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[Frage] Rost: Versiegelung ohne komplette Beseitigung? Theorie, und was wirklich hilft.

Themenstarteram 1. April 2013 um 0:29

Hallo Oldtimer-Fans,

zugegeben, mein Auto ist (noch *g*) kein Oldtimer. Ich Fahre einen W210, bekannt für Rostprobleme.

Mich beschäftigt dieses Thema nun schon länger, und man stößt immer wieder auf widersprüchliche Aussagen und Pauschalantworten zum Thema Rostbeseitigung und -eindämmung, ohne dass diese begründet werden können. Ich dachte, dass ihr mir vielleicht besser helfen könnt.

Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, und es ist für meine Frage auch mehr oder weniger irrelevant; jedoch hier der Link zum konkreten Problem, falls es jemanden Interessiert: http://www.motor-talk.de/.../...vieren-was-noch-sinnvoll-t4465457.html

Hier soll es sich nur um folgende Frage drehen:

Ist es möglich, rostende stellen zu versiegeln und am Weiterrosten zu hindern, ohne den Rost vollständig zu entfernen?

Beispiel: Türfalz durchgerostet. Angenommen Austausch/Einschweißen, usw. nicht möglich oder nicht gewünscht.

Jetzt habe ich mal gelernt, dass Rost nichts weiter als das Produkt eines simplen, chemischen Prozesses ist: Oxidation. Für diese Reaktion ist Sauerstoff von nöten. Ich behaupte daher nun einfach mal, dass es möglich ist, diese Reaktion zu unterbinden, wenn jegliche Sauerstoffzufuhr unterbunden wird. In der Theorie relativ simpel und schlüssig, doch wie sieht das in der Praxis aus?

Angenommen, der Falz wird von losem Rost befreit, und anschließend von allen Seiten versiegelt. Das heißt von außen mit entsprechendem Lack und von innen mit z.B. Korrosionsschutzfett.

Was passiert nun? Mein Verstand sagt mir: Kein Sauerstoff, kein weiteres rosten. Die Forenbeiträge sagen: Ohne jeglichen Rost zu entfernen kein Erfolg. Warum?

Bislang konnte mir niemand schlüssige Antworten liefern. Ist es einfach technisch nicht möglich, die stelle in dem Maße zu versiegeln? Spielen andere Faktoren eine Rolle, z.B. Restsauerstoff in der porösen Struktur des Rostes?

Ich bin für jegliche Antworten und Anregungen dankbar!

LG

Beste Antwort im Thema

Dass ausgerechnet SRAM ne Topfbürste zum "entrosten" empfiehlt stimmt mich schon stutzig. Blattrost wird entfernt, tieferer Rost wird angeschmolzen und verschmiert. Es entsteht eine dunkle, glänzende oberfläche, die vermeintlich Rostfrei aussieht, aber im grunde nur so vom Rost überzogen ist. Wirklich weg bekommt man Rost nur wenn man das befallene Blech raustrennt, gründlich Sandstrahlt, oder mit Säure behandelt.

Eine möglichkeit neben einölen/fetten ist das streichen mit Halböl. Das ist eine Mischung aus Leinölfirnis und Terpentinöl oder anderen Lösungsmitteln, die Rost gut durchdringt und anschließend durch oxidation aushärtet (Leinölfirniss bleibt trotzdem flexibel und reisst nicht)

Das Oxidieren entzieht dem Rost den noch enthaltenen Sauerstoff, und bremst damit das Weiterrosten.

Das ist übrigens auch teil der Problematik - Rost arbeitet erstmal weiter, auch wenn man ihn von frischem Sauerstoff aus der Atmosphäre trennt.

Ob das Rosten davon vollständig gestoppt wird, hängt davon ab wie stark die stelle verrostet ist, und wie gut das Öl den Rost durchdrungen hat..

Im grunde sind das alles aber nur krücken. Das beste ist nach wie vor, den Rost durch austausch des Blechs zu entfernen, und hinterher das Rostfreie blech mit Fett oder Öl vor dem erneuten Rosten zu schützen.

Gruß

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Zitat:

Original geschrieben von mixedfeelings

Hier soll es sich nur um folgende Frage drehen:

Ist es möglich, rostende stellen zu versiegeln und am Weiterrosten zu hindern, ohne den Rost vollständig zu entfernen?

Moin,

Radio Eriwan sagt: im Prinzip ja.

Versiegeln und am Weiterrosten hindern sind eventuell schon zwei verschiedene Themen. Daher auch die scheinbar widersprüchlichen Aussagen dazu.

Je nach Konstruktion lässt sich angerostete Substanz durch verschiedene Maßnahmen weiter erhalten. Der von Dir genannte Luftabschluss ist eigentlich nur durch Einbringen von Öl/Fett/Wachs zu erreichen, da die Vibrationen alle festen Versiegelungen rissig werden lassen. Feste, tragfähige und widerstandsfähige Versiegelungen wie Lack oder Spachtel gehen nur auf rostfreien Flächen, daher wird die radikale Entrostung dort empfohlen und es muss eine gute Substanz vorhanden sein.

Die auch schon von Dir genannten Einschlüsse von Sauerstoff in rostenden Teilen sind ein weiteres Argument dafür, so viel Rost wie möglich vor einer Behandlung zu entfernen.

Behandeln kann dann man mit Rostschutzmitteln wie etwa Mike Sanders oder Timemax 2000.

Zitat:

Original geschrieben von mixedfeelings

Beispiel: Türfalz durchgerostet. Angenommen Austausch/Einschweißen, usw. nicht möglich oder nicht gewünscht.

Das geht nicht mit Versiegeln. Dort wo keine Substanz mehr ist, hilft eine Nachbehandlung nicht. Wenn es um harmlose und nichttragende Stellen geht, bringt evtl. das Heraustrennen von Blechen mehr als das Nachbehandeln einer durchgerosteten Stelle. Wer nicht schweißen will oder kann, ist dort mit Reparatursätzen aus Glasfasermatten und Polyesterharz besser bedient. Auch hier gilt: je mehr Rost entfernt werden kann, desto besser.

Zur Frage des Sandstrahlens: kann eine Menge bringen, wenn das Strahlmittel stimmt. Ich benutze nur Quarzsand aus dem Baumarkt, da der schlackenfrei und sehr fein ist. Billiger Kompressor und billige Strahlpistole gehen, man braucht etwas mehr Geduld. Aber auch wieder nur da, wo genug Substanz ist.

Grüße, Ulfert

 

Themenstarteram 1. April 2013 um 12:31

Klasse erklärt, vielen Dank. Auch dafür, dass du dir noch die Zeit genommen hast meinen anderen Thread anzuschauen.

Nun leuchtet mir das Ganze schon mehr ein!

Bzgl. "Der von Dir genannte Luftabschluss ist eigentlich nur durch Einbringen von Öl/Fett/Wachs zu erreichen, da die Vibrationen alle festen Versiegelungen rissig werden lassen.":

Was hälst du von der Idee, Substanzen zu verwenden, die nach dem Aushärten eine gewisse Elastizität beibehalten? Ich weiß z.B. von Expoxidharzen, dass es bei diesen je nach Mischverhältnis und Härter der Fall ist. Das würde eine belastungsfähige Flache bringen, und trotzdem genügend Elastizität um Rissbildung o.Ä. zu unterbinden. Gibt es dazu schon Erfahrungswerte in der Szene? Oder mache ich einen Denkfehler?

Bzgl. des Sandstrahlens: Auch für diese Info danke ich. Meine letzten Versuche mit Bohrmaschinenaufsatz sind mehr oder weniger gescheitert, da der Rost stellenweise so eine große Härte aufwies, dass nichts 'runter ging. Der Dremel brachte da mehr Erfolg, ist allerdings auch fummelig.

LG

am 1. April 2013 um 12:51

Für Rostentfernung: Zopfdrahtbürste und Flex

--> http://www.arturus24.de/.../krt150203.jpg

 

Gruß SRAM

Zitat:

Original geschrieben von SRAM

Für Rostentfernung: Zopfdrahtbürste und Flex

--> http://www.arturus24.de/.../krt150203.jpg

Plus Handschuhe, Schutzbrille und eine feste Jacke. Die Drähte fliegen gerne mal rum und stecken dann irgendwo drin. Auch mal im Gesicht oder im Arm.

Zum Thema Epoxidharze: geht, aber nur nach vollständiger Rostentfernung. Sonst gammelt es darunter weiter.

Grüße, Ulfert

Themenstarteram 1. April 2013 um 14:42

Zitat:

Original geschrieben von Ulfert

Zum Thema Epoxidharze: geht, aber nur nach vollständiger Rostentfernung. Sonst gammelt es darunter weiter.

Na in dem Fall bringt es ja leider nichts. Die Idee war ja, die Sauerstoffzufuhr abzuschneiden. Ich dachte, dass durch die Elastizität keine Risse entstehen, und das Ganze so einen ähnlichen Schutz wie Fette/Wachse bietet.

Aber ich gehe mal einfach davon aus, dass es schon längst bekannt wäre, dass man so relativ kostengünstig Rostige stellen "einfrieren" kann. :-/

LG

Dass ausgerechnet SRAM ne Topfbürste zum "entrosten" empfiehlt stimmt mich schon stutzig. Blattrost wird entfernt, tieferer Rost wird angeschmolzen und verschmiert. Es entsteht eine dunkle, glänzende oberfläche, die vermeintlich Rostfrei aussieht, aber im grunde nur so vom Rost überzogen ist. Wirklich weg bekommt man Rost nur wenn man das befallene Blech raustrennt, gründlich Sandstrahlt, oder mit Säure behandelt.

Eine möglichkeit neben einölen/fetten ist das streichen mit Halböl. Das ist eine Mischung aus Leinölfirnis und Terpentinöl oder anderen Lösungsmitteln, die Rost gut durchdringt und anschließend durch oxidation aushärtet (Leinölfirniss bleibt trotzdem flexibel und reisst nicht)

Das Oxidieren entzieht dem Rost den noch enthaltenen Sauerstoff, und bremst damit das Weiterrosten.

Das ist übrigens auch teil der Problematik - Rost arbeitet erstmal weiter, auch wenn man ihn von frischem Sauerstoff aus der Atmosphäre trennt.

Ob das Rosten davon vollständig gestoppt wird, hängt davon ab wie stark die stelle verrostet ist, und wie gut das Öl den Rost durchdrungen hat..

Im grunde sind das alles aber nur krücken. Das beste ist nach wie vor, den Rost durch austausch des Blechs zu entfernen, und hinterher das Rostfreie blech mit Fett oder Öl vor dem erneuten Rosten zu schützen.

Gruß

Hallo mixedfeelings,

evtl. hilft dir ja dieser Thread ein bisschen weiter.

Ich habe an meinem '64er Mustang auf der Innenseite der hinteren linken Seitenwand (Kofferraum) eine fiese Roststelle, die im Grunde -damit es später sauber aussieht- das Abschleifen der gesamten Wand nach sich zieht. Da ich für diese Arbeit letztes Jahr bzw. bis jetzt noch keine Zeit hatte, habe ich diese Stelle auf Anraten eines Oldie-Restaurateurs großzügig und mehrmals mit Mike Sanders Fett behandelt.

Dies soll, wie du schon richtig erwähntest, der Stelle den Sauerstoff abschnüren und so zumindest das weiterrosten verhindern.

Über die Optik brauchen wir uns nicht streiten (so oft guckt man ja auch nicht in den Kofferraum ;) ), aber zumindest ist die Roststelle damit voererst entschärft worden.

Gruß

Daniel

am 1. April 2013 um 17:02

Zitat:

Plus Handschuhe, Schutzbrille und eine feste Jacke. Die Drähte fliegen gerne mal rum und stecken dann irgendwo drin. Auch mal im Gesicht oder im Arm.

Kann ich nur bestätigen: PSA ist Pflicht !

_____________________________

@Hacki81:

Die Empfehlung hat einen einfachen Hintergrund: Flex & die harte Bürste entfernen gnadenlos auch nicht mehr zu rettende Blechteile (deshalb auch die PSA).

Was stehen bleibt mit der Flex gerade schneiden, neues Blech rein (ich mach das immer stumpf), eben schleifen (Negerkeks), Rostumwandler (Komplexbildner, entweder EDTA oder Fertan), sauber waschen, Zinkchromat-Primer (stöhnt ruhig, ihr Umweltaffen!), dann außen Grundierung/Füller/Lack und innen Wachs oder Fett.

 

Gruß SRAM

Themenstarteram 1. April 2013 um 20:16

Schön, das alles mal von Experten zu hören. Das klingt für mich alles sehr schlüssig und fundiert.

Und für die, die es interessiert:

Ich habe mich dazu entschlossen, meinen Wagen gegen einen neuen auszutauschen. Genau der selbe. Wenn das klappt, habe ich nur noch 1 Roststelle am Kotflügel, und das für'n Appel und 'n Ei. Genau da kommen eure Tipps dann ins Spiel. Falls das Ganze nicht klappt, erst recht! :D

Cheers

Zitat:

Ich habe mich dazu entschlossen, meinen Wagen gegen einen neuen auszutauschen.

Konsequente Umsetzung des Konzepts "Der Rost muss weg" :D

 

Bei einem neuen, vermeintlich "Rostfreien" exemplar wäre es dann mal eine überlegung wert, die anfälligen Stellen und die Hohlräume mit Produkten à la Mike Sanders oder Fluid Film zu konservieren. :)

Themenstarteram 1. April 2013 um 20:35

Genau das dachte ich mir auch! Scheint ja nicht so kompliziert zu sein, dass man da eine mehrjährige Ausbildung benötigt. Man sagt mir nach, ich sei technisch begabt -- Irgendwas ist da sicherlich dran! Hoffe ich.. :D

am 1. April 2013 um 21:37

Zitat:

Konsequente Umsetzung des Konzepts "Der Rost muss weg"

Hacki81 hats voll getroffen :)

___________________

Umfassende Restauration lohnt sich eigentlich nie wirtschaftlich, immer nur ideell.

 

Gruß SRAM

Themenstarteram 1. April 2013 um 21:46

Zitat:

Umfassende Restauration lohnt sich eigentlich nie wirtschaftlich, immer nur ideell.

Diesen ideellen Wert möchte ich meinem W210 nichteinmal absprechen, aber in dem Fall halte ich es für Wahnwitz ein Auto zu restaurieren, welches ich in viel besserem Zustand quasi ohne wirkliche Investition neu beschaffen kann. :)

Und wie schon gesagt wurde: Darauf lässt sich ja auch aufbauen. Deutlich angenehmere Vorstellung, als dieser Kampf gegen Windmühlen, den so mancher W210-Besitzer mitmacht.

LG

Es gibt nicht DEN Rost als solches, sondern verschieden im Molekül sauerstoffreiche Eisenoxidsorten. Selbst wenn der Rost luftdicht abgeschlossen ist, rostet es weiter, weil zwischen den versch. Rostsorten ein Ausgleich stattfindet, auch zu unverosteten Eisenteilen unter der Schicht. Das dauert, aber es passiert und schon hebt sich die Schicht manchmal erst nach Jahren ab. Rost hat eben die Eigenschaft  volumenmässig und als solches sich auszudehnen.

Nur ein sog. passivieren der Rostschicht bringt da Erfolg. Oder abtragen bis zum blanken Blech.

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