2) StVZO durch einen KFZ-Sachverständigen (aaS oder aaSmT, nicht Prüfer) bei einer Prüfstelle von TÜV (alte Länder) oder DEKRA (neue Länder). Danach muss die Zulassungsstelle noch die Fahrzeugpapiere berichtigen.
Über die Anforderungen für eine erfolgreiche Abnahme habe ich viel gelernt, meine Ausführungen dazu schreibe ich hier nach bestem Wissen und Gewissen. Sie ersetzen nicht das von mir in solchen Fällen immer empfohlene Vorgespräch mit dem abnehmenden KFZ-Sachverständigen, aber können helfen, auf technischer Ebene mit ihm zu sprechen.
Das Rad ist ein 7½Jx17 H2 ET47, Teilenummer A 204 401 0402. Es ist in der EG-Betriebserlaubnis für den Typ 204 enthalten. Für den Typ 203 ist es nicht freigegeben und ist deshalb darauf als Sonderrad anzusehen, dessen Eignung nachgewiesen werden muss.
Da es sich um ein Serienrad für den Typ 204 handelt, bleiben dadurch etliche Nachweise erspart (bestimmte Festigkeiten, Korrosionsverhalten, normgerechte Maße, Qualitätssicherung in der Fertigung,...).
Maximale Traglast des Rades
Man kann versuchen, sich von der Daimler AG eine Bescheinigung dazu zu besorgen. Es kann aber auch schon ein indirekter Nachweis ausreichen. Dazu sucht man sich ein 204-Modell mit der höchsten maximalen Achslast aus, für die das Rad freigegeben ist. Ich finde dazu beispielsweise bis zu 1165 kg Achslast bei einem Typ 204 C350 CDI T-Modell. Ich kenne zwar nicht das Modell vom Typ 203, auf dem die Räder montiert werden sollen, aber höhere Achslasten erwarte ich nicht. Trotzdem: Lieber noch einmal prüfen.
[Rad/Reifen-Kombinationen Typ 204 T-Modell]
Maximaler Abrollumfang der Reifen
Er ist im Zusammenhang mit der Traglast des Rades wichtig. In der Regel sinkt sie mit steigendem Abrollumfang. Hier ist das kein Problem, denn die Typen 203 und 204 spielen in der gleichen Liga. Reifen 225/45 R 17 sind auf beiden werkseitig vorgesehen.
[Rad/Reifen-Kombinationen Typ 203 Limousine]
[Rad/Reifen-Kombinationen Typ 203 T-Modell]
Distanzscheiben
Daran geht kein Weg vorbei, da die Einpresstiefen beim Typ 204 deutlich höher sind als beim Typ 203 (>10 mm). Wenn man sie ohnehin braucht, kann man natürlich auch gleich etwas mehr versuchen, um damit ein ansprechendes, breiter wirkendes Erscheinungsbild zu erreichen. Ich habe mir dazu die Teilegutachten der Distanzscheiben von SCC und H&R angesehen, um herauszufinden, was ohne Karosseriearbeiten oder andere Anpassungen möglich ist (aber ohne Tauglichkeit für Schneeketten). Das Bild aus der Betrachtung beider Gutachten (SCC: TÜV Österreich vs. H&R: TÜV Rheinland) ist nicht einheitlich, besonders für die Achse 1, bei der es Probleme mit der Freigängigkeit bei maximalem Lenkeinschlag geben kann. Als konservative Schätzung finde ich die Gesamt-ETs 24 für Achse 1 und 16 für Achse 2. Bei dem Rad vom Typ 204 mit ET47 entspräche dies Scheiben mit Stärke 23 mm vorne und 31 mm hinten. Ein paar wenige Millimeter mehr können möglich sein, aber da bewegt man sich in der Zone, wo Fertigungstoleranzen des Fahrzeugs und der Ermessensspielraum des KFZ-Sachverständigen entscheiden. Zu besseren Ergebnissen würde ich nur kommen können, wenn ich das betreffende Fahrzeug selbst besichtigen und vermessen würde.
Bei Scheibenstärken ab 20 mm kann man vorteilhaft eine Ausführungsform wählen, die mit eigenen Schrauben am Radträger befestigt werden, anstelle von längeren Radschrauben bei so genannten Durchsteckscheiben.
Übrigens liegt bei der Gesamt-ET 15 beim Typ 203 die 2%-Grenze für die Unbedenklichkeit von Spurverbreiterungen. Geht man unter ET15, ist die ausreichende Festigkeit des Fahrwerks nachzuweisen, was durch Teilegutachten von Distanzscheiben aber oft erfüllt wird.
Bei Spurverbreiterungen steigt auch die Belastung der Radlager und damit deren Verschleiß. Bleibt man innerhalb der 2%-Grenze, sehe ich aber kein großes Problem damit.
Radanschluss
Das ist kein Problem, es passt. Typ 203 und Typ 204 haben beide 5/112/66,6.
Befestigungsmittel
Man verzeihe mir diesen Fachausdruck, mit dem die Radschrauben gemeint sind. Wie schon geschrieben wurde, sind Schrauben mit Sondermaßen erforderlich. Auf einem Typ 204 werden Schrauben M14x1,5 mit Schaftlänge 27 und Kugelbund Ø28 (R14) verwendet, beim Typ 203 dagegen M12x1,5 mit Schaftlänge 38 und Kugelbund Ø24 (R12).
M12x1,5 lässt sich nicht ändern, das ist durch die Radträger am Fahrzeug vorgegeben.
Der größere Durchmesser der Schraubenlöcher im Rad wird wohl kein Problem darstellen, denn das ist bei Sonderrädern vom Zubehörmarkt ganz üblich. Wichtiger ist, dass die Kontur des Schraubenbunds zur der ihrer Anlagefläche im Rad passt. Somit braucht man Sonderschrauben M12x1,5 mit Kugelbund Ø28. (Bezugsquellen wurden ja schon erwähnt).
Bliebe noch die Schaftlänge. Anhand von Teilegutachten von Rädern, die für beide Fahrzeugtypen zugelassen sind (z.B. Alutec B), sieht man, dass sie bei ein und demselben Rad beim Typ 203 gegenüber dem Typ 204 um 3 mm kürzer sein sollte. Das ergibt dann M12x1,5 mit Kugelbund Ø28 und Schaftlänge 24. Etwas mehr darf es auch sein, aber nur soviel, dass die Freigängigkeit zur Feststellbremse noch ausreicht.
Bei der Verwendung von Durchsteckscheiben ist die Schaftlänge um deren Stärke zu erhöhen.
Mindestens erforderlich ist eine tragende Länge von 80% des Schraubendurchmessers. Bei M12 sind das 9,6 mm, entsprechend ca. 6,5 Umdrehungen, bis die Schraube "sitzt".
Ich hoffe, ich konnte Dir hiermit weiterhelfen.
Falls Du weitere Fragen zum Thema haben solltest: melde Dich einfach.
Gruß
Alpha Lyrae
21 Antworten
Und die M12 Schrauben gibt`s bei RAD GmbH oder bei SCC.
Sind aber meist auch kein Schnäppchen, besonders wenn`s dann noch relativ lange sein müssen wegen Spurplatten.
Zahlste meist knapp über 100€ für 20Stk....
Naja..das das nicht unbedingt günstig ist, steht mittlerweile völlig außer Frage. Aber ich habe bereits ein Bild vor meinem inneren Auge was mir äußerst zusagt! 🙂 Und es ist teil einer Individualisierung :P Der Sinn und Zweck davon ist dahingestellt und bleibt jedem selbst überlassen...:P
Gruß
Chris
Wenn die Felgen schön wären würde ich es ja verstehen aber irgendwie sehen die nicht besonders aus wäre was anderes z.B. mit den CLS Felgen die öfters gefragt werden aber die nee da rentiert sich so ein Aufwand nicht finde ich.
Aber Geschmack ist jedem seins.
Naja mir ist der Kompromiss aus Alltagstauglichkeit und Optik wichtig. Mir persönlich gefallen diese Felgen sehr gut, aber in der Größe 17 Zoll kann ich wenigstens noch mit Restkomfort rechnen. Genial finde ich auch die 19 Zoll 5-Arm-Felge vom 218er CLS, jedoch ist mir das für einen 203er zu groß 😉
Aber wie du schon sagst, Geschmack liegt immer im Auge des Betrachters :P
Gruß
Chris
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@ Alpha Lyrae,
gib doch mal bitte ein Lebenszeichen von dir, damit ich weiß das du mich noch nicht verdrängt hast! 😁 🙂
PS: Dachreling hab ich schon so klären können. Alle Sondereinsatzfahrzeuge (Feuerwehr, Notarzt und Polizei) fahren ohne Dachreling (Damit die Signalanlage passt) rum. Somit gibt es für besagte Fahrzeuge einen Bausatz zum entfernen der Dachreling und abdichten der dadurch vorhanden Löcher 🙂
Hallo Chris,
tut mir leid, dass es länger gedauert hat als ich dachte, aber nun geht's los.
Die von Dir gewünschte Umrüstung ist möglich, erfordert aber eine Änderungsabnahme nach §§ 21 und 19(2) StVZO durch einen KFZ-Sachverständigen (aaS oder aaSmT, nicht Prüfer) bei einer Prüfstelle von TÜV (alte Länder) oder DEKRA (neue Länder). Danach muss die Zulassungsstelle noch die Fahrzeugpapiere berichtigen.
Über die Anforderungen für eine erfolgreiche Abnahme habe ich viel gelernt, meine Ausführungen dazu schreibe ich hier nach bestem Wissen und Gewissen. Sie ersetzen nicht das von mir in solchen Fällen immer empfohlene Vorgespräch mit dem abnehmenden KFZ-Sachverständigen, aber können helfen, auf technischer Ebene mit ihm zu sprechen.
Das Rad ist ein 7½Jx17 H2 ET47, Teilenummer A 204 401 0402. Es ist in der EG-Betriebserlaubnis für den Typ 204 enthalten. Für den Typ 203 ist es nicht freigegeben und ist deshalb darauf als Sonderrad anzusehen, dessen Eignung nachgewiesen werden muss.
Da es sich um ein Serienrad für den Typ 204 handelt, bleiben dadurch etliche Nachweise erspart (bestimmte Festigkeiten, Korrosionsverhalten, normgerechte Maße, Qualitätssicherung in der Fertigung,...).
Maximale Traglast des Rades
Man kann versuchen, sich von der Daimler AG eine Bescheinigung dazu zu besorgen. Es kann aber auch schon ein indirekter Nachweis ausreichen. Dazu sucht man sich ein 204-Modell mit der höchsten maximalen Achslast aus, für die das Rad freigegeben ist. Ich finde dazu beispielsweise bis zu 1165 kg Achslast bei einem Typ 204 C350 CDI T-Modell. Ich kenne zwar nicht das Modell vom Typ 203, auf dem die Räder montiert werden sollen, aber höhere Achslasten erwarte ich nicht. Trotzdem: Lieber noch einmal prüfen.
[Rad/Reifen-Kombinationen Typ 204 T-Modell]
Maximaler Abrollumfang der Reifen
Er ist im Zusammenhang mit der Traglast des Rades wichtig. In der Regel sinkt sie mit steigendem Abrollumfang. Hier ist das kein Problem, denn die Typen 203 und 204 spielen in der gleichen Liga. Reifen 225/45 R 17 sind auf beiden werkseitig vorgesehen.
[Rad/Reifen-Kombinationen Typ 203 Limousine]
[Rad/Reifen-Kombinationen Typ 203 T-Modell]
Distanzscheiben
Daran geht kein Weg vorbei, da die Einpresstiefen beim Typ 204 deutlich höher sind als beim Typ 203 (>10 mm). Wenn man sie ohnehin braucht, kann man natürlich auch gleich etwas mehr versuchen, um damit ein ansprechendes, breiter wirkendes Erscheinungsbild zu erreichen. Ich habe mir dazu die Teilegutachten der Distanzscheiben von SCC und H&R angesehen, um herauszufinden, was ohne Karosseriearbeiten oder andere Anpassungen möglich ist (aber ohne Tauglichkeit für Schneeketten). Das Bild aus der Betrachtung beider Gutachten (SCC: TÜV Österreich vs. H&R: TÜV Rheinland) ist nicht einheitlich, besonders für die Achse 1, bei der es Probleme mit der Freigängigkeit bei maximalem Lenkeinschlag geben kann. Als konservative Schätzung finde ich die Gesamt-ETs 24 für Achse 1 und 16 für Achse 2. Bei dem Rad vom Typ 204 mit ET47 entspräche dies Scheiben mit Stärke 23 mm vorne und 31 mm hinten. Ein paar wenige Millimeter mehr können möglich sein, aber da bewegt man sich in der Zone, wo Fertigungstoleranzen des Fahrzeugs und der Ermessensspielraum des KFZ-Sachverständigen entscheiden. Zu besseren Ergebnissen würde ich nur kommen können, wenn ich das betreffende Fahrzeug selbst besichtigen und vermessen würde.
Bei Scheibenstärken ab 20 mm kann man vorteilhaft eine Ausführungsform wählen, die mit eigenen Schrauben am Radträger befestigt werden, anstelle von längeren Radschrauben bei so genannten Durchsteckscheiben.
Übrigens liegt bei der Gesamt-ET 15 beim Typ 203 die 2%-Grenze für die Unbedenklichkeit von Spurverbreiterungen. Geht man unter ET15, ist die ausreichende Festigkeit des Fahrwerks nachzuweisen, was durch Teilegutachten von Distanzscheiben aber oft erfüllt wird.
Bei Spurverbreiterungen steigt auch die Belastung der Radlager und damit deren Verschleiß. Bleibt man innerhalb der 2%-Grenze, sehe ich aber kein großes Problem damit.
Radanschluss
Das ist kein Problem, es passt. Typ 203 und Typ 204 haben beide 5/112/66,6.
Befestigungsmittel
Man verzeihe mir diesen Fachausdruck, mit dem die Radschrauben gemeint sind. Wie schon geschrieben wurde, sind Schrauben mit Sondermaßen erforderlich. Auf einem Typ 204 werden Schrauben M14x1,5 mit Schaftlänge 27 und Kugelbund Ø28 (R14) verwendet, beim Typ 203 dagegen M12x1,5 mit Schaftlänge 38 und Kugelbund Ø24 (R12).
M12x1,5 lässt sich nicht ändern, das ist durch die Radträger am Fahrzeug vorgegeben.
Der größere Durchmesser der Schraubenlöcher im Rad wird wohl kein Problem darstellen, denn das ist bei Sonderrädern vom Zubehörmarkt ganz üblich. Wichtiger ist, dass die Kontur des Schraubenbunds zur der ihrer Anlagefläche im Rad passt. Somit braucht man Sonderschrauben M12x1,5 mit Kugelbund Ø28. (Bezugsquellen wurden ja schon erwähnt).
Bliebe noch die Schaftlänge. Anhand von Teilegutachten von Rädern, die für beide Fahrzeugtypen zugelassen sind (z.B. Alutec B), sieht man, dass sie bei ein und demselben Rad beim Typ 203 gegenüber dem Typ 204 um 3 mm kürzer sein sollte. Das ergibt dann M12x1,5 mit Kugelbund Ø28 und Schaftlänge 24. Etwas mehr darf es auch sein, aber nur soviel, dass die Freigängigkeit zur Feststellbremse noch ausreicht.
Bei der Verwendung von Durchsteckscheiben ist die Schaftlänge um deren Stärke zu erhöhen.
Mindestens erforderlich ist eine tragende Länge von 80% des Schraubendurchmessers. Bei M12 sind das 9,6 mm, entsprechend ca. 6,5 Umdrehungen, bis die Schraube "sitzt".
Ich hoffe, ich konnte Dir hiermit weiterhelfen.
Falls Du weitere Fragen zum Thema haben solltest: melde Dich einfach.
Gruß
Alpha Lyrae
Hey Alpha Lyrae,
danke für deine super ausführliche Darstellung von den Abläufen. Die einzige Frage/bedenken habe ich bei den Adapterplatten und den Bolzen. Würde man mit den von dir beschriebenen Maximalwerten noch inder ebenfalls erwähnten 2%-Grenze bleiben?
Gruß
Chris