Die Chinesen kommen! - Auch auf den BEV-Markt in Deutschland : Was mich bewegt
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20.11.2022 19:40    |    notting    |    Kommentare (9)    |   Stichworte: China, E-Auto, Marke

Würdet ihr Autos chinesischer Marken kaufen, z. B. Aiways, BYD, Geely, Nio, SAIC (u.a. MG) & Co.?

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Hallo!

 

Diese Woche gab’s auf Heise eine Meldung über eine Umfrage, wie interessant die Leute in Deutschland chinesische Autos finden. Schauen wir uns das an.

 

Hier der Link: https://www.heise.de/.../...chinesische-Autos-in-Betracht-7342648.html

Zunächst einmal finde ich die Meldung seltsam. In der Überschrift bzw. Einleitung geht’s um alle chinesischen Marken. Aber direkt nach der Einleitung geht’s plötzlich nur noch um chinesische Premium-Marken? :confused:

Möchte das aber zum Anlass nehmen, generell über chinesische Autos die mehr und mehr in Deutschland verkauft werden zu sprechen. Bevor ich damit anfange, möchte ein paar Jahrzehnte zurückschauen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass asiatische Marken beginnen ihre Autos in Deutschland offiziell anzubieten und dass in China produzierte Produkte in Deutschland verkauft werden.

 

Eine kleine Rückschau abseits chinesischer Autos

  • Die japanische Marke Toyota beginnt in den 1970er Jahren in Deutschland Autos zu verkaufen, kurz vor der Ölkrise. Wer in den 1990er-Jahren z. B. TV gekuckt hat, wird garantiert noch die Affen aus der groß angelegten Werbekampagne mit dem Werbespruch „Nichts ist unmöglich - Toyota“ kennen. Spätestens dadurch kannte IMHO so ziemlich jeder in Deutschland Toyota. (Ein Teil der Infos hier habe ich von https://www.toyota.de/.../toyota-historie)
  • Der koreanische Hersteller Kia verkauft seit 1994 Autos in Europa (Quelle: https://der-autotester.de/.../)
  • Ich persönlich beschäftige mich seit Anfang der 1990er-Jahre mit Computern und schraube seit beginnt auch an Computern herum (dank der Hilfe meines Vaters, der beruflich TV repariert hat und deswegen weiß auf was man achten muss, wenn man an Elektronik arbeitet). Und schon damals stand u.a. auf vielen Mainboards, Netzteilen und Steckkarten „Made in China“ bzw. was mit „R.O.C.“ (Republic of China, also Republik China).
  • Seit einigen Jahren wird es für Privatleute immer üblicher auf der auf Deutschland ausgerichteten Unterseite von Alibaba z. B. billige Elektronik zum Basteln direkt in China zu bestellen.
  • 2018 hat TikTok einen US-Dienst mit ähnl. Funktionen aufgekauft. Dieser US-Dienst war in Deutschland IMHO eher wenig bekannt, wobei es aber IIRC auch deutsche Influencer gibt, die dort angefangen haben. Mit der Übernahme wurde TikTok nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen westlichen Ländern immer bekannter.

 

D.h. asiatische und insb. auch chinesische Produkte werden schon lange in Deutschland verkauft. Und wahrscheinlich haben damals noch mehr Leute noch mehr Vorbehalte gehabt, z. B. diese asiatischen Autos zu kaufen. Inzw. wird es immer üblicher direkt in China zu bestellen, auch ohne die Beteiligung von Amazon. Natürlich gibt’s auch viel asiatischen Ramsch, aber auch gute Produkte, insb. wenn sie nach Vorgaben europäischer und amerikanischer Firmen hergestellt werden.

 

Warum werden nun in Deutschland immer stärker Autos chinesischer Marken angeboten bzw. verkauft?

Einige erinnern sich vielleicht noch z. B. an das Jahr 2005, als der Landwind X6, der vom Aussehen her als Kopie eines älteren Opel-Modells betrachtet wurde (und damals auch nicht der einzige derartige Fall war), beim Crashtest heftig durchgefallen ist: https://de.motor1.com/.../

Es gibt aber auch Artikel z. B. von 2017, wo chinesisches Automarken „mittlerweile als ernste Konkurrenz gehandelt [werden]“: https://www.wiwo.de/.../19693724.html

Damals war aber noch nicht ganz soviel mit BEV. Aber es zeigt, dass China eben schon damals eine ordentliche Lernkurve an den Tag gelegt hat.

Außerdem sind BEV immernoch ein recht neues Feld, wo div. "Ecken" noch nicht so richtig besetzt sind. In diesen Bereichen tun sich Neulinge natürlich leichter, wenn es dort noch keine etablierte Konkurrenz gibt.

 

Muss aber zugeben, dass ich auch 2017 mit „echten“ chinesische Automarken bzgl. einer möglichen Autokauf-Entscheidung noch nicht so richtig auf dem Schirm hatte, auch wegen der Erinnerung an 2005.

 

Ja, z. B. hatte Geely 2010 Volvo gekauft. Hatte damals aber mit Volvo nicht viel zutun und aus meinem Blickwinkel hatte sich dort nicht viel verändert, die Autos sahen immernoch sehr europäisch aus. Auch als ich Anfang 2019 das erste Mal im Internet den Polestar 2 gesehen habe. Hab mich dann aber mal mit der Plattform beschäftigt, auf die er aufbaut. Die ist von Geely. Fand die Daten nicht so schlecht, insb. die Anhängelast. Und noch mehr, als die Single-Motor-Varianten kamen, wo nicht wie bei div. anderen Marken wo BEV mit >750kg Anhängelast nur in der Kombination SUV und AWD erhältlich sind, auch nicht bei den teuersten Limousinen (z. B. Mercedes).

 

Da ich ein Auto suche was ungefähr 4,3m lang ist (eher etwas mehr), sieht meine engere Auswahl vor un-/gebremster Anhängelast (mehr als 750kg hab ich noch nie gesehen) und Position der Ladebuchse so aus:

  • VW ID.3: 0kg
  • Renault Megane E-Tech: 750/900kg
  • Hyundai Kona bzw. Kia Niro EV: 300/750kg
  • MG4: 500kg
  • Mercedes EQA 250(+): 750kg
  • Smart #1: 750kg/1,6t
  • Polestar 2 auch LRSM: 750kg/1,5t (allerdings etwas länger)
  • VW ID.4: 750kg/1,2t (allerdings etwas länger und breiter)

 

Der ID.3 ist eben wegen der Anhängelast rausgeflogen. Der Megane wegen der für eine schmale Garage max. bescheuert positionierten Ladebuchse. Wie z. B. auch der noch größere Aiways U5/U6 (ebenfalls chinesisch) laden Kona/Niro EV und der MG4 (SAIC-Konzern, also auch chinesisch) relativ langsam für heute Verhältnisse, auch im Verhältnis zu ihrem Verbrauch. Die Anhängelast des MG4 ist immerhin ansatzweise brauchbar und angeblich soll’s den auch noch mit größerem Akku geben.

Der Mercedes EQA (und übrigens auch die EQS Limousine) kann nur 750kg, auch gebremst.

Der Smart #1 (Joint-Venture von Geely mit Mercedes) ist aber definitiv in meiner engsten Auswahl. Und das nicht nur, weil man hoffentlich auch zukünftig das gute Netz von Mercedes-Werkstätten nutzen kann. Bei MG ist die nächste Vertragswerkstatt weiter weg, aber immerhin näher als bei Tesla. Nebenbei: Aiways hat in Deutschland ATU als Werkstatt- und Euronics als Verkaufspartner.

 

Tests aktueller chinesischer Autos

Auch bei den (auch Crash-)Tests sieht es inzwischen viel besser aus. U.a. haben beim ADAC der Aiways U5 und der MG ZS EV recht gut abgeschnitten. Und Polestar 1 und 2 sowieso. Der Smart #1 wurde noch nicht vom ADAC getestet, weil noch nicht offiziell verfügbar.

 

Angeworbene westliche hochrangige Mitarbeiter

Daneben gibt’s noch Marken, die die etablierten Premium-Marken angreifen wie BYD und Nio. Dazu wurden z. T. auch hochrangige Mitarbeiter deutscher Automobil-Konzerne angeworben (von 2017: https://www.gq-magazin.de/.../...-der-e-auto-hersteller-nio-will-tesla). Auch unbekanntere chinesische Automobil-Firmen haben das schon gemacht (z. B. von 2016: https://www.manager-magazin.de/.../...ickler-von-bmw-ab-a-1088240.html).

 

Warum machen die das?

Es ist schon länger bekannt, dass China seine Macht massiv ausbauen will, nicht nur mit Infrastruktur- und finanziellem Engagement in Afrika, um sich dort die Märkte zu sichern. Sondern auch Anteile an europäischen Häfen.

Das große Ganze wird z. B. in https://www.youtube.com/watch?v=u1yUxpC0xgs gut erklärt.

 

Fazit

Bitte nicht falsch verstehen. Für dt. Premium-Hersteller ist China auch ein sehr wichtiger Markt und solche Dinge beruhen auf Gegenseitigkeit, also beide Seiten können von Handel miteinander durchaus Vorteile haben. Allerdings sind diese Pläne für das große Ganze schon länger bekannt. Dem sollte man sich bewusst sein. Bei billiger russischer Energie hat man sehr lange gewartet. Z. B. hat man nicht wirklich bei der Krim-Annektion eingegriffen. Aber Anfang 2022 hat man mit voller Wucht gespürt, wie sehr wir von Russland als Energielieferant abhängig sind.

Und wer jetzt Angst hat vor chinesischer Spionage, Manipulation, Datenmissbrauch & Co. des eigenen Autos: Die USA (z. B. Tesla) sind diesbzgl. auch nicht wirklich besser, gerade was die Rechte von Leuten außerhalb der USA angeht. Und auch in der EU wird immernoch an einer sehr grundrechteinschränkenden Datenvorratsspeicherung gearbeitet, obwohl diese Politiker zu recht schon mehrere große Dämpfer bekommen haben.

Jeder muss das für sich selbst entscheiden, ob er ein chinesisches Auto will oder nicht.

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20.11.2022 21:43    |    kartoffel911

Fahre einen Polestar. Davor Mercedes (GLC) und BMW (div. 3er). Ich sag‘s mal so, das Nokia Handy war sehr gut. Heute bleibe ich aber lieber beim iPhone. Auch wenn‘s Made in China ist ;-)

21.11.2022 10:49    |    Dr. Shiwago

Was Computer, Smartphone usw. betrifft, die kommen ja schon fast zu 100% aus China. Und wenn nicht, bestehen sie aus chinesischen Bauteilen. Langfristig wird sich das bei den Elektroautos ähnlich entwickeln. Auch die europäischen Marken, werden immer mehr Made in China sein. Während die europäischen Marken um die Gunst der chinesischen Kunden buhlen, indem sie ihr Design dem chinesischen Geschmack anpassen, und hoffen, dass die europäischen Kunden das schon schlucken werden, gehen die Chinesen den umgekehrten Weg: Sie passen ihr Modellprogram den europäischen Wünschen an. Zum Beispiel der erste elektrische Kombi kommt aus China. Oder der MG4 hat das Potential um zum "elektrischen Golf" zu werden. Sogar einen elektrischen Käfer gibt es. Der chinesische Hersteller hat das Käferdesign zum Patent angemeldet. Da wird VW Probleme bekommen, mit einem elektrischen Beetle-Nachfolger.

Gegen die koreanische und japanische Autoindustrie hat sich die Europäische noch relativ gut behaupten können. Von der Chinesischen drohen sie überrannt zu werden. Bei Mercedes und Volvo sind sie schon heute der größte Anteilseigner. VW scheint begriffen zu haben, wo die Reise hingeht, ihr neues in Wolfsburg geplantes Autowerk haben sie gerade gecancelt. Gleichzeitig planen sie Modelle aus dem riesigen chinesischen Modellprogramm auch in Europa zu verkaufen. Auch Smarts, einige Volvos, BMWs und Minis kommen schon oder kommen demnächst aus China zu uns.

21.11.2022 12:53    |    Gravitar

Klar kommen chinesische Fahrzeuge in Betracht, wenn die Europäer nicht in der Lage sind, vernünftige Qualität zu angemessenem Preis anzubieten. Die Fahrzeuge unter 20.000Euro sind ja schon Mangelware und zahlreiche Europäer, allen voran MB wollen ja nur noch den schrumpfenden Luxusmarkt bedienen. Sollen sie doch und miterleben, wie ihr Stern immer weiter sinkt und andere Teile dieser Welt den Bedarf decken, den sie leichtfertig nicht mehr bedienen wollen, weil er zu renditeschwach erscheint. Die Zukunft wird für viele nicht üppiger werden und wenn man sich mit 10 Premiummarken einen schrumpfenden Markt aufteilen will, so soll man darauf gefasst sein, dass es schief gehen kann. Letztlich wollen ja alle Hersteller am besten nur noch im renditestarken Segment unterwegs sein. Ich kaufe diese etwas besseren aber viel teureren Karren jedenfalls nicht mehr, obwohl ich es könnte und sollte Snobismus zum Kernmarketing der selbsternannten Premiumhersteller gehören, so dürfen gerne andere sich über deren Produkte aufwerten. Klappt ja bei iShit auch ganz gut. Ich bin da raus....

 

 

Gruß

 

Gravitar

22.11.2022 17:03    |    Lewellyn

Ich bin den MG ZS EV und den Aiways U5 Probe gefahren.

 

Der MG fühlte sich nicht gut an. Ich könnte nicht mal im Detail sagen, was mich an ihm gestört hat, aber ich hab mich nicht wohl gefühlt in ihm. Die Sitze matschig im Sitzgefühl, die Lenkung gefühllos, die Effizienz solala.

 

Das war im U5 schon besser, aber die Effizienz war mau, der Akku dafür zu klein und die Reichweite daher für ein Familienauto zu klein. Wenn man damit auf die Autobahn geht und sich mit 120 begnügt, muss man realistisch alle 200km an die Lade. Die Software war noch unfertig. Es ist uns (Verkäufer ist mitgefahren) nicht gelungen, das DAB Radio zu starten.

 

Mein größtes Problem ist aber der chinesische Staat. Ich will Xi nicht mehr finanzieren als unbedingt nötig. Da greife ich lieber zum Koreaner.

22.11.2022 17:50    |    9000H

Ich hätte gern den Li One.

23.11.2022 09:27    |    Dennyboy89

Ich habe einen MG4 bestellt, den ich (hoffentlich) dieses Jahrt noch bekomme.

Die Probefahrt war ok:

Er "fühlt" sich wertig an, riecht nicht komisch, in der LUXURY Ausstattung hat er ein paar nette features, 11kW Lader, recht hohe Reichweite and abzüglich der Prämie knappe 30.000€

Über das Design lässt sich streiten, aber an und für sich hat er mich überzeugt.

Ich werde mal berichten, sobald ich ihn erhalten habe.

Im Moment versuche ich noch herauszufinden, wie genau die V2X umgesetzt haben.

Es gibt einen Adapter mit dem man eine 230V Steckdose am Fahrzeug betreiben kann.

Meine Anfrage bei MG, ob das nur eine "dumme" Steckdose ist, mit der vehicle-to-device umgesetzt wird, oder ob er ggf. sogar bidi-Laden unterstützt, blieb unbeantwortet mit der Aussage: "Darüber haben wir noch keine Informationen". (Ich frage mich, wer denn sonst, wenn nicht MG selber?!)

Wäre jedenfalls wichtig für die Kaufentscheidung der Wallbox, ob das Fahrzeug bidi-Laden kann und wenn ja, nach ISO, oder über value added services. - Leider auch hier keine Rückmeldung von MG.

23.11.2022 15:45    |    Lewellyn

Die V2X-Buchsen können nur Strom abgeben. Ganz "dumm" sind sie nicht, sie funktionieren z.B. nicht, wenn das Fahrzeug lädt.

 

Bidirektionales Laden funktioniert nur über die Hauptladebuchse. Wenn es denn funktioniert. Bisher bei CCS gar nicht, bei Chademo mit einer sündteuren Wallbox.

 

Kommt aber bei CCS. Demnächst. Irgendwann...

24.11.2022 01:30    |    Swissbob

29.11.2022 20:47    |    SMaexxle

@Swissbob, der kann es ja optisch mit Putins

Auris aufnehmen….

Aber die Chinesen werden kommen, da bin ich

felsenfest überzeugt, vor allem im Massenmarkt,

wo sich unsere Deutschen mit ihren lächerlich

hohen Preisen, kurzen Garantiezeiten usw.

langsam aber sicher vom Acker machen.

Mir persönlich ist es mittlerweile wurschd,

woher so ein Auto kommt, für mich zählt das

was ich für mein Geld bekomme, und so wird

es bei der hohen Inflation und sinkender

Kaufkraft bei breiten Bevölkerungsschichten

vielen gehen….

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