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15.02.2021 15:41    |    notting    |    Kommentare (13)    |   Stichworte: E-Auto, laden, Ladesäule, Untersuchung, Zusammenhang

Wie wird euer Nutzungsprofil (vermutlich) sein, wenn ihr ein BEV oder PHEV habt?

Logo Mehr Ladesäulen = mehr E-Autos?Logo Mehr Ladesäulen = mehr E-Autos?

Hallo!

 

Heute wurde eine Pressemitteilung zu einer Studie des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht. In dieser Studie geht es um die Frage, ob mehr Ladesäulen für mehr E-Autos sorgen. Mein Eindruck von der Studie ist, dass man sich bei den Ergebnissen zu sehr auf die Zahlen versteift hat, die man generiert hat. Dabei hat man IMHO wichtige Randbedingungen nicht genügend in Augenschein genommen. Deswegen möchte ich diese Studie bzw. die Pressemitteilung kommentieren.

 

Quellen:

Studie (Englisch) mit Inhaltsangabe (Deutsch): https://www.rwi-essen.de/publikationen/ruhr-economic-papers/1130/

Pressemitteilung mit deren Zusammenfassung der Ergebnisse auf Deutsch: https://www.rwi-essen.de/presse/mitteilung/429/

 

Was in der Pressemitteilung nicht steht, was aber für das Verständnis meiner Kommentare wichtig ist:

- So wie ich die Studie lese, geht es nur um öffentliche Ladepunkte. Die Daten der Ladepunkte stammen von der BNetzA, die meines Wissens keine Daten zu irgendwelchen privaten Lademöglichkeiten haben.

- Schnelllader ist alles mit >22kW, d.h. auch 43kW AC. Normallader ist alles mit <=22kW, d.h. auch z. B. 20kW DC (gibt’s stellenweise).

 

Nun zu den Aussagen aus der Pressemitteilung:

 

Zitat:

Ein Ausbau von herkömmlichen Ladepunkten um zehn Prozent führt zu einem Anstieg des Kaufs von E-Autos um 5,4 Prozent.

Habe in der Studie keine Stelle gefunden, wo die Kausalität hergeleitet wurde. Sehe nur offizielle Zahlen über BEV- und PHEV-Zulassungen und offizielle Zahlen über die Ladepunkte. Keine Umfrage unter den Käufern was die Kaufgründe waren. Kann ja sein, dass die Betreiber der Ladesäulen nur vermuten, dass das bald ein gewinnbringendes Geschäft ist (aktuell ist es das nicht wirklich, wird aber trotzdem massiv investiert), aber die Leute hauptsächlich z. B. aufgrund der gestiegenen Reichweiten bzw. besser gewordenen Preis-Leistungsverhältnisse der E-Autos eher sowas kaufen.

Mal ganz abgesehen davon geben sie später in der Pressemeldung zu, dass die Effekte regional sehr unterschiedlich sind.

 

Zitat:

Der Effekt von zusätzlichen Schnellladepunkten auf die Nachfrage nach E-Autos könnte sogar etwa viermal so groß sein, wobei dieser Wert mit einer höheren statistischen Unsicherheit verbunden ist.

Kann das durchaus nachvollziehen, auch wenn man das Thema Langstrecke mal ganz außen vor lässt. Die meisten werden keinen Bock haben jeden Tag an irgendeine öffentliche Ladesäule zu fahren. Man weiß nie ob die immer dann frei ist wenn man sie braucht usw. Folglich werden die meisten nur dann ein E-Auto kaufen, wenn sie entweder jeden Tag daheim sicher genug Strom laden können oder wenn die Reichweite für mehrere Tage reicht, sodass man ein Zeitfenster von ein paar Tagen hat, in dem der Akku nicht zu voll ist, aber auch noch nicht ganz leer ist, sodass man zeitsparend an einen Schnelllader kann und wenn dieser gerade belegt ist kein Problem bekommt, sondern es am nächsten Tag nochmal probieren kann. Aufgrund der allseits bekannten Auswirkungen von Angebot von Nachfrage ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die Ladetarife da wo man öfters ohnehin länger parkt teurer sein wird als anderswo. Nicht alle Ladesäulen-Anbieter werden an beliebten Roaming-fähigen günstigen Ladetarifen teilnehmen.

Das Netz an Schnellladepunkten ist aber natürlich aktuell dünner als das an Normalladepunkten. Man will aber zum Laden keine großen Umwege fahren. D.h. die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Normalladepunkt an seinen üblichen Routen hat, ist viel höher als dass es dort einen Schnellladepunkt gibt. Daher die große statistische Unsicherheit.

Schnelllader werden sich aber eher auch Konkurrenz machen bzw. einen Preisdruck auslösen, weil man gerade auf der Langstrecke eher an verschiedenen vorbeikommt und so eher die Möglichkeit hat einen günstigeren anzufahren. Wie gesagt, nicht alle Ladesäulen-Anbieter werden an beliebten Roaming-fähigen günstigen Ladetarifen teilnehmen.

 

Zitat:

Auch auf den Kauf von Hybridautos haben zusätzliche Ladepunkte einen positiven Einfluss. Allerdings ist der Effekt nur etwa halb so groß – vermutlich, weil Hybridautos auch mit herkömmlichem Treibstoff fahren können und daher weniger auf die Ladeinfrastruktur angewiesen sind als reine Elektrofahrzeuge.

Das ist sicher einer der Gründe. Aber kein Wort dazu, dass

- die meisten PHEV nur furchtbar langsam laden können (oft 3,6kW), sodass sich das Anschließen z. B. während eines kurzen Einkaufs kaum lohnt. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich wenn man doch öffentlich lädt nachvollziehbarerweise den Zorn der BEV-Fahrer auf sich ziehen kann, wenn nicht eines der PHEV wegfährt wenn alle anderen Ladesäulen dort gerade belegt sind.

- es oft nicht mal eine aufpreispflichtige Option gibt, die die Nutzung eines Schnellladepunkts richtig sinnvoll macht, d.h. IMHO mindestens 50kW Ladeleistung. Das liegt u.a. an den recht kleinen Akkus (wobei oft 11kW AC sinnvoll wären, aber es das überhaupt nicht als Option gibt). Aber selbst wenn es z. B. eine Option mit ca. 20kW DC-Ladung gibt, ist diese meist extrem teuer, während viele BEV die AC "nur" mit 11kW laden können meist sogar serienmäßig auch >=50kW DC-Ladung können (oder zumindest AC 22kW laden können, was man sehr häufig auch an innerörtlichen Ladesäulen ausnutzen kann).

 

Zitat:

Wie stark die Nachfrage nach E-Autos von der Ladeinfrastruktur abhängt, ist regional sehr verschieden: In dicht besiedelten Gebieten, etwa im Großraum München, im Rhein-Main- und im Ruhrgebiet, steigern Ladepunkte die Verbreitung von Elektrofahrzeugen deutlich mehr als in ländlichen Regionen. Auch in Gebieten mit hohen Kraftstoffpreisen sind die Effekte größer. Den Ausbau von Ladestationen regional gezielt zu subventionieren, könnte die Effektivität der Förderung daher stark verbessern.

Es wurde beispielsweise nicht erwähnt, dass gerade in dicht besiedelten Gebieten die Parkplätze auch um die Wohnungen knapp sind, weil man oft "legale Bestechungsgelder" annimmt, durch die ggf. sogar keine Stellplätze auf dem Grundstück vorhanden sein müssen. Das Geld wird aber nicht dazu verwendet vor dem Haus zusätzliche öffentliche Stellplätze zu schaffen. Zudem ist es gerade in Großstädten häufiger erlaubt das E-Auto länger an einer Ladesäule stehen zu lassen als man lädt, insb. über Nacht. Selbst wenn der Ladevorgang z. B. max. 2h dauern darf, ergibt dies für E-Autos eine bessere Parkplatz-Situation als für Verbrenner, auch weil häufig wegen der Ladesäulen ehemals öffentliche Parkplätze umgewidmet werden. Zudem kann man am E-Auto ggf. auch die Ladeleistung verringern, sodass es länger dauert, bis man wegen vollem Akku wegfahren muss.

In ländlicheren Gegenden hat man auch IMHO eher daheim einen festen Stellplatz, was eine wichtige Grundvoraussetzung für eine Lademöglichkeit daheim ist. Zudem ziehen dort die Leute IMHO seltener um, sodass eine Investition in eine eigene Lademöglichkeit von der finanziellen Seite her eher Sinn macht. Eine Lademöglichkeit zu Hause zu haben bedeutet aber auch, dass man weniger auf öffentliche Lademöglichkeiten angewiesen ist. Die braucht man erst, wenn man mal etwas weiter weg fährt - z. B. in die nächste größere Stadt...

 

Daher finde ich die Aussage

Zitat:

„Unsere Studie macht deutlich, dass die mangelnde Ladeinfrastruktur ein wesentlicher Grund für die schleppende Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland ist“, sagt RWI-Umweltökonom Colin Vance.

ziemlich unsinnig:

- Es wurde keine wirkliche Kausalität belegt.

- Es gibt aktuell Sondereffekte z. B. aufgrund der viel besseren Parkplatz-Situation für E-Autos in Großstädte.

- Da E-Autos immer schneller laden können und Ladesäulen innerorts sehr häufig für weniger öffentliche Parkplätze sorgen, oft auch z. B. für E-Autos die noch einen recht vollen Akku haben, wird das spätestens wenn es fast nur noch E-Auto gibt für Probleme sorgen.

 

Fazit: Nicht die Quantität (=Anzahl) der Ladesäulen/-punkte ist ein Problem, sondern die Qualität, womit ich insb. die Ladeleistung meine. Nächste Woche soll ein Hyundai vorgestellt werden, der in 18min von 10 auf 80% laden können und bis zu 550km WLTP-Reichweite haben soll. Selbst wenn der Preis von ca. 45kEUR und nur für den kleineren der beiden Akkus gilt, aber die Ladeleistung nur mit dem großen aufpreispflichtigen Akku erreicht wird (die genannte WLTP-Reichweite gilt auf jeden Fall nur für den großen Akku), ist das für ein BEV mit so einer Ladeleistung recht günstig.

Diese Entwicklung macht E-Autos attraktiver, weil wenn man nicht daheim laden kann z. B. als Laternenparker oder auch auf der Langstrecke das Auto vom "tanken" her fast wie einen Verbrenner nutzen kann. D.h. kaum Zeitverlust und es zudem weniger Probleme wegen durch Ladesäulen blockierte Parkplätze innerorts gibt (wie gesagt betrifft letzteres auch E-Autos mit zu vollem Akku oder wenn der Tarif dort zu teuer ist).

Wer daheim laden kann, kann das aber natürlich trotzdem weiterhin tun. Das dürfte auch zukünftig günstiger sein als öffentliche Ladesäulen.

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Ergänzung von notting am 16.02.2021 18:07

Interessante Zahlen aus Hamburg vom dortigen örtl. Ladesäulenanbieter: https://www.electrive.net/.../

 

Durchschnittl. Stromabsatz pro Ladevorgang vs. durchschn. Dauer in der der Stecker angeschlossen ist und die von mir berechnete durchschnittl. Ladeleistung:

AC: 13,3kWh / 5:03h / 2,6kW

DC: 19,6kWh / 0:42h / 28kW

Zitat:

Die am meisten belegte Ladestation verzeichnete 2020 durchschnittlich 8,4 Ladevorgänge pro Tag.

[...]

wobei bei den AC-Ladevorgängen die Übernachtladungen den Schnitt merklich in die Höhe treiben.

Kurz:

- DC-Ladesäulen sind besser, weil sie effizienter genutzt werden im Sinne von Stromabgabe, Faktor 10 zu AC-Ladesäulen!

- Man sieht an den AC-Zahlen, dass die AC-Ladesäulen in der Hauptsache als billige Parkplätze missbraucht werden. Fast alle heutigen BEV können über AC mind. 11kW. Einige können sogar 22kW, was die Ladesäulen dort wohl meist auch können. D.h. der Durchschnittsladevorgang wäre mit 11kW nach 1,2h abgeschlossen. Da muss man sich sehr "anstrengen" um den Schnitt auf <1/4 von 11kW zu bekommen :rolleyes:

 

notting

17.02.2021 10:15    |    BurkhardR

Irgendwie passt keine der vorgegebenen Antworten auf mein Profil.

 

Und der Hauptgrund, dass nicht mehr E-Autos zugelassen werden, ist das geringe Angebot, fehlende Fahrzeugklassen, und die noch immer ewigen Lieferzeiten von knapp einem Jahr.

 

Also ich lade, wenn ich daheim bin, daheim.

Wenn ich Langstrecken fahre, wenn nötig am Schnellader.

Am Ziel jedoch lade ich am AC-Lader, nebenbei beim Essen, beim Besichtigen, beim Einkaufen, Erledigen, wann immer nötig und möglich.

 

Die Zahlen verwundern kaum, die meisten E-Autos, die heute unterwegs sind, können nur 3,6 KW AC laden, mehr als 7,2 gibt es selbst heute noch nur gegen Aufpreis oder nur zusammen mit der größeren Batterie (z.B. Kona). Deshalb plädiere ich schon seit Jahren für 22KW AC Lader als Standard für alle Fahrzeuge oberhalb der Zwergfroschklasse, bei gleicher Stückzahl liegen die Mehrkosten der Komponenten bei maximal 20 €.


17.02.2021 10:21    |    BurkhardR

Klar geben DC-Säulen mehr Strom ab als AC-Säulen, Faktor 10. Sie kosten das Zwanzigfache. Was ist effizienter?


17.02.2021 12:29    |    Redirion

@BurkhardR Option 1 der Umfrage passt doch zu seinem Verhalten. Überwiegend Zuhause laden. Hab ich auch gewählt.

 

DC Laden dürfte immer effizienter sein, da man so den Wirkungsgrad des Gleichrichters im E-Auto umgeht. Der Gleichrichter für die DC-Säule dürfte wohl auf maximale Effizienz getrimmt sein. Da spielen Formfaktor und Gewicht nicht so eine Rolle wie im Auto.

 

Für Zuhause würde ich sagen, stellen 11kW das Optimum dar. Genehmigungsfrei und ein guter Mix aus Kosten und geringen Ladeverlusten.

 

Ich lasse mir von meinem Elektriker eine 22kW-Leitung in die Garage legen und habe dort dann eine Rote CEE 16A für 11kW und eine Blaue CEE 16A für 3,6kW.

 

Die beste Aktion der Regierung ist wohl die aktuelle Förderung der privaten Wallboxen. Ein Bekannter hat sich gleich zwei geholt, obwohl ein E-Auto nicht mal geplant ist. Ich gehe aber mal davon aus, dass das den "Wunsch" nach E-Auto steigern dürfte.


17.02.2021 18:10    |    notting

Zitat:

@BurkhardR schrieb am 17. Februar 2021 um 10:15:02 Uhr:

Die Zahlen verwundern kaum, die meisten E-Autos, die heute unterwegs sind, können nur 3,6 KW AC laden, mehr als 7,2 gibt es selbst heute noch nur gegen Aufpreis oder nur zusammen mit der größeren Batterie (z.B. Kona). Deshalb plädiere ich schon seit Jahren für 22KW AC Lader als Standard für alle Fahrzeuge oberhalb der Zwergfroschklasse, bei gleicher Stückzahl liegen die Mehrkosten der Komponenten bei maximal 20 €.

Den Kona gibt's wie du schon angedeutet hast inzw. mit 7,2kW (weiß bloß nicht ob 1- oder 2phasig).

Beim VW ID.3 gibt's aber dem mittleren Akku 11kW Serie, sonst 7,2kW 2phasig.

Den EQC gibt's seit Januar mit 11kW Serie.

Zoe und Twingo electric gab's nie mit <22kW.

 

Aber 3,6kW gibt's doch bei Neuwagen praktisch nur noch bei billigeren PHEV? Bei Mercedes gibt's IIRC immerhin 7,2kW gegen Aufpreis. Wer auch mit Sprit fahren kann soll wenn er schon eine öffentl. Ladesäule blockiert wenigstens zügig laden, damit er zügig wieder weg ist, damit der nächste laden kann, natürlich auch zügig.

 

notting


17.02.2021 18:26    |    notting

Zitat:

@BurkhardR schrieb am 17. Februar 2021 um 10:21:56 Uhr:

Klar geben DC-Säulen mehr Strom ab als AC-Säulen, Faktor 10. Sie kosten das Zwanzigfache. Was ist effizienter?

Es gibt immer mehr HPC, die 300-350kW können (bei 800V), auch innerorts. 300kW / 22kW = nicht ganz 14. Wenn man dann noch bedenkt, dass

- an AC-Ladesäulen eher nicht gleich bei Ende des Ladevorgangs weggefahren wird (->mehr Platzverschwendung)

- bei einer 300kW-Ladesäule das Lastmanagement komplett in der Ladesäule ist und nicht noch Datenverbindungen zwischen vielen Ladesäulen hergestellt werden müssen

- bei Ladesäulen 14 Fundamente mit Sicherheit mehr Arbeit machen (auch die Bewegung der Leute zur nächsten Ladesäule beachten) als ein etwas größeres Fundament weil der DC-Lader eine größere, aber sicher nicht 14x größere Grundfläche hat

- es keine AC-Ladesäulen mit 800V gibt (75% weniger Verluste im Ladekabel zzgl. die Energieersparnis weil deswegen weniger gekühlt werde muss!)

 

würde ich annehmen, dass der HPC sogar etwas besser dasteht _und_ für höhere Kundenzufriedenheit sorgt. Nicht immer will man ohnehin an so einem Ort länger verbleiben.

 

notting


24.02.2021 10:05    |    _RGTech

Zitat:

@BurkhardR schrieb am 17. Februar 2021 um 10:15:02 Uhr:

Also ich lade, wenn ich daheim bin, daheim.

Wenn ich Langstrecken fahre, wenn nötig am Schnellader.

Am Ziel jedoch lade ich am AC-Lader, nebenbei beim Essen, beim Besichtigen, beim Einkaufen, Erledigen, wann immer nötig und möglich.

So in der Richtung dürfte das bei den meisten laufen. Daheim ist die Ladedauer relativ egal, weil man abends ankommt und das Auto mindestens gut 6 Stunden Schlafdauer lang laden kann. Am Zielort, sofern das ein Fernziel ist (Tagesausflug, Urlaub, oder weiter entfernte Firma so dass es nicht bis nach Hause reicht) dürfte auch ein langsamer öffentlicher Lader reichen, dessen Stellplatz man eben nicht gleich wieder räumen muss (das ist meistens nicht besonders praktikabel!) wie beim Schnelllader. Der wiederum kommt zum Einsatz, wenn zwischen Start und Ziel mehr als eine Ladung benötigt wird, und ist an Fernstraßen (Autobahnen) sinnvoll platziert. Notfalls auch an Taxiständen, die dann allerdings nicht "in Reihe" gebaut sein sollten; oder für Vertreter/Dienstfahrten innerhalb eines kleineren Gebiets auch ein paar städtische Standorte.

 

Schnelladestationen lohnen sich m.E. nur dort, wo man wirklich schnell wieder weg muss/will. Wenn ich aber Laternenparker bin, will ich nicht abends heimkommen (oder in der Firma ankommen), Lader anschließen, und nach 2 Stunden* wieder raus und umparken. Was ich zwingend muss, weil sonst andere gar nicht zum Laden kommen. Ich sehe da also Quantität vor Qualität.

 

 

 

(Meiner Meinung nach sollte ja die Energiewende so gestaltet werden, dass die Subventionen für Strom an Großabnehmer verringert werden, so dass es sich dort - bei doch meist tagsüber betriebenen Maschinen und Beleuchtungen - eher lohnt, eine Solaranlage aufs Dach zu packen, die den Strom dort und dann erzeugt, wenn er gebraucht wird. Da kann der Überschuss dann auf Langsamlader ins firmeneigene Parkhaus oder auf den Parkplatz umgelegt werden - man tut den Mitarbeitern was Gutes und der Umwelt durch weniger Altkraftwerke auch: alle gewinnen. So verhindern wir auch die immer wieder orakelte Netzüberlastung, haben geringe Wege und Verluste, brauchen wenige Stromspeicher und die ganze Sache wird nicht ganz so kompliziert. Aber... es ist wie es immer ist, der kleine Bürger soll zuerst zahlen.)

 

* Meinetwegen auch 30 Minuten. Es nervt trotzdem.


24.02.2021 17:25    |    notting

Zitat:

@_RGTech schrieb am 24. Februar 2021 um 10:05:36 Uhr:

[...]

Schnelladestationen lohnen sich m.E. nur dort, wo man wirklich schnell wieder weg muss/will. Wenn ich aber Laternenparker bin, will ich nicht abends heimkommen (oder in der Firma ankommen), Lader anschließen, und nach 2 Stunden* wieder raus und umparken. Was ich zwingend muss, weil sonst andere gar nicht zum Laden kommen. Ich sehe da also Quantität vor Qualität.

Wer sagt, dass den Leuten der Tarif an der Laterne zusagt? Angebot und Nachfrage...

Bei HPC hätte man eher die Möglichkeit einfach einen anderen HPC zu nehmen, wo einem der Tarif eher zusagt. Die Roaming-Tarife werden IMHO nicht ewig so bleiben, dass es quasi überall gleichviel kostet (von der Unterscheidung z. B. zwischen AC und DC). Siehe z. B. dem Umgang mit Ionity bei den meisten Roaming-Tarifen.

 

Außerdem muss man nicht alles resourcenintensiv mit Ladesäulen zupflastern. Bzw. da du nie weißt, ob du beim nächsten Arbeitgeber (passiert oft unfreiwillig) auch laden kannst, werden sich die Leute ohnehin die Autos entspr. des Worst-Case kaufen müssen.

 

notting


25.02.2021 11:16    |    _RGTech

Ganz ehrlich, der Tarif wäre mir im täglichen Umgang zweitrangig. Genauso wie die Ladedauer.

 

Wenn ich z.B. zu Hause/in Firmennähe nur eine Station/Anbieter in der unmittelbaren Nähe habe, dann zahl ich eben was es kostet. Es wäre vollkommener Blödsinn, da eine günstigere Station in der weiteren Umgebung zu suchen und dann mit Bus/Taxi weiterzufahren. Und nachher wieder zurück, um dann das Auto heimzuholen. Nee... oder jeden Abend ne halbe bis Stunde in eine Kneipe (wenn es in der Nähe der Schnelladestation, die hoffentlich keinen großen Umweg bedeutet, überhaupt sowas gibt), bis ich vollgeladen weiterfahren kann, ist ja auch keine Option.

Wenn allerdings mehr Stationen vorhanden wären, dann könnte man sich das tatsächlich nach Preis aussuchen.

 

Logisch gehe ich wieder von mir aus - keine Wallbox, keine wirklich rentable Möglichkeit um in dieser Tiefgarage ohne exorbitanten Aufwand eine eingerichtet zu bekommen, keine Lademöglichkeit bei der Firma, und viel zu selten und ungern bei Aldidl am Einkaufen. Durch Zufall weiß ich, dass zwei Ladeparkplätze eine Straße weiter stehen. Wenn die nicht (wie ganz aktuell) einer besetzt und einer defekt sind, sind das natürlich die ersten die ich anfahre. Und wenn das nicht geht, die anderen, weiter entfernten. Da ist der Weg halt schon ein weiterer und das geht alles von meiner Zeit ab. Auch wenn ich, sagen wir, mit einem Cityroller hineile. (Und wie gesagt, bei mehr Stationen, die gerne auch langsam sind, wäre der Druck, rasch wieder wegzufahren, viel geringer und die Sache entspannter! Über Nacht das Auto an der Säule stehenlassen können oder wieder wegfahren zu müssen, ist einfach nicht dasselbe.)

Verorte meine Wohnung mal bei dem grünen Sternchen, ich denke das macht es etwas klarer. Die nächsten Säulen außerhalb des Bilds führen dann schon zu 2x halbstündigem Abendspaziergang. Die können dann meinetwegen auch umsonst sein, das wäre mir trotzdem zu blöd.

 

 

Bei längeren Strecken bzw. ohne Zeitdruck kann man natürlich wie früher mit Autobahntankstellen seine Route entsprechend planen, so dass man da nicht bei den Apotheken einkauft.

Und "Autos entsprechend Worst Case" ist genau das, was ich auf keinen Fall wollen würde, denn genau das führt zu diesen Riesen-Elektroklöpsen mit ewig unnötigem Gewicht oder den pseudogrünen PHEVs.


Bild

25.02.2021 11:42    |    notting

Zitat:

@_RGTech schrieb am 25. Februar 2021 um 11:16:34 Uhr:

Ganz ehrlich, der Tarif wäre mir im täglichen Umgang zweitrangig. Genauso wie die Ladedauer.

Lange Ladedauer = geringere Wahrscheinlichkeit, dass sie frei ist wenn man kommt, alternativ massive Resourcen-Verschwindung auch hinsichtl. von Parkplätzen für Leute, deren Akku noch zu voll ist als dass sie laden wollen.

 

Zitat:

Wenn ich z.B. zu Hause/in Firmennähe nur eine Station/Anbieter in der unmittelbaren Nähe habe, dann zahl ich eben was es kostet. Es wäre vollkommener Blödsinn, da eine günstigere Station in der weiteren Umgebung zu suchen und dann mit Bus/Taxi weiterzufahren.

[...]

Deswegen auch innerorts lieber mehr HPC.

 

notting


25.02.2021 12:51    |    _RGTech

Siehst du, da sind wir verschiedener Ansicht. Viele langsame Lader sind für mich komfortabler, weil man eben nicht mehr zurückmuss zum umparken. Du magst wenige schnelle lieber. Für mich stellt sich aber die Frage, was mach ich während der Ladezeit? Sitz ich da dumm im Auto rum? Das ist Käse. Laufe ich heim, stelle meine Tasche ab, und laufe direkt wieder retour? Auch Käse. Und der zweimalige Suchverkehr (erst eine freie Ladesäule und dann ein freier Abstellplatz) ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

 

Klar, ich hab meine Tiefgarage, und muss auf jeden Fall zurückdackeln, wenn ich's morgens trocken/schneefrei/warm/schnell haben will. Da wär's schon nice, wenn die nahe Säule auch frei ist, wenn ich sie brauche. Aber die Chance, dass die auch bei Hochgeschwindigkeitsladen von einem anderen über Nacht blockiert wird, ist da weiterhin gegeben - zumindest solange es nur zwei davon gibt. Wir leben halt nicht in einer idealen Welt.


25.02.2021 13:52    |    notting

Zitat:

@_RGTech schrieb am 25. Februar 2021 um 12:51:02 Uhr:

Siehst du, da sind wir verschiedener Ansicht. Viele langsame Lader sind für mich komfortabler, weil man eben nicht mehr zurückmuss zum umparken.

Wg. den nicht mal 20min die z. B. der Ioniq 5 für 10->80% braucht würdest du weglaufen?!

 

Zitat:

Du magst wenige schnelle lieber. Für mich stellt sich aber die Frage, was mach ich während der Ladezeit? Sitz ich da dumm im Auto rum? Das ist Käse. Laufe ich heim, stelle meine Tasche ab, und laufe direkt wieder retour? Auch Käse. Und der zweimalige Suchverkehr (erst eine freie Ladesäule und dann ein freier Abstellplatz) ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

Wenn man aber dem heutigen 08/15-Autofahrer erklären kann, dass 10->80% nicht viel länger dauert als tanken, was er eben regelm. muss (auch wenn die dabei gewonnene Reichweite vllt. niedriger ist), wird der Ladevorgang auch wenn man eben meist in der selben Zeit beim Laden nicht soviel Reichweite bekommt wie an der Tankstelle, nicht mehr so als großes Problem empfinden.

Außerdem tut >80% Ladezustand dem Akku eh nicht so gut.

 

Außerdem gibt's gaaaaaaaaaanz viele tolle Tipps von Hardcore-E-Mobilisten, wie man sogar stundenlang im Auto rumsitzen (wg. dem Laden) sinnvoll nutzen kann ;-)

 

Zitat:

Klar, ich hab meine Tiefgarage, und muss auf jeden Fall zurückdackeln, wenn ich's morgens trocken/schneefrei/warm/schnell haben will. Da wär's schon nice, wenn die nahe Säule auch frei ist, wenn ich sie brauche. Aber die Chance, dass die auch bei Hochgeschwindigkeitsladen von einem anderen über Nacht blockiert wird, ist da weiterhin gegeben - zumindest solange es nur zwei davon gibt. Wir leben halt nicht in einer idealen Welt.

Wenn der Ladevorgang aber ewig dauert ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Leute weglaufen und nicht pünktl. da sind, wenn das Auto voll ist. Bei ca. 20min bleiben die Leute eher dort und fahren dann gleich weg. Auch kann man die Motivation "erhöhen" zügig wegzufahren in dem zusätzl. zum Strom auch eine Art Parkgebühr erhoben wird, zumindest nach einer gewissen Zeit.

 

Drücke dir die Daumen, dass du in absehbarer Zeit zu vernünftigen Konditionen in "deiner" Tiefgarage laden kannst.

 

notting


01.03.2021 16:55    |    FWebe

Mir scheint, die Lösung für Leute ohne heimische Lademöglichkeit wären in dem Szenario Ladeleistungen, wie sie beim flüssigen Kraftstoff üblich sind. Dann steckt man das ganze auf ein Industriegelände, nennt es Tank- und Ladestation, braucht nur 5 Minuten für den kompletten Vorgang und hat die nächsten ~500km (bei 130 km/ h) Ruhe und zusätzlich ~100 km Reservekapazität.

In dem Szenario sprechen wir natürlich von Akkus mit ~150 kWh für alle PKW-Klassen, welche eine Ladeleistung von wenigstens ~1,8 MW vertragen können müssen und zudem von einer Ladeinfrastruktur, die solche Ladeleistungen an mehreren Ladesäulen gleichzeitig liefern kann. In dem Fall wäre der Ladevorgang dann vergleichbar mit einem Tankvorgang beim Verbrenner.

 

Interessant finde ich bei dem ganzen Thema übrigens den Wandel der Einstellung zum Thema Laden. Früher hieß es immer, dass niemand große Reichweiten und hohe Ladeleistungen braucht, während man sich inzwischen damit überschlägt, wer die größeren Zahlen bietet.


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