• Online: 5.802

Was mich bewegt

Themen, die mich bewegen - mit Schwerpunkten und auch bunt gemischt

19.06.2020 19:45    |    notting    |    Kommentare (5)    |   Stichworte: 4 Knöpfe, Captur I, Keycard, Megane III, Renault, reparieren

Renault Keycard mit 4 Knöpfen, geöffnete Gehäuse. Oben das mit dem Messer geöffnete bei der Produktion verklebte Original-Gehäuse. Unten das Ersatz-Gehäuse aus dem Internet. Dessen Batteriedeckel ist nicht abgebildet.Renault Keycard mit 4 Knöpfen, geöffnete Gehäuse. Oben das mit dem Messer geöffnete bei der Produktion verklebte Original-Gehäuse. Unten das Ersatz-Gehäuse aus dem Internet. Dessen Batteriedeckel ist nicht abgebildet.

Hallo!

 

So ein Schlüssel und insb. seine enthaltene Elektronik macht in einem Autoleben viel mit. Mein hauptsächlich verwendeter Schlüssel ist nun >10 Jahre in sehr häufigem Gebrauch. Habe ihn wenn ich unterwegs bin immer in der Hosentasche zusammen mit Geldbeutel & Co. (in den letzten Monaten weniger wegen Corona). Wie bei jedem elektronischen Gerät brechen gerade wenn es immer wieder Stößen ausgesetzt ist gerne mal Lötstellen.

 

Dieser Blogartikel ist allen Besitzern eines Renault mit einer Keycard mit 4 Knöpfen wie die des Megane III gewidmet.

 

Bitte Modelle melden, die die gleiche Keycard haben, werde das hier reineditieren!

- Captur I

- Megane III

 

In meinem Fall ging an der Keycard noch alles, außer dass das Lenkrad bzw. der Motor nicht mehr freigegeben wurden und stattdessen eine Fehlermeldung kam. Bei meiner Ausstattungslinie kann ich den Motor nur mit Karte im Schlitz starten (kein handsfree).

Leider habe ich nur Anleitungen zum Vorgänger-Modell gefunden oder sie waren nicht vollständig genug. Deswegen schreibe ich nun eine.

 

Noch ein paar Hinweise:

- Sollte jemals in euren Schlüssel z. B. Wasser eindringen (damit meine ich auch insb. klebrige wasserbasierende Flüssigkeiten wie Fruchtsäfte und Limo/Cola): Sofort die jegliche Stromquellen entfernen! D.h. insb. die Batterie entfernen und auch nicht mehr über die Spule induktiv die Elektronik mit Spannung versorgen, d.h. die Keycard darf nicht im Schlitz sein!

Eine gute Anleitung dazu findet man z. B. unter https://de.ifixit.com/Wiki/Electronics_Water_Damage. Wie man das Gehäuse öffnet steht weiter unten.

Anmerkung: Wenn ihr die vorgesehene Art von Schlüsselbatterie drin habt, sollte da nicht soviel Spannung/Energie drin sein, sodass keine Stromschlag-/Brandgefahr besteht. Das mit der Stromschlag-Gefahr bezieht sich z. B. auf Geräte die an einem 230V-Netzteil hängen. Wenn‘s dumm läuft, sind diese so scheiße gebaut, dass man z. B. am USB-Kabel >100V anliegen. Oder der 230V-Teil wird über das Kabel mechanisch ins Wasser gerissen mit den entspr. Folgen. Brandgefahr bezieht sich auf Akkus mit etwas höheren Kapazitäten. Könnte sein, dass Smartphones inzw. auch darunterfallen. Bei Notebook-Akkus gab‘s schon vor ca. 20 Jahren z. B. wegen Produktionsfehler bei div. Modellen irgendwann ein nettes Tischfeuerwerk...

- Die verwendeten CR2032-Batterien kommen oft schon in zu schlechtem Zustand für die Keycards bei den Endkunden an. Habe vor Jahren gute Erfahrungen mit Panasonic CR2032 von Amazon gemacht. Ca. 10-20 Stk. Im zugeschnittenen Blister. Vorsichtig, scharfe Kanten an der Verpackung.

Und wenn man Schlüsselbatterien wechselt, sollte man das i.d.R. an beiden Schlüsseln gleichzeitig tun, damit der Zweitschlüssel nicht genau dann nicht geht, wenn man ihn am dringendsten braucht. Dieser Batterie-Typ wird übrigens u.a. auch in vielen Rechnern verwendet, damit die Uhr auch ohne Verbindung zu 230V bzw. zu einem Notebook-Akku weiterläuft.

 

Zurück zum Keycard-Problem. Diese Anleitung erst vollständig lesen bevor ihr irgendwas macht! (außer der o.g. Notfall-Prozedur wenn Flüssigkeit in den Schlüssel gekommen ist)

 

1. Test was noch geht und was nicht. Unbedingt auch den anderen Schlüssel testen! Allerdings sollte dieser im Zweifelsfall 10-20m Abstand vom Auto haben, sodass das Auto immer nur einen von beiden Schlüsseln in seiner Umgebung erkennt.

- Knöpfe gehen nicht: Batterie selbst und den Kontakt zur Elektronik prüfen, auch ob sie richtig herum eingelegt wurde. Die Batterie selbst kann man mit einem billigen Multimeter prüfen, was man in einen entspr. Spannungsmessbereich einstellt (CR2032 sollte max. ca. 3V haben). Evtl. meldet auch das Auto spätestens wenn man die Keycard in den Schlitz steckt, dass man die Schlüssel-Batterie tauschen sollte.

- Lenkrad und Motor werden auch dann nicht freigegeben, wenn die Keycard im Schlitz steckt. Es kommt eine Meldung, dass die Karte nicht erkannt wurde. Wenn trotz eingesteckter Karte weder diese Meldung noch eine Lenkrad-/Motor-Freigabe kommt, könnte auch das Hebelchen im Schlitz kaputt sein. Das ist aber ein anderes Thema.

 

2. Wenn man recht sicher ist, dass die Elektronik im Schlüssel Schuld ist: Vorsicht, das Gehäuse habe ich nicht ohne Zerstörung aufbekommen!

Deswegen würde ich zunächst ein Ersatzgehäuse bestellen. Z. B. bei Amazon.

- Muss genauso aussehen, insb. von den Knöpfen her. Das Renault-Logo auf der Rückseite ist irrelevant.

- Nicht mit den Schlüsselcovern (auch Hülle oder Tasche genannt, oft aus Silikon, aber nicht nur) verwechseln, die man um das eigentl. Schlüsselgehäuse macht. Das was ihr sucht enthält meist das Wort "Gehäuse" in der Produktbeschreibung und irgendwo bei den Produktbildern sieht man z. B. den Rohling für den mechanischen Notschlüssel. Steht aber nicht zwangsläufig irgendwo z. B. Megane III in der Beschreibung. Sollte ca. 10-15EUR kosten. Rede insb. nicht von Angeboten, wo der entspr. Schlitz zum Einbau ins Auto dabei ist. Im Zweifelsfalls den Händler kontaktieren und sagen, dass ihr einfach nur die nackte Elektronik aus eurem alten Schlüssel in ein neues Gehäuse einbauen müsst.

Meine ich hatte auch Angebote mit weiterem "Zubehör" gesehen wie z. B. einer passenden Batterie. Was ich von solchen Batterien halte habe ich oben bereits geschrieben.

- Wenn ihr das Ersatzteil habt: Rechnet nicht damit, dass es 100%ig passt. Bei meinem Original-Schlüssel, der bisher mein Zweitschlüssel war, habe ich 54,7mm Breite gemessen. Wenn man einen Original-Notschlüssel in das Gehäuse einsteckt was ich gekauft habe sieht man ggf. auch gleich insb. den Breitenunterschied.

Tipp für alle die nicht wissen wie man auf 1/10mm genau misst: https://de.wikipedia.org/wiki/Nonius.

Bemerkung: Z. B. habe ich bei meinem ersten Test mit Elektronik drin den Schlüssel nur ganz vorsichtig in den Schlitz geschoben. In dem Moment wo das Lenkrad und der Motor freigegeben waren, war die Keycard soweit drin und hatte sich gerade so verklemmt, dass ich sie nicht über den Notschlüssel rausziehen konnte (der auch nicht besonders gut hält). Dadurch hatte man erst recht kaum noch "Grip" um die Karte rauszubekommen. Hab sie nur mit sehr viel Mühe rausbekommen.

Habe zunächst mit groben Schleifpapier an der Seite etwas abgeschliffen. Immer wieder nachmessen bzw. vorsichtig aus probieren. Aufpassen dass ihr nicht schräg schleift und dass ihr nicht zuviel abtragt. Vorzugweise an der Seite schleifen wo nicht der seitliche Knopf vom mechanischen Notschlüssel ist. Bzw. um diesen herum am besten garnicht schleifen.

Checkt auch, ob ihr die Batterie gut rein und wieder rausbekommt. Und ob der mechanische Notschlüssel nicht so sehr wackelt, sodass er leicht rausgeht wenn man zieht und etwas wackelt. Bedenkt, dass man ohne den mechanischen Notschlüssel die Karte fast nicht rausbekommt. Ggf. z. B. an geeigneter Stelle eine Schnur durchfädeln.

Erwartet auch nicht, dass das neue Gehäuse so robust ist wie das alte. Würde das daher nur als Zweitschlüssel verwenden bzw. den ehemaligen Original-Zweitschlüssel zum Erstschlüssel machen.

Aber von der Form her muss es IMHO gut passen und vor allem nicht im Schlitz stecken bleiben. Ggf. den Händler über das Stichwort Minderung aus dem BGB etwas runterhandeln.

 

3. Wenn ihr das Ersatzgehäuse soweit für halbwegs brauchbar befunden habt:

Vorab-Hinweis: Die Elektronik könnte auf elektrostatische Entladungen (ESD) sehr allergisch reagieren, bis zum Tod. Das Mindeste ist, wenn ihr euch an einem Schutzkontakt entlädt. Das ist in den Schuko-Steckdosen dieser Bügel wo man sehr gut hinfassen kann. Darauf achten was für Schuhe, Kleidung usw. man verwendet. Bei Heizungen klappt das wegen Plastikrohren immer seltener.

Die Elektronik nur in ESD-Tüten oder notfalls in Papier verpacken (kein direkter Kontakt zu normalem Kunststoff!).

Batterie-Deckel und Batterie gemäß Handbuch entfernen. Die Original-Schlüssel sind furchtbar verklebt. Selbst mit mehrfachen Erwärmen mit dem Haartrockner (Karte in die Düse gesteckt!) habe ich ewig mit dem Messer gebraucht. Mit dem Messer so in den Schlitz rein, dass die Spitze zu dem "oben" zeigt wo die Knöpfe sind. In der anderen Richtung ist nicht Klebstoff, sondern nur ein Gehäuseteil aus einem Guss.

Vorsicht, mit dem Messer kann man leicht die Elektronik im inneren beschädigen! Im Zweifel jeden noch so kleinsten Brösel aufbewahren, auch wenn er <1mm ist. Es könnte ein komplettes elektronisches Bauteil sein, was man noch einlöten kann.

Um das Batteriefach herum ist es besonders schwierig mit dem Messer etwas zu erreichen.

 

4. Nach dem Öffnen des Gehäuses die Elektronik prüfen und ggf. reparieren.

Ich erinnere nochmal an den Vorab-Hinweis unter 3.!

Falls die Knöpfe vorher noch funktioniert haben, solltet ihr nun alle Knöpfe testen können, wenn ihr die Batterie richtig an die entspr. Kontakte haltet. Minus (die Seite wo _nicht_ "+" (Plus) drauf ist), ist Minus ("-") und gehört auf den runden Kontakt. Sollte man im anderen Schlüssel bzw. im Handbuch nachvollziehen können. Ggf. sind hier kompliziertere SMD-Lötarbeiten nötig (SMD = oberflächenmontierte Bauteile die meist sehr klein sein, weswegen sie schwierig zu löten sind).

In meinem Fall waren nur Lötstellen der Spule kaputt, die für die Wegfahrsperre (WFS) zuständig ist. An einer Stelle hat die Platine ein Loch, wo ein rundes schwarzes Bauteil drin sitzt, wo man von der Seite Kupferwindungen sieht. Das ist die Spule. Sie hat 3 Anschlüsse wo sie direkt auf der Platine aufgelötet ist. Mind. eine der Lötstellen war gebrochen. Lieber einfach zügig mit etwas frischem Lötzinn nachlöten als ewig schauen. Aber die Leiterbahn nicht verbrutzeln! Sollte aber sowieso jemand mit entspr. Löterfahrung machen.

 

5. Elektronik in das neue Gehäuse einbauen

Die Platine nun so einsetzen, dass die Taster in die Richtung des Gehäuseteils zeigen wo die Tasten drin sind. In meinem Fall hatte ich das Problem, dass ich die Platine nicht so einsetzen konnte, dass diese extrem kleine Plastiknase beim Batteriefach in das entspr. Loch der Platine reinging. Dadurch waren die Batterie-Kontakte auch nicht so platziert, dass sie Kontakt zur eingelegten Batterie hatten. Der seitl. Kontakt war wenige 1/10mm zu weit weg.

Der Steg beim mechanischen Notschlüssel war ein paar mm länger als nötig. Den habe ich dann vorsichtig so gekürzt, dass es gerade so passt.

Zumindest bei meinem Gehäuse-Modell scheint man das einfach ohne zu kleben zusammenstecken zu können.

Batterie einsetzen nicht vergessen ;-)

 

6. Elektronik-Abschlusstest

Die Funktionen aller Tasten und ob die Karte die Lenkrad und Motor freigibt testen. Aufpassen, dass die Karte nicht stecken bleibt, siehe 2. Ggf. Schlüssel nochmal etwas nachbearbeiten.

 

7. Notschlüssel

Wie gesagt, es sollte ein Notschlüssel-Rohling dabei sein. Es kann wie bereits angedeutet sein, dass der Original-Notschlüssel nicht passt. Dann hat man 2 Möglichkeiten: Entweder den Schlüsselbart in den Rohling vom Schlüsseldienst reinfräsen lassen (unbedingt gleich am Auto testen!) oder den Original-Notschlüssel so mitnehmen, z. B. an den selben Schlüsselbund machen. Oder in ein Täschchen am Schlüsselbund, insb. wenn dieser eine Steg so ausgebrochen ist, dass der Schlüssel ohne Karte dran nicht am Schlüsselbund hält.

 

HTH

Hat Dir der Artikel gefallen? 5 von 5 fanden den Artikel lesenswert.

23.06.2020 14:05    |    FlashbackFM

Bei so einer Anleitung gerade mit so fiesen Fallstricken wären ein paar mehr Bilder definitiv wertvoll.


23.06.2020 16:24    |    notting

Zitat:

@FlashbackFM schrieb am 23. Juni 2020 um 14:05:10 Uhr:

Bei so einer Anleitung gerade mit so fiesen Fallstricken wären ein paar mehr Bilder definitiv wertvoll.

Danke für dein Feedback. An was für Bilder denkst du konkret?

- Wenn man mit dem Messer an der Keycard rummacht um sie zu öffnen sieht man nicht viel. Außerdem habe ich währenddessen keine Hand frei zum Fotografieren. Bin schließl. kein Oktopus ;-)

- Wie ich bereits schrieb sieht man gebrochene Lötstellen generell nur sehr schwer, was auch bedeutet, dass sie schwer fotografierbar sind -> einfach nachlöten und gut. Wobei dran rumlöten sollte man nur mit genug Löterfahrung. So jemanden sollte die Anleitung völlig ausreichen.

- Die Ersatzgehäuse sind wohl alle etwas anders. Bzw. wenn z. B. was um 1/10mm nicht stimmt ist das schwierig sinnvoll zu fotografieren.

- Tasten testen: Was soll ich da fotografieren?!

 

notting


23.06.2020 17:39    |    Astra Twinport

Tolle Anleitung, damit kann nun wirklich Jeder seine Keycard reparieren.


23.06.2020 17:48    |    FlashbackFM

Zitat:

@notting schrieb am 23. Juni 2020 um 16:24:39 Uhr:

Zitat:

@FlashbackFM schrieb am 23. Juni 2020 um 14:05:10 Uhr:

Bei so einer Anleitung gerade mit so fiesen Fallstricken wären ein paar mehr Bilder definitiv wertvoll.

Danke für dein Feedback. An was für Bilder denkst du konkret?

Ich dachte tatsächlich an die Stellen, an denen das Gehäuse per Schleifen angepasst werden muss. Aber wenn die sich von Hersteller zu Hersteller unterscheiden, ist das tatsächlich nicht so hilfreich.


23.06.2020 18:52    |    notting

Zitat:

@FlashbackFM schrieb am 23. Juni 2020 um 17:48:50 Uhr:

Zitat:

@notting schrieb am 23. Juni 2020 um 16:24:39 Uhr:

 

Danke für dein Feedback. An was für Bilder denkst du konkret?

Ich dachte tatsächlich an die Stellen, an denen das Gehäuse per Schleifen angepasst werden muss. Aber wenn die sich von Hersteller zu Hersteller unterscheiden, ist das tatsächlich nicht so hilfreich.

Geschliffen habe ich in meinem Fall nur an den schmalen langen Außenseiten links und rechts. Wie gesagt aufpassen den Knopf zum Lösen des mech. Notschlüssels nicht anzuschleifen. Einfach zunächst grobes Schleifpapier nehmen, es z. B. auf einen flachen Tisch legen und Karte eben entspr. senkrecht darüber bewegen. Zum wieder glatt machen feineres Schleifpapier. Aufpassen, dass man nicht zuviel abschleift -> nachmessen bzw. ausprobieren, aber aufpassen dass die Karte nicht steckenbleibt (Notlösung mit Schnur die im Bereich der Schlüsselbatterie entspr. gelegt wird).

Innen habe ich noch mit dem Messer einen Steg etwas gekürzt, dass die Platine reinpasst.

 

Aber wie gesagt, diese Ersatzgehäuse sind sehr unterschiedl. da wohl alle nicht von Renault, sondern von Billig-Drittanbietern.

 

notting


Deine Antwort auf "Wie man eine Renault Keycard mit 4 Knöpfen repariert"