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ODB, Verbrennung zu Mager, Wie zu erkennen

Themenstarteram 7. Juni 2011 um 12:01

Hallo zusammen,

ich versuche seit einigen Tagen herauszufinden wie ich meine Echtzeitdaten Auswerten/Interpretieren kann. Leider habe ich bisher noch keine hilfreichen Beiträge gefunden. Daher wende ich mich voller Erwartung an euch.

Vorab: Ich habe einen 3,2l, FSI, Audi A6, 4F

Dieser ist auf E85 umgerüstet.

Nun ging bereits 2 Mal die MKL an. Der Fehler besagte das ein Lambdasondenfehler in der Bank 1 und 2 Vorliegt. Den Fehler habe ich gelöscht, bisher ist die MKL noch aus und ich habe mir eine ODB Scansoftware bestellt. Ich habe bei einer Autobahnfahrt Echtzeitwerte aufgezeichnet. (sihe Anlage)

Diese sollen zeigen, dass das Gemisch wohl zu Mager sein soll und das Steuergerät permanent nachregelt. Allerdings kann ich das nicht nachvollziehen.

1. Könnt Ihr mir erklären woran ich das sehen kann?

2. Wie kann ich die Werte selber interpretieren?

3. Wie schlimm ist das Problem?

4. Kennt Ihr Seiten wo beschrieben ist, wie man die Werte Interpretiert (auch welche)?

Besten Dank

Beste Antwort im Thema

Das siehst du am Langzeit-Einspritzwert bei 25%.

Kurze Erklärung wie diese Werte vom Steuergerät ermittelt und verwendet werden im "Heidi Klum" Modus.

Du bist das Steuergerät. Nun tritt dein Kunde auf den Pinsel, also musst du dich anstrengen. Aus u.a. Drosselklappenstellung, Ansaugluft-Temperatur und Luftmassensignal berechnest du, wieviel Benzin reinmuss. Das ganze wird in Millisekunden Öffnungsdauer umgerechnet, auf diesen Wert die Kurzzeit- und Langzeitkorrektur zugeschlagen (anfänglich Null), das Benzin strömt mit der Dauer des korrigierten Wertes ein.

Nun sieht die Lambdasonde am Ende was rausgekommen ist, also fett oder mager bzw. bei Breitbandsonden ein "zu fett/mager wie eigentlich erwartet". Diese Info fließt zurück, das Steuergerät korrigiert ein paar Schritte nach oben und schlägt diese Korrektur dem Kurzzeit-Wert zu. Nächster Zyklus nach dem selben Schema, allerdings mit einem von Null verschiedenen Kurzzeit-Trimwert und damit längerer Einspritzdauer. Zudem wird zusätzlich die Schwingung der Lambdaregelung auf diesen Kurzzeit-Wert aufmoduliert.

Der Kurzzeit-Speicher ist ein Puffer, in dem die Adaptionswerte als Funktion der Zeit mitgeschrieben werden. Der Mittelwert dieses Puffers geht nun in den Langzeit-Wert ein. Trifft das Steuergerät im Mittel sehr gut, so steht dort im Mittel "Null". Ist das Steuergerät im Mittel zu mager, so wandert der Langzeitwert ins Positive (als korrektive Maßnahme wird länger eingespritzt), ist das Steuergerät eher zu fett geht der ins negative. Das entlastet den Kurzzeit-Trim von grundlegenden Korrekturwünschen. Grundlegende Korrekturen können z.B. Fertigungstoleranzen der Einspritzdüsen, Benzindruckregelung und Luftmassenmessung sein. Aber auch E85 statt Benzin. Du willst auf etwa 1-2% genau treffen!

Langzeit-Werte stark im Plus incl. Kurzzeit-Werte im Plus bedeutet also, dass dein Steuergerät wesentlich länger einspritzen muss wie eigentlich erwartet. Das kann mehrere Ursachen haben:

(a) Luftmassen-Signal chronisch zu niedrig. Es wird mehr Luft angesaugt wie gemessen, das Steuergerät fettet nach. Dreh auf der Autobahn deinen dritten oder vierten bis zum Anschlag und schau, was maximal durch den Massenmesser durchgeht.

(b) Ansaugluft-Temperatur falsch, damit wird eine falsche Dichte angenommen, ähnlich bei einem falschen/defekten MAP Sensor

(c) Falschluft wie Riss im Krümmer oder Ansaugtrakt. Es geht ungemessene Luft herein, die der LMM nicht gesehen hat. Also nachfetten angesagt.

(d) Undichtigkeit im Trakt eines Turbos geht meist ins Negative... Luft wird gemessen, aber nicht verbrannt. Also muss weniger Kraftstoff rein wie erwartet, Trimwerte im Minus.

(e) Benzinpumpe schwächelt bzw. Filter/Düsen sind versifft. Dadurch geht bei gleicher Einspritzdauer weniger Benzin durch, es muss also die Einspritzdauer verlängert werden.

(f) Lambdasonden messen Mist.

Version (g) für Gasfahrer: Die Adaption der Gasanlage ist scheiße oder dort ist ein Defekt.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht jeder Lambdafehler bzw. Fehler der Lambdaregelung muss einen (teuren) Sondendefekt als Ursache haben.

Kann auch sein, dass deine Düsen ab einer bestimmten Last zu 100% offen sind. Mehr geht nicht durch, die Lambdaregelung rennt gegen den Endanschlag. Bei 25% Plus der Langzeitwerte müsstest du den Benzindruck um 1.25^2 bzw. 56% anheben. Oder Benzindüsen nehmen, die etwa 50% mehr durchlassen.

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5 Antworten

Wie wurde er den umgerüstet? Und wer hat umgerüstet?

Themenstarteram 7. Juni 2011 um 12:56

Ich habe die Umrüstung selbst vorgenommen. Mit einem Fuelcat Director.

Aber es geht mir darum die Verbrennung zu beurteilen. Ob ich nun mit E85 oder Super fahre...

Also z.B. wenn sich die Echtzeit Daten XY so und so verhalten, dann ist die Verbrennung um XX% zu mager ....

Das siehst du am Langzeit-Einspritzwert bei 25%.

Kurze Erklärung wie diese Werte vom Steuergerät ermittelt und verwendet werden im "Heidi Klum" Modus.

Du bist das Steuergerät. Nun tritt dein Kunde auf den Pinsel, also musst du dich anstrengen. Aus u.a. Drosselklappenstellung, Ansaugluft-Temperatur und Luftmassensignal berechnest du, wieviel Benzin reinmuss. Das ganze wird in Millisekunden Öffnungsdauer umgerechnet, auf diesen Wert die Kurzzeit- und Langzeitkorrektur zugeschlagen (anfänglich Null), das Benzin strömt mit der Dauer des korrigierten Wertes ein.

Nun sieht die Lambdasonde am Ende was rausgekommen ist, also fett oder mager bzw. bei Breitbandsonden ein "zu fett/mager wie eigentlich erwartet". Diese Info fließt zurück, das Steuergerät korrigiert ein paar Schritte nach oben und schlägt diese Korrektur dem Kurzzeit-Wert zu. Nächster Zyklus nach dem selben Schema, allerdings mit einem von Null verschiedenen Kurzzeit-Trimwert und damit längerer Einspritzdauer. Zudem wird zusätzlich die Schwingung der Lambdaregelung auf diesen Kurzzeit-Wert aufmoduliert.

Der Kurzzeit-Speicher ist ein Puffer, in dem die Adaptionswerte als Funktion der Zeit mitgeschrieben werden. Der Mittelwert dieses Puffers geht nun in den Langzeit-Wert ein. Trifft das Steuergerät im Mittel sehr gut, so steht dort im Mittel "Null". Ist das Steuergerät im Mittel zu mager, so wandert der Langzeitwert ins Positive (als korrektive Maßnahme wird länger eingespritzt), ist das Steuergerät eher zu fett geht der ins negative. Das entlastet den Kurzzeit-Trim von grundlegenden Korrekturwünschen. Grundlegende Korrekturen können z.B. Fertigungstoleranzen der Einspritzdüsen, Benzindruckregelung und Luftmassenmessung sein. Aber auch E85 statt Benzin. Du willst auf etwa 1-2% genau treffen!

Langzeit-Werte stark im Plus incl. Kurzzeit-Werte im Plus bedeutet also, dass dein Steuergerät wesentlich länger einspritzen muss wie eigentlich erwartet. Das kann mehrere Ursachen haben:

(a) Luftmassen-Signal chronisch zu niedrig. Es wird mehr Luft angesaugt wie gemessen, das Steuergerät fettet nach. Dreh auf der Autobahn deinen dritten oder vierten bis zum Anschlag und schau, was maximal durch den Massenmesser durchgeht.

(b) Ansaugluft-Temperatur falsch, damit wird eine falsche Dichte angenommen, ähnlich bei einem falschen/defekten MAP Sensor

(c) Falschluft wie Riss im Krümmer oder Ansaugtrakt. Es geht ungemessene Luft herein, die der LMM nicht gesehen hat. Also nachfetten angesagt.

(d) Undichtigkeit im Trakt eines Turbos geht meist ins Negative... Luft wird gemessen, aber nicht verbrannt. Also muss weniger Kraftstoff rein wie erwartet, Trimwerte im Minus.

(e) Benzinpumpe schwächelt bzw. Filter/Düsen sind versifft. Dadurch geht bei gleicher Einspritzdauer weniger Benzin durch, es muss also die Einspritzdauer verlängert werden.

(f) Lambdasonden messen Mist.

Version (g) für Gasfahrer: Die Adaption der Gasanlage ist scheiße oder dort ist ein Defekt.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht jeder Lambdafehler bzw. Fehler der Lambdaregelung muss einen (teuren) Sondendefekt als Ursache haben.

Kann auch sein, dass deine Düsen ab einer bestimmten Last zu 100% offen sind. Mehr geht nicht durch, die Lambdaregelung rennt gegen den Endanschlag. Bei 25% Plus der Langzeitwerte müsstest du den Benzindruck um 1.25^2 bzw. 56% anheben. Oder Benzindüsen nehmen, die etwa 50% mehr durchlassen.

Themenstarteram 8. Juni 2011 um 22:17

Hallo,

und erst mal ein super großes Danke für die ausführliche Antwort.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich es richtig Verstanden habe. Daher möchte ich es noch einmal mit meinen eigenen Worten an einem BSP wiedergeben. Hierzu habe ich zwei Vergleichsdateien Angehängt.

Ich habe auf der gleichen Strecke 2 Mal die Kurz- und Langzeittrimms aufgezeichnet. dazwischen habe ich die Drosselklappe so gut es von Hand ging mit Bremsenreiner und Lappen gereinigt.

Wenn ich mir die beiden Diagramme anschaue stelle ich fest, das kurz vorm Ende der Fahrt ein recht langer konstanter Bereich kommt. (Kurtzzeit bei ca. +15-20%, nach der Reinigung um 15%; Langzeit bei ca. 5%)

Beide Werte, sowohl Kurzzeit als auch Langzeit sind im positiven Bereich, somit ist das Gemisch zu mager. Da es aber nur 5% im Langzeitbereich sind ist es nicht ganz so tragisch. Wie man aber an der gleichen Stelle nach der Reinigung sieht, hat sich der Wert doch um einige % verbessert. Und geht sogar gegen 0%. Das wäre also fast ideal.

Wenn ich ähnliche Probefahrten wiederhole, bei anderen Geschwindigkeiten und der Langzeittrimm gegen 0% geht. Wäre die Verbrennung also ideal und mein Problem behoben?!

PS. die MKL ist gestern wieder an gegangen. Nach den Probefahrten bzw. Aufzeichnungsfahren war sie wieder aus.... dies ist wohl auch kein schlechtes Zeichen :)

(Fehler P0171 und P0174 Sporadische Diagnose Fehlercodes(DTV) Mode 07 Gemisch zu mager Bank2 und Bank 1)

Dein Audi hat (wie meiner) eine Breitbandsonde verbaut. Damit stellt der so lange rum bis das Gemisch passt. Dummerweise ist irgendwann der Regler am Endanschlag und zudem kann man nicht mehr wie 100% offene Benzindüsen haben. Dann kommt spätestens der Gemischfehler.

Wenn du verstehen willst wie dein Wagen tickt, dann fahre den auf Benzin (und ohne deine Fuelcat oder so), schau was die Adaptionswerte machen. Gib ihm 30 km Landstrasse um diese Werte resetten zu lassen.

Mit einem Reset eines Fehlers gehen bei meinem 3.0 übrigens auch die Trimwerte auf Null zurück. Gerade die Langzeit-Adaption braucht mal 20-50 km um wirklich stabil zu werden. Also was geputzt, 10 km gefahren, Lampe nicht an ist ein Indiz, aber kein Beweis ;)

Was du unbedingt verhindern solltest: Trimwerte, die je nach Last "driften". Also unten im Minus, oben im Plus. Bei Lastwechseln regelt sich dann die Lambdasteuerung einen Wolf, das Gemisch passt sehr oft sehr schlecht, das kostet Sprit und/oder belastet den Motor nebst versauten Abgaswerten.

Die Trimwerte kannst du indirekt auch über deinen Bordcomputer sehen. Gehen bei gleicher Strecke und Fahrweise deine Verbrauchswerte hoch, so wird nachgefettet, die Kiste ist zu mager.

Irgendwas zwischen +/-5% Langzeittrim, diesen zudem stabil, das ist völlig ok. Bei den Kurzzeitwerten "kenne" ich nur meinen, da vergleiche einfach Ethanol und Benzin auf ähnlichen Strecken. Verhält der sich ähnlich, so merkt dein Steuergerät keinen echten Unterschied und alles ist im Lot.

 

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