Ethanol und Frühzündung (für Theoretiker)
Bevor weiter andere Threads mit dem "Dauerbrenner": Vorverstellung des ZZP unter Ethanol; zugemüllt werden, möchte ich mal einen weiteren "Klugsch...-Thread" eröffnen.
Also, es herrschen ja die unterschiedlichsten Ansichten zu diesem Thema.
Die einen sind der Meinung, Frühzündung sei wünschenswert, um die höhere Oktanzahl voll nutzen zu können und somit eine Leistungssteigerung bzw. einen Minderverbrauch zu erreichen.
Andere vertreten die Ansicht, eine Verstellung des ZZP sei unnötig, da (bei korrekt eingestelltem Gemisch) die Zündung unter E85 der von Benzin entsprechen müsste.
Wieder andere (so auch ich) gehen davon aus, dass eine Vorverstellung des ZZP zwar gut ist, die "Selbstverstellung" moderner Motoren den Unterschied zwischen Benzin und E85 aber vollständig abdeckt, wieder von korrektem Gemisch ausgehend.
Was meint Ihr dazu?
Gibt es noch mehr Ansätze?
P.S.:
Ich glaube gern, dass Einzelne mit der Vorverstellung des ZZP, um x-Grad, gute Erfahrungen gemacht haben und ihr 19 Jahre altes Schätzchen danach besser lief.
Man sollte sich jedoch vor Augen halten, dass bei einem Fahrzeug mit X00.000Km noch zig andere Faktoren eine Rolle spielen:
Nachlassende Kompression, defekte Klopfsensoren, verstopfte/undichte/träge ES-Ventile,träge Lambdasonden,veränderte Steuerzeiten, leicht eingelaufene Nockenwellen etc.....
Beste Antwort im Thema
Hi!
Du hast zum Teil recht und gleichzeitig unrecht. So etwas gibt es, aber nicht überall. Generell wird es mit jedem neuen Schadstoffgrenzwert komplizierter, gerade auch im Kaltlauf. Das von mir eingestellte Feld findet zu jeder Start Temperatur einen festen, hinterlegten Wert, weil die Lambdasonde ja noch nicht arbeitet. Liegt es in der Mitte zwischen zwei Temperaturwerten der Kennfeldachse, bildet es aus zwei gefundenen Werten einen Mittelwert, der dann zur genaueren Einspritzdauerberechnung herangezogen wird. In diesem Fall wird am Ende auf 0,25 Millisekunden genau interpoliert, was unter anderem durch die 256 Einspritzzeiten vorgegeben ist.
Aber zurück zur Zündung.
Würden Zündkennfelder immer das Optimum für einen Lastzustand bedeuten, würde vermutlich bereits Euro 2 eine unüberwindliche Hürde darstellen.
Im Idealfall läuft der Motor immerhin in dem (hohen) Lastbereich, den der PKW während des Euroabgastestes nicht nutzt, optimal.
( Es gibt Fahrzeuge die im Vollastbereich durch Klappensteuerung sogar den Kat praktisch komplett umgehen! War zeitweise ganz legal.)
Der Grund liegt vor allem bei den Stickoxiden, die bei hoher Brennraumtemperatur, magerem Gemisch, hoher Verdichtung oder viel Vorzündung bevorzugt gebildet werden. Versauen die das Abgas, nimmt man auch den Zündzeitpunkt zurück.
Deshalb lässt sich im Chiptuning auch hier Drehmoment und letztendlich Verbrauch optimieren. Ein zugelassenes Fahrzeug hat eben viel geringere Grenzwerte zu erfüllen als das Testfahrzeug, das zur ABE Erteilung und Schadstoffnormeinstufung, einmalig im großen Euro-Abgastest den Fahrzyklus bestehen musste.
Wie eng es hier zugeht, kann man daran sehen, das einzelne Modelle nur mit speziellem reibungsminderndem Motoröl diese Tests bestehen!
Für unseren E85 Betrieb bedeutet das schlicht suboptimale Zündzeitpunkte bei Teillast, denn sie sind teilweise ja bereits für Benzin zu zahm.
Das gilt natürlich nicht für jede Motorsteuerung!
Ich kann das nicht oft genug sagen: Die Strategien sind unterschiedlich. Sinnlos einen Streit anzufangen, weil eine K-Jetronic anders arbeitet als eine 7er Motronic und ein Digifant wiederum anders trompetet.
Wo eine Bosch z.B. per Klopfsensor diverse Zündkennfelder auswählt, wird woanders nur ein Kennfeld abgeändert.
Ist die Änderung bleibend und wird für den weiteren Motorbetrieb längere Zeit gespeichert, zumindest für den nächsten Motorstart, spricht man von Adaption.
Ich vermute das man bei moderneren Fahrzeugen mit Breitbandlambda bei vielen Typen für den E85 Betrieb nur die Regelgrenzen erweitern müsste, so die Düsen mitspielen.
Diese Anlagen adaptieren oft auch im Vollastbereich. Kein Automobilhersteller kann sich bei den heutigen Literleistungen einen reinen, unkontrolierten Kennfeldbetrieb leisten. Geht die Sonde nicht mehr, schalten die Dinger auf Notlauf. Einige erkennen sogar einen zu hohen Abgasgegendruck, z.B. durch defekte Kats.
Ich bin mir sicher das diese Fahrzeuge in den Entwicklungsabteilungen gezielt gegen den E85 Betrieb eingestellt werden. Warum wohl, führt an dieser Stelle zu weit.
Warum der lange Text?
Generell kann man nicht über den Einzelparameter Zündzeitpunkt reden, ohne die gesamte Motorsteuerung in die Betrachtung mit einzubeziehen.
Man muss als anfangen auf der einen Seite modellspezifische Eigenarten auf generelle Anforderungen zu reduzieren, darf auf der anderen Seite aber auch nicht übertheoretisieren. Sonst landet man irgendwann im Labor, zündet in Glaszylindern aufs Mol genau abgemessene Gemische und meint mehr zu wissen als der Motortechniker.
Wie auch im Brennraum: Die Mischung macht´s!
Gruß!
47 Antworten
Zitat:
Original geschrieben von snooopy365
Gibt es die möglichkeit beim 1.8T CC jetzt auch noch am Zündzeitpunkt "zu spielen" ... (würde ja reichen einfach mal 5° mehr in den Ring zu schmießen übers ganze Band, das sollt ja locker noch passen.)
Dazu müßte man eine einfache Kiste ohne Klopfsensor auf den Prüfstand stellen, bei der man das Kennfeld komplett verschieben kann. Dann wäre die Frühzündungsgeschichte abgehakt - oder auch nicht.
5° sind übrigens meist noch in der Meß/Einstellungstoleranz - also quasi nix.
Also bei meinem Fahrzeug mit Digifant, 30% mehr Krafstoff ist bei stumpf 3° mehr Frühzündung spürbar mehr Leistung vorhanden. Höchstgeschwindigkeit ist auch ein wenig höher
Auto hatte leider einen Getriebe- und einen leichten Unfallschaden. Wenn alles wieder läuft werde ich mal die Leistung mit beidem messen.
3° würde ich mal eine homöopathische Dosis nennen. Allerdings habe ich festgestellt, daß sich das Laufverhalten in bestimmten Bereichen bei kleinen Verschiebungen quasi sprunghaft ändern kann. Nur war das weit außerhalb des "gesunden", also vorschriftsmäßigen ZZP - sondern um den OT, was also z.B. bei fehlerhafter Zündverstellung oder Grundeinstellung vorkommt.