Parkrempler (11 Jahre alter Opel) mit >2000€ Schaden - regulieren oder ohne Versicherung klären?
Hallo, da dies der erste "wirkliche" Unfall/Parkrempler ist, in dem ich verwickelt bin würde ich gerne etwas Rat von erfahrenen Forumteilnehmern holen. Folgende Sachlage:
Mein Auto (11,5 Jahre alter Opel Astra H mit 120tkm, gekauft vor einem Jahr für 2900 und von mir etwas aufgewertet mit PDC, Sitzheizung usw., allerdings nur bis 95tkm offiziell scheckheftgepflegt) stand am Dienstag Abend unter unserer Wohnung auf der Straße als wir es krachen gehört haben. Es ist nämlich jemand beim Rückwärtsfahren hinten in mein Auto gefahren und hat dabei die Heckschürze, linke Heckleuchte und Kotflügel beschädigt (siehe Fotos im Anhang). Der Verursacher versuchte dabei nicht zu fliehen, sondern hat seine Schuld zugestanden und das vor Zeugen (meine Frau, seinen Beifahrer und eine Nachbarin). Ich habe seinen Führerschein und Perso fotografiert und wir haben die Telefonnummern ausgetauscht.
Ich habe versprochen gleich am Mittwoch in eine Werkstatt zu fahren und einen Kostenvoranschlag zu holen - der Verursacher hat selber vorgeschlagen, dass er mir die Kosten einfach bar bezahlt und wir alles ohne Polizei/Versicherung regeln. Allerdings nur bei einer "vernünftiger" Summe (nicht seine Wörter) von etwa einige Hundert Euro, ansonsten doch über seine Versicherung, was ja auch logisch und nachvollziehbar ist.
Also heute zur Opel Vertragswerkstatt gefahren und gesagt bekommen, dass es wohl über 2100 Euro kosten würde (1100 Schürze, über 1000 fürs Ausbeulen und Scheinwerfer). Dann war ich noch bei einem Karosserieinstandsetzer, der auch mit mehreren Versicherungen arbeitet (HUK, Cosmos, VHV usw.) - "boah, das ist aber ein richtiger Knick... dürfte alles über 2000 Euro kosten, am besten Gutachter holen und über gegnerische Versicherung regeln". Wird also doch über die Versicherung laufen. Also heute mit dem Verursacher telefoniert und er sagte er würde seine Versicherung einschalten, wohl aber erst am Montag wegen den Feiertagen.
Die Beule: sieht zwar nicht nach sehr viel aus, ist aber auch nicht wenig, zumindest meiner Ansicht nach und auch laut dem Karosseriemann. Es wurde nämlich nicht von der seite in den Kotflügel gefahren, wo dann eine ähnliche Delle leicht auszubeulen wäre. Sondern wurde von hinten in mein Auto reingefahren, so dass der Kotflügel in der Länge gestaucht wurde, ähnlich wie eine Ziehharmonika, natürlich bei weitem nicht so ausgeprägt. Dadurch passt z.B. der Spalt zwischen Heckleuchte und Heckklappe nicht mehr und eine neue Leuchte würde eventuell auch nicht mehr 100% bündig aufliegen und somit nicht mehr dicht sein.
Auf der anderen Seite scheint es mir wirklich nur ein Blechschaden zu sein - die Stoßstange unter der Schürze scheint nichts abbekommen zu haben, da sie nicht so breit wie diese ist und das Auto wirklich "an der Kante" getroffen wurde. Auch die Hinterachse und etwa Auspuffaufhängung scheinen heil zu sein.
Die Leuchte und die Schürze könnte ich problemlos selber wechseln - muss am Ende sowieso meine PDC umbauen. Wären dann wohl 250 bis 400 Euro an Teilekosten. Der Delle muss sich ein Profi widmen - was könnte das in etwa kosten, wenn keine Lackschäden vorhanden sind?
Nun meine Frage: soll ich alles über die Versicherung machen lassen und wenn ja, mit oder ohne Anwalt? Rechtschutz habe ich keine. Oder alles unter uns regeln? Mir geht es nicht darum Geld zu kassieren, sondern nur auf 0 zu kommen und die Delle und den Rest repariert und/oder erstattet zu bekommen. Nicht dass die Versicherung am Ende doch nicht alles bezahlt und ich auf irgendwelche Kosten sitzen bleibe.
Ich bin kein großartiger Menschenkenner, aber der Gegner macht mir einen ganz guten Eindruck - es sieht für mich so aus, als würde er wirklich alles ordentlich regeln wollen und nicht irgendwie schikanieren. Trotzdem frage ich hier sicherheitshalber nach: er will ja am Montag alles mit der Versicherung machen und am Dienstag sind die 7 Tage rum, in denen man den Unfall an der Versicherung melden muss. Was passiert bzw. was kann ich tun, falls er z.B. am Montag sagt "alles geregelt, bald kommt Post von der Versicherung", aber in Wirklichkeit nichts gemacht hat und die Frist verstreichen lässt? Kann ich das irgendwie überprüfen oder ist nach Dienstag alles gelaufen?
Das Auto will ich nicht verkaufen, sondern noch mehrere Jahre fahren, deswegen würde ich schon gerne alles ordentlich machen. Im schlimmsten Fall kann ich aber mit der Delle leben, solange die Heckleuchte ordentlich mit der Heckklappe abschließt und wasserdicht bleibt.
Beste Antwort im Thema
Such dir aber ggfls. selbst einen Gutachter, nicht den, den die Versicherung schicken möchte.
So von den Eckdaten her - 2.900,- € Kaufpreis vor einem Jahr, Schaden über 2.100,- € - könnte daraus auch ein wirtschaftlicher Totalschaden werden.
40 Antworten
Vielen Dank an alle für die nützlichen Tipps! Dann werde ich wohl bei der GDV anrufen und die Daten erfragen. Ich hätte noch ein paar Fragen:
1. Wie finde ich einen fairen Gutachter? Einfach in Google nach den Rezensionen gehen? Oder einfach (hier in Darmstadt) zur Dekra fahren?
2. Was passiert, wenn es sich tatsächlich um einen wirtschaftlichen Totalschaden handeln sollte?
3. Kann es vorkommen, dass ich (oder auch der Gegner) irgendwelche Nachteile bekomme, wenn ich doch einen Anwalt einschalte? Weil sich ja hier die Meinungen scheiden und ich bin noch nicht schlau geworden, ob ich lieber einen nehme oder doch nicht.
Der Gegner hätte ja auch einfach abhauen können - es war spät am Abend und keiner hat wohl den eigentlichen Unfall gesehen. Das hat er aber nicht gemacht und hat sich auch sonst kooperativ gezeigt. Deswegen würde ich ihm auch gerne etwas entgegenkommen und wäre bereit gewesen, von ihm alle Kosten übernehmen zu lassen, damit er weniger Geld "verliert" wegen der sonst notwendigen Rückstufung bei der Versicherung. Da der Schaden doch recht teuer sein wird scheidet diese Möglichkeit natürlich aus.
... ich hoffe wirklich, dass es keinen Totalschaden wird... Ich mag das Auto doch gerne und habe auch einiges an Zeit und Geld investiert - Zahnriemen, alle Filter, Zündkerzen, Sitzheizung, PDC vorne und hinten, helle Kennzeichen-LEDs im Kofferraum. Was habe ich geflucht, bis ich die Kabel für die Sitzheizung und PDC ordentlich verlegt habe und das REC mit zusätzlichen Sicherungen und Relais ausgestattet habe! 😉 Und es ist ansonsten auch sehr zuverlässig, schon 8tkm ohne Probleme gefahren und ich wollte gerade das Getriebe tauschen und auch die Domlager (wegen "serienmäßigem" Rost).
Die gesamten Kosten kannst du der Versicherung in Rechnung stellen. (Gutachter - Werkstatt- Anwalt)
Der Gegner kann dann innerhalb von 6 Monaten der Versicherung die gesamte Summe ohne Zinsen überweisen ohne irgendwelche Nachteile zu bekommen. (SF rückstufung)
So einen Gutachter kannst du über die Werkstatt deines Vertrauens finden oder im Internet.
Der Anwalt setzt sich komplett mit der Kostenübernahme und allen Problemen die entstehen mit der Versicherung auseinander.
Was natürlich um die ~500€ kostet.
Machst du das selbst, wird's für den Gegner günstiger... und weil die Versicherung dir Abzüge berechnet "was dir nicht zusteht" 🙂
Edit:
Aber es muss erst mal die Versicherung informiert werden, dann ein Gutachten erstellt werden und dann ist die nächste Woche auch schon wieder gelaufen.
Zitat:
@Ivocha schrieb am 10. Mai 2018 um 17:03:08 Uhr:
... ich hoffe wirklich, dass es keinen Totalschaden wird... Ich mag das Auto doch gerne und habe auch einiges an Zeit und Geld investiert -
Ein wirtschaftlicher Totalschaden heißt nicht, daß du das Fahrzeug verschrotten mußt.
Es heißt nur, daß die Reparaturkosten den eigentlichen Wert des Autos übersteigen.
Sonst nichts.
Ob du das Auto dann für diesen Wert machen läßt oder dir das Geld einsteckst oder sonst was, hat niemanden zu interessieren.
Aber gerade wegen dem Restwert, dem Wiederbeschaffungswert und der Reparaturdauer ist es wichtig ein Gutachten machen zu lassen. Diese Werte werden bei einem Kostenvoranschlag nicht berücksichtigt.
Auch ist ein Gutachten gerichtsfest, ein KV dagegen nicht.
Selbst bei einem wirtschaftlichen Totalschaden kann eine Reparatur noch zulässig sein - Stichwort 130 % und weitere Nutzung des Fahrzeugs.
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Ein Kollege hat mir gesagt, dass ich das Auto auch zu einer Vertragswerkstatt bringen kann, irgendwas unterschreiben und sie kümmern sich dann um alles - Reparatur, Geld von der Versicherug holen usw. Ist das nicht besser als alles selber zu machen oder kann es dann zu Problemen kommen?
Bzgl. dem Anwalt - muss ich in Vorleistung treten oder kriegt er sein Geld direkt von der Versicherung?
Nö, denn Kunde der Werkstatt bist immer noch du. Zahlt die Versicherung nicht vollständig, hast du das Problem.
Unfallregulierung übernehmen die meisten Anwälte ohne Vorleistung des Mandanten, zumindest wenn es so ein klarer Fall ist. Die Rechnung wird dann direkt an die Versicherung geschickt und auch von ihr ausgeglichen.
Fast vergessen. Dieses Spielchen mit der Abtretung ist für die Werkstatt ziemlich lukrativ. "Hauseigener" Gutachter und Unfallersatzwagen stehen dann zur Verfügung. Soll sogar Fälle gegeben haben, wo ein Mietwagen abgerechnet wurde, obwohl keiner vom Geschädigten beansprucht wurde.
Zitat:
@Ivocha schrieb am 10. Mai 2018 um 22:22:02 Uhr:
Ein Kollege hat mir gesagt, dass ich das Auto auch zu einer Vertragswerkstatt bringen kann, irgendwas unterschreiben und sie kümmern sich dann um alles - Reparatur, Geld von der Versicherug holen usw. Ist das nicht besser als alles selber zu machen oder kann es dann zu Problemen kommen?Bzgl. dem Anwalt - muss ich in Vorleistung treten oder kriegt er sein Geld direkt von der Versicherung?
Den Fall der Abtretungserklärung macht man gerne bei Vollkaskoschäden.
Bei Haftpflichtschaden geht man normalerweise den genannten Weg mit Gutachter und so weiter.
Sowieso bei dieser Schadenshöhe. 🙂
"Bei Haftpflichtschaden geht man normalerweise den genannten Weg mit Gutachter und so weiter."
Da machen die Werkstätten das noch viel lieber. Da können sie den Gutachter frei auswählen, beim Kaskoschaden macht das die Versicherung. Da können sie dem Geschädigten auch noch den Ersatzwagen vermieten.
Zitat:
@romanusko schrieb am 10. Mai 2018 um 13:52:53 Uhr:
........
Mehr macht eine Versicherung auch nicht, nur, dass eine Vertragswerkstatt bei einem Haftpflichtschaden einen Auftrag und Verdienst mit gutem Gewinn wittert und dann die Kosten in die Höhe schnellen. Das ist einfach so. Fahre in die Werkstatt und sage, du bist beim Rückwärtsfahren da an ein Pflanzstein gebummst und frage, wie kostengünstig das repariert werden kann und Du wirst Dich wundern, was dort an heißer Luft im Preis drin ist.
.....
Sehr treffend fomuliert und kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Faktor 2 bzw. 0,5 ist da nicht ungewöhnlich.
Kurzes Update: ich habe einen Gutachter bestellt, er wird am Montag vorbeikommen und sich das ganze anschauen und aufnehmen.
Auch bei der GDV angerufen und herausgefunden, dass die Gegnerversicherung der ADAC ist und auch gleich gemeldet, dass ich schon einen Gutachter habe, damit sie mir keinen eigenen schicken. Wie ist der ADAC in Schadenfällen - fallen sie eher positiv oder negativ auf, also im Bezug auf Kürzung von Zahlungen und sonstigen "Schummeleien"?
Ich würde fiktiv abrechnen und mir auf dem Schrottplatz (solche silberne Opels gibt es in Hülle und Fülle) für kleines Geld eine Stoßstange und das Rücklicht kaufen. Da Du den Wagen eh noch lange fahren willst, würde ich hier nichts neues von der Werkstatt verbauen lassen.
Ich denke mal Stoßstange + Rücklicht + Einbau auf ca. 500-600€ (wenn überhaupt). Und den Rest kannst Du schon mal fürs neue Auto weglegen 😉 da sollte noch ein Tausender oder mehr übrig bleiben.
Wäre dies ein neues Auto 1-5 Jahre alt, würde ich nur Neuteile haben wollen, aber bei einem 11 Jahre alten Opel, macht es wirtschaftlich gesehen keinen Sinn. Ist ja auch kein Liebhaberstück im neuwertigen Zustand 😉
Zitat:
@windelexpress schrieb am 10. Mai 2018 um 08:53:31 Uhr:
Zitat:
@bommel-73 schrieb am 10. Mai 2018 um 06:11:39 Uhr:
Ich lass mir immer zusätzlich noch die Telefonnummer gebenMoin. Wieviele Unfälle hast Du denn im Jahr?
@TE
Ich denke der Schaden ist zu groß,dass der Verursacher den selbst bezahlen möchte. Das wird sich für ihn nicht lohnen, außer Du findest jemanden der die Delle raus bekommt, ohne anschließend lackieren zu müssen.Gruß M
Habe letztes Jahr den Fall von Fahrerflucht gehabt und über die Gdv alle Daten bekommen incl. Telefonnummer
Zitat:
@cube01 schrieb am 12. Mai 2018 um 17:40:20 Uhr:
Lesen bildet
auf welchem Schrottplatz holst du so ein Rücklicht, @neohazard?
Dann holt er sich halt zwei andere Rückleuchten. Gibts im Set schon für 70 Euro.