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Sperrung der A45 bei Lüdenscheid - wer ist wie betroffen?

Themenstarteram 6. Dezember 2021 um 9:02

Hallo Gemeinde,

mit großem Erstaunen habe ich am vergangenen Donnerstag gelesen, dass die Autobahn 45 bei Lüdenscheid zwischen zwei Abfahrten auf nicht absehbare Zeit gesperrt wurde wegen Mängeln an einem Brückenbauwerk. Ich habe 50 Jahre in der Nähe der Brücke gewohnt und kann mir kaum vorstellen, was das für Pendler, Berufskraftfahrer und Anwohner bedeutet. Neben einem kleinen bisschen Schadenfreude, weil ich wohl rechtzeitig weggezogen bin *), bedaure ich alle, die jetzt in den kommenden Jahren darunter zu leiden haben werden, dass hier wider besseren Wissens versäumt wurde, die Brücke instand zu halten bzw, zu erneuern. Der Lokalpresse war zu entnehmen, dass seit 2014 Mängel bekannt waren und ab 2019 ein Ersatzneubau geplant war, welcher aber dann auf 2026 verschoben wurde. Jetzt haben wir den Salat.

Ich hoffe sehr, dass den Verantwortlichen ein Plan B einfällt.

Wer ist aktuell betroffen und möchte sich äußern?

Grüße aus Schweden

SpyderRyder

*) dafür werden wir hier gerade mit dramatischen Preissteigerungen beim Strom gegenüber dem Vorjahresmonat gequält. Aus 0,22 Kronen je kWh wurden an der Börse zuletzt 6,49 ....

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268 Antworten

Bin nicht betroffen und möchte mich auch nicht äußern...

P.S.: Mein Beitrag erscheint mir genauso "sinnvoll" wie die Frage.

Themenstarteram 6. Dezember 2021 um 9:31

Ich frag mich halt, ob wir Normalbürger etwas tun können, um weitere Fälle dieser Art zu vermeiden. Wenn man sich anschaut, wie empfindlich das Netz geworden ist... denk nur an die Rheinbrücke in Köln/Leverkusen, denk an die Salzbach-Talbrücke bei Wiesbaden. Noch viel mehr solcher Totalausfälle kann das Land kaum vertragen. Was kann man tun?

Zitat:

@SpyderRyder schrieb am 6. Dezember 2021 um 09:31:03 Uhr:

Ich frag mich halt, ob wir Normalbürger etwas tun können, um weitere Fälle dieser Art zu vermeiden.

Mit einem Eimer Betonspachtel und Maurerkelle am Wochenende zu den Brücken marschieren und Risse flicken? Oder was genau schwebt Dir vor?

Zitat:

SpyderRyder schrieb am 6. Dezember 2021 um 09:31:03 Uhr:

Was kann man tun?

Radikaler Konsumverzicht in Verbindung mit einer antinatalistischen Ansicht/Lebensweise wäre jetzt das einzige, was mir da einfiele. :rolleyes:

Brücken gehen von LKW kaputt, nicht von PKW. Würde weniger konsumiert, müssten weniger LKW fahren, würden die Brücken nicht so schnell kaputt gehen.

Das wurde schon in den 50ern in den USA erforscht... im sog. AASHO Road Test.

Dabei haben die Ergebnisse gezeigt, dass die Beanspruchung der Straße proportional zur vierten Potenz (!) der Achslast steigt.

Heißt, hat man ein Auto mit 2 t tatsächlichem Gewicht - 2x 1 t Achslast, würde die Beanspruchung vereinfacht "2" betragen.

Kommt ein (beladener) 40 t Sattelzug daher... sind das (grob) 8 + 10 + 3*7,5 t Achslast... also eine Belastung von "21.299"... Faktor ~11.000! Nicht, wie man fälschlicherweise annehmen könnte, Faktor 20.

edit: Natürlich müsste mein Anfangssatz europaweit gelten - die meisten LKW fahren ja dann doch DURCH Deutschland...

Das Problem wird uns in den nächsten Jahr(zehnten) häufiger begegnen. Sehr viele Brücken wurden in den 50/60er Jahren gebaut und haben jetzt ihre geplante Lebenszeit von 50-60 Jahren erreicht.

Es gibt Bundesweit wahrscheinlich dutzende wenn nicht hunderte Brücken die Kernsaniert oder Erneuert werden müssen.

Bei mit hier sind 4 oder 5 Brücken die auf 20km über einen Fluss führen und eigentlich alle in den nächsten 5 Jahren erneuert werden müssten. Eine wurde jetzt für viele Millionen saniert damit sie noch mal 5 Jahr durchhält bis 2 andere erneuert werden. Eine wird aktuell ersetzt, Bauzeit 1.5 Jahre natürlich mit Vollsperrung in dem Zeitraum.

Sieht in Bremen ähnlich aus.

Die Sache ist halt, das Geld ist ja da, nur es gibt nicht genug Leute / Firmen / Kapazitäten mehr. Weil seit ein paar Jahren plötzlich allen einfällt, etwas an der Verkehsinfrastruktur tun zu müssen. Vielleicht müsste man ALLE Projekte noch einmal prüfen und priorisieren. Zum Beispiel kann man einfach mal komplett darauf verzichten, die Leitplanken durch Betonwände zu ersetzen. Oder sämtlichen baulichen Straßenverengungen oder Verkehrs"beruhigungs"maßnahmen einstellen.

Ich denke bei genauerer Prüfung gibt es 100e Projekte, die aktuell nicht sein müssten. Das Problem hierzulande ist halt, dass auch die Planungsstellen voll ausgelastet sind und in Deutschland alles so unendlich kompliziert ist. Wieso zuerst die Verbindung der A44 zur A3 herstellen wenn gleichzeitig zig Brücken saniert werden müssten? Aber ist halt seit Jahrzehnten in der Planung, da kann man nicht mal eben flexibel sein und die Kräfte anderswo einsetzen. Die A1 hätte sicherlich auch noch 20 weitere Jahre zwischen Osnabrück und Bremen zweispurig bleiben können. Dann lieber erstmal alle Brücken in 1A Zustand versetzen. Und so weiter und so fort...

Das ist den Leuten noch niicht klar, aber da wird vielleicht sogar 22 und 23 kein Auto drüber rollen. NRW ist da nicht so schnell. Die sanieren bei uns in der Stadt eine kleine Brücke, die vielleicht 80 Meter lang ist und an der höchsten Stelle 10 Meter. Die soll nur nach einem Brand unten drunter wieder in Stand gesetzt werden. Da ist man seit 2018 dran und verschiebt den Termin der Freigabe immer weiter. Aktuell sind wir bei frühling 2022 aber da glaubt niemand mehr dran.

Hier besteht vielleicht mehr Interesse schnell zu sein, aber wir erinnern uns alle an die A66 bei Wiesbaden. Das ging auch nicht schnell.

Ich finde die Infrastruktur ist echt lächerlich. Solche Schäden kommen nicht von heute auf morgen.

 

Zur Zeit sind soviele Brücken „Teilweise“ gesperrt das man echt denkt, was mache die da.

 

Klar kann sowas mal passieren dann aber mal vielleicht an einer Brücke.

 

Mich betrifft das an anderer Stelle A43, da wird es wohl auch noch Jahre dauern bis alles wieder läuft.

 

Mal sehen ob das Finanzamt den längeren Weg Problemlos anerkennt……

Zitat:

@Gurkengraeber schrieb am 6. Dezember 2021 um 11:15:07 Uhr:

Die Sache ist halt, das Geld ist ja da,

Das Geld ist jetzt zwangsweise da weil der Kollaps vor der Tür steht. Tatsächlich war es aber über gute 20 Jahre der ganz große Bremsfaktor ... die Kommunalen und Staatssäckeln waren leer und verantwortliche haben immer wieder vor sich hingeschoben - gerade in NRW. Für manche brücke war hinlänglich bekannt das sie Sannierungswürdig sind und die Warnung vor, bis zur Unreparierbarkeit, ausweitenden Schäden waren auch oft da! Teilweise hat man sogar die großen Belastungstest vor sich her geschoben.

Und klar, wenn man nun plötzlich vor einer Unzahl maroder Brücken steht hat man auch ein Problem entsprechend kompetente Sanierungsfirmen zu finden ... oder braucht plötzlich Zeit für lange Planfeststellungen.

Die deutsche Einheit hat die Infrastruktur diesseits der Mauer 20 Jahre lang auf Verschleiß fahren lassen, weil währenddessen praktisch alle Mittel und Ressourcen in den Aufbau des Straßennetzes der neuen Bundesländer geflossen sind.

Die exorbitante Belastung durch die enorme Zunahme des Schwerlastverkehrs seit der Maueröffnung tat ein Übriges.

Was man da machen kann?

Weiträumig umfahren, wie es immer so schön im Verkehrsfunk heißt.

Themenstarteram 6. Dezember 2021 um 14:17

Ich denke unsere langen Planungsverfahren sind eine Ursache und die jahrelange finanzielle Vernachlässigung der Infrastruktur insbesondere in westlichen Ballungsgebieten eine andere. Das meine ich nicht böse, es war sicherlich notwendig, in den Jahren (Jahrzehnten) nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes viel Geld in die noch marodere Infrastruktur dort zu stecken. Ich denke aber, diese Vorgehensweise wurde zu lange aufrecht erhalten.

Muss man erst noch eine Partei gründen, die sich mit hoher Priorität dem Thema Infrastruktur, Digitalisierung und Wohnungsbau widmet? Klingt nicht sehr verlockend, wäre aber eine aktive Handlung. Ich wollte hier keinen Mecker-Thread aufmachen (gut, ein bisschen schon), aber viele andere wirksame Wege gibt es doch kaum.

Zitat:

@Henson2 schrieb am 6. Dezember 2021 um 11:25:38 Uhr:

Das ist den Leuten noch niicht klar, aber da wird vielleicht sogar 22 und 23 kein Auto drüber rollen. NRW ist da nicht so schnell.

Natuerlich nicht. V.a. nicht, wenn sie doch Autos bei Tempo 60 verkraften wird. Dann reden wir von 2030 bis zur neuen Bruecke.

Es war halt eine massive Fehleinschätzung, dass die Brücke noch hält. Sie steht ja seit 2014 auf der Liste der neu zu bauenden Brücken, ist aber nach hinten geschoben worden. Alle Brücken der A45 sind ja fällig, da die damals viel zu schwach (ohne Reserven) gebaut wurden.

Es fehlte halt eine verantwortliche Behörde. Ob das mit der Autobahn Gmbh besser wird - das wird sich erst noch zeigen. Hier in NL baut seit Ewigkeiten Rijkswaterstaat als verantwortliche Behörde und in der Regel sind die Autobahnen und N-Strassen in Ordnung. Jeder Bau, jeder Reparatur wird gnadenlos durchgepeitscht (7/7, 24/24).

als die Brücken geplant wurden, war das LKW-Aufkommen wesentlich geringer. Es fehlten lange Zeit auch die Erfahrungen, wie lang eine Brücke dem höheren Verkehrsaufkommen Stand halten kann.

Die fragliche Brücke war instand gesetzt worden und man ging davon aus, dass sie jetzt wieder halten wird. Daher hat man das nach hinten priorisiert. Jetzt hat man verbogene Stahlträger gefunden. Natürlich sind hier lauter Hellseher, die das haben kommen sehen ....

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