Unfall>Teilschuld beim Wenden auf einer Bundesstrasse/Landstrasse?
Mir ist dies vor kurzem ein Unfall passiert.
Fuhr auf einer Bundesstrasse, nach einer leichten Kurve sah ich wie ein LKW gerade vorhatte auf der Bundesstrasse zu wenden.
Hab natürlich gleich angefangen zu bremesen. LKW hat sich nix anmerken lassen und setzte seinen Wendevorgang fort und blockierte somit die gesamte Fahrbahn. Hab dann noch versucht nach links auszuweichen es aber nicht mehr geschafft und fuhr dem LKW in den Reifen.
Nun ist mein Auto ein Totalschaden und ich warte auf die Regulierung der Versicherungen. Bei meinem Fall gibts Zeugen, Polizei war dann auch dazugerufen worden und hat den Unfall aufgenommen.
Bin dann am nächsten Tag gleich zum Anwalt der alles weitere für mich regelt.
Meine Sorge ist nun ob ich evetuell eine Teilschuld zugesprochen bekomme, weil ja an sich das Sichtfahrgebot gilt.
Mein Anwalt meinte auch das dies durchaus möglich sei, er aber nicht daran glaubt da der LKW Fahrer eine besonders große Sorgfaltspflicht beim Wenden trägt. Abgesehen davon das er dort nicht hätte Wenden dürfen.
Was meint ihr?
Trifft auf mich eine Teilschuld zu?
Hat vielleicht einer einen ähnlichen Fall gehabt wie ich und kann mir berichten wie´s bei ihm ausgegangen ist?
Beste Antwort im Thema
So nach ganz langer Zeit ist nun alles vor Gericht/Anhörung vom Gericht entschieden worden.
Fast 3 Jahre hat das ganze nun gedauert.
30/70 zu meinen Gunsten.
Ausschalggebend für eine Teilschuld laut Richter war, dass die Gefahrensituation warscheinlich zu spät meinerseits erkannt wurde.
Auf Grund von fehlen von Bremsspuren konnte auch nicht ermittelt werden wie lang mein Bremsweg war.
Naja ich hatte mit erhlichgesagt mehr erhofft aber was solls.
Überhöhte Geschwindigkeit konnte mir nicht nachgewiesen werden ( war auch nicht zu schnell), lediglich auf Grund einer Vermutung (Gefahrensituation zu spät erkannt) bekomme ich eine Teilschuld.
Naja wollte nur noch mal den Ausgang des ganzen hier teilen und nicht zu den Themen gehören wo ein Ende bzw Ausgang der ganzen Sache fehlt. 🙂
104 Antworten
Zitat:
Original geschrieben von 18.430
Danke. Jetzt dauert es alles erstmal. Ich schätze 1, 5 bis 2 Jahre bis alles durch ist.
Ok, suche Dir alle Unterlagen zusammen, mache ne Skizze, notiere alle damals gemachten Aussagen und überlege Dir entspr. Formulierungen (vor Gericht nicht allzu viel labern), dein Anwalt wird Dir auch Tipps geben.
Normalerweise geht das schnell in wenigen Wochen oder Monaten.
Wie sieht es mit deinem SF-Rabatt aus??
Evtl. wäre es besser, die Sache ruhen zu lassen (evtl. warst Du doch zu schnell bzw. man "weist Dir das nach" oder Du hättest noch halten können), auch wenn es momentan schmerzt.
Bei uns hat letzthin ein Sattel ein Womo beim Abbiegen mit abgeräumt (Zug war bereits eingeknickt, der Womo-Fahrer ist aber trotzdem noch weitergefahren und dann voll getroffen worden).
An Aus- und Einfahrten muß man damit schon mal rechnen.
Sooo mal ein kleines Update nach sehr langer Zeit.
Nach langem hin und her mit der Versicherung wurde mir von der Gegnerischen Versicherung eine Quote von 65:35 angeboten, 35 für mich.
Vorher wurde mir von der Versicherung 65% Schuld zugesprochen.
Ich habe das Angebot abgelehnt und werde die entscheidung in die Hand eines Richters legen, mir ist bewusst das ich auch deutlich schlechter stehen könnte da man nie genau sagen kann wie ein Richter die ganze Sache sehen wird.
Grund für meine Entscheidung ist das durch eine Außergerichtliche Einigung die Anwaltskosten an mir kleben bleiben. Hätten mir die Versicherung von anfang an nur 35% Schuld zu gesprochen wäre es eine Überlegung wert gewesen.
Ich habe Gerichtskostenhilfe beantragt und hoffe das ich diese auch bewilligt bekomme (bin Student mit geringem Einkommen) und mir somit keine Kosten entstehen.
Ein Frage habe ich noch:
Sollte mir der Richter weniger Schuld zu sprechen wie von der Versicherung anfangs gegeben wurde (65%), dann war meine Klage doch berechtigt, ich also im Recht?
Dann müsste doch die Gegenseite alle Kosten für Rechtsanwalt und Gericht übernehemen oder entscheidet dies auch der Richter wer wieviel Prozent an Gerichtskosten zu tragen hat?
Kostenfrei ist es für dich nur, wenn du mit 0 % Schuld aus dem Gerichtssaal gehst.
Also eher unwahrscheinlich. .....
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Zitat:
Original geschrieben von PokerJonny
Ein Frage habe ich noch:
Sollte mir der Richter weniger Schuld zu sprechen wie von der Versicherung anfangs gegeben wurde (65%), dann war meine Klage doch berechtigt, ich also im Recht?
Nicht zwingend!
Es kann auch eine Vergleich geben. Du bekommst mehr als die 35%, aber deine Klage war dennoch ggf. zweifelhaft. Hab es grad selbst in einem Verwaltunsstreit erlebt. Richter am Beginn der Verhandlung: "Frau Klägerin, ihre Klage hat nach meiner Einschätzung keine Chance auf Erfolg. Aber ich gebe zu Bedenken, dass sie weiter vor dem OVG klagen können. Dies kann dann aber aufgrund der Arbeitsbelastung etwa zwei bis drei Jahre dauern. Ich wurde also einen Vergleich in den Raum stellen..." Am Ende kam es zu einem Vergleich, der die Klägerin besser stellte.
Zitat:
Dann müsste doch die Gegenseite alle Kosten für Rechtsanwalt und Gericht übernehemen oder entscheidet dies auch der Richter wer wieviel Prozent an Gerichtskosten zu tragen hat?
Das legt der Richter fest!
Zitat:
Original geschrieben von PokerJonny
Ein Frage habe ich noch:
Sollte mir der Richter weniger Schuld zu sprechen wie von der Versicherung anfangs gegeben wurde (65%), dann war meine Klage doch berechtigt, ich also im Recht?
Dann müsste doch die Gegenseite alle Kosten für Rechtsanwalt und Gericht übernehemen oder entscheidet dies auch der Richter wer wieviel Prozent an Gerichtskosten zu tragen hat?
Die Frage ist, was Gegenstand Deiner Klage ist.
Wenn Du darauf klagst, daß die gegnerische Versicherung 100% Deines Schadens übernehmen soll, der Richter Dir aber nur 90% zubilligt, dann hast Du Deine Klage nur teilweise gewonnen und wirst entsprechend anteilig an den Verfahrenskosten beteiligt.
Wenn Du aber nur auf 80% Schadenserstattung klagst, und der Richter das genauso sieht, dann hast Du komplett gewonnen und der Gegner trägt die Prozesskosten alleine.
Ach, so is das?
Macht zumindest Sinn.
Dann muss ich mich die Tage noch mal mitm Anwalt treffen weil dies war mir so vorher nicht bewusst.
Danke!
So nach ganz langer Zeit ist nun alles vor Gericht/Anhörung vom Gericht entschieden worden.
Fast 3 Jahre hat das ganze nun gedauert.
30/70 zu meinen Gunsten.
Ausschalggebend für eine Teilschuld laut Richter war, dass die Gefahrensituation warscheinlich zu spät meinerseits erkannt wurde.
Auf Grund von fehlen von Bremsspuren konnte auch nicht ermittelt werden wie lang mein Bremsweg war.
Naja ich hatte mit erhlichgesagt mehr erhofft aber was solls.
Überhöhte Geschwindigkeit konnte mir nicht nachgewiesen werden ( war auch nicht zu schnell), lediglich auf Grund einer Vermutung (Gefahrensituation zu spät erkannt) bekomme ich eine Teilschuld.
Naja wollte nur noch mal den Ausgang des ganzen hier teilen und nicht zu den Themen gehören wo ein Ende bzw Ausgang der ganzen Sache fehlt. 🙂
Hallo,
schön dass du noch Rückmeldung gibst, hab mir die Geschichten nämlich durchgelesen und war schon gespannt obs ein Ende gibt.
Naja die Mühlen mahlen eben langsam, aber sie mahlen 🙂
Meine spontane Einschätzung war übrigens, dass du hättest anhalten können, wenn du gleich voll gebremst hättest, natürlich nur wenn du mehr wie 50 m weg warst. Zwei Pfosten auf der Landstraße sind 25m voneinander weg, also bei zwei Pfosten noch vor dir hättest du 50m zum Bremsen, das ist aus 100 km zu schaffen.
Wenn du weiter weg warst, kann ich den Richter in dem Argument, du hast die Situation zu spät erkannt, verstehen.
Auch wenn ich es trotzdem nicht ganz sauber finde 🙂
Ich hoffe, du kannst das mittlerweile finanziell stämmen.
Zitat:
@Peperonitoni schrieb am 31. März 2015 um 10:04:44 Uhr:
Meine spontane Einschätzung war übrigens, dass du hättest anhalten können, wenn du gleich voll gebremst hättest, natürlich nur wenn du mehr wie 50 m weg warst. Zwei Pfosten auf der Landstraßesind 25m voneinander weg, also bei zwei Pfosten noch vor dir hättest du 50m zum Bremsen, das ist aus 100 km zu schaffen.
Wenn du weiter weg warst, kann ich den Richter in dem Argument, du hast die Situation zu spät erkannt, verstehen.
Auch wenn ich es trotzdem nicht ganz sauber finde 🙂
Ich hoffe, du kannst das mittlerweile finanziell stämmen.
Die Leitpfosten sind, in der Regel, 50m voneinander entfernt!
= der TA hätte 100m bis zum Unffall gehabt!
Hatte ich hier irgendwo geschrieben wie weit der Laster von mir entfernt war als dieser zu einer erkennbaren Gefahrenquelle wurde und ich zu bremsen beginnen müsste?
Ich hatte den Laster gesehen aber was denkt man von einem Laster der sich kurz vor seiner Linksabbiegespur befindet?
Doch sicher nicht das dieser kurz vor seiner Linksabbiegerspur einfach nach links zieht (obwohl ich ihm entgegen kam) und so die ganze Fahrspur blockiert.
Ich bin sehr verwundert über das Urteil, für dich freut es mich. Verstehen kann ich es trotzdem nicht. Ich habe 100% der Schuld bei dir gesehen. Immerhin sagst du, dass dort eine Bushaltestelle ist, damit muss man mit einem stehenden Hindernis rechnen. Ich hätte mich wahrscheinlich gar nicht getraut damit vor Gericht zu gehen.
In der ersten Instanz 50:50. Auf dieser Stufe sitzen meist die Richter, die nur ihre Tantiemen absitzen. Im einem Fall schrieb so einer bei der Urteilsbegründung, die Beifahrerin hätte bremsen müssen.
Danach mal sehen... Mit 0% wirst Du nach meiner Einschätzung nicht wegkommen.
Zitat:
@TaifunMch schrieb am 4. April 2015 um 09:39:38 Uhr:
Ich bin sehr verwundert über das Urteil, für dich freut es mich. Verstehen kann ich es trotzdem nicht. Ich habe 100% der Schuld bei dir gesehen. Immerhin sagst du, dass dort eine Bushaltestelle ist, damit muss man mit einem stehenden Hindernis rechnen. Ich hätte mich wahrscheinlich gar nicht getraut damit vor Gericht zu gehen.
Die Bushaltestelle war (aus meiner Fahrtrichtung aus gesehen) auf der linken Strassenseite, also entgegen meiner Fahrtrichtung und dann auch nicht mitten auf der Landstrasse wo 100 erlaubt sind sondern in einer Bucht.
Was die Bushaltestelle also mit der Schuldfrage zu tun hat kann ich mir gerade nicht erklären.