Automatik verliert den Kraftschluss

Mercedes W201 190er

Brauche mal einen Rat bezüglich eines defekten Automaten. Unsere Bergziege steht leider seit drei Wochen mit arbeitsunwilligem Getriebe. Jetzt bin ich am Überlegen, welche Vorab-Prüfungen sinnvoll wären bevor ich den Weg gehe das Getriebe für viel Geld zur Reparatur ausbauen zu lassen.

190D 2.5 / Bj. 87 / 200 TKM (gerade erreicht)

Das Getriebeöl (auch Wandler) und der Filter wurden vor ca. einem Jahr und 10.000 KM gewechselt. Das abgelassene Öl war rein, kein Geruch, Farbe ok. Gertriebeölstand ist auch jetzt richtig. Kalt etwas unter der Min-Marke und warm knapp unter Max-Marke. Geruch auch immer noch normal.

Jetzt die Geschichte:
Seit etwa drei Jahren hat das Getriebe Schwierigkeiten unter Last von 2nach3 und von 3nach4 zu schalten. Der Motor dreht hoch. Bei kurzer Gaswegnahme folgte der Gangwechsel dann sanft. So war es bis kürzlich.
Als es im Januar so kalt war fing er an nach dem Kaltstart bei eingelegter Fahrstufe zu ruppeln, so als wenn man bei einem Schalter die Kupplung bei angezogener Handbremse leicht anschleifen lässt. Besonders stark war das Ruppeln bei eingelegtem Rückwärtsgang. Sobald er losfahren durfte ging das Ruppeln weg.
Jetzt war der Meister auf Probefahrt (von mir daheim aus) und als er von der Schnellstraße abfuhr (noch problemlos) verlor er beim Gasgeben den Kraftschluss. Der Motor drehte hoch und der Vortrieb setzte erst bei ruhigerem Lauf wieder ein. Mit Mühe daheim angekommen (nach ca. 1 KM) konnte man nur noch in Stufe 2 anfahren (also im 1.) und in diesem Gang ganz langsam tuckeln. Bei mittlerem Gas wieder Verlust des Kraftschlusses und beim Schaltversuch in den zweiten sofort völliger Antriebsverlust.
Jetzt nach ein paar Tagen Standzeit: Nach dem Anlassen des Motors zwitschert das Getriebe. Bei Einlegen einer Fahrstufe verschwindet das Zwitschern aber es passiert erstmal garnichts. Kein Ruck, kein Ruppeln, einfach nichts. Nach einigen Sekunden, oder auch erst nach einer Minute, senkt sich leicht die Motordrehzahl und dann fährt er ganz zart an. Dann kommt der kleine Ruck und er fährt stramm an. Beim Gasgeben reißt der Antrieb aber sofort wieder ab und die Wartezeit beginnt von vorne oder es passiert auch nach Minuten nichts.
Wenn er zart anfährt, dann ruppelt er erst leicht und dann kommt "bubs" der volle Kraftschluss.

Meine Frage an die Automaten-Experten: Gibts da irgendwas von außern zu prüfen? Schrauben kann ich, aber wo anfangen? Unterdruckleitungen, Modulierdruckdose,...?

10 Antworten

hallo,
als erstes würde ich das öl ablassen- dann weiß man schon ziemlich genau was los ist- wenns schwarz und verbrannt riecht weißt du das dir da nix gutes bevorsteht.

ansonsten guck dir mal dieses thread an- stichwort: schaltrutschen/federpaket...

http://190rev.net/forums/showthread.php?t=37987

Das Federpaket ist eine Option, allerdings erst wenn das Schalten überhaupt wieder grundlegend funktioniert. Werde es schon mal bestellen. (Wirklich eine erstklassige Anleitung. Danke!)

Das ATF aben wir noch einmal erneuert, natürlich auch am Wandler und der Filter ist auch neu. Das abgelassene Öl war frisch wie eingefüllt und Bruchstücke oder Späne sind uns auch nicht begegnet. Die Kardanwelle ist auch spielfrei. Motorlager sind auch intakt. Nach dem ATF-Wechsel hat sich auch nach längerem Motorlauf und diversen Runden durchs Dorf keinerlei Änderung eingestellt.

Also weitergeforscht und eine neue Beobachtung. Ziehe ich den Unterdruckschlauch für den Modulierdruck an der ESP ab, dann verstärkt sich das Zwitschergeräusch erheblich (es kreischt) und wenn der Schlauch wieder drauf ist verstummt es fast, aber nicht vollständig. Es zwitschert und ruckelt stärker bei R und und eingelegter Stufe 2. In P,N,D,3 ist es ruhig.

Zustand jetzt: Kaltes AT, schnelle Reaktion bei Gangwechsel, fast wie normal.
Mittelwarmes AT, lahme Reaktion bei Gangwechsel, Fährt aber an, kommt aber nicht in Gang 3 (heult nur auf). Nach Verlangsamung auf Tempo entsprechend Gang 2 ist im 2. Gang wieder Vortrieb da.

Frage: Was passiert eigentlich, wenn das Unterdrucksystem nicht geschlossen ist (undicht)? Entweicht dann der Arbeitsdruck über die Modulierdruckdose ins Freie? Kommt es dann zu (meinen) Funktionsstörungen? Ich hätte gedacht dass dann nur die Schaltvorgänge knallhart sind.

Werde wahnsinnig ...
Ds AT hatte inzwischen wieder prima funktioniert. Ursache für den Kraftverlust blieb ungeklärt. Irgendwann kam immer mehr Vortrieb und dann war alles wieder wie normal. Fahrstufe einlegen, Ruck drin, Schalten ging prima. 800 KM gefahren. Rückschaltungen problemlos, Kickdown, alles normal.
Jetzt war er in der Werkstatt für neue Spurstangen. Probefahrt 3Km Stadtverkehr, dann Schnellstraße (noch problemlos) und in der langgezogenen Auffahrtsschleife zur nächsten Schnellstraße (rechts herum, leicht bergauf) ging der Vortrieb verloren. Nix mehr. Liegengeblieben. Abschleppen (langsam, 2KM) zurück zur Werkstatt. Ratlosigkeit.
Wie beim ersten Ausfall. Wenn ich jetzt eine Fahrstufe einlege passiert erstmal nix. Nach längerer Wartezeit kommt manchmal zaghaft ein Anrucken. Dann kann er anrollen. Rückwärts besser als vorwärts. In Stufe 2 auch mal vorwäts, in 3 oder D kommt überhauppt kein Vortrieb.
Wann er denn mal anruckt und anrollt verliert er beim Gasgeben sofort wieder den Antrieb. Beim Anhalten ruppelt es manchmal noch kurz vor dem Stillstand.

Wenn ich den Unterdruckschlauch für die Modulierdruckdose abziehe fängt das Getriebe an zu quietschen (so zwischen quietschen und grunzen) Welches Bauteil gibt solche Laute von sich?

Könnte sein das die Bremsbänder hinüber sind,Mercedes warnt vor fahren mit rutschenden Bändern,nehme mal an du wirst den Super Gau haben,übrings sind alle Automatikgetriebe von den Motorvarianten gleich denn die Übersetzung macht das Dif.In wieweit Unterschiede vom Baujahr her sind entzieht sich meiner Kenntnis.
Hätte noch ein Automatikgetriebe über müßte das ominöse Federpaket für den Modulationsdruck gewechselt werden.Bei Deinem wette ich halbes Schwein unt Zentner Senf das es nicht zu retten ist.
Grüße jörg

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Zitat:

Original geschrieben von 91er500er


Könnte sein das die Bremsbänder hinüber sind

Die Bremsbänder dürften es nicht sein. Nach dem Anlassen funktioniert der erste Schaltvorgang in D oder R völlig normal. Ruck, Kraftschluss, fährt los ohne den Antrieb zu verlieren. Wenn ich dann wieder anhalte und über N in eine andere Fahrstufe gehe, geht es vielleicht auch noch ein zweites Mal zügig. Dann wird es schlapper und nach ein paar Schaltvorgängen geht die Reaktion gegen Null. Wenn ich ihn anlasse und eine Zeit warte ist es auch vorbei ohne dass ich ene Fahrstufe eingelegt habe.

Wenn er denn eine Weile an ist und ich auf D schalte, legt es nach längerer Wartezeit eine Stufe ein, ruck aber gleich wieder raus, wieder rein, wieder raus.

Wie ist das mit dem Ölfilter? Kann sich durch den Ölwechsel vor ca. 10.000 KM soviel Ölschlamm gelöst haben der jetzt alles dichtmacht? Hat jemand das so extrem schon mal gehabt?

Lass ein bißchen ab und schau es dir an besten in einem klaren Glas an ,du weißt, nur ein paar Staubkörner ruinieren u.U deine Bremsbänder.Immer pingelig sein im Umgang damit, zu zu allen Überfluß ist das Zeug giftig.Also trüb ist nicht gut alles andere wie die Ursprüngliche Farbe Deines Öls auch nicht.
Hört sich alles so an das bei kaltem Öl noch ein Drukaufbau stattfindet.Wechsel das Federpaket wie ich gehört habe gibt es verstärkte,ist wohl damit sie länger halten.Hatte es vor kurzem beim 2l das Problem aber nur beim wechsel in den vierten,da war der wechsel erfolgreich.Bei deinem weiß ich nicht so recht vermute da ist mehr los.Ich brauch nicht lange für sowas deshalb würd ich es versuchen doch mich deucht Dein Übel ist größer hoffentlich hast du eine bühne sonst wirds Kompliziert
Hab das Federpaket mitlerweile (heute)gewechselt hat eh son Franzose gewonnen das Rennen war flöten.
Grüße Jörg

So, Ursache gefunden und beseitigt. Der Filter war absolut dicht. Bemerkenswert, da er erst vor ca. 10.000 KM reingekommen war. In der Ölwanne waren ein paar Ablagerungen zu finden. Zum Glück aber keine "Feststoffe". Nachvollziehbar allerdings, dass wenn diese Schlieren in den Filter wandern irgendwann alles dicht ist. Ich denke vor dem letzten ATF-Wechsel war das Öl einfach viel zu lange drin. Ich schätze mal 10-15 Jahre. Da war der Wagen noch nicht bei mir in Pflege.
Werde mal für Spätsommer/Herbst einen weiteren Ölwechsel einplanen, schon um zu prüfen ob sich noch mehr Schleim aus den Kanälen löst. Bin jetzt erstmal froh dass technisch keine Defekte vorliegen.

Hallo

Für die Ölwanne des autom. Getriebes gibt es einen flachen Magneten.
Einfach reinlegen im Spätsommer/Herbst ...

Grüße Helmut

Wieso im Spätsommer? komm ich nicht mit.Schleimig? Kann es sein das es irgendwie mit Feuchtigkeit zu tun hat?
Auf jeden Fall freu ich mich für Dich unsere Opas vertragen halt mehr als die jungen und noch mal wechseln ist bestimmt gut, sicher ist sicher.
Grüße jörg

Nachtrag: Nachdem nun der Kraftschluss wieder ordentlich vorhanden ist, funktioniert auch das Schalten wieder bestens. Unterdruckschlauch für den Modulierdruck abgezogen und die Schaltvorgänge sind knackig wie sie sein sollen (ohne Modulierdruck). Feinabstimmung kommt morgen.

Und was lernen wir daraus? Wer den Getriebeölwechsel ewig lange vernachlässigt wird nach dem Wechsel die freigespülten Ablagerungen im vermeindlich noch frischen Filter vorfinden. Also, wechseln ... und wieder wechseln. Und nächstes Mal, rechtzeitig wechseln.

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