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Pontiac Firebird 1972 Bleizusatz nötig ?

Chevrolet
Themenstarteram 12. Juli 2013 um 13:12

Hallo zusammen,hab mir einen Pontiac Firebird Formula 350 gekauft. Nun stellt sich mir die Frage benötigt er beim tanken einen Bleizusatz oder nicht ? Bj.1972 5,7l V8

Gruß Rainer

Beste Antwort im Thema

Aus Interesse zu dem Thema, Bleizusätze und verbleiter Sprit bei alten Motoren hab ich mal meinen alten Chemie-Prof. zu dem Thema befragt.

 

Aus seiner Sicht ist das ganze Zeug mit den Bleizusätzen Mumpitz.

Warum?  Seit Anfang der 1920er Jahre wurde dem Sprit eine organische Bleiverbindung mit dem Namen Tetraethylblei (TEL) beigemischt. Wie wir wissen, hauptsächlich um die Klopffestigkeit von Benzin zu erhöhen. Wenn das Gemisch verbleiter Sprit/Luft in die heißen Regionen des Motors kommt (Kopf, Zylinder ) lößen sich durch die hohen Temperaturen aus dem Tetraethylblei Ethylradikale. Diese Ethylradikale verhindern bei der Verbrennung des Benzingemisches das Klopfen. Das restliche TEL verbrennt mit dem Sauerstoff zu Wasser, Blei und CO². Blei wiederum bildet mit Sauerstoff Blei(II)-oxid.

 

Da es aus technischer Sicht ganz und gar nicht gut ist wenn sich Stoffe im Inneren eines Motors an Zylinder, Kolben oder Ventilen ansetzen, wurden dem Sprit noch die Substanzen Dibromethan oder Dichlorethan zugesetzt. Diese bilden mit Blei und Blei(II)-oxid entweder Bleibromid od. Bleichlorid, das wird dann zusammen mit den Abgasen hinausgeblaßen.

Mein Vater erinnert sich noch das bei seinem ersten Auto (Käfer) der Auspuff innen immer silbrig-matt ausgesehen hat, das war das Bleibromid/chlorid. Extrem Giftig und hochgradig Krebseregend.

 

Die verschwindend geringe Menge an Blei die sich an den Ventilsitzen ablegt kann daher niemals ein Schutz vor dem Verschleiß der Sitze sein, da dazu die Menge und die Schichtdicke weitaus höher sein müssten. Währe die Schichtdicke hoch genug um einen Schutz für den Ventilsitz zu sein, bestünde die Gefahr das das Ventil im extrem weichen Blei stecken bleibt, oder der Ventilschaft durch die zunehmende Längung irgendwann abreißt. Beides nicht gerade angenehm für einen Motor!

 

Summa Sumarum: Motoren mit ungehärteten Ventilsitzen verschleißen mit verbleiten Sprit/Bleizusätzen genau so schnell wie mit unverbleiten Sprit.

 

Ich hoffe der Text ist jetzt nicht so lang geworden dass ihn keiner ließt.

 

Mfg Martin

 

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Das ist ein ewiges Streitthema, ob bleifrei oder mit Additiv. Ich fahr ohne mit meinem 74er Nova :D Siehe auch: http://www.autobild.de/artikel/zusatz-additive-40917.html

Soweit ich weiss, hat GM 1972 die gesamte Flotte auf bleifrei umgestellt. :rolleyes:

Da waren nämlich Kats in Kalifornien und anderen Staaten bereits Pflicht bei Neuzulassungen.

Von daher sollte der Pontiac bereits gehärtete Ventilsitze haben. :cool:

Themenstarteram 14. Juli 2013 um 10:18

Ok, danke !

am 14. Juli 2013 um 17:55

Hy,

Fahre einen 73 er 350 Formula und der bekommt auch bleifrei 95 oder 98 Octan. Nichts klopft oder hämmert. Vom verbrauch ist auch kein Unterschied zu merken.

gruß

Sascha

Beim Basteln habe ich übrigens letztens diesen Aufkleber am Handschuhfach entdeckt. Ist mir zuvor nie aufgefallen. Vielleicht gibt's bei dir sowas ja auch ;)

20130713-193025

Fahre meinen 72er Lincoln auch ohen Zusätze. Mische teilweise sogar e10 mit rein ...

E10 gibt auch immer ne riesen diskussion hier.

Also Jungs feuer frei :P

Zitat:

Original geschrieben von Wasper

Beim Basteln habe ich übrigens letztens diesen Aufkleber am Handschuhfach entdeckt. Ist mir zuvor nie aufgefallen. Vielleicht gibt's bei dir sowas ja auch ;)

Immer wieder herrlich zu lesen, wie dezent diese Hinweise bei unseren Amis so sind.

Man möge doch "bevorzugt" bleiarmen bzw. bleifreien Sprit tanken. "Wenn er verfügbar ist".

In deutschen/europäischen Fahrzeugen wäre damals eine Hektik losgebrochen, wenn aus Versehen der falsche Kraftstoff eingefüllt wurde. ;)

Und bei den Amis heissts: Verbleites Benzin "sollte nach Möglicheit vermieden werden". :rolleyes:

Tolerante Autos sind das, die wir da haben. :)

Zitat:

Original geschrieben von deville73

Und bei den Amis heissts: Verbleites Benzin "sollte nach Möglicheit vermieden werden". :rolleyes:

Nun ja, das hängt halt auch mit den geographisches Gegebenheiten zusammen. Einer aus L.A. kann sich ja mal auf Waldwegen Richtung Boston machen.

Und von der technischen Seite ist es auch recht einfach, en bissel Blei (wie im Bild zu sehen 0,5gramm pro Gallone) konnte der Kat wohl einigermaßen ab.

Aber nun ja, Politik und Verhalten sind halt immer eine ganze eigene Sache bei jedem Menschen.

Hier im allgemeinen wäre aber noch anzuführen, dass zwar GM (und die anderen wohl auch) 72 schon auf bleifreie - ergo gehärtete Ventilsätze - Motoren gegangen sind. Allerdings sollte man auch nachrpüfen ob der Zylinderkopf auch zum Jahr und Motor past.

Kann ja immer sein, dass jemand en "eBay" Schnäppchen von anno-dazu-mal verbaut hat der eben keine hat.

Aus Interesse zu dem Thema, Bleizusätze und verbleiter Sprit bei alten Motoren hab ich mal meinen alten Chemie-Prof. zu dem Thema befragt.

 

Aus seiner Sicht ist das ganze Zeug mit den Bleizusätzen Mumpitz.

Warum?  Seit Anfang der 1920er Jahre wurde dem Sprit eine organische Bleiverbindung mit dem Namen Tetraethylblei (TEL) beigemischt. Wie wir wissen, hauptsächlich um die Klopffestigkeit von Benzin zu erhöhen. Wenn das Gemisch verbleiter Sprit/Luft in die heißen Regionen des Motors kommt (Kopf, Zylinder ) lößen sich durch die hohen Temperaturen aus dem Tetraethylblei Ethylradikale. Diese Ethylradikale verhindern bei der Verbrennung des Benzingemisches das Klopfen. Das restliche TEL verbrennt mit dem Sauerstoff zu Wasser, Blei und CO². Blei wiederum bildet mit Sauerstoff Blei(II)-oxid.

 

Da es aus technischer Sicht ganz und gar nicht gut ist wenn sich Stoffe im Inneren eines Motors an Zylinder, Kolben oder Ventilen ansetzen, wurden dem Sprit noch die Substanzen Dibromethan oder Dichlorethan zugesetzt. Diese bilden mit Blei und Blei(II)-oxid entweder Bleibromid od. Bleichlorid, das wird dann zusammen mit den Abgasen hinausgeblaßen.

Mein Vater erinnert sich noch das bei seinem ersten Auto (Käfer) der Auspuff innen immer silbrig-matt ausgesehen hat, das war das Bleibromid/chlorid. Extrem Giftig und hochgradig Krebseregend.

 

Die verschwindend geringe Menge an Blei die sich an den Ventilsitzen ablegt kann daher niemals ein Schutz vor dem Verschleiß der Sitze sein, da dazu die Menge und die Schichtdicke weitaus höher sein müssten. Währe die Schichtdicke hoch genug um einen Schutz für den Ventilsitz zu sein, bestünde die Gefahr das das Ventil im extrem weichen Blei stecken bleibt, oder der Ventilschaft durch die zunehmende Längung irgendwann abreißt. Beides nicht gerade angenehm für einen Motor!

 

Summa Sumarum: Motoren mit ungehärteten Ventilsitzen verschleißen mit verbleiten Sprit/Bleizusätzen genau so schnell wie mit unverbleiten Sprit.

 

Ich hoffe der Text ist jetzt nicht so lang geworden dass ihn keiner ließt.

 

Mfg Martin

 

Zitat:

Original geschrieben von V8-Junkie

Aus seiner Sicht ist das ganze Zeug mit den Bleizusätzen Mumpitz.

Nun ja, anscheinend nicht, denn das TEL (im Volksmund Blei / Bleizusatz genannt) hat ja deine genannte Klopffestigkeits steigernde Wirkung. Somit keineswegs mumpitz.

Das mit den Ventilsitzen, nun ja, es braucht ja auch keinen dicken fetten Klops Fett zu schmieren, eine dünne Schicht wirkt um welten besser.

Auch andere Beschichtungen oder Härteverfahren werden ja nur um µ Bereich durchgeführt.

Ganz so pauschaul abtun würde ich die Sache mit Ventilsitzen und TEL (bzw in diesem Fall einem der Reaktionsprodukte) nicht.

Allerdings würde ich auch dazu tendieren, dass eine verschleißtechnische Seite eher zu vernachlässigen ist.

Zitat:

Original geschrieben von falloutboy

Nun ja, anscheinend nicht, denn das TEL (im Volksmund Blei / Bleizusatz genannt) hat ja deine genannte Klopffestigkeits steigernde Wirkung. Somit keineswegs mumpitz.

Das Mumpitz bezog sich auf die Allgemeine Behauptung das Blei die Ventilsitze schützt. Hab ich etwas falsch formuliert. Das der Bleizusatz die Klopffestigkeit steigert steht außer Frage.

 

Allerdings fallen mir bis auf etwaige Hi-Perf. und Rennmotoren keine Motoren aus dieser Zeit ein, die zwingend solch hoch-oktanigen Sprit benötigen, als das man sie nicht auch mit unverbleiten Super Plus betreiben könnte.

 

Zitat:

Auch andere Beschichtungen oder Härteverfahren werden ja nur um µ Bereich durchgeführt.

Stimmt. Nur sind diese Beschichtungen und Härteverfahren auf ihren Einsatzzweck optimiert und werden in der technischen Konstruktion auch miteinberechnet. Außerdem sind sie wesentlich wiederstandsfähiger als Blei.

Blei taugt schon aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften nicht als Schutz, mit einer Schmelztemperatur von gerade mal 327°C und einer Härte nach Brinell von 5 (zum Vergleich Grauguss: 150-330) kann sich an den Ventilen nichts dauerhaft absetzen.

Sehr gute Antwort :) Freut mich, dass du sie so gestellt hast. *Daumen hoch*

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