Frage zur Schräglage

hab jetzt erst seit ein paar Wochen nen richtiges Moped, und hab deshalb ne Frage zur Schräglage.

Wenn ich in ne langsame Kurve reinfahre (so bis 50 oder 60 km/h) komm ich mittlerweile dem Boden etwas näher. Vor den schnellen Kurven hab ich aber irgendwie noch immer Respekt, weil ich nicht weiß wie das moped da reagiert und ich mich nicht gleich mit 180 ablegen will.

Ist es theoretisch möglich eine schnelle Kurve mit der gleichen Schräglage zu fahren wie eine langsame Kurve? (gleichen Belag etc. mal vorausgesetzt).

Soll heißen, wenn in einer langsamen Kurve das Moped bis zum schrappen abgewinkelt werden kann, geht das exakt so in einer schnellen Kurve auch, oder verlässt mich da eher der Grip?

43 Antworten

muß mich hier mal grade einmischen...

es ist mitnichten so, daß die "weitere" Kurve mit gleicher Schräglage und höherer Geschwindigkeit so völlig gefahrlos zu befahren ist, wie hier dargestellt.

Folgende Ausgangssituation:

"enge" Kurve, niedrige Geschwindigkeit,Mopped auf den Rasten, Reifen an der Haftgrenze

Bei einer weiten Kurve läßt sich diesesMopped mit diesen Reifen bei sonst gleichen Bedingungen NICHT bis auf die Rasten abwinkeln. Die Erklärung liegt im Kamm'schen Kreis:

die Fahrwiderstände steigen mit der Geschwindigkeit quadratisch (oder war's kubisch?) an. Diesen Fahrwiderständen (Bremswirkung) muß - für eine konstante Geschwindigkeit - eine Beschleunigungskraft entgegenwirken. Diese "Beschleunigungskraft" wird über den Reifen übertragen und sorgt lediglich dafür, daß das Mopped nicht langsamer wird - dennoch ist diese Kraft vorhanden, bei hoher Geschwindigkeit ist sie um ein vielfaches höher als bei niedriger Geschwindigkeit. Diese Beschleunigungskraft reduziert die Fähigkeit des Reifens, Seitenführungskräfte zu übertragen, ergo wird die Haftgrenze bei höheren Geschwindigkeiten und weiteren Radien überschritten, wenn der Reifen bei kleineren Radien und niedrigerer Geschwindigkeit bereits am Limit war.

Um es vielleicht etwas deutlicher zu machen:

Hätte ein Motorrad beliebig viel Leistung, würde schon bei einfacher Geradeausfahrt der Hinterreifen bei einer bestimmten Geschwindigkeit (abhängig vom Reibwert) soviel Antriebskraft übertragen müssen, um den Luftwiderstand zu überwinden, daß der Reifen durchdrehen würde; nach dem gleichen Prinzip funktioniert ein Burn Out (da wird der (Luft-)widerstand durch die Vorderradbremse "ersetzt"😉

Jo, soweit die Theorie.... theoretisch kann eine Hummel auch nicht fliegen. Trotzdem tut Sie´s einfach ;-)
In der Praxis geht das dann eben doch, in Abhängigkeit der Reifenmischung, Strassenzustände, Gashand etc.
Ansonsten würde man mich (und einige Andere) jedes Wochenende im Strassengraben zusammenlesen müssen.

Grüße,
Jürgen

@JW3C

such Dir'n großen Platz, probier's aus

-> send pics!

Zitat:

Original geschrieben von ATJ


@JW3C

such Dir'n großen Platz, probier's aus

-> send pics!

Wieso Parkplatz ?!

Ich "probier´s" nun schon seit fast 20 Jahren..... !!

Und Du ?!

Deine Worte:
"Bei einer weiten Kurve läßt sich diesesMopped mit diesen Reifen bei sonst gleichen Bedingungen NICHT bis auf die Rasten abwinkeln. Die Erklärung liegt im Kamm'schen Kreis"

Das ist nun mal eben nicht so. Kamm´scher Kreis hin oder her ;-) Weil er da noch nicht an die Haftgrenze des Reifens gestossen ist. Und genau das wollte er ja eigentlich wissen.

Aus dem praktischen Motorradfahren gegriffen, sind das eigentlich zwei nicht zu vergleichende Fahrsituationen. Bei einer engen Kurve, ist der Lenkeinschlag größer, das heisst, das Krad will über das Vorderrad schieben (untersteuern).
Wenn hier die Haftgrenze überschritten wird dann fast immer nur vorne.
Bei einer schnell gefahrenen Kurve liegt das eher anders rum, und das Hinterrad muss den zusätzlichen Vorwärtstrieb auch noch "grippen". Wenn das eben zu viel wird, gibts die sogenannten Highsider. Das Hinterrad rutscht weg, kurz vom Gas weil erschrocken, Seitenführung wieder da, Bock stellt sich auf.... tschüüssss

Daher bin ich der Meinung, man kann das so nicht verallgemeinern. Die Kräfte wirken da nicht in der gleichen Art und Weisse, bzw Richtung. Im Gegenteil glaube ich sogar (und das jetzt nur rein Gefühlsmässig) das die Gefahr Gripp zu verlieren in einer schnell gefahrenen engen Kurve größer ist, als in der ultraschnellen Biege.

Grüße,
Jürgen

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besagt die Theorie nicht das wenn man EINE Kurve einmal mit 50km/h und einmal mit 100km/h durchfähr das dann die Fliehkräfte 4mal so hoch sind? Wenn ja läßt sich das doch überhaubt nicht auf das gegebene Problem anwende.

Denn, bei gleichbleibender schräglage aber höherer geschwindigkeit wird ja der Kurvenradius größer und die Fliehkräfte bleiben gleich.

Kann natürlich auch sein das ich da jetzt nen Denkfehler habe, aber letztenendes ist es Rossi und co auch egal bei welcher geschwindigkeit sie mitm Knie aufm Boden schleifen und sehr nah an der Haftgrenze des Reifens sind sie da immer, egal ob bei 50 in ner Engen oder bei 200 in ner weiten kurve.

Zitat:

Original geschrieben von Bollo16v


Du unterschätzt mich. 😁

Bollo

jo Bollo du alter Racer😉... jetzt spann uns hier nicht so auf die Folter sondern rück raus mit deinem Wissen😁

Schätz du hast wohl nicht nur deinen Golf übern Ring gejagt oder?😛

Servus.

Nun lasse ich mir die Ganze Theorie durch den Kopf gehen und versuche sie bewusst anzuwenden.....

...oder äh...

Lieber nicht.

Mal abgesehen von Lenkimpuls läuft die ganze Kurvenfahrerei "automatisch" ab. Der Popometer sollte präzise Informationen über Fahrstabilität und Haftgrenzen geben.

Es ist natürlich ganz lustig die Hintergründe zu durchleuchten. Will man das aber bewusst anwenden, wird da eine Eiertanz draus.

Ein Beispiel.

Viele Tipps aus dem Buch: "Die obere Hälfte des Motorrads"

Die fand ich zum Teil ganz toll. Ich kam aber zu dem Schluss daß ich gar nicht so perfekt Fahren will.

Irgendwie versaute es mir den ganzen Fahrspaß.

Ich gab mir Mühe die schlimmsten theoretischen Ausführungen zu vergessen und habe die Perfektion an den Nagel gehängt.

Seitdem "flutscht" es wieder. .

Gruß

Schraubär 42

schliesse mich Schraubbär absolut an....das was der Popometer zulässt ist die persönliche Schräglage😁

Grüße Andy

Re: Mike@Fuchs

Zitat:

Original geschrieben von Moerff


ja, genau das ist doch das was die anderen auch alle gesagt haben 😉

also nochmal gaaanz Offiziell:

Ja, du kannst mit hoher geschwindigkeit genauso schräg liegen, wie mit niedrigerer Geschwindigkeit!

Die schräglage ist zwar (je nach radius der kurve) geschwindigkeitsabhängig, aber wenn man langsam eine enge kurve fährt kann man genauso weit runter, wie in einer leichten kurve gaaaanz schnell 😉

feddisch

Meiner Meinung nach stimmt das so nicht. Die Schräglage bestimmt den Kurvenradius. Der Schlupf am Hinterrad bei hoher Geschwindigkeit verschiebt dieses Verhältnis zwar etwas.

Allerdings verringern sich dadurch die erwähnten Seitenführungskräfte.

Ich habe noch keinen Motorradfahrer gesehen. der bei 200 Sachen die Fußrasten schleifen ließ.

Auch Rossi hat in langsameren Kurven eine größere Schräglage als in schnellen.

Wieso hab ich gerade so das Gefühl, daß ihr gerade vor lauter Theorie das Fahren vergesst. :-)

@ Topic:

Ich würde mich an deiner Stelle einfach rantasten. Fahr nur so schnell wie du dich wohl fühlst, der Rest kommt dann von ganz alleine.

Ausserdem muss man meiner Meinung nach ja auch ned immer auf der letzten Rille fahren.

Gruss Frogger

So, vielleicht kann ich was zur Aufklärung des Themas beitragen:

Um eine Kurve fahren zu können, muss der Reifen eine Seitenkraft aufbauen. Da die Gewichtskraft des Motorrades gleichbleibt und die Schräglage einem bestimmten Verhältnis von Gewichts- zu Seitenkraft entspricht, heisst das, dass in zwei Kurven bei gleicher Schräglage die Reifen die gleichen Seitenkräfte übertragen müssen.

1.: Die Seitenkraft, die ein Reifen übertragen kann, ist über die Geschwindigkeit nicht konstant. Das heisst, dass, je schneller man fährt, der Reifen weniger Seitenkraft übertragen kann.

2.: Um bei höheren Geschwindigkeiten die Geschwindigkeit zu halten, muss der Hinterreifen eine höhere Kraft übertragen, wegen der gestiegenen Fahrwiderstände. Die Fahrwiderstände steigen mit dem Quadrat der Geschwindigkeit.

Das heisst also, dass - wenn die Reifenhaftung der begrenzende Faktor ist - eine enge Kurve mit größerer Schräglage durchfahren werden kann als eine weite Kurve.

Ist es jedoch so, dass nicht die Reifenhaftung die begrenzende Komponente ist, sondern das Motorrad (Fußraste schleift), so heisst das, dass die Reifen noch Reserven haben. Dann kann man eine weitere Kurve eventuell mit der gleichen Schräglage durchfahren wie eine enge Kurve. Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass immer noch das Motorrad und nicht die Reifenhaftung die beschränkende Komponente ist.

Also kommts auch aufs Motorrad drauf an. Während Du wahrscheinlich mit einem Chopper jede Kurve mit der gleichen Schräglage durchfahren kannst, weil immer die Fußraste zuerst aufgeht, wird das bei einer Supersportlerin oder einer Enduro eventuell nicht funktionieren.

Ich hoffe, ich hab bissl Klarheit in die Sache bringen können. Übrigens: Das gilt jetzt nur, wenn man seine Haltung auf dem Motorrad nicht verändert. Sich in die Kurve legen verändert die Schwerpunktslage und damit die Schräglage des Schwerpunktes und... naja... ihr wisst, was ich meine...

Gruß Markus

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