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Interview mit PSA-Chef Christian Streiff: "Ich zähle keine Autos, sondern Euros"

Themenstarteram 11. März 2008 um 5:51

"Ich zähle keine Autos, sondern Euros"

PSA-Chef Christian Streiff spricht im Interview mit auto motor und sport über Renditeziele, Hybrid-Technik und eine neue Designsprache künftiger Modelle.

Das Interview:

 

AMS: Sie haben ein besseres Finanzergebnis vorgelegt als erwartet. Werden Sie ihre Ziele, eine Umsatzrendite von 5,5 bis sechs Prozent und vier Millionen verkaufte Einheiten bis 2010, schneller erreichen?

PSA-CHEF STREIFF: Ich bin mit dem bisher erreichten in der Tat sehr zufrieden. Ich bin dennoch nicht soweit, die Ziele nach oben zu korrigieren. Wir machen unsere Hausaufgaben gut, aber gibt auch Faktoren wie die Konjunktur, die wir nicht beeinflussen können.

AMS: Aber die Kreditkrise in den USA und der schwache Dollar betreffen Sie ja kaum.

PSA-CHEF STREIFF: Derzeit sind wir in der Tat froh, dass wir nicht in den USA sind. Auch der Anteil des Dollar-Raums am Gesamtabsatz von PSA ist eher klein. Das ist zur Zeit ein Vorteil.

AMS: Sie machen sich also keine Gedanken über einen Produktionsstandort im Dollar-Raum?

PSA-CHEF STREIFF: Wir denken über neue Produktionsstandorte in den schnell wachsenden Märkten nach. In Südamerika zum Beispiel ist der Absatz im zweiten Halbjahr 2007 um 50 Prozent gestiegen. Das macht Spaß.

AMS: Was Ihnen auch Spaß macht, ist die Motoren-Kooperation mit BMW. Mercedes soll sich ebenfalls für die Motoren interessieren. Wie ist der Stand der Gespräche?

PSA-CHEF STREIFF: Solche Gespräche werden von BMW geführt. Ich habe aber den Eindruck, dass es mit einem direkten Wettbewerber von BMW, wie es Mercedes ist, eher nicht zu einer Zusammenarbeit kommen wird.

AMS: Werden Sie mit BMW auch auf anderen Gebieten in Zukunft zusammenarbeiten, etwa bei der Teil-Hybridisierung?

PSA-CHEF STREIFF: Es kann sein, dass wir bei der Hybridisierung etwa beim Einkauf zusammen arbeiten, aber entschieden ist nichts. Das Thema Hybrid ist für uns vielleicht sogar noch wichtiger als für BMW. Ich habe bereits versprochen, dass wir bis 2011 eine Millionen Autos mit Micro-Hybrid-Technik verkaufen werden. Jetzt sage ich sogar: Es werden viel mehr.

AMS: Wie viel Einheiten planen Sie und warum setzen Sie auf Micro-Hybrid?

PSA-CHEF STREIFF: Die Planungen sind noch nicht final abgeschlossen, aber es werden wohl deutlich mehr. Das ist eine für den Kunden bezahlbare Technik, mit der man in der Breite ökologisch viel erreichen kann.

AMS: Vom Diesel-Hybrid sind Sie wegen gestrichener staatlicher Subventionen dagegen abgerückt. Ist das Projekt gestorben?

PSA-CHEF STREIFF: Nein. Das war ein Missverständnis. Wir werden 2010 den Diesel-Hybrid in Serie auf den Markt bringen. Wir werden unsere Lösung wahrscheinlich sogar noch früher als geplant in vielen unserer Autos bringen. Aus Kostengründen geht es aber wohl erst in höherpreisigen Modellen. Doch einführen werden wir den Diesel-Hybrid mit einem ganz neuen Modell.

AMS: Was für ein Modell wird das sein?

PSA-CHEF STREIFF: Details kann ich noch nicht verraten, aber es geht nicht nur um Emissionsreduzierung, sondern um ein Auto mit einem ökologische Gesamtkonzept.

AMS: Kommt die Sport-Variante Peugeot 308 RC-Z in Serie?

PSA-CHEF STREIFF: Wir arbeiten daran, das Auto zu bringen. Doch ich gebe nur grünes Licht, wenn das genug Rendite bringt. Ich habe ein Prinzip, von dem ich auch für den RC-Z nicht abrücken werden: Ich zähle keine Autos, sondern Euros.

AMS: Um Premium-Autos verkaufen zu können gründen viele Volumenmarken Luxus-Ableger wie Toyota mit Lexus. Ist das auch eine Strategie für PSA?

PSA-CHEF STREIFF: Ich kann mir eine eigene PSA-Premiummarke schon vorstellen, aber wir sind noch nicht soweit. Zunächst will ich die Marken Citroen und Peugeot mit höherwertigen Modellen und besserer Qualität nach oben ziehen.

AMS: Können Sie die bisher erreichten Qualitätsfortschritte in Zahlen beschreiben?

PSA-CHEF STREIFF: Im vergangenen Jahr konnten wir die Fehlerquote in den Werken um zwei Drittel senken. Bei der internen Qualität kommen wir jetzt nah an unserer japanischen Wettbewerber. Der Peugeot 308 war in punkto Kundenbeanstandungen im Serienanlauf qualitativ schon besser als der Durchschnitt unserer Fahrzeuge die schon länger vom Band laufen. Wir haben vom Serienanlauf an ein viel besseres Niveau. Die Garantiekosten lagen 2007 schon 20 Prozent unter dem Niveau von 2006.

AMS: Was ist das Ziel für 2008?

PSA-CHEF STREIFF: Wir wollen die Garantiekosten noch mal um 20 Prozent senken.

AMS: Wie positionieren Sie denn Citroen und Peugeot? Citroen scheint zumindest in Sachen Design Peugeot abzuhängen.

PSA-CHEF STREIFF: Citroen ist wirklich auf einem tollen Vormarsch. Aber jedes Design hat nur eine gewisse Halbwertzeit. Irgendwann müssen sie wieder etwas ganz Neues wagen. Für Peugeot bereiten wir eine neue Designsprache für 2011 vor.

AMS: Welches wird das erste Modell mit der neuen Designsprache sein?

PSA-CHEF STREIFF: Das müssen sie von oben nach unten machen. Wir werden mit dem Nachfolger des 407 anfangen.

 

Interview: AMS (Auto-Motor- und Sport)

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4 Antworten
Themenstarteram 11. März 2008 um 8:03

Eine Premium-Marke im Hause Peugeot? Nein danke. Dann soll lieber Peugeot hochwertiger werden und ein Modell oberhalb des 607/608 anbieten. Ich will keine Marke, die oberhalb Peugeot angesiedelt ist. Obwohl es schon geil wäre, wenn Jaguar oder sogar Aston Martin zu Peugeot gehören würde. Nur das würde den PSA-Konzern in den Ruin führen.

Wenn der 408 das erste Modell der neuen Designsprache wird, kommt der neue 608 wohl doch erst 2011/2012??? Wäre doch bekloppt, wenn nächstes Jahr der Nachfolger des 607 mit alter Designsprache auf den Markt kommt. Der wirkt doch sofort altbacken neben dem 408er. Zudem hat Streiff gesagt, das müsse man "von oben nach unten machen", d. h. der 608 müsste das erste Modell mit neuer Designsprache sein. Nicht der 408.

Es ist aber normal, dass ein Oberklasse-Modell wie der 608er länger halten muss, als ein 207 oder 308. 10 - 12 Jahre sind da schon normal. Ein Grund, den 608 mit neuer Designsprache zu bringen. Von 89-99 wurde der 605er produziert. Der 607 wurde 1999 vorgestellt und ist seit 2000 auf dem Markt. Vergleich: Der 307 hat gerade mal 6 Jahre durchgehalten. Auch wenn der 206er noch gebaut wird, so kam sein Nachfolger schon nach 8 Jahren. Das ist relativ normal für ein Erfolgsmodell. Auch der 406er wurde 8 Jahre produziert. Das 206 CC hingegen wurde mit dem 607 eingeführt und sein Nachfolger kam schon nach 7 Jahre.

Ist ja auch egal *LOL*

Zitat:

Original geschrieben von da_mazz

Eine Premium-Marke im Hause Peugeot? Nein danke. Dann soll lieber Peugeot hochwertiger werden und ein Modell oberhalb des 607/608 anbieten. Ich will keine Marke, die oberhalb Peugeot angesiedelt ist. Obwohl es schon geil wäre, wenn Jaguar oder sogar Aston Martin zu Peugeot gehören würde. Nur das würde den PSA-Konzern in den Ruin führen.

...

Jaguar oder gar Aston Martin stehen wohl nicht zur Debatte. Ich denke, es geht eher um die Reanimation einer bereits einverleibten Marke wie Panhard oder Talbot. Wobei ich persönlich sowas für wenig sinnvoll halte. Wer kauft sowas? Bei Daimler und VW mag das ja mit den Marken Maybach und Bugatti mehr oder wenig gut laufen, aber bei PSA finde ich es angebrachter, in die beiden vorhandenen Marken zu investieren und die Qualität zu verbessern.

Ich halte die Einführung einer Luxusmarke auch für wenig sinnvoll. Das würde v.a. in Europa imo. keinen Sinn machen. Lexus, Infiniti und Co. wurden ja speziell für den amerikanischen Markt ins Leben gerufen. Europa steht neuen Marken gegenüber doch eher skeptisch. Ich kenne keine Zahlen, aber ich bin mir sicher, dass Lexus gegenüber den deutschen Oberklasse Marken kaum Boden sieht.

 

Auf die neue Designsprache bin ich gespannt, obwohl ich mich mittlerweile nach anfänglicher Irritation mit der aktuellen sehr angefreundet habe. Ich bin mal auf den 407 Phase II gespannt, der das aktuelle Design bestimmt noch einmal richtig gut aufgreifen wird. Afaik soll er im Herbst kommen, aber leider gibt es noch keine offiziellen Bilder (was ich etwas verwirrend finde).

 

In der vorletzten Ausgabe der Auto-Motor-Sport gab es ein Bild vom neuen 408, das schon erstaunlich fertig ausgesehn hat. Silhouette bleibt ähnlich (was mich freut), das Heck wird etwas knackiger. Die Front hat einen großen mittig angeordneten rechteckigen Kühlergrill, der mich sehr stark an den  Jaguar XF erinnert hat. Die Scheinwerfer bleiben... naja groß, wie gewohnt halt :cool:...

 

Wegen mir könnte die jetzige Designsprache auch noch ein wenig ausgebaut werden, weil mich interessieren schöne Autos mehr als Euros, im Gegensatz zu M. Streiff. Aber es scheint beim 308 weniger gut anzukommen als beim 207. Wobei ich auch mittlerweile einige bei uns auf der Straße tummeln (wobei Peugeot im Saarland seit jeher einen überdurchschnittlich guten Stand hat).

 

 

Zitat:

Original geschrieben von da_mazz

"Ich zähle keine Autos, sondern Euros"

 

PSA-CHEF STREIFF: Im vergangenen Jahr konnten wir die Fehlerquote in den Werken um zwei Drittel senken. Bei der internen Qualität kommen wir jetzt nah an unserer japanischen Wettbewerber. Der Peugeot 308 war in punkto Kundenbeanstandungen im Serienanlauf qualitativ schon besser als der Durchschnitt unserer Fahrzeuge die schon länger vom Band laufen. Wir haben vom Serienanlauf an ein viel besseres Niveau. Die Garantiekosten lagen 2007 schon 20 Prozent unter dem Niveau von 2006.

 

AMS: Was ist das Ziel für 2008?

 

PSA-CHEF STREIFF: Wir wollen die Garantiekosten noch mal um 20 Prozent senken.

 

 

 

 

 

 

Es ist ja schön und gut, wenn Streiff die Qualität verbessern will. Nur die Prognose für 08 macht mir Sorgen. Qualität weiter verbessern als Statement hätte ich gut gefunden, aber Garantiekosten senken klingt für mich alarmierend nach "Garantieleistungen" noch weiter zusammenzustreichen. Bei der momentan nicht existenten Kulanz würde ich es mich nicht trauen, einen Peugeot ohne Garantieerweiterung zu kaufen, nur wenn selbst die dann nix mehr abdeckt.....

 

 

Murxer

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