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hadez' VAG Coding-Mania

Tipps, Tricks & Tweaks zu VAG Codierungen

16.01.2020 13:21    |    hadez16    |    Kommentare (4)

Grundfunktionen der Steuergeräte

 

Jedes Steuergerät in Fahrzeugen des VAG Konzerns bietet potenziell verschiedene Funktionen bzw. Bereiche an, die man mittels Diagnose-Werkzeug erreichen kann

 

  • Fehlerspeicher
  • Messwertblöcke / Messwerte
  • Stellglieddiagnosen
  • Grundeinstellungen
  • Codierung
  • Anpassung
  • Zugriffsberechtigung / Login

 

Diese Bereiche sind Funktionsbestandteile des Steuergeräts. Es ist keine Eigenschaft des jeweiligen Werkzeugs, sondern das Werkzeug bietet lediglich den Zugriff darauf an.

 

Mit anderen Worten ist es unabhängig vom eingesetzten Werkzeug, egal ob VCDS, VCP, ODIS, OBD11, ... die Buttons sind ggf. nur anders benannt, jedoch bieten alle brauchbaren Werkzeuge Zugriff auf diese Bereiche eines Steuergeräts.

 

Fehlerspeicher

 

Hier werden Fehler abgelegt, die das Steuergerät als solche erkennt, mit der Möglichkeit den Fehlerspeicher zu löschen. Akute Fehler werden dann unmittelbar erneut abgelegt.

 

Messwertblöcke / Messwerte

 

Hier können Messwerte eingesehen werden, die zum Einen Informationen über den internen Status des Steuergeräts preisgeben, und zum Anderen Werte über an das Steuergerät angeschlossene Sensoren anzeigen.

 

Zum Unterschied von "Messwertblöcke" und "Messwerte" im Kapitel "CAN vs. UDS".

 

Stellglieddiagnose

 

Die Funktion der Stellglieddiganose bietet die Möglichkeit gezielt Aktoren des Steuergeräts anzusteuern um deren Funktion zu prüfen. Beispiel: "Fensterheber aktivieren" in einem Türsteuergerät, oder "Scheibenwischer Front" in einer Zentralelektrik.

 

So lassen sich Fehlerquellen, wie bspw. ein defekter Blinkerhebel, besser eingrenzen.

 

Grundeinstellung

 

Die Grundeinstellungen in einem Steuergerät dienen dazu Routinen auszuführen um Sensoren oder Aktoren neu anzulernen oder sie zu kalibrieren.

 

Manche Steuergeräte verweigern gänzlich ihre Arbeit, sollte ein Fehler "Keine Grundeinstellung" im Fehlerspeicher abgelegt sein. Nach vielen Reparaturarbeiten ist es notwendig die Routine zu einer Grundeinstellung via Diagnosewerkzeug auszulösen, um ein Bauteil korrekt an das Steuergerät anzulernen.

 

Es gibt jedoch auch Grundeinstellungen, die manuell ausgeführt werden müssen, um den Fehler zu beseitigen. Bspw. das komplette Aus- und Einklappen einer Anhängerkupplung, oder das Öffnen und Schließen einer elektrischen Heckklappe.

 

Warnung: Es ist nicht selten, dass ein Diagnosewerkzeug Einträge bei "Grundeinstellung" auflistet, welche das Steuergerät gänzlich unbrauchbar machen können, da Lernwerte oder Kalibrierungen schlicht gelöscht werden. Ist das passiert, hilft oft nur der Weg zum Freundlichen. Also achtet ganz genau darauf welche Grundeinstellung ihr wirklich auslösen möchtet!

 

Codierung

 

Die Codierung eines Steuergeräts ist eine Zahlenfolge (hexadezimal oder dezimal) die angibt, auf welche Ausstattung das Steuergerät programmiert ist, und welche Funktionen des Steuergeräts aktiviert oder deaktiviert sind, oder wie das Steuergerät arbeiten und funktionieren soll.

 

Jedes Bit kann potenziell für solch eine Information stehen.

 

Dazu unten mehr.

 

Anpassung

 

Anpassungen innerhalb eines Steuergeräts sind in ihrer ursprünglichen Form dazu da nicht-binäre Informationen für bestimmte Funktionen eines Steuergeräts zu speichern.

 

Das bedeutet, jede Information die nicht über 1 Bit abgebildet werden kann, verpackt man in einen Anpassungskanal. In der Informationstechnik spricht man hier von Wertebereichen oder vordefinierten Wertelisten.

 

Beispiele:

 

  • Temperaturgrenze der Frost-Warnung in °Celsius
  • Anzahl Blinkerzyklen des Komfort-Blinkers
  • Verzögerungszeit der Scheinwerferreinigung in Millisekunden

 

Wie an den Beispielen zu erkennen, lassen sich diese Informationen nur schwer oder ineffizient als Bits innerhalb einer Codierung abbilden.

 

Mittlerweile gibt es Steuergeräte, die ausschließlich nur "Anpassungen" anbietet und keine Codierung mehr, wie bspw. die MQB Zentralelektrik ab Modelljahr 2017.

 

Einwurf: Codierung vs. Anpassung

 

Während die Codierung eines Steuergeräts eine einzige Abfolge von Zahlen ist (hexadezimal oder dezimal), bspw. 4F651E8A, fächern sich Anpassungen über mehrere Kanäle, auf die einzeln zugegriffen werden können. In Anleitungen muss man also genau unterscheiden, ob von Codierung oder Anpassung die Rede ist.

 

Eine Anweisung "Byte 7 Bit 0" bezieht sich stets auf die Codierung, wohingegen sich "Kanal 74 auf 3" auf eine Anweisung in den Anpassungskanälen bezieht.

 

Dazu unten mehr.

 

Zugriffsberechtigung / Login

 

Logins für Steuergeräte können bestimmte Bereiche eines Steuergeräts vor Änderungen schützen. Die Eingabe des korrekten Logins entsperrt einen bestimmten Bereich.

 

Ein Login, in der VAG-Welt zu 99% eine 5-stellige Zahl, kann potenziell für folgendes benötigt werden:

 

  • Freischaltung der Codierung
  • Freischaltung der Anpassung für Änderung (entweder alle Kanäle, oder nur bestimmte Kanäle)
  • Freischaltung für das Lesen von Anpassungskanälen (ältere CAN-Steuergeräte)
  • Freischaltung für Grundeinstellungen (alle oder nur manche)

 

Generell gibt man einen Login ein, bevor man die entsprechende Funktion ausführen möchte.

 

Es ist hervorzuheben, dass ein Login noch immer eher die Ausnahme wie die Regel ist, um sich in Steuergeräten barrierefrei zu bewegen.

 

Ein gutes Diagnosewerkzeug weist darauf hin, wenn eine Änderung oder eine Funktion aufgrund eines fehlenden Logins im Steuergerät abgewiesen wurde!

 

VCDS bspw. bietet für ein entsprechendes Steuergerät mögliche Logins an, die eingegeben werden können, und welche Bereiche diese freischalten.

 

CAN vs. UDS

 

Folgende Aussagen liest man oft:

 

  • Ich habe keine Messwertblöcke, nur erweiterte Messwerte
  • Ich kann nirgends eine Blocknummer angeben
  • Ich kann nirgends eine Kanalnummer eingeben
  • Was ist mit "Kanal 74" gemeint?
  • Bei mir gibt es keine Beschriftungen bei Messwerten oder Anpassungskanälen

 

Um hier Licht ins Dunkel zu bringen ist es wichtig zu verstehen, dass Steuergeräte unterschiedliche Protokolle verwenden.

 

Pauschalisieren lässt sich das mit der Kernfrage "UDS Protokoll, Ja oder Nein".

 

Bei UDS Steuergeräten muss das Diagnosewerkzeug bereits ausführliche Beschreibungsdaten des Steuergeräts mitliefern, um mit diesem kommunizieren zu können (ASAM- oder ODX-Daten).

 

Dazu zählen Informationen welche Anpassungskanäle es gibt, welche Messwerte es gibt, welche Grundeinstellungen möglich sind, oder welche Stellglieddiagnosen verfügbar sind.

 

UDS in VCDSUDS in VCDS

 

Folglich entfallen bei UDS Steuergeräten folgende Dinge

 

  • Anpassungskanäle (Adressiert durch Nummern)
  • Messwertblöcke (Adressiert durch Blocknummern)
  • Grundeinstellungsblöcke (Adressiert durch Blocknummern)

 

Stattdessen gibt es eine vordefinierte Liste von Messwerten, Stellglieddiganosen, Grundeinstellungen und Anpassungskanälen, die auch direkt beschriftet sind.

 

Im Umkehrschluss bieten ältere Steuergeräte lediglich Kanäle und Blöcke an, deren Beschriftungen und Funktonen durch den Diagnosehersteller im Reverse-Engineering Verfahren erörtert werden müssen! Es ist folglich das geistige Eigentum des Diagnosewerkzeugs welchen Inhalt und Einheit "Messwertblock 98" besitzt, oder welche Funktion "Anpassungskanal 78" hat.

 

Bei UDS entfällt die Abstraktion von Block/Kanal und dessen Inhalt oder Funktion, da der Diagnosehersteller spezifische Informationen für dieses Steuergerät bereits mitliefert.

 

Bei VCDS ist deshalb bspw. bei einem CAN-Steuergerät ohne UDS der Button betitelt mit "Messwertblöcke" und bei UDS mit "Erw. Messwerte".

 

In Diskussionen spricht man dennoch von "Anpassungskanal", auch wenn es sich um ein UDS-Steuergerät handelt, bei dem es eigentlich keine Kanalnummern mehr gibt.

 

Die gängige Abkürzung für Anpassungskanal ist "APK".

 

Bits und Bytes der Codierung

 

Folgender Satz

 

"Setze in STG 09 das Bit 0 in Byte 27 auf 1"

 

stellt viele Anfänger vor unüberwindbare Hürden.

 

Grundkenntnisse in Zahlensysteme sowie Kenntnis über die Zählweise bei der VAG Codierung sind notwendig. STG 09 bedeutet lediglich "Steuergerät Adresse 09".

 

Codierung richtig lesenCodierung richtig lesen

 

In den meisten Fällen wird man eine Codierung als Folge von hexadezimalen Zahlen vorfinden.

 

  • 1 Byte hat 8 Bit, immer!
  • Bytes zählt man von Byte 0 an, wobei Byte 0 ganz links ist
  • Die Bits eines Bytes zählt man von Bit 0 bis Bit 7, wobei Bit 0 ganz rechts ist (LSB Zählweise - least significant bit)

 

Man liest oft "Mein Byte 9 hat nur 4 Bit", insbesondere im Umgang mit VCDS.

Falsch!

 

Jedes Byte hat 8 Bit. In diesem Zusammenhang meint der blutige Anfänger lediglich, dass nur 4 Bit seines Byte 9 eine Beschriftung haben! Im Assistent für lange Codierung lässt sich problemlos jedes Bit eines Bytes auf 0 oder 1 setzen, man muss es lediglich manuell tun in der binären oder hexadezimalen Darstellung des Bytes.

 

Lange Codierung vs. (Kurze) Codierung

 

Oft gibt es die Diskussion um "Lange Codierung", was es ist, und warum man das nicht hat.

Es gibt nur "die Codierung"

 

Ob lang oder kurz, ist lediglich eine andere Art der Darstellung der Codierung.

 

Die "lange Codierung" hielt Einzug, als es effizienter und einfacher wurde die Codierung eines Steuergeräts als hexadezimale Folge darzustellen.

 

Die "kurze Codierung" ist lediglich eine Dezimalzahl, die sich noch recht ästhetisch als solche darstellen lässt, ohne dass diese zu groß oder zu lang ist

 

Am Beispiel der Codierung 5F75A2D3E7(hex) wäre die Darstellung als kurze Codierung 409995498471(dez). Damit lässt sich nicht mehr besonders gut arbeiten.

 

Pauschal kann man sagen (es gibt Ausnahmen) bieten Diagnosewerkzeuge die lange Codierung an, wenn die Codierung sich über mehr als 2 Byte erstreckt.

 

Funktional ist es jedoch das gleiche!

 

"Wie geht das mit OBD11?"

 

Leider fragen Anfänger häufig danach, wie dies und jenes mit ihrem speziellen Werkzeug funktioniert.

 

Wer die Kapitel oben aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass nicht das Diagnosewerkzeug die gelisteten Funktionen bietet, sondern das Werkzeug nur den Weg dorthin ebnet.

 

Jede Anleitung im Netz, die bspw. auf VCDS basiert, lässt sich auch für alle anderen Werkzeuge adaptieren.

 

Das 10er Loch in der Wand lässt sich mit Bosch bohren, aber auch mit Makita oder Black&Decker. Der Anwender muss lediglich sein Werkzeug richtig bedienen können!

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16.01.2020 14:29    |    GrosseKlasse

Danke hadez16. Der Artikel hat einige Details für mich klargestellt. Gut gemacht!


17.01.2020 08:34    |    torrebasetes

Perfect....thanks....


Deine Antwort auf "Grundsätze der Fahrzeugcodierung bei VAG"

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hadez16 hadez16

Codier-Junkie