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Corona-Hilfen für Selbstständige

Themenstarteram 21. März 2020 um 9:50

Hallo zusammen,

ich kann mir vorstellen, dass viele von euch momentan um ihre Existenz bangen und sehnsüchtig darauf warten, dass die von der Bundesregierung versprochenen Hilfsmittel bei ihnen ankommen.

Die Lage ist sehr ernst. Ich bekomme das aktuell durch meinen Beruf als Kreditanalyst/Entscheider für Geschäfts- und Firmenkunden sehr deutlich zu spüren. Auch im privaten Umfeld rufen mich viele Selbstständige an und fragen nach ob ich was gehört hätte.

Die Bundesregierung hat nun mehrmals kundgetan, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Notfallhilfen unter das Volk bringen soll. Die KfW ist keine direkte Kundenbank. Fördermittel erhält man nur über die eigene Hausbank, welche diese Kredite über die KfW beantragt.

Aktuelle Situation:

Momentan bietet die KfW nur ihre normalen Förderdarlehen an.

www.kfw.de/.../F%C3%B6rderprodukte-(S3).html

Hierbei handelt es sich um Kreditprodukte, die meistens nur für bonitäre Bestandskunden von Banken gedacht sind.

Was ist der Vorteil für die Hausbanken? Der Haftungsausschluss. Die KfW übernimmt 80% des Risikos sollte der Kredit ausfallen.

Viele Hausbanken bieten diese KfW-Darlehen aus gutem Grund nicht an. Denn der Aufwand bei der Beantragung und Verwaltung ist immens hoch. Man darf nicht vergessen, dort sitzen Beamte. Die nehmen es sehr genau, wollen akkurate Unterlagen, etc. Auch sind oft die Fristen denkbar knapp, bei Antragsstellung dürfen keine Fehler passieren. Und die KfW will auch während der Kreditlaufzeit Unterlagen. Wenn der Selbstständige nicht liefert, dann kündigt die KfW das Programm wegen Verstoßes gegen die Auflagen. Die Hausbank trägt dann das volle Risiko und muss die Restschuld an die KfW zurückzahlen.

Momentan arbeitet meine Bank - und das wird nun auch bei den Konkurrenzgesellschaften ähnlich sein - mit Hochdruck daran diese Förderdarlehen anbieten zu können. Ich war gestern alleine schon in fünf Telefonkonferenzen.

Hier wird ein neues Produkt mit allem was dazugehört mit der Brechstange implementiert. Ganz simpel ausgedrückt: Keiner weiß aktuell wie die Beantragung laufen wird, wie man das bearbeitet, wie lange ein solcher Prozess dauern wird, wann der Kunde sein Geld bekommt, wie die Abwicklung später aussehen wird.

Das neue Programm soll ab Montag bereits bei uns laufen!

Die KfW will wohl am 14. April (!) ihr neues Corona-Produkt vorstellen. Das sind noch fast drei Wochen.

Unterdessen versuchen wir alles um den normalen Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten. Wir haben unser Team aufgeteilt und räumlich voneinander getrennt, sodass wenn sich ein Teil des Teams infiziert, nicht der ganze Laden in Quarantäne muss. Außerdem wird bei uns nun Home Office getestet. Etwas, was der Arbeitgeber nie wollte. Jetzt in der Krise ist alles möglich! Daher versuchen wir mit aller Macht gerade jeden Prozess zu digitalisieren.

Es wird keiner weggeschickt, der arbeiten kann. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind hochkomplex. Wir haben seit Jahren ein Problem in dem Bereich die Stellen zu besetzen, weil das Know-How fehlt. Hier rächt sich die Personalpolitik der letzten Jahre. Gute Azubis nicht übernehmen wollen, dafür Zeitarbeiter für sechs Monate befristet einstellen, die Hilfsarbeiten ausführen sollen, nur damit man die Nächsten ein halbes Jahr später wieder ausbilden darf.

Wir bekommen mit unserer kostenoptimierten Truppe ja schon das Tagesgeschäft kaum gestemmt. Zusätzlich belastet werden wir dieses Jahr durch neue Verordnungen, wie bspw. verschärfte Geldwäscheregeln (angepasster Know Your Customer-Prozess), und die Meldungen an das Transparenzregister des Deutschen Zolls.

Überstunden und Wochenendarbeit wurden bereits beim Betriebsrat beantragt. Wir wissen um den Stellenwert unserer Verantwortung und werden alles tun um unseren Kunden bestmöglich zu helfen und gerecht zu werden.

Mit jedem Tag kann sich etwas ändern!

Was kann ich als Selbstständiger tun?

Wenn noch nicht geschehen ist jetzt ein guter Zeitpunkt die wirtschaftlichen Unterlagen auf Vordermann zu bringen. Minimalanforderungen:

- Jahresabschluss 2018, am besten mit der Anlage Sonstige Konten (Minimum Anlage EÜR der Steuererklärung 2018)

- BWA Dez. 12/2019 inklusive Summen- und Saldenliste

- unter Umständen bereits eine BWA inkl. SuSa aus dem ersten Quartal.

- Einkommenssteuerbescheid 2018 sollte so langsam da sein

- Vermögensnachweise (Rücklagen, Immobilie, etc.)

- Investitionsplan, Erklärung welche Auswirkungen Corona auf den Betrieb hat

- akt. Personalausweis

- sich auf lange Wartezeiten einstellen, nach Kontokorrent bei der Hausbank nachfragen

Nochmal: Bei der KfW arbeiten Beamte. Die nehmen es sehr genau. Wer nicht liefert, bleibt auf der Strecke.

Achtet darauf, dass alles so akkurat wie möglich gebucht ist. Fehlende Anfangsbestände machen die Unterlagen bspw. nicht verwertbar.

Ich kann auch appellieren: Reicht die Brocken komplett ein. Wir Analysten können nicht jedem hinterherrennen. Reagiert auf E-Mails. Ich habe diesen Monat bereits 55 Anträge in Bearbeitung, davon 40 nicht komplett eingereicht. Ich kann mir nicht alles merken. Telefonischer Kontakt, während ich bspw. Bilanzanalyse einer GmbH & Co. KG mit mehreren Tochterunternehmen betreibe, ist einfach nicht zu leisten.

Wenn ich eine Mail bekomme, sehe ich das. Und ich werde beim nächstmöglichen Zeitpunkt reagieren. Mich ärgern Anrufe, in denen die Leute das fragen was bereits in der Mail stand. Ich weise in meinen Mails auch ausdrücklich daraufhin, dass man am besten einen Telefontermin via Mail vereinbart. Die Leute greifen stattdessen trotzdem lieber direkt zum Telefon und wollen auf Anhieb alles wissen, als ob sie meine einzigen Kunden wären. Ich glaube auch, dass die meisten sich gar nicht vorstellen können welcher Aufwand selbst hinter der Einrichtung eines Kredits von 10 TEUR steht, und wie viele Details ich klären muss.

Kontaktiert eure Ansprechpartner bei der Bank. Jeden Tag kann sich etwas ändern. Das heißt auch, dass man es ein paar Tage später wieder probieren sollte.

Ich kann an der Stelle nur spekulieren, kann mir aber vorstellen, dass diejenigen, die bereits vor der Krise knapp bei Kasse waren (hohe Kontokorrent-Dauerinanspruchnahme, negatives Eigenkapital, etc.) leer ausgehen werden. Daher ist meine Vermutung, dass diejenigen, die eh schon von der Hand in den Mund gelebt haben, reihenweise umkippen werden. Das ist für manche Banken bestimmt auch ein Problem, die jetzt schon erste Ausfälle zu verzeichnen haben werden. Meine Bank war schon immer sehr konservativ und risikobewusst. Wir haben auch ganz klar immer die aktuelle Konjunkturlage im Blick und wir waren uns sehr bewusst, dass viele Geschäftsmodelle nur aufgrund des Dauer-Booms überleben.

Neuigkeiten werde ich hier einstellen. Es kann aber durchaus sein, dass ich mehrere Tage nichts posten werde, da ich beruflich momentan sehr eingespannt bin. Ich werde heute auch von zu Hause aus ein paar Arbeiten erledigen. Ich wünsche jedem viel Kraft und Erfolg.

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119 Antworten

OT dazuzuschreiben macht es eher schlimmer, als besser ... Vorsatz!

Bleibt bitte beim Thema

Zitat:

@Nogolf schrieb am 7. April 2020 um 20:50:42 Uhr:

OT dazuzuschreiben macht es eher schlimmer, als besser ... Vorsatz!

klar. Mein OT war nur ein Seitenhieb auf die Unterbindung der Ämter von Einsparmöglichkeiten von Selbständigen durch die Verhinderung von Einsparmöglichkeiten mittels Abmeldung von Firmenfahrzeugen. Doppelt sind die Selbständige getroffen, die selbst angeschaffte Geschäftsfahrzeuge mit Ein-Prozent-Regel nutzen. Bezug zum ursprünglichen Thema war damit gegeben :cool:

[Edit: nogolf ist zur Zeit auch ein Problem:):p. Unser Golfplatz ist geschlossen, obwohl dort die 2m Abstandsregelung problemlos einzuhalten wäre]

doppelt

Ergänzung zu meinen Ausführungen zu Betrugsmaschen bei Soforthilfe in BaWü:

 

NRW zieht die Notbremse, die ehrlichen und darauf angewiesenen schauen erstmal in die Röhre.

 

"Betrugsverdacht: NRW stoppt vorerst Auszahlung von Soforthilfen

 

9.48 Uhr: Nordrhein-Westfalen hat die Auszahlung von Landes-Soforthilfen für Solo-Selbständige und Kleinstbetriebe vorerst gestoppt. Das habe das Wirtschaftsministerium (MWIDE) in Abstimmung mit dem Landeskriminalamt entschieden, teilte die Staatskanzlei mit. Demnach haben Betreiber auf Fake-Seiten mit gefälschten Antragsformularen Daten abgefischt und diese mutmaßlich für kriminelle Machenschaften genutzt.

 

Daraufhin habe das Land die Bezirksregierungen angewiesen, die weitere Auszahlung der Gelder vorerst auszusetzen.

 

Kleinunternehmen und Selbstständige können dem Ministerium zufolge aber weiter die Soforthilfe beantragen. Es solle dafür aber ausschließlich die offizielle Internetseite genutzt werden - https://soforthilfe-corona.nrw.de. Das Ministerium will zeitnah über die weitere Entwicklung informieren. Antragsteller, die auf ihre Überweisung warten, wurden um Geduld gebeten. "

 

https://www.spiegel.de/.../...9-a-54d37937-d942-4f2a-a0d0-fe7f004870ce

Das sich da Verbrecher bereichern wollen war doch klar und deshalb habe ich nie verstanden, dass es so angelegt wurde. Sicher währe ein Antrag über das System der Finanzämter gewesen (Elster).

Einfach nur widerwärtig. Solche Leute möge der Blitz beim Scheißen treffen.

Nach ca. 1 Woche kommt die Erlaubnis zum Beratungsbeginn für die Förderung der Unternehmensberatung der BAFA. Geht also ähnlich schnell wie die Soforthilfe (in Bayern).

Ob dann schlussendlich gefördert wird, wird entschieden, wenn man beraten wurde und man die Rechnung und den Beratungsbericht denen online übermittelt hat. Es gibt keinen Freifahrtschein.

Hallo zusammen,

wir sind ein Familienunternehmen und haben ein Lebensmittelgroßhandel seit 23 Jahren.

Aufgrund der Coronakrise und den Allseits bekannten Hamsterkäufe hatten wir im März 2020 einen sehr deutlichen Umsatzrekord seit der Gründung. Auch Aktuell im April hat es kaum nachgelassen. Das Geschäft boomt wie verrückt und wir kommen den Aufträgen nicht ansatzweise hinterher.

Das hört sich erstmal schön an, jedoch ist es nicht wirklich, denn meine Kunden sind deutlich zahlungsunfähiger geworden, trotz der scheinbar guten Geschäfte, zumindest was meine Produkte betrifft.

Dies hat dazu geführt, dass meine Forderungen seit Anfang der Coronakrise stetig gestiegen sind und nun auch einen Rekord gebrochen haben und ich meinem Geld viel energischer hinterher rennen muss.

Die Forderungen haben sich prozentual deutlich mehr erhöht als mein Umsatz.

Dies beeinflusst natürlich unsere Liquidität und ich kaufe derzeit einige Produkte in kleineren Mengen ein, was einen schlechteren Preis, somit geringeren Gewinn zur Folge hat.

Ist zwar alles nichts weltbewegendes, aber ist schon deutlich spürbar.

Ich weiß aktuell natürlich nicht, wie die Zahlungen in den nächsten 1-6 Monate aussehen werden. Sollten die weiterhin so schwach bleiben, überlege ich die NRW Soforthilfe zu beantragen. Dies wäre zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin.

Viele meiner Freunde (Autohändler, Juwelierladen, Friseursalon) haben es schon beantragt und auch schon bekommen. Bislang hatte ich nicht daran gedacht, doch jetzt schon.

An die Fachleute:

Wie wertet ihr mein Fall?

Wäre die Soforthilfe bei mir berechtigt?

Auch gerade wegen der Hamsterkäufe (auf Vorrat) vermute ich, dass demnächst der Umsatz wieder runter gehen wird.

Hätte es für mich schlimme Konsequenzen dies zu beantragen? Oder würden die im schlimmsten Fall nach der Krise sagen, zahl das Geld zurück und fertig...

Themenstarteram 10. April 2020 um 7:47

Hier kann dir mit Sicherheit niemand eine juristisch wasserdichte Antwort geben, nur Mutmaßungen. Ich würde behaupten, dass dein Fall erklärbar ist, und dass der Staat hier vorsichtig umgehen wird, wen er hinterher bestraft. Es geht jetzt - und auch später - darum die Wirtschaft zu retten und den Leuten das Leben angesichts dieser Krise zu erleichtern.

Ihr seid ja das Paradebeispiel für ein in "Not" geratenes Unternehmen, welches aufgrund der Pandemiemaßnahmen in die Krise geraten ist.

Wäre denn nicht Factoring etwas, was dir in diesen Zeiten helfen würde deine Liquidität wiederherzustellen? Sicher, auf einen Teil deiner Forderungen müsstest du verzichten, aber das müsstest du sowieso wenn die Zahler ausfallen.

Mit dem Berechnungsbeispiel der Soforthilfe kannst du ja ausrechnen, ob eine Liquiditätsverringerung vorliegt. Das kannst nur du ausrechnen und versuchen, Hamsterkäufe als zukünftiges Minus darzustellen. Wachsende Außenstände lassen sich wahrscheinlich einfacher zu Papier bringen.

Um bei der ganzen Meckerei auf den Staat mal was Positives beizutragen:

Hier in Berlin läuft die Bearbeitung der Zuschüsse (5.000€) unfassbar gut ab. Es gab eine riesige Warteschlange, die allerdings zügig abgearbeitet wurde. Ich war Sonntag Abend an der Reihe und Dienstag früh(!) war das Geld drauf, noch vor(!) der Bestätigungsmail. Das ist hier kein Einzelfall.

Betrogen wurde und wird wohl weiterhin, zusätzlich musste sich das Portal mit zahlreichen Hackerangriffen abplagen.

Ich bin mir sicher, dass sich im Zuge der Aufarbeitung noch so mancher wundern wird und das Geld wird zurückzahlen müssen.

Witzig, dass du Berlin hervorhebst. Dazu gab es gerade einen interessanten Artikel im Spiegel:

https://www.spiegel.de/.../...n-a-f9641bb7-8af9-4e52-b6bb-6906bed59b6f

Kurz und knapp:

In Berlin kann man die Soforthilfe so einfach bekommen, wie Geld am Bankautomaten. Scheint förmlich zum Missbrauch einzuladen.

Natürlich tut es das. Man wird im Nachgang auch nicht jeden erwischen, aber all diejenigen, die das jetzt als willkommenes Geschenk zum Verballern ansehen, werden sich später womöglich noch wundern.

Was mich davon abgesehen auch ziemlich ankot*t, ist die ich-mache-mir-schön-die-Taschen-voll-Mentaliät vieler.

Ich persönlich würde niemals die 9.000€ Bundesmittel beantragen, weil sie mir a) nicht zustehen und b) ich sie schlicht nicht benötige. Das scheinen viele anders zu sehen (siehe auch der verlinkte Artikel) - wenn ich wirklich gut verdiene/reichlich Polster habe, würde ich persönlich einfach nicht mehr in den Spiegel schauen können.

Guten morgen.

Ich hatte gestern ein Gespräch mit jemandem, dessen Gewerbetätigkeit offensichtlich keineswegs negativ von der Coronakrise betroffen ist, ganz im Gegenteil, er prahlte damit, dass Dank der Corona die Geschäfte astrein laufen würden, der Kontostand sich permanent erhöhen würde und er sehr zufrieden sei.

Dennoch sagte er, dass er die Soforthilfe beantragt hat und prombt auch bekommen hat.

Er lächelte und sagte, die Tankkosten seines privaten Sportwagen sei damit für die nächsten 3 Jahre bezahlt und bedankte sich an alle, die fleißig die 19% MwSt zahlen und es damit finanziert haben.

Das ganze hat mich echt zum Kochen gebracht - dennoch habe ich ihn meine Meinung dazu nicht gesagt, weil ich ernsthaft am überlegen bin, ihn beim Finanzamt zu melden. Ich will später keine Feinde!

Ich finde es wirklich sehr schade, dass der Staat anscheinend ohne jegliche Prüfung (fast) alles durchwinkt und das Geld direkt überweist.

Natürlich sollte das schnell gehen und Leute in Not helfen, aber man könnte sich ja zumindest die Entwicklung des Kontostandes der letzten Monate anschauen oder Auskunft vom Steuerberater einholen über den Umsatz der letzten Monate.

Noch viel schlimmer ist natürlich, dass diese Gauner sowas ausnutzen und das Geld grundlos kassieren. Aber solche Leute gab es schon immer und wird es auch immer geben.

Weiß jemand, wo ich mich diesbezüglich (anonym) melden kann?

Oder ist sowas eher unerwünscht bzw. nutzlos?

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