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Vinyldach

Themenstarteram 8. Juni 2010 um 10:58

Hallo Community,

 

Ich habe eine ernst gemeinte Frage zum Thema Vinyldächer, die Ende der 60 sehr in Mode waren und würde gerne eure Hilfe hier in Anspruch nehmen.

 

Welchen Sinn hatte das Vinyldach?

http://www.auto-zimmerli.ch/...V8_Aut_1968_mit_schwarzem_Vinyldach.jpg

Auf diesem Bild könnte man geneigt sein zu glauben ein Cabrio zu sehen, also wäre es mehr schein als sein.

http://de.academic.ru/.../ford_granada_mit_vinyldach.jpg

Glaubt aber jemand wirklich ein viertüriges Cabrio hier zu sehen? Ich denke eher nicht.

http://de.academic.ru/.../lincoln_continental_town_coupe_roof.jpg

Das hier kann ich mir gar nicht erklären.

 

Ein Zweitonlackierung wäre in meinen Augen für den optischen Effekt genauso geeignet. Beim Coupe gebe ich zu, dass es täuschend echt nach Cabrio aussieht.

Könnte mir jemand von euch helfen eine Erklärung zu finden?

 

Alternative:

 

Hat jemand ein Prospekt oder ein Manual oder etwas in dieser Richtung, wo der Hersteller den Nutzen evtl. beschreibt. Es kann ja auch rein optisch ein Nutzen sein.

---

Grüße,

 

Beste Antwort im Thema

Die Zweitonlackierung hat andere historische Wurzeln. Üblicherweise waren bei sehr teuren Luxuswagen der 20er/30er Jahre (Packard, Duesenberg, Pierce Arrow, etc) die Kotflügel und Seitenflanken farblich abgesetzt.

Dies unterstrich die Linienführung des Wagens. Dieser Trick wurde einfach nur weiter benutzt. Bis in die 80er Jahre hinein wurde bei den US-Herstellern mit zwei- oder mehrfarbigen Lackierungen gearbeitet. Heute gibt es so etwas auch noch bei Maybach und Rolls Royce. Das soll den Autos einen "klassischen Touch" geben. Bei den anderen banalen Windkanalschachteln braucht man so etwas nicht mehr, da es keine wirkliche Linie mehr gibt, die man den Wagen geben kann.

Der Effekt ist keinesweg der gleiche wie bei einem bezogenen Dach. Auch wenn man es nicht glauben mag, selbst auf die Entfernung sind Unterschiede im Auftritt des Wagens zu sehen, wenn sich die Textur des Bezugsstoffes ändert. Deswegen wurden Superluxusautos wie z.B. Lincolns mit unterschiedlichen "Grains" in der Textur der Dächer angeboten. Das ging vom sogenannten "Cavary Twill" (eine Art imitiertes Leinen) bis hin zu "Cayman Grain" (simulierter Aligatorhaut).

Als Quelle kann ich Bücher aus Antiquariaten wie "The history of american coachbuilding" oder auch eine Dokumentation vom Discovery Channel, deren Titel mir gerade nicht einfällt, ich glaube es war die Geschichte des amerikanischen Cabrios oder so ähnlich. AUch in Wikipedia gibt es das eine oder andere.

Hier gibt es ein englisches Werk zu dem Thema (das ich zwar nicht kenne, aber im allgemeinen sind in England und USA gute Handwerker nach alter Tradition am Werk, die man hier in Pfuscherland kaum noch findet)

Klick

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Das war sicher in erster Linie eine Geschmackfrage. Ein optisches Gimmick also.

Allerdings munkeln böse Zungen auch, dass die Dächer gelegentlich genommen wurden um Unregelmäßigkeiten im Dachblech zu kaschieren.

Auf jeden Fall haben die Dinger den Nachteil mit der Zeit porös zu werden und Feuchtigkeit zwischen Vinyl und Blech anzusammeln, die dann nicht mehr entweichen kann. Die Folge davon ist Rost.

Es wurde in der Tat dazu benutzt um einen Cabrio Look zu kreieren. In den 60er und besonders in den 70er Jahren war es eben schwer in Mode. Teilweise auch in den 80ern. Der Grund dafür: Weis ich nicht, manche Modetrends sind eben nicht rationell erklärbar, warum kaufen denn heute gewisse Leute Hosen die schon von haus aus Löcher haben? Böse zungen behaupten auch dass bei Stretch Limousinen gerne Vinyl verwendet wurde da die Amis nicht imstande waren blech für die Limousinendächer zu formen.

Ich denke auch, daß es halt damals "in" war und es in die Zeit paßte. Sollte wohl auch etwas edler aussehen, als ein "nacktes" Blechdach.

Welchen Sinn haben Speichenräder? Und welchen Sinn hat Fahrzeugornamentik? Zweifarblackierung? Pinstripes? Es mag für den deustchen Geschmack schwer zu verstehen sein, aber nicht alles an Autos muß einen Sinn haben. Manches bedient einfach nur einen bestimmten Geschmack oder soll Assoziationen an längst vergangene Zeiten wecken. Manche (wie ich :D) lieben dieses Zeug und ein Fahrzeug ohne Kühlerfigur, Ornamente oder Zierleisten ist KEIN Auto, sondern nichts.

Die Herkunft des Vinyldaches liegt in der Frühzeit des Automobils. Ganz zu Anfang waren alle Autos Cabrios. Als die ersten geschlossenen Blechkarosserien aufkamen, war noch nicht die ganze Karosserie aus Blech, sondern die Bleche wurden auf einen Rahmen aus Eschenholz montiert. Die Dachkonstruktion wurde aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht beblecht, sondern aus Sperrholz und Holzträgern gefertigt und mit Leder überzogen. Die Assoziation des lederbezogenen, geschlossenen Daches zeigte auch später, daß man sich den Luxus eines geschlossenen Wagens leisten konnte und nicht mit einem profanen, billigen offenen Tourer herumfahren mußte.

Dieses Phänomen konnte sich so nur in den USA entwickeln, da in Europa die breite Volksmotorisierung erst viel später stattfand. Das Vinyldach ist somit also der Ausdruck von Luxus und war meistens an gewisse Luxuspakete bei der Bestellung des Wagens geknüpft.

Ein gepolstertes Vinyldach oder ein Landaulet-Top (Halbdach) war der Inbegriff für Superluxusfahrzeuge. Lincolns und Cadillacs hatten so etwas, auch einige Top-Lines von Buick und Oldsmobile.

Ein Vinyldach ist eigentlich nichts schlimmes, auch macht es das Auto nicht weniger haltbar, aber es erfordert einen gewissen Mehraufwand an Pflege. Fahrzeuge mit gepflegtem und intaktem Vinyldach rosten auch nicht schneller als andere.

Themenstarteram 8. Juni 2010 um 11:48

Lieber spechti,

 

deine Ausführungen helfen mir sehr weiter. Hast du evtl. noch ein zwei Belege zu dem Thema Holzdach?

Ich habe einen Artikel gefunden in dem behauptet wird, dass es deutlich günstiger wäre als eine Zwei-Ton-Lackierung, die mit den 80ern praktisch auslief.

 

Kann es sein, dass was heute mit den Folien gemacht wird, um sich das Lackieren zu sparen damals mit PVC / Vinyl gemacht wurde?

 

Grüße,

 

Die Zweitonlackierung hat andere historische Wurzeln. Üblicherweise waren bei sehr teuren Luxuswagen der 20er/30er Jahre (Packard, Duesenberg, Pierce Arrow, etc) die Kotflügel und Seitenflanken farblich abgesetzt.

Dies unterstrich die Linienführung des Wagens. Dieser Trick wurde einfach nur weiter benutzt. Bis in die 80er Jahre hinein wurde bei den US-Herstellern mit zwei- oder mehrfarbigen Lackierungen gearbeitet. Heute gibt es so etwas auch noch bei Maybach und Rolls Royce. Das soll den Autos einen "klassischen Touch" geben. Bei den anderen banalen Windkanalschachteln braucht man so etwas nicht mehr, da es keine wirkliche Linie mehr gibt, die man den Wagen geben kann.

Der Effekt ist keinesweg der gleiche wie bei einem bezogenen Dach. Auch wenn man es nicht glauben mag, selbst auf die Entfernung sind Unterschiede im Auftritt des Wagens zu sehen, wenn sich die Textur des Bezugsstoffes ändert. Deswegen wurden Superluxusautos wie z.B. Lincolns mit unterschiedlichen "Grains" in der Textur der Dächer angeboten. Das ging vom sogenannten "Cavary Twill" (eine Art imitiertes Leinen) bis hin zu "Cayman Grain" (simulierter Aligatorhaut).

Als Quelle kann ich Bücher aus Antiquariaten wie "The history of american coachbuilding" oder auch eine Dokumentation vom Discovery Channel, deren Titel mir gerade nicht einfällt, ich glaube es war die Geschichte des amerikanischen Cabrios oder so ähnlich. AUch in Wikipedia gibt es das eine oder andere.

Hier gibt es ein englisches Werk zu dem Thema (das ich zwar nicht kenne, aber im allgemeinen sind in England und USA gute Handwerker nach alter Tradition am Werk, die man hier in Pfuscherland kaum noch findet)

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Zitat:

Original geschrieben von Eye of the Tiga

 

Glaubt aber jemand wirklich ein viertüriges Cabrio hier zu sehen? Ich denke eher nicht.

http://de.academic.ru/.../lincoln_continental_town_coupe_roof.jpg

Das hier kann ich mir gar nicht erklären.

Das auf dem Bild zu sehende Auto ist ein 78er Lincoln Continental Town Coupe und es ist - wie der Name schon sagt, ein 2-Türer (2dr).

Im Vergleich zum 4-Türer (4dr) ist die B-Säule einfach nur ein Stück nach hinten gewandert und das Dach dazwischen mit Vinyl überzogen.

Bei Wikipedia gibt es hier ein Foto vom ganzen Auto. Ein ganz normales Coupe (mit gehobener "Town"-Ausstattung) und Vinyldach.

"Town Car" ist übrigens nicht nur eine Ausstattungsoption bzw. ein eigenständiges Modell (ab 81) sondern auch eine Karrosserieform aus der Vorkriegszeit in der der der Fondbereich des Autos überdacht war und der Faher/Beifahrerbereich nicht (Foto eines Duesenbergs). Beim Landaulet war es genau umgekehrt.

Zum Thema Coachbuilding kann ich Coachbuild.com nur empfehlen.

am 8. Juni 2010 um 19:09

Auch in Deutschland wurden Vinyldächer verbaut. Ich kenne so was von DKW, später Opel und Ford (und sicher noch andere mehr). Die Dächer mit Vinyl zu beziehen, wird sicherlich im Ursprung den Zweck haben, dass so einen preiswerte Bespannung einer Fahrzeugaussenhaut möglich war. Heute, oder in jüngerer Vergangenheit werden diese Dächer "nur" noch Zierwerk sein. Da das mir so gut gefallen hat, hab ich das auch mal gemacht KLICK

... aber auch nur, weil mir ältere US-Fahrzeuge so gut gefallen ;)

Das mit dem preiswert glaube ich weniger, ist doch das Bespannen eine sehr aufwändige und zusätzliche Arbeit, die darüberhinaus im Prinzip nicht sein muss.

@USCAM

Bei einem modernen Auto sieht das putzigerweise recht geschmackvoll aus, wie Dein Beispiel zeigt.

Interessante Idee! Hut ab! Habe ich noch nie vorher gesehen,

Themenstarteram 9. Juni 2010 um 8:40

Zitat:

Original geschrieben von Zin-Azshari

 

"Town Car" ist übrigens nicht nur eine Ausstattungsoption bzw. ein eigenständiges Modell (ab 81) sondern auch eine Karrosserieform aus der Vorkriegszeit in der der der Fondbereich des Autos überdacht war und der Faher/Beifahrerbereich nicht (Foto eines Duesenbergs). Beim Landaulet war es genau umgekehrt.

Eine Frage noch an dich Zin-Azshari:

http://ephraimcephas.files.wordpress.com/2009/04/maybach-landaulet.jpg

Die ist ein Landaulet. Was genau ist umgekehrt zum Town Car Aufbau?

http://www.ohtm.org/29Duesb.jpg

Ist beim Town Car der hintere Teil fest, habe ich das korrekt verstanden?

 

Grüße,

 

Eye of the Tiga

Jop du hast recht.

Town Car: Vorne offen (oder nur mit Dach aber ohne Seitenfenster), hinten geschlosssen

Landaulet: Hinten offen, vorne geschlossen.

In der Anfangszeit gab es dutzende verschiedene Karosserieformen, da besonders bei den Edelmarken/herstellern (wie Duesenberg) die Karossen nicht immer selbst gefertigt wurden sondern von externen Coachbuildern wie Derham, Dietrich, Fisher, Fleetwood, LeBaron, Flint, LaGrande und deren Kundschaft ziemlich viel Geld und auch Extrawünsche hatten...

Wenn du mehr darüber wissen willst, frag mal chief tin cloud im us-car-forum.net, das ist wie Spechti ein lebendes Archiv :D ;)

Meinen Pontiac hat der Hagel hier in Bayern (3 cm große Körner!) am Vinyldach schwer erwischt...lauter kleine Schnitte. Das muss j runter... bin zum Glück VK versichert. Jetzt bin ich am Überlegen, ob ich das Vinyldach neu machen lasse oder dann gleich in Wagenfarbe/anderer Farbe lackieren lasse.

Was meint ihr?

IMG_20210623_182026_872.jpg

Bei einer Limousine würde ich sagen, das Vinyldach erneuern. Bei einem Coupe würde ich sagen, Vinyl weg lassen und lackieren. Bei einem Lincoln MK4/5 würde ich allerdings auch das Vinyldach erneuern.

Welche Versicherung macht denn eine Vollkasko für einen ca. 50 Jahre alten Wagen ? Da mußt Du wahrscheinlich richtig Flocken für auf den Tisch legen.

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