Mercedes M-Klasse, nein – das muss nicht sein.
Mercedes M-Klasse, nein – das muss nicht sein.
Er war unser zweiter ML, unser Traumauto, lange erwartet (wegen der Lieferzeit), dann endlich da.
Aber etwas war faul mit diesem Auto, eigentlich hätten wir es schon eher merken müssen.
Irgendwo in den Alpen, nahe am Gardasee hatte meine Frau den Schalthebel unseres Autos plötzlich in der Hand, einfach so. Eine Notbremsung rettete uns vor Baum und Abgrund.
Zugegeben, der Mercedes Service (nach Anruf beim CSC) war schnell zur Stelle, der Fehler rasch behoben - ein Sprengring hatte sich gelöst.
Der rechte Außenspiegel ist ein Ding für sich: Ab und an, ohne dass eine Ursache erkennbar gewesen wäre, stellt er sich ins Off, ganz nach rechts außen. Ohne dass er ein Kommando dazu bekommen hätte. Lässt sich dann aber willig wieder in Position rücken.
Im Forum habe ich gelesen: das ist kein Einzelfall, auch andere haben diese Erfahrung schon gemacht. Aber im Endeffekt nur eine Kleinigkeit. Vergeben, vergessen, verziehn.
Vogelzwitschern. Ich steige in mein Auto, stelle den Schlüssel auf Zündung und höre Vogelzwitschern. Schon nach einem Jahr, aber nie, wenn das Auto in der Werkstatt ist.
An kühlen Tagen stärker, bei laufendem Motor nach einer bis fünf Minuten zu Ende. Nur einmal habe ich das Geräusch meiner Werkstatt vorführen können, leider konnten wir es nicht orten, bevor es wieder aufhörte.
Ich habe dies in einer anderen Mercedes-Werkstätte dem Meister erzählt, leider gerade nach Ablauf der Garantie. Er sagte sofort, dass es sich um den Lüftermotor der Fahrzeugelektronik hinter der Sicherungsbox handele, man habe dort einmal zwei Wochen lang einen M auseinander gepflückt um diesen Fehler zu finden. Meiner Meinung nach sind es nicht viele Aggregate, die schon auf Zündung arbeiten. Und warum muss jede Werkstatt den Fehler, der offensichtlich kein Einzelfall ist, für sich neu entdecken. Eine Knowledge-Base, aus der eine Werkstatt von der anderen lernen könnte? Nicht beim deutschen Premium-Hersteller. Und warum kostet ein Computerkühler im Computer 5 EUR, bei Mercedes aber 200 EUR – und geht dort kaputt?
Zwischenzeitlich marschiert unser M auf die 50.000 km Marke zu, bald wird die Garantie ablaufen. Plötzlich zeigen sich kleine Risse im Leder unserer Sitzbezüge (wir haben das Auto mit dem Teilleder der Basisausstattung geordert). Der Bezug des Fahrersitzes wird ausgetauscht. Risse im Rückenteil des Fahrersitzes. Austausch – mit einem Bezug, dessen Qualität und Farbhaltigkeit mehr als besch... ist. Erneuter Austausch. Jetzt Risse im Bezug des Beifahrersitzes. Auch dort ein Austausch. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, warum das Leder so anfällig ist: Es ist das Leder vom Plastikschwein, von der PE-Sau.
Der (aktuelle) Verkaufsprospekt wird konsultiert: Fußnote 1 sagt – ganz verschämt und klein: Leder ist Ledernachbildung (steht nur im Prospekt, nicht in der Preisliste). Aber das war doch bei der Bestellung ganz anders dargestellt. Dem Herrn sei mein Sammeltrieb gedankt, ich hatte den zum Zeitpunkt der Bestellung gültigen Prospekt archiviert. Der stammt aus der Zeit, in der noch kein Fahrzeug in Deutschland lief, wir hatten nur auf Papier hin bestellt. Und da stand schwarz auf weiß: Leder Twin Stoff. Ohne Fußnote, ohne kleine, verschämte 1, die auf Plastikschweine hinwies, ohne Wenn und Aber. Leder! Keine Plastiksau.
Man hat uns betrogen, Mercedes hat uns betrogen, für eine Handvoll Dollar. Bei einem 45000 EUR teuren Auto.
Es folgt eine dreimonatige schriftliche Wanderung durch die verwundenen Darmgänge einer Gesellschaft, in der niemand für Fehler zuständig ist, in der keiner sich für den Betrug rechtfertigen mag, der uns – und mit uns allen anderen Käufern der frühen Stunde – wiederfahren ist.
Das CSC erklärt sich für unzuständig, die Rechtsabteilung sei befasst. Die Rechtsabteilung lässt durch subalterne Bedienstete erst nach mehrmaliger Nachfrage telefonisch ausrichten, ich hätte mein Auto nicht bei Mercedes Stuttgart geordert sondern in einer Niederlassung gekauft. Die solle sich kümmern. Die Niederlassung versucht es zunächst über unseren Verkäufer. Nein, zurückkaufen wolle man das Auto trotz des Betruges nicht so recht. Eintauschen zu solventer Kondition sei ok. Leider war die Kondition ausschließlich für die Niederlassung solvent, nicht für uns, die Betrogenen.
Eine Etage höher gestiegen in der Hierarchie bietet man uns Nachbesserung an. Man werde das Auto so ausstatten lassen, wie es bestellt sei. Leider habe man dafür keine homologisierten Teile, nein, unser Mercedes werde auf dem Hofe irgendeiner Polsterwerkstatt auf den Stand der Dinge gebracht. Garantie auf die Ausführung: Sorry, no. Hätten Sie eingewilligt?
Erneut eine Etage höher angelangt, fragt der Leiter der Niederlassung mit blasiert-enervierter Stimme nach, welche Vorstellung wir denn hätten. Telefonisch, auf Handy, in unserem Urlaub. Er bietet mir eine Werkstatt-Gutschrift von 1700 EUR zur Abgeltung unseres Weltschmerzes an, abzufeiern natürlich in seiner Niederlassung. Sorry, hätten Sie eingewilligt?
Von dem Burschen habe ich in der Folge nichts mehr gehört. Arrogant sein kann ich nämlich auch.
Es geht auf unseren Urlaub zu, ich habe die Faxen dicke von der Hin- und Her-Winderei bei Daimler. Ich biete einen Vergleich an, nach dem mir Mercedes 2500 EUR erstatten soll. Viel zu wenig, aber ich habe einfach die Schnauze voll von diesem Verein, ich will in Ruhe in den Urlaub, danach verkaufe ich den immerhin schon zwei Jahre und vier Monate alten Karren. Ich will kein Plastikschwein für 45000 EUR unter dem Allerwertesten haben.
Die Niederlassung akzeptiert mit kleinen Änderungen zur Gesichtswahrung meinen Vorschlag.
Nach drei Monaten recht einseitige Schriftwechsels erhalte ich kurz vor Reiseantritt einen Betrag von 2500 EUR für den an uns begangenen Beschiss. Eine Schweigepflicht versucht man mir zum Glück nicht abzukaufen.
Wir können das Thema als erledigt abhaken, als wir im Juni in unser Auto steigen, um den Urlaub anzutreten.
Los geht die Reise, Richtung Frankreich.
Vor Paris werden die Autobahnen breiter, unübersichtlicher, erheblicher Verkehr steigert den Adrenalinspiegel im Blut. Dazu zeigt das Außenthermometer 33,5 Grad. Leider nicht nur außen, denn wie wir (und besonders unser Hund im Heck) feststellen müssen, bleibt es auch trotz hochtourig laufender Klimaanlage erschreckend heiß im Auto.
Da dies sich auch nach mehrmaligem Abschalten des Wagens (empfohlen als Reset der Elektronik bei gelegentlichen Fehlsteuerungen) nicht ändert, rufe ich nach dem Erreichen des Zielortes das CSC Maastricht an. Man empfiehlt mir, nach dem Wochenende die Werkstatt in Perigeux aufzusuchen.
Diese erklärt mir nach Diagnose-Check (25 EUR) dass der Kompressor der Klimaanlage defekt sei, ein passendes Ersatzteil stehe in ca. zwei Wochen zur Verfügung, die Reparaturkosten werden, mit 600 EUR für das Teil und 650 EUR für die Arbeit veranschlagt. Da unser Urlaub nicht so lange dauert, lehne ich ab.
Zehn schwitzige Tage weiter, die Weiterfahrt in Richtung Bad Dürkheim steht an, wir wollen dort, von Frankreich aus kommend noch einige Tage in unserem Ferienhaus verbringen.
Auf der Autobahn, noch in Frankreich, wird das Kupplungspedal immer länger, um schließlich an der letzten Autobahnmautstelle auf dem Bodenblech liegen zu bleiben. Nur eine Notbremsung verhindert, dass ich in die Schranke rausche. Ich verliere die Kupplung vollständig.
Da ich es noch gelernt habe, beschließe ich, den Wagen auch ohne Kupplung noch die 200 km bis zur Mercedes-Werkstatt nach Bad Dürkheim zu bringen.
Dort diagnostiziert man den mutmaßlichen Defekt des Gebers der Kupplungshydraulik, er wird ausgetauscht. Da ich nicht eingeschleppt werden musste, liegt kein Fall der Mobilo-Life-Garantie vor. Reparatur des Gebers incl. Leihwagen: 210 EUR
Nur einen Tag später wird das Pedal wieder lang. Die Werkstatt vermutet Luft in der Hydraulik, entlüftet. Das Pedal geht wieder.
Erneut einen Tag später, Freitag, unser Urlaub neigt sich dem Ende. Das Pedal wird wieder lang. Die Werkstatt vermutet erneut Luft in der Hydraulik, entlüftet. Das Pedal geht wieder. Man bedeutet mir, dass möglicherweise nicht der getauschte Geber sondern der Nehmer defekt sein könne, den tausche man aber nur im Notfall, da hierfür der teure Ausbau der Getriebes mit Zwischendifferential nötig ist und eine Funktionskontrolle der Teile nicht möglich sei. Denkbar sei auch ein Verschleiß der Kupplung oder ermüdete Kupplungsfedern (Laufleistung bisher: 65.000 km). Zum Troste gibt mir den bereits erwähnten Tipp hinsichtlich des Vogelzwitscherns.
Da die Zeit für eine Reparatur nicht reicht, hoffe ich auf eine schadensfreie Heimfahrt am Sonntag. Die Hoffnung zerplatzt durch ein reglos am Wagenboden liegendes Kupplungspedal am ersten Autobahnkreuz. Die restliche 230 km unseres Urlaubrestes fahre ich erneut ohne Kupplung, parke das vollgepackte Auto direkt vor der Werkstatt und lasse mich von einem Taxi heimfahren. Es ist ein VW Passat.
Meine Mercedes-Werkstatt stellt uns auf ein potentielles Gesamt-Reparaturkosten-Volumen von 4000 EUR für Kupplung, Klima-Kompressor und Lüftermotor ein.
Ganz so viel ist es glücklicherweise denn dann doch nicht geworden, Mercedes hat sich bei den Reparaturkosten von insgesamt ca. 2500 EUR mit der Hälfte beteiligt (natürlich nicht bei den Kosten für den Geber, der musste ja nicht ausgetauscht werden, er war ja nicht kaputt).
Jetzt habe ich endlich wieder ein intaktes Auto. Schaltbar, kühlbar, ohne Vogelzwitschern.
Für eine Woche, dann war das Teil verkauft. Zu einem Kurs über den sich der Käufer freuen darf. Unser siebter Mercedes ist unser letzter. Jetzt steht ein LandCruiser in der Garage, mit drei Jahren Garantie. Toy, Toy Toyota, die haben angeblich Ihre Hausaufgaben gemacht. Schau’n wir mal.
32 Antworten
Re: M-Klasse
Zitat:
Original geschrieben von avcroy
... traute ich mich schon fast nicht mehr, den Wagen zu bestellen - und das, obowhl wir selbst MB-Händler sind!
Am 1. Mai bekamm ich trotzdem einen, 6 Monate alt, 18TKM...
Sorry Alexis, aber irgendwie passt das doch wohl nicht ganz zusammen: Du bist MB-Händler aber hast einen Gebrauchtwagen bestellt? Ihr bekommt doch Rabatte und sonstige Zuschüsse für Vorführwagen etc, da kann ich kaum begreifen, wieso es da ein so neuer Gebrauchter sein soll.
Außerdem hättest Du dann ja wohl andere Quelle als dieses Foum, um Dich über die Qualität der Fahrzeuge zu informieren.
Was für ein MB-Händler bist Du denn? Verkaufst Du nur die Land- oder Nutzmaschienen?
Re: Mercedes M-Klasse, nein – das muss nicht sein.
Zitat:
Original geschrieben von pfaelzerbub
Mercedes M-Klasse, nein – das muss nicht sein.
Jetzt steht ein LandCruiser in der Garage, mit drei Jahren Garantie. Toy, Toy Toyota, die haben angeblich Ihre Hausaufgaben gemacht. Schau’n wir mal.
Und, schon das Briefchen wegen der Bremsleuchten im Haus - auch Toyota fängt an, zu sparen, wie alle anderen auch, und in den nächsten fünf Jahren haben die die gleichen Probleme (Gehälter steigen, Qualität sinkt).
Grüße
Chris
ML - nie mieh
Hallo Ösi Chris, sorry, aber der LandCruiser war nicht bei den betroffenen Fahrzeugen - aber das hat nichts zu sagen, war einfach nur Glück. Erwischen kann ein solcher Rückruf jeden, ich hatte mit meinen beiden ML je einen, vorher musste auch mein SLK kurz an die Box und meine Frau war mit ihrem Maverick auch schon dabei. Ich sehe darin auch nichts tragisches, es ist ein Zeichen der Sorgfalt des Herstellers, beim Auftauchen eines Fehlers sofort zu reagieren. Häme ist da kaum angebracht. Und aus einer solchen Geschichte die Prognose zu ziehen, dass die Qualität künftig auch bei Toyota den Bach runter gehen wird ...
Ich denke vielmehr, die Tatsache, dass es bisher bei Toyota erst ganz selten mal einen Rückruf gab indiziert allenfalls, dass die doch einen qualitativen Vorsprung haben, das bestätigen auch die Pannenstatistiken der letzten Jahre. Dieses Jahr habe ich mich über die prima Platzierung von Mazda freuen dürfen (der Mave meiner Frau ist dort beheimatet - als Tribute) und das Auto ist richtig gut, bietet viel Laderaum und ist günstig zu erstehen. Verbrauch: nur Kurzstrecke ca. 11 l, dasgeht bei der Größe und ca. 9000 km im Jahr in Ordnung.
Übrigens: der LandC hat jetzt fast die 10.000 km.