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Meine Eindrücke zum F20 118d

BMW 1er F20 (Fünftürer)
Themenstarteram 12. Januar 2015 um 6:27

Aufgrund eines Werkstattaufenthalts meines Fahrzeugs kam ich in die Situation, einen 1er, ca. ein halbes Jahr alt, über anderthalb Tage und ca. 120 km bewegen zu können.

Prinzipiell fand ich den ersten 1er optisch interessant, auch den Hängebauch. Der aktuelle hat dagegen imho den Charme eines Ziegelsteins und gefällt mir auch nach relativ langer Zeit am Markt nicht.

Folgendes meine Eindrücke:

Positiv:

- das Exterieur wirkt hochwertig, Spaltmaße, Lackierung usw. sind gut

- im Auto ist es auch bei Geschwindigkeiten über 160 km/h angenehm leise (für Kompaktklassenniveau)

- auch bei starkem Seitenwind ist ein guter Geradeauslauf gegeben

- angenehm kleiner Wendekreis, exakte Lenkung

- gut dosierbare Bremsen

- das Halogenlicht, an sich nichts was man bei einem "Premiumhersteller" noch finden sollte, bietet eine gleichmäßige und relativ weite Ausleuchtung. Das Fernlicht ist nutzlos, erhöht die Ausleuchtung nicht und die Reichweite ist kaum weiter als das Abblendlicht. Ich empfehle ganz klar Xenon.

- überraschend niedriger Verbrauch. Auf meiner täglichen Strecke, auf der meiner ca. 7-7,5 l/100 km nimmt, konnte ich den 1er bei gleicher Fahrweise bei 3,8 - 4,2 l/100 km bewegen (nach Anzeige)

- Sitz lässt sich sehr weit nach hinten stellen (weiter als in meinem 5er mit Komfortsitzen), Lenkrad auch (bin knapp 2 m groß). Sitzposition im Fahrzeug ist gut.

- Kurze Stöße federt der 1er wesentlich besser weg als mein F11, insgesamt ist das Fahrwerk mir aber zu unruhig/unterdämpft, wenn auch keineswegs unsicher wirkend.

- Kofferraum ist überraschend groß, den im Vorgänger habe ich deutlich kleiner in Erinnerung.

Kein Klappern, Knistern o.ä. im Innenraum

iDrive und Telefon-/Bluetoothanbindung BMW-üblich

Negativ:

- Ich hatte angenommen, BMW hätte aus dem X1-Materialauswahl-Debakel gelernt. Leider nicht. Beim Öffnen egal welcher Tür überkommt einen das kalte Grausen. Ein deutlicher Rückschritt zum alten 1er.

Miese Sitzbezüge, die ich in einem Twingo gerade noch akzeptieren würde, billigstes Plastik im ganzen Fahrzeug. Meinen Prius 3 hat man dafür vor 4 Jahren noch ausgelacht, heute ist man hier bei BMW auf demselben Niveau und verkauft es als Premium (die Veloursbezüge und die Teppiche sind beim Prius sogar meilenweit besser).

Die pappige Kofferraumabdeckung und der 90iger Jahre Filzteppich müssen Restbestände vom Lada Samara sein. Mit Baumarktsilbersprühfarbe überzogene Türgriffe usw. usw.

- Über die Seriensitze bei BMW muss man nichts mehr sagen. Einfach unterirdisch. Keine Lordosenstütze, kein Seitenhalt, kein Stützen des Rückens. Ganz klar - Citroenniveau. Im Bereich der Schultern drückt einen der Sitz nach vorn, so dass der Rücken noch krummer wird. Jeder der täglich weitere Strecken fährt und dafür ein Auto sucht, sollte eine ausgiebige Probefahrt machen, um festzustellen, ob er damit klar kommt.

- Innenraum/Fußraum vorn ist sehr eng

- Die knochige, schwergängige BMW-Handschaltung mag man - oder eher nicht. Empfehlung ganz klar - 8HP. Bei 130 km/h ist die Drehzahl 600 U/min höher als bei meinem im jeweils höchsten Gang. Das sind beim Diesel Welten.

- Zum Motor: 4-Zylinder konnte BMW noch nie, und die Tradition ist die letzte, die man noch hochhält. Zwar hat der mir schon bekannte 18d im Vergleich zum 3er wenig Mühe mit dem Auto und die Fahrleistungen sind anständig, Laufruhe und Leistungsentfaltung sind aber nicht überzeugend. Das kann VW, bei vergleichbaren Verbräuchen, besser.

- Der Regensensor funktioniert so schlecht wie im 5er.

- Automatisch abblendende Innenspiegel gibt's beim 5er nur gegen Aufpreis, warum sollte das beim 1er anders sein...

Aber ich hatte auch viel Grund zum Lachen mit dem Fahrzeug:

- Beim ersten Hängenbleiben des Beckens beim Aussteigen zwischen B-Säule und Lenkrad (ich bin nicht übergewichtig)

- Beim ersten Ablegen des rechten Arms auf der Mittelarmlehne. Oops, die gibt es ja nicht, da ist nur ein Loch in der Mittelkonsole...Naja, muss man wenigstens keinen Deckel öffnen, um das Handy abzulegen.

- Beim ersten Öffnen der Heckklappe der Anblick der schwarz lackierten, eilig zusammengebogenen und grässlich vorstehenden Blechstücke, die die Haubenlifter an der weißen Karosserie halten. Dafür sollte es die goldene Ingenieurshimbeere geben.

- Beim ersten Regulieren von Temperatur und Gebläse - ich war ganz verwirrt, weil ich keine Temperaturanzeige an der Bedieneinheit finden konnte. Hab dann die zwei Drehregler gefunden :D

Von mir ganz klar keine Kaufempfehlung. Nirgends klaffen Premiumanspruch und (Innenraum-) Wirklichkeit so auseinander, wie beim 1er (gilt allerdings auch für den F30/31).

Bleibt nur zu hoffen, dass der 1er wenigstens eine dem Preis entsprechende hohe Langzeitqualität hat.

Beste Antwort im Thema
Themenstarteram 12. Januar 2015 um 6:27

Aufgrund eines Werkstattaufenthalts meines Fahrzeugs kam ich in die Situation, einen 1er, ca. ein halbes Jahr alt, über anderthalb Tage und ca. 120 km bewegen zu können.

Prinzipiell fand ich den ersten 1er optisch interessant, auch den Hängebauch. Der aktuelle hat dagegen imho den Charme eines Ziegelsteins und gefällt mir auch nach relativ langer Zeit am Markt nicht.

Folgendes meine Eindrücke:

Positiv:

- das Exterieur wirkt hochwertig, Spaltmaße, Lackierung usw. sind gut

- im Auto ist es auch bei Geschwindigkeiten über 160 km/h angenehm leise (für Kompaktklassenniveau)

- auch bei starkem Seitenwind ist ein guter Geradeauslauf gegeben

- angenehm kleiner Wendekreis, exakte Lenkung

- gut dosierbare Bremsen

- das Halogenlicht, an sich nichts was man bei einem "Premiumhersteller" noch finden sollte, bietet eine gleichmäßige und relativ weite Ausleuchtung. Das Fernlicht ist nutzlos, erhöht die Ausleuchtung nicht und die Reichweite ist kaum weiter als das Abblendlicht. Ich empfehle ganz klar Xenon.

- überraschend niedriger Verbrauch. Auf meiner täglichen Strecke, auf der meiner ca. 7-7,5 l/100 km nimmt, konnte ich den 1er bei gleicher Fahrweise bei 3,8 - 4,2 l/100 km bewegen (nach Anzeige)

- Sitz lässt sich sehr weit nach hinten stellen (weiter als in meinem 5er mit Komfortsitzen), Lenkrad auch (bin knapp 2 m groß). Sitzposition im Fahrzeug ist gut.

- Kurze Stöße federt der 1er wesentlich besser weg als mein F11, insgesamt ist das Fahrwerk mir aber zu unruhig/unterdämpft, wenn auch keineswegs unsicher wirkend.

- Kofferraum ist überraschend groß, den im Vorgänger habe ich deutlich kleiner in Erinnerung.

Kein Klappern, Knistern o.ä. im Innenraum

iDrive und Telefon-/Bluetoothanbindung BMW-üblich

Negativ:

- Ich hatte angenommen, BMW hätte aus dem X1-Materialauswahl-Debakel gelernt. Leider nicht. Beim Öffnen egal welcher Tür überkommt einen das kalte Grausen. Ein deutlicher Rückschritt zum alten 1er.

Miese Sitzbezüge, die ich in einem Twingo gerade noch akzeptieren würde, billigstes Plastik im ganzen Fahrzeug. Meinen Prius 3 hat man dafür vor 4 Jahren noch ausgelacht, heute ist man hier bei BMW auf demselben Niveau und verkauft es als Premium (die Veloursbezüge und die Teppiche sind beim Prius sogar meilenweit besser).

Die pappige Kofferraumabdeckung und der 90iger Jahre Filzteppich müssen Restbestände vom Lada Samara sein. Mit Baumarktsilbersprühfarbe überzogene Türgriffe usw. usw.

- Über die Seriensitze bei BMW muss man nichts mehr sagen. Einfach unterirdisch. Keine Lordosenstütze, kein Seitenhalt, kein Stützen des Rückens. Ganz klar - Citroenniveau. Im Bereich der Schultern drückt einen der Sitz nach vorn, so dass der Rücken noch krummer wird. Jeder der täglich weitere Strecken fährt und dafür ein Auto sucht, sollte eine ausgiebige Probefahrt machen, um festzustellen, ob er damit klar kommt.

- Innenraum/Fußraum vorn ist sehr eng

- Die knochige, schwergängige BMW-Handschaltung mag man - oder eher nicht. Empfehlung ganz klar - 8HP. Bei 130 km/h ist die Drehzahl 600 U/min höher als bei meinem im jeweils höchsten Gang. Das sind beim Diesel Welten.

- Zum Motor: 4-Zylinder konnte BMW noch nie, und die Tradition ist die letzte, die man noch hochhält. Zwar hat der mir schon bekannte 18d im Vergleich zum 3er wenig Mühe mit dem Auto und die Fahrleistungen sind anständig, Laufruhe und Leistungsentfaltung sind aber nicht überzeugend. Das kann VW, bei vergleichbaren Verbräuchen, besser.

- Der Regensensor funktioniert so schlecht wie im 5er.

- Automatisch abblendende Innenspiegel gibt's beim 5er nur gegen Aufpreis, warum sollte das beim 1er anders sein...

Aber ich hatte auch viel Grund zum Lachen mit dem Fahrzeug:

- Beim ersten Hängenbleiben des Beckens beim Aussteigen zwischen B-Säule und Lenkrad (ich bin nicht übergewichtig)

- Beim ersten Ablegen des rechten Arms auf der Mittelarmlehne. Oops, die gibt es ja nicht, da ist nur ein Loch in der Mittelkonsole...Naja, muss man wenigstens keinen Deckel öffnen, um das Handy abzulegen.

- Beim ersten Öffnen der Heckklappe der Anblick der schwarz lackierten, eilig zusammengebogenen und grässlich vorstehenden Blechstücke, die die Haubenlifter an der weißen Karosserie halten. Dafür sollte es die goldene Ingenieurshimbeere geben.

- Beim ersten Regulieren von Temperatur und Gebläse - ich war ganz verwirrt, weil ich keine Temperaturanzeige an der Bedieneinheit finden konnte. Hab dann die zwei Drehregler gefunden :D

Von mir ganz klar keine Kaufempfehlung. Nirgends klaffen Premiumanspruch und (Innenraum-) Wirklichkeit so auseinander, wie beim 1er (gilt allerdings auch für den F30/31).

Bleibt nur zu hoffen, dass der 1er wenigstens eine dem Preis entsprechende hohe Langzeitqualität hat.

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Nun ja, der 1er ist das Einstiegsmodell von BMW und ansich top solide zusammengebaut. Er hat zumindest im Moment noch das Alleinstellungsmerkmal seines Hinterradantriebes, besitz gute Motoren und man vermisst letztendlich nicht wirklich was. Dafür bietet er Fahrfreude und das typische Gefühl, einen BMW zu fahren. Mit dem LCI wird er jetzt nochmals deutlich aufgewertet, so dass ich ihn jetzt als ein sehr gelungenes Fahrzeug empfinde, dass ich jedem anderen Kompakten zur Zeit vorziehen würde.

Zitat:

@[A2]andrè schrieb am 16. Januar 2015 um 21:34:50 Uhr:

Nimmt man z.B. den E39 oder den Primera P11 oder viele andere Modelle der 90er her - die Optik innen ist altbacken, aber alles wirkt echt, "massiv", solide, kein Hartplastiklook, wie aus einem Guss. Sehe ich mir die aktuellen Modelle unterhalb des 5ers an, aber auch die Entwicklung bei anderen Herstellern, so wirkt alles zusammengestückelt, ein wirrer Materialmix, alles auf Hochglanz (vor allem aktuell bei Mercedes), aber immer den unterbewußten Eindruck des mehr Schein als Seins erweckend. Hohl, dünn, wie eine schlechte Kulisse einer Westernstadt. Die verwendeten Bezugsstoffe ebenfalls dünn und primitiv wirkend. So wie man es sich vorstellt, wenn ein Auto nur noch von den Erbsenzählern, und nicht mehr mit der Liebe und Hingabe von Designern und Ingenieuren gebaut wird.

Ich bin diese Woche ganz kurz bei Dunkelheit in einer neuen A3 Limousine mitgefahren. Klar, vieles Hartplastik, aber Innenraumbeleuchtung und Design und die Optik der Materialien ließen ein Wow-Gefühl aufkommen, vor allem wenn man die schlechten Eindrücke vom 1er noch direkt vor sich hat. Und Audi ist für mich die unsympathischste Marke von allen. Sitze wirkten auch besser.

Das ist doch aber wieder nur eine Sache des persönlichen Geschmacks. Ich für meinen Teil finde den A3 furchtbar schrecklich im Innenraum was das Design angeht. Allein diese schrecklichen runden Lüftungsdüsen gehen gar nicht. Und auch der E39 wirkt auf mich einfach antiquiert und überholt. Wollte ich nicht mehr haben.

Gäbe es einen schönen 6 Zylinder Diesel im 1er, würde ich spätestens jetzt zum LCI zum F20 wechseln, weil da für mich alles passt - auch das Design gefällt mir innen wie außen ausgesprochen gut.

Ist wie so vieles im Leben halt Geschmackssache.

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